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Von Ihr und Ihm

Rudolf Presber: Von Ihr und Ihm - Kapitel 12
Quellenangabe
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typenarrative
authorRudolf Presber
titleVon Ihr und Ihm
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
printrunSiebente Auflage
year1913
firstpub1912
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20120410
modified20161220
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Die Sommernacht

Auf der Terrasse einer Villa im Grunewald. Wilder Wein fällt in schweren Ranken von den Holzträgern der Bedachung. Ein heißer Sommertag ist schlafen gegangen. Ein leichter Ostwind treibt eine sanfte Kühle von den reichlich gesprengten Büschen und Beeten her. Zwischen dem wunderzarten japanischen Silhouettenschmuck der Fichtenkronen glitzern, wie goldene Nägel, die Sterne des Großen Bären. In tiefem Orange steht der Halbmond über dem zierlichen Biedermeierbau der Nachbarvilla. Vom Rasen leuchten ein paar tropfenschwere weiße Rosen herüber. Auf der nicht sichtbaren Straße, hinter Hecke und Zaun, singen heimkehrende Spaziergänger ein Volkslied, das plötzlich abbricht. Man hört noch eine Weile ferner und ferner ihre taktmäßigen Schritte.

Er (alter, soignierter Herr, sorgfältigst nach einer Mode gekleidet, die vielleicht nächstens wieder modern sein wird, eine goldene Brille vor den blauen, ein wenig umflorten Greisenaugen, stellt das Glas auf das japanische Lacktischchen und macht Anstalten, sich aus den Libertykissen des bequemen Korbsessels zu erheben): Ich glaube, meine Liebe, es wird Zeit für mich. Darf Ihr Diener mir wieder ein Auto hertelephonieren?

Sie (vornehme alte Dame, ein Spitzenhäubchen auf dem schneeweißen, schlicht gescheitelten Kopf nach dem Geschmack jener Tage, da sie jung war. Ihrem Gesicht, das Güte und Schalkheit spiegelt, sieht man an, daß sie einmal sehr schön gewesen sein muß, als ihre Taille zierlicher, ihre Haut glatter, ihre noch immer edel geformte Hand sicherer war): Aber lieber Freund, so früh schon? – War Ihnen zu viel Mineralwasser in der kalten Ente? Oder stört Sie, den Zimmermenschen, dies Sitzen im Freien? Mich dünkt, Sie liebten einmal diese Sommernächte.

Er: Ist's nicht seltsam, wir haben von allem möglichen gesprochen heute abend, – gute Kameraden, die glauben, sich ganz zu kennen, sich alles sagen zu können. Haben geredet von der Musik der Zukunft und der Literatur von gestern, sogar ein bißchen vom Fortschritt der Medizin und dem Rückschritt der Politik. Und – mir kommt vor – gedacht haben wir immer nur, alle beide, an die Sommernacht. An die sieben Sterne des großen Himmelswagens, der dort oben durch die Himmel kutschiert seit Jahrtausenden, unberührt von unserem Menschenleid. An Blumen, die so fern von diesem Garten blühten; an Nächte; die so weit liegen, und von deren Schönheit wenig Lebende mehr was wissen.

Sie (freundlich lächelnd, ohne ihn anzusehen): Nächte, die so weit liegen, wie – die siebzehn von den Siebzig.

Er: Sie waren siebzehn, – ich schon zweiundzwanzig. »Schon« – wie das klingt aus dem Munde des Vierundsiebzigers.

Sie: Aber Sie hatten bereits das Physikum bestanden, waren schon in unsern Augen ein halber Arzt.

Er: Ja und ein ganz dummer Junge.

Sie: Das dürfen Sie eigentlich im Zusammenhang mit jenem Abend nicht sagen, an den wir jetzt beide denken, und der heute so klar und so weit von uns liegt wie dort jene sieben Sterne, wie der goldene Wagen, in dem unsere Erinnerungen rückwärts kutschiert sind. – Am Tag nach jenem Abend haben Sie sich verlobt.

Er: Drei Tage später Sie – mit Fritz.

Sie: Das hätt' ich sechs Wochen vorher auch schon haben können. Er hat mir ja immerzu erzählt, wie er's nie bereut hat, schon in Sekunda abgegangen zu sein, wie er nun bereits »was ist« in des Vaters Geschäft, Prokura hat, und so ganz nebenbei ließ er einfließen, was er verdient. Gott, ja, es war viel mehr, als mein guter Vater mit seinen kümmerlichen Malstunden je verdient hat. Bilder hat er ja nie verkauft, bis auf das eine, wo er mich im Sommerhut gemalt hat, Mohnblumen in der Hand . . . Es hängt ja wohl immer noch in Ihrem Arbeitszimmer?

Er: Solang ich lebe, wird's da hängen . . . Und – das wissen Sie nicht, jetzt kann ich's ja sagen – auf seiner Rückseite ist ein kleines Blatt befestigt. Rosafarben war es einmal und hatte kleine eingepreßte Kränze, heut ist's verblaßt und die Schrift schwer zu lesen . . . Wird's Ihnen nicht zu kühl, liebste Freundin, Sie sollten was um die Schultern nehmen.

Sie: Nein, nein, ich bin's gewohnt, abends lang hier zu sitzen und in die Sterne zu sehen. Aber Sie, ich glaube, Sie sind empfindlicher . . . Wollen wir hineingehen?

Er: Nicht meinetwegen, nur nicht. Es ist eine so herrliche Stille hier, und diese Luft, der Geruch der Kiefern, die nach sonnigem Tag langsam abkühlen, ist für unsereinen, der in seinem westlichen Miethaus nur die langweiligen, duftlosen Hängegeranien auf dem Balkon als Gruß der Natur empfindet, ein wahrer Segen.

Sie: . . . Was ist das, – ich meine, was war das für ein rosafarbenes Billett, von dem Sie sprachen?

Er: Ihre Gratulation zu meiner Verlobung – ein paar Worte nur – gut, herzlich, aber für mich – heut darf ich's ja sagen – eine gewisse Wehmut ausströmend . . .

Sie: Ist's nicht so, lieber Freund, für uns, die wir jede Rose fragen: Werd' ich noch einmal eine Schwester von dir aus ihrer Knospenhülle springen sehen? die wir das flügge Vögelchen dort aus dem Nistkasten schüchtern den ersten Flug wagen sehen und fragen: werd' ich dein erstes Lied noch hören, mein Kerlchen? für uns ist alles, was aus der Jugendzeit herüberweht – Blatt, Gruß, Melodie – in eine Wehmut getaucht, die nur der mit uns Alternde nachempfinden kann. Die nichtssagenden Dinge gewinnen Bedeutung, da sie übergoldet sind von einer Zeit, in der wir noch so viel hofften, erwarteten, verlangten . . .

Er: Mag sein, liebste Freundin; aber jenes Blättchen war ein Stückchen Schicksal für mich. Wer weiß, wär' es nicht gekommen, – so prompt, so korrekt, so lieb – nur ein bißchen verwischt, – Sie schrieben's wohl, wie immer, am grünen Tisch in der Jasminlaube im Garten –

Sie: Ach nein, – ich schrieb's . . . und wenn ich noch zweimal so alt werden könnte, wie ich nun geworden bin, noch grauer, noch runzliger, noch vergeßlicher, und wenn ich nicht mehr wüßte, wie meine Handarbeitslehrerin, mein erster »Schwarm« geheißen hat, und den Tag meiner Verlobung mit Fritz, ja selbst des Guten Todestag vergessen hätte – ich glaub', an jenen Vormittag, da ich – das schrieb, oben in meinem Stübchen, an Großmutters altem Kaunitz, der immer seufzte, wenn man die Arme auf das Schreibbrett legte, – würd' ich mich noch erinnern. Würde noch wissen, wie ich Blatt um Blatt zerriß, bis mein armselig Sprüchlein nichts verriet. Nicht mehr, als meinen Wunsch für Ihr Glück, der immer der gleiche war.

Er (langsam wägend): Sie haben das nicht im Garten . . .? Ich dachte . . . es war ein Regentag damals, als . . .

Sie: Mag sein, daß ein kleiner Tropfen auf die Schrift fiel. Aber je nun, – die Siebzigerin darf's ja sagen: vom Himmel kam er nicht.

Er (verwirrt): Verzeihung, liebste Freundin, zürnten Sie mir – damals?

Sie: Nennen Sie's so. Ich war zum erstenmal in meinem jungen Leben traurig. Ich konnte doch nicht ahnen, daß Sie Mathilde . . . Wirklich, das konnt' ich nicht. Gott, sehen Sie, wie dumm so ein junges Ding ist. Mit siebzig lächelt man, – mit siebzehn zerreißt man fünf, sieben rosafarbene Böglein und kann's nicht vermeiden, daß auf den achten noch ein Tröpfchen aus dem jungen, undisziplinierten Auge fällt.

Er: Ja, – aber ich verstehe gar nicht . . .

Sie: Ist das so schwer zu verstehn? Sie waren der erste Mann – Gott, »Mann« ist ein bißchen viel gesagt für das frische Studentchen mit dem ersten Examen und der zweiten Hackenquart.

Er: Das erinnern Sie sich noch? Ich roch damals noch stark nach Jodoform.

Sie: Ach ja, ich weiß. Sie kamen mir ja nahe genug.

Er: Wie meinen Sie –? An jenem Sommerabend verlor ich die Kompresse über der Narbe.

Sie: Wem sagen Sie das?! – Der ganze Abend steht vor mir – so klar – und allmählich so rein wie etwas Schönes, Schlimmes, Fernes, das ich einmal – lang, lang ist's her – so recht mit dem Herzen gelesen und nie wieder vergaß. Wir hatten – wissen Sie's noch – unser einfaches Mahl bei uns auf der Terrasse genommen.

Er: Ob ich's weiß! Ich sehe noch den hübschen Schirm über der Lampe, – Ihre kunstfertigen Fingerchen hatten gepreßte Gräser zwischen durchsichtiges Papier geordnet und . . .

Sie: Ein Geburtstagsgeschenk für Vater. Viel durft's ja nicht kosten. Und er freute sich an allem, was von mir kam.

Er: Ihre Mutter häkelte, wie immer. Ich saß zwischen Ihnen, – Sie hatten das Kleidchen an, rosa- und weißgestreift, das Ihnen so gut stand.

Sie: Im Haus gemacht – ohne Schneider – für fünfzehn Mark mit allen Zutaten. Fritz saß uns gegenüber und sprach altklug und wichtig von Geschäftsverbindungen und Konjunkturen wie ein Kommerzienrat. Gott, das bißchen Renommieren hat er nie lassen können . . . Vater las aus der Zeitung vor und politisierte in seiner lebhaften Art. Die Schlacht bei Solferino war geschlagen, Mac Mahons Namen und des Grafen Cavour klangen zum erstenmal an unsere jungen Ohren. Und dann hielt Sie's nicht mehr, von ihrer Wissenschaft zu sprechen. Sie erklärten den Kehlkopfspiegel, den der Wiener Czermak kurz vorher erfunden hatte, und sprachen große Worte von der Zukunft der künstlichen Beleuchtung bei der Laryngoskopie . . .

Er: Ich Großmaul! Wie Sie all das noch wissen.

Sie: Ich bewunderte Sie damals sehr. Fritz hat das wohl gefühlt; denn er brachte eifersüchtig das Gespräch auf die neuen Versuche mit künstlicher Austernzucht in der Bucht von Arcachon. Lieber Gott, da konnten wir nicht mit. Vater hatte eine Schwäche für Austern, – aber ich glaube, er konnte die Schalentiere zählen, die das Leben dem armen Maler serviert.

Er (ganz gefangen von den Erinnerungen): – – und dann – dann gingen wir in den Garten, der so schön wild war.

Sie: Vater nannte das malerisch, aber in Wahrheit: ein Gärtner war ihm zu teuer. So wuchs, was wuchs.

Er: . . . und wir vier jungen Leute spielten Blindekuh . . . Ich war der erste, den das Los traf. Liebe Zeit, man hätte mir die Augen gar nicht zu verbinden brauchen; ich war ja damals schon so kurzsichtig, und der Garten mit den vielen Bäumen und Büschen trotz all der Sterne über uns so dunkel . . . Das Spiel ging wild durch die Himbeerpflanzungen, – ich glaub's noch zu fühlen, wie mir die kleinen Stacheln die tastend vorgestreckten Hände zerrissen, – aber ich hörte Lachen und Kichern, – hier – dort – überall . . . und dann taumelte ich wider den Pfosten des Hüttchens, das ganz von Jasmin umsponnen war, – oh, ich weiß noch, wie ich den Duft und den Schmerz gleichzeitig empfand, – und neben mir – ganz dicht – aus dem Häuschen – kicherte etwas. – Ich stutzte, erschrak, griff zu . . . und – – ja, das war nun mein Schicksal . . .

Sie (aufhorchend): Ihr – Schicksal? Wie das?

Er: Ich hatte einen jungen, schmiegsamen Körper gefaßt, – ich hielt und preßte ihn, – er wollte nicht fliehen, – ich fühlte das, – er kam, er bog sich mir entgegen . . . ich fühlte einen warmen Atem . . . und da, – das Blut ist mächtiger, als die Erziehung – beugt' ich mich nieder und küßte den Mund . . . Und der Kuß wurde erwidert, – der Mund hing lang innig an meinem . . . Ach, solche Küsse der Jugend, die mit geschlossenen Augen gegeben, genommen werden! – – Um uns eine Welt in Blüten und über uns der Himmel voller Sterne.

Sie (langsam): Sie – hätten's – nicht tun sollen.

Er: Gewiß nicht. Aber ich war's gar nicht. Es war die Sommernacht selbst, die küßte, waren die Sterne, die über mich fielen . . . Und dann, ich hab's ja wieder gutgemacht, das Anrecht eines Augenblicks. Nun wußte ich's, – nun durft' ich's nicht mehr vergessen: dieses Mädchen liebt dich! . . . Als die geblendeten Augen wieder sahen – oh, ich erinnere mich noch so gut – stand sie neben mir . . .

Sie: Wer – wer?

Er: Nun natürlich Mathilde, die ich geküßt hatte.

Sie: Mathilde – –?

Er: Ja, Fritz wischte sich die Stirn und keuchte vor Lachen. Sie suchten etwas auf dem Boden, und als Sie's gefunden hatten, ganz heiß und rot vom Suchen, steckten Sie's rasch ein.

Sie (langsam): Und dann – am nächsten Morgen – zogen Sie, korrekt, wie Sie waren, schüchtern und mutig zugleich, die Konsequenz. – Sie gingen zu Mathildens Vater . . .

Er: Ich ging . . . Ja, das tat ich. Sagte: »Ich muß noch drei Jahre studieren, – aber dann bin ich Arzt, bin bereit . . . und – –«

Sie (nach einer Pause): Mein lieber Freund, – wissen Sie, was ich damals aufhob vor dem Holzhüttchen, um das der heißduftende Jasmin blühte?

Er: Ich ahn' es nicht.

Sie: Ihre Kompresse, die über der Hackenquart gelegen hatte. – Was sehen Sie so erstaunt? Ein halb Jahrhundert ist's her. Aber – das Wattebäuschlein – erst neulich hab' ich's wieder lächelnd in der Hand gehabt – riecht immer noch leicht, ganz leicht nach Jodoform – nach dreiundfünfzig Jahren.

Er: Ja, aber – wie – kamen Sie denn dazu . . .

Sie: Es war Ihnen von den Schläfen abgefallen, als Sie mich geküßt hatten.

Er: Wie denn, – Sie, Sie wären damals – Sie?

Sie: Ich.

Er: Aber Mathilde stand doch neben mir, als . . .

Sie: Gewiß. Es sollte doch keiner was merken! Wir Frauen sind auch mit siebzehn schon listig – wenn wir lieben.

Er: Wenn wir . . .? Also, das war – Ihr Mund, den ich . . . das war Ihre junge Brust, die . . .

Sie: Ja. Und ich leugne's gar nicht, – was hülf' es auch. Ihr Gedächtnis ist ja so gut in der Sommernacht für die Sommernacht, – mein Mund hing lang innig an dem Ihren . . . Denn er hatte geträumt von dieser Stunde, dieser Nacht . . .

Er: Was denn, was denn!! Ja, um aller Heil'gen willen . . . dann hab' ich mich ja verkehrt verlobt damals, – hab' die Falsche geheiratet. Sagen Sie nichts, nichts. Ich weiß es: die Falsche! Fünfunddreißig Jahre hab' ich mit einer Frau gelebt, die den ganzen Tag Staub wischte und Rezepte las und Mullgardinen wusch – die nie ein Buch in die Hand nahm, die nie dürstete nach meinen Quellen. Die nie fragte: »Was ist dir gelungen? Was hoffst du?« Die von meinem inneren Leben keine Ahnung hatte. Die mir Vorwürfe machte, wenn ich am Krankenbette meine Pflicht tat und darum zu spät zu Tisch kam. Die mich zur stummen Verzweiflung brachte mit ihrer gräßlichen »Ordnung«, und die meine Bücher bis an ihr seliges Ende bei jeder Putzerei nach der Größe stellte . . .

Sie: Pst, – nicht schelten! Jeder trägt sein Päckchen. – Gewiß, lieber Freund, wir hätten besser zueinander gepaßt. Beweis: wir haben uns in Freundschaft die Treue gehalten. – Aber ich bin froh, daß dort oben die sieben Sterne nun doch noch aus Ihnen herausgelockt haben, was ich nie begriff. Denn bis zum Morgen nach jener Sommernacht hatte ich in meinen dummen Mädchenträumen geträumt, die Frau eines Arztes zu werden. Einer Privatklinik wollt' ich als seine erste »Schwester«, als seine »Oberin« vorstehn und ihn alle Tage lieben und bewundern, wenn er im weißen Operationskittel den Leidenden die Milz herausnahm und das kranke Herz auf die andere Seite legte. All so was aber – lachen Sie nicht – hatt' ich dem jungen Manne zugetraut, der uns an jenem Abend bei der Lampe den Czermakschen Kehlkopfspiegel erklärte.

Er: Ich Narr, ich Narr! – Wie hab' ich Sie geliebt!

Sie: Ich erfahr's ein bißchen spät, mein Freund. Aber sehn Sie, ich bin doch froh, daß ich's noch erfahre. Mich dünkt, ich werde jetzt einmal ruhiger liegen da draußen an der Seite des Legitimen, der wartet. In dem pompösen Erbbegräbnis, das der gute Fritz für uns und – sechs Kinder einrichten ließ. Ich hab' ihm nie welche schenken dürfen.

Er: Kinder, – Kinder! Auch ich habe sie erhofft jahre-, jahrelang. Heiß ersehnt als Bindeglied, als Ziel, Zweck, Hoffnung. – Liebste Freundin, wer weiß – wenn wir? – ob – ob nicht vielleicht . . .

Sie: Pst! – Brechen wir keine Ehen mehr in Theorien! Freuen wir uns der Sommernacht, die wir noch erinnernd leben dürfen. Sehen Sie nur, wie wundervoll jetzt der Mond in seinem stolzen Orange über der dunklen Fichtenkrone ruht. Ein ganz zartes Wölkchen zieht über ihn hin. Es ist, als ob er sich verschleiern wollte vor uns.

Er: Er will's bestimmt. Er will's, der alte Schurke und Betrüger. Damit wir hier unten, wir Dummen, Armen, ewig Geprellten nicht sehen sollen, wie er lacht, lacht, lacht . . .

 

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