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Von der Babylonischen Gefangenschaft der Kirche

Martin Luther: Von der Babylonischen Gefangenschaft der Kirche - Kapitel 7
Quellenangabe
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typetractate
authorMartin Luther
titleVon der Babylonischen Gefangenschaft der Kirche
publisherVerlag Vandenhoeck & Ruprecht
seriesDie Werke Martin Luthers
volumeBand 2: Martin Luther. Der Reformator.
printrun2., durchgesehene Auflage
editorKurt Aland
year1981
firstpub1520
correctorreuters@abc.de
senderMartin Bayer
created20100728
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Von der (Priester)Weihe

Dieses Sakrament kennt die Kirche Christi nicht, es ist eine Erfindung der Kirche des Papstes. Denn es hat nicht nur an keiner Stelle eine Verheißung der Gnade, sondern das ganze Neue Testament erwähnt es auch mit keinem einzigen Wort. Lächerlich ist es aber, etwas zu einem Sakrament Gottes zu erklären, das nirgends als von Gott gestiftet bewiesen werden kann. Nicht, daß ich solchen Brauch für verdammlich erkläre, der so viele Jahrhunderte hindurch geübt worden ist, aber ich will nicht, daß man in göttlichen Dingen etwas Menschliches hinzudichtet. Es gebührt sich auch nicht, etwas als von Gott verordnet hinzustellen, was nicht von Gott verordnet ist, damit wir uns nicht vor dem Widersacher lächerlich machen. Vielmehr sollen wir uns bemühen, daß uns all das gewiß, rein und durch klare Stellen aus der Schrift gesichert ist, was wir als Artikel unseres Glaubens rühmen. Das können wir aber bei diesem Sakrament ganz und gar nicht.

Die Kirche hat auch keine Gewalt, neue göttliche Gnadenverheißungen aufzurichten, wie nämlich manche schwatzen; es habe nicht mindere Vollmacht, was von der Kirche, als was von Gott gestiftet ist, weil sie durch den heiligen Geist regiert wird. Denn die Kirche entsteht aus dem Wort der Verheißung durch den Glauben und wird eben mit demselben Wort gespeist und erhalten, d. h. sie wird durch die Verheißungen Gottes errichtet und nicht die Verheißung Gottes durch sie. Denn das Wort Gottes steht unvergleichlich viel höher als die Kirche. Über dieses Wort Gottes hat die Kirche (als seine Schöpfung) nichts anzuordnen , zu entscheiden oder festzustellen, sondern sie soll angeordnet, entschieden und festgestellt werden.

Wenn sie gezwungen wären zuzugestehen, daß wir alle, soweit wir getauft sind, auf gleiche Weise Priester sind – wie wirs auch in Wahrheit sind – und ihnen allein das geistliche Amt – jedoch mit unserer Bewilligung – aufgetragen wäre, dann wüßten sie auch zugleich, daß sie kein Herrschaftsrecht über uns besäßen, außer soweit wir es ihnen freiwillig zugestünden. Denn so sagt 1. Petr. 2, 9: ›Ihr seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum und priesterliche Reich.‹ Darum sind wir alle Priester, soviele wir Christen sind. Die wir aber Priester nennen, sind aus uns erwählte Diener, die alles in unserem Namen tun sollen. Das Priestertum ist nichts anderes als ein Dienst. So 1. Kor. 4, 1: ›Dafür halte uns jedermann: für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse.‹

Daraus folgt, daß der, der das Wort nicht predigt, wozu er doch von der Kirche berufen ist, überhaupt kein Priester ist. Und das ›Sakrament‹ der (Priester-)Weihe kann nichts anderes sein als ein bestimmter Brauch, einen Prediger in der Kirche zu erwählen.

Des Priesters Amt ist es zu predigen. Wenn er das nicht tut, dann ist er so ein Priester, wie ein gemalter Mensch ein Mensch ist. Ob das einen Bischof ausmacht, solch unnützen Schwätzer zum Priester zu weihen, Kirchen und Glocken zu weihen, Kinder zu firmen? Nein, das kann jeder beliebige Diakon oder Laie auch tun. Der Dienst am Wort Gottes macht einen Priester und Bischof.

Darum rate ich, fliehet, alle die ihr sicher leben wollt, fliehet, ihr jungen Männer und laßt euch diese Weihen nicht übertragen, ihr wollt denn entweder predigen oder ihr seid imstande zu glauben, daß ihr durch solches Sakrament der Priesterweihe nicht besser geworden seid als die Laien, Denn die Stundengebete lesen ist nichts. Weiter: Messe lesen heißt das Sakrament empfangen. Was bleibt dann also an euch, was nicht auch an jedem Laien bliebe? Die Tonsur und das (Priester-)Gewand? Elender Priester, den erst seine Tonsur und Gewand (zum Priester) macht! Oder macht euch das Öl zu Priestern, das auf eure Finger gegossen wird? Nein, jeder Christ ist mit dem Öl des heiligen Geistes an Leib und Seele gesalbt und geheiligt. Einst faßte der einzelne Christ das Sakrament nicht weniger mit seinen Händen an, als das jetzt die Priester tun. Freilich stürzt unser Aberglaube jetzt die Laien in große Sünde, wenn sie einen bloßen Kelch oder das Abendmahlstuch anrühren. Nicht einmal eine Nonne, eine heilige Jungfrau, darf die Altar- oder andere heilige Tücher waschen. Siehe bei Gott, wie die hochheilige Heiligkeit dieses (Priester-)Standes zugenommen hat. Ich fürchte, daß es in Zukunft den Laien auch nicht mehr erlaubt sein wird, den Altar anzurühren, ehe sie nicht zuvor Geld geopfert haben. Ich zerspringe fast, wenn ich an diese gottlose Tyrannei jener üblen Frevler denke, die mit solch dummen Geschwätz und kindischen Possen die Freiheit und Herrlichkeit des christlichen Glaubens verspotten und zugrunde richten.

Darum soll jeder, der ein Christ sein will, gewiß sein und sich darauf besinnen, daß wir alle auf gleiche Weise Priester sind, d. h. daß wir die gleiche Gewalt am Wort Gottes und an jedem Sakrament haben. Doch ist einem jeden, diese zu gebrauchen, nur mit Einwilligung der Gemeinde erlaubt oder wenn man von oben her dazu berufen ist. Denn dessen, was allen gemeinsam gehört, kann sich niemand allein anmaßen, bis er dazu berufen wird. Und so kann das Sakrament der (Priester-)Weihe – wenn es überhaupt etwas ist – nichts anderes sein als eine gewisse Form, jemand in den Dienst der Kirche zu berufen. Weiter ist das Priesteramt eigentlich nichts anderes als ein Dienst am Wort – am Wort, sage ich, nicht des Gesetzes, sondern des Evangeliums. Das Diakonat aber ist nicht ein Dienst, das Evangelium oder die Epistel zu lesen, wie es heutzutage Brauch ist, sondern die Kirchengüter den Armen auszuteilen, damit die Priester, von der Last der zeitlichen Dinge entledigt, sich desto mehr dem Gebet und dem Wort widmen können. Denn in dieser Absicht sind, wie wir Apg. 6, 4 lesen, die Diakone eingesetzt worden. Derjenige also, der entweder das Evangelium nicht kennt oder nicht predigt, ist nicht allein kein Priester oder Bischof, sondern eine Pest für die Kirche, der – unter dem Vorwand, ein Priester oder Bischof zu sein – wie im Schafspelz das Evangelium unterdrückt und sich wie ein Wolf in der Kirche aufführt. Deshalb sind diejenigen Priester und Bischöfe, von denen jetzt die Kirche voll ist – wenn sie nicht auf andere Weise ihr Heil wirken, d. h. wenn sie nicht erkennen, daß sie weder Priester noch Bischöfe sind, und betrauern, daß sie einen Namen tragen, dessen Aufgabe sie entweder nicht kennen oder nicht vollbringen können und so mit Gebet und unter Tränen wegen dieser ihrer Heuchelei diesen elenden Zustand beweinen – wahrlich ein Volk der ewigen Verdammnis, und es bewahrheitet sich, was Jesaja 5, 13 f. steht: ›Darum wird mein Volk müssen weggeführt werden unversehens, weil es ohne Erkenntnis gewesen ist, und werden seine Herrlichen Hunger leiden, und sein Pöbel Durst leiden. Daher hat die Hölle den Schlund weit aufgesperrt, und den Radien aufgetan ohne Maß, daß hinunterfahren beide, ihre Herrlichkeiten und der Pöbel, ihre Reichen und Fröhlichen.‹

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