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Von der Babylonischen Gefangenschaft der Kirche

Martin Luther: Von der Babylonischen Gefangenschaft der Kirche - Kapitel 5
Quellenangabe
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typetractate
authorMartin Luther
titleVon der Babylonischen Gefangenschaft der Kirche
publisherVerlag Vandenhoeck & Ruprecht
seriesDie Werke Martin Luthers
volumeBand 2: Martin Luther. Der Reformator.
printrun2., durchgesehene Auflage
editorKurt Aland
year1981
firstpub1520
correctorreuters@abc.de
senderMartin Bayer
created20100728
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Von der Firmung

Es ist verwunderlich, was ihnen in den Sinn gekommen ist, daß sie aus der Auflegung der Hände das Sakrament der Firmung gemacht haben. Von der lesen wir, daß (mit ihr) Christus die kleinen Kinder angerührt (Mark. 9, 36; 10, 16), die Apostel den heiligen Geist gegeben (Apg. 8, 17; 19, 6), Priester eingesetzt (Apg. 6, 6) und Kranke gesund gemacht haben (Mark. 16, 18), wie Paulus an Timotheus schreibt (1. Tim. 5, 22): ›Die Hände lege niemand zu bald auf.‹ Warum haben sie nicht aus dem Sakrament des Brotes auch eine Firmung gemacht, wenn geschrieben steht, Apg. 9 (V. 19): ›und als er Speise zu sich genommen hatte, wurde er gestärkt‹, und Psalm 104, 15: ›und das Brot des Menschen Herz stärke‹, so daß die Firmung also drei Sakramente in sich vereinigte: das Brot, die Einsetzung (der Priester) und die Firmung selbst? Ist das aber ein Sakrament, was immer die Apostel getan haben, warum haben sie dann nicht vielmehr die Predigt zu einem Sakrament gemacht?

Das sage ich nicht, weil ich die sieben Sakramente verdammte, sondern weil ich bestreite, daß sie aus der Schrift bewiesen werden können. Ja, wenn es nur in der Kirche eine solche Auflegung der Hände wie zu der Apostel Zeiten gäbe! Dann würden wir sie (gern) Firmung oder Heilung nennen. Es ist aber jetzt nichts davon übrig geblieben, außer was wir selbst erfunden haben, die Ämter der Bischöfe auszubauen, damit sie nicht ganz ohne Arbeit in der Kirche sind. Denn nachdem sie jene Sakramente, deren Verwaltung Mühe bereitet, zusammen mit der Verkündigung des Wortes als etwas Unwesentliches dem unteren Klerus überlassen haben (denn alles, was die göttliche Majestät gestiftet hat, muß verachtet sein), da war es recht und billig, daß wir etwas weniger Mühevolles erfanden, das so verwöhnten und großen Herren nicht beschwerlich wäre und das wir (doch) keineswegs als etwas Unwesentliches dem unteren Klerus anvertrauten. Denn was menschliche Weisheit ordnet, soll billig bei den Menschen in Ehren gehalten werden. So wie jemand Priester ist, einen solchen Dienst und ein solches Amt hat er. Denn ein Bischof, der nicht predigt und keine Seelsorge treibt, was ist er anders als ein Abgott in der Welt, der allein den Namen und die äußere Gestalt eines Bischofs hat? Wir aber begehren statt dessen die von Gott eingesetzten Sakramente; daß wir aber die Firmung zu ihnen hinzurechnen sollen, dazu haben wir keine Veranlassung. Denn zur Einsetzung eines Sakramentes gehört vor allen Dingen das Wort der göttlichen Verheißung, durch das der Glaube geübt werden soll. Aber nirgendwo lesen wir, daß Christus irgend etwas von der Firmung verheißen habe, obwohl er vielen die Hände aufgelegt hat und Markus das im letzten Kapitel (16, 18) unter die Zeichen setzt: ›Auf Kranke werden sie die Hände legen,, so wirds besser mit ihnen werden.‹ Aber niemand hat das auf einen Sakramentscharakter (der Firmung) bezogen, was auch nicht gut möglich ist. Darum ist es genug, die Firmung für einen Brauch der Kirche oder für eine sakramentale Zeremonie zu halten, ähnlich den anderen Zeremonien: der Wasserweihe und anderen Dingen. Denn wenn jede andere Kreatur durch Wort und Gebet geheiligt wird, warum sollte dann nicht viel mehr der Mensch durch sie geheiligt werden? Dennoch können diese Dinge, weil sie nicht Gottes Verheißung haben, nicht Sakrament des Glaubens genannt werden. Sie wirken auch nicht das Heil, die Sakramente aber retten diejenigen, die der Verheißung Gottes glauben.

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