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Vom Wesen der Nation

Guido Zernatto: Vom Wesen der Nation - Kapitel 9
Quellenangabe
typetractate
authorGuido Zernatto
titleVom Wesen der Nation
publisherAdolf Holzhausens Nachfolger
editorWolf in der Maur
year1966
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141120
projectid35f7bdd3
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Gemeinsames Territorium

Wenn Eisenspäne in die Nähe eines Magneten gebracht werden, beginnen sie sich, wie man weiß, absonderlich zu gebärden. In dem Augenblick, in dem sie in das magnetische Kraftfeld eintreten, verändert sich irgend etwas in ihrem Wesen, sie stehen plötzlich unter dem Einfluß einer Kraft, die vorher nicht auf sie eingewirkt hatte.

Das ist das Bild der Völker, die in den Urheimaten, Steppen, Wüsteneien umherwandern, bis sie in die Nähe eines Kraftfeldes, in die Nähe einer geschichtsbeladenen oder einer geschichtsbildenden Landschaft geraten. In dem historischen Augenblick, in dem sie die Grenzen eines solchen Kraftfeldes überschreiten, beginnen sie sich absonderlich zu gebärden, Kräfte auszulösen und Kräfte zu entfalten.

Es gibt auf dieser Erde ohne Zweifel Bereiche, in denen die Tätigkeit der Menschen eifriger und betriebsamer ist als in anderen Landstrichen. Die Erklärung, die sich uns für diese Tatsache darbietet, ist die, daß diese Landstriche eifrigerer Tätigkeit bessere Lebensbedingungen bieten als andere Länder.

Diese Erklärung ist nicht erschöpfend und deshalb nur teilweise haltbar. Es gibt »geschichtslose« Landschaften, die dem Menschen mindestens ebensogute Bedingungen zu bieten vermöchten als die bevorzugten Landstriche. Und sie blieben doch durch Jahrtausende ungenützt. Warum war der Nordosten Amerikas durch so ungeheuer lange Zeitperioden praktisch ungenütztes Land, und warum – auf der anderen Seite – das russische Steppen- und Sumpfland mit seinen harten Wintern, seinem kargen Boden, der Ausgangspunkt großen Weltgeschehens? Warum war das Niltal durch Jahrtausende das Zentrum welthistorischer Ereignisse, während Rom zur gleichen Zeit den Reif der historischen Unberührtheit trug? Warum wuchsen in der Feuchtigkeit des Dschungels des Fernen Ostens Kulturwelten auf, während zur gleichen Zeit die kühle Landschaft des mittleren Europas praktisch geschichtslos war?

Ist es nur der Mensch, der durch seinen Willen, seine Bedürfnisse, durch seine weltlichen Erlösungspläne, deren Realisierungsversuche wir Kulturen nennen, die Wegrichtung des Wechsels der Kultur-, Geschichts- und Wohlstandszentren auf der Erdoberfläche bestimmt?

Oder gibt es auch andere Kräfte, die durch ihre Wirksamkeit den Menschen nach gewissen Richtungen weisen?

Wir haben eine hohe Meinung von der Gottähnlichkeit des Menschen und seiner Erhabenheit über alle andere Geschöpfe dieses Sternes. Aber wir können deshalb doch nicht ausschließen, daß es Klimata, Höhenlagen und Luftbeschaffenheit gibt, die in einer gewissen Zeit den Menschen für die Durchführung von Aufgaben besser prädestinieren als andere geographische oder klimatische Gegebenheiten.

Niemand kann bezweifeln, daß der Mensch in seiner Leistungsfähigkeit und seiner Leistungslust von klimatischen und geographischen Einwirkungen beeinflußt wird.

Niemand kann weiters bezweifeln, daß sich die Menschheit im Verlauf ihrer Geschichte Aufgaben verschiedentlicher Art gestellt hat. Für jede dieser Aufgaben – im großen Sinn als Kollektivaufgaben verstanden – gibt es offenbar einen gewissen geographisch-klimatischen Punkt, der für die Lösung derselben besser geeignet ist als irgendein anderer.

Die Menschen, die mit dem Vorteil der geographisch-klimatischen Bestlage an die Aufgabe, die in Frage steht, herangehen, werden meistens eine beherrschende Stellung einnehmen, das Gebiet, das ihnen klimatischgeographische Vorteile bietet, wird eine Zentrale der Kultur, der Macht, des Wohlstandes sein.

Die Geschichte der Menschheit, als die Aufzählung und Darstellung der Schicksale der Menschen innerhalb eines gewissen Zeitablaufes, kann niemals ohne die Landschaft betrachtet werden, in deren Rahmen sich diese Schicksale abspielen. Der Mensch ohne bestimmte Landschaft, der ziellos Streifende, macht nicht Geschichte. Er ist ein Eisenpartikelchen außerhalb von magnetischen Kraftfeldern, bestenfalls ein Störungselement innerhalb bestehender Kraftfelder. Die Landschaft ohne den Menschen ist von unserem Standpunkt aus gesehen, ebenfalls geschichtslos. Sie ist rastende und wartende Natur, den Tieren und den Pflanzen hingegeben. Bis zu dem Augenblick, in dem ein furchtbarer Todesschrei zum Himmel aufsteigt: Der Mensch ist da. Er mordet, und er mordet mit Vernunft. In diesem Augenblick beginnt Geschichte.

Die Bindungen des Menschen an eine bestimmte Naturlandschaft beinhalten nicht nur die Umschaffung dieser Naturlandschaft zur Kulturlandschaft. Der Mensch ist nicht nur umschaffendes Subjekt, er ist innerhalb dieser Bindungen auch Objekt, denn die Landschaft mit allem, was zu ihr gehört, übt ihrerseits auf den Menschen eine bedeutsame Wirkung aus. Es gibt, vom Menschen her gesehen, subjektive und objektive Geographie.

Die Betrachtung der Erdoberfläche vom Standpunkt der subjektiven Geographie aus vermittelt uns ein Bild der äußeren Erscheinungsform der Erdkugel: Sie bestimmt die Lage eines Punktes und errechnet Entfernungen. Sie beschreibt die Bodengestalt (Gebirge, Ebenen und Mittelformen), die Lage und den Verlauf der Gewässer (Meere, Seen, Flüsse); sie gibt Auskunft über das Klima, die Fauna und die Flora. Die Wirtschaftsgeographie beschreibt die Erde vom Standpunkt der Produkte, die der Mensch auf einzelnen Landstrichen hervorbringt, und erklärt die Verkehrswege, die dem Austausch dieser Produkte dienen. Die Bevölkerungsgeographie beschreibt die Bewohner der einzelnen Landstriche. Das alles ist subjektive Geographie.

Objektive Geographie beginnt dort, wo es darum geht, festzustellen, welcher Art die Wirkungen sind, die von der Erde auf den Menschen ausstrahlen. Diese Art der »objektiven« oder »höheren« Geographie steht erst im Anfangsstadium ihrer Entwicklung.

Die Begründung der Geopolitik, die sich damit beschäftigt, die machtpolitischen Möglichkeiten geographischer Lagen und ihre Zusammenhänge zu erforschen und darzustellen, war ein erster Schritt zu einer höheren Geographie. Sie faßte alle Erkenntnisse der subjektiven Geographie zusammen und zog daraus Nutzanwendungen für menschliche Kollektivgruppen, wie sie sich z. B. in den Staaten darstellen. Geopolitik ist, weit gesehen, die logische Entwicklung des Satzes, den Hegel verfocht: Qualis geographia – talis historia.

Auf einem ganz anderen Gebiet, dem der Wirkung landschaftlichen Gefüges auf den geistig schöpferischen Menschen, haben Franz Sauer und Josef Nadler grundlegende Forschungen unternommen, indem sie künstlerische Leistungen auf dem Gebiet der Literatur in einem engen Zusammenhang mit der landschaftlichen Umgebung und Herkunft ihrer Schöpfer dargestellt haben.

Auf einem dritten Gebiet hat Franz Boas außerordentliche Erkenntnisse zutage gefördert, indem er körperliche Veränderungen festgestellt hat, die sich ergeben, wenn Menschen ihren Wohnort auf einem anderen Teil der Erde aufschlagen. (Die Untersuchungen von Boas zeigen solche Veränderungen an den europäischen Einwanderern in Amerika.)

Die Existenz einer »Geopsyche« versucht Willy Hellpach (»Geopsyche«, Leipzig 1935) aus den Einwirkungen klimatischer und meteorologischer Verhältnisse an gewissen geographischen Standpunkten abzuleiten. Tatsächlich wird sich eine exakte höhere Geographie mit den Wirkungen der Wärmebilanz, der Feuchtigkeit, des Windes, der Luftzusammensetzung und des Luftdruckes, der Luftelektrizität auf den Menschen zu beschäftigen und nebenher eine Geomedizin zu entwickeln haben, wenn sie zu einer exakten Erforschung der Wirkungen der Landschaft auf den Menschen vordringen will.

Die Summe solcher Erkenntnisse wird ohne Zweifel den Charakter derjenigen Gebiete, die wir historische Kraftfelder nennen, mehr oder weniger zu erklären vermögen. Wahrscheinlich wird eine höhere Geographie feststellen können, daß das Wandern dieser Kraftfelder, die einmal am Rande der Wüste, einmal im Steppenland, einmal an der Kreuzung von Verkehrswegen, an Meeresufern, im Gebirge, in Ebenen, an Flußufern, in Waldländern auftauchen, nicht exklusiv durch wirtschaftlichen Zwang oder durch menschliches Machtstreben bestimmt wird. Man wird vielleicht festzustellen haben, daß dieses Wandern in einem großen Maße durch Wirkungen des Bodens und des Klimas gelenkt wird. Ob es sich dabei auch um das Auftreten von Strahlungen aus der Erde oder eine je nach der geologischen Struktur differenzierte Rückstrahlung kosmischer Strahlen, die auf den Menschen besondere Wirkungen üben, handelt, bleibe dahingestellt. Die Erforschung der kosmischen Strahlen steckt noch in den Anfängen, deshalb sind wir bisher auf bloße Vermutungen angewiesen.

Das alles muß gesagt sein, um die Bedeutung, die ein gemeinsames Siedlungsterritorium auf die Mitglieder einer Nation auszuüben vermag, ins rechte Licht zu rücken.

Sowenig als man nach dem vorher Gesagten den einzelnen Menschen ohne die ihn umgebende Landschaft zu betrachten imstande ist – ebensowenig kann man natürlich ein menschliches Kollektiv, wie es eine Nation ist, betrachten, ohne das Ausmaß der Wirkungen auszudeuten, die von ihrem Territorium auszugehen vermag.

Karl Renner meinte, eine Nation sei unter anderem eine »Gruppe zeitgenössischer Menschen, die mit dem Boden nicht verwachsen sind«.

Was ist damit gemeint?

Renner leugnet nicht die Tatsache, daß in der Regel ein wesentlicher Teil aller Mitglieder einer Nation auf einem Territorium beieinander lebt. Er weiß genau, daß das Gemeinschaftsband, das zwischen den Mitgliedern einer Nation besteht, kein Hero- und Leander-Verhältnis sein kann. Das, was Renner meint, ist etwas anderes: Für ihn ist Nation nur ein Teil der Bewohnerschaft eines Nationalterritoriums: Er schließt den Bauern und die sonst mit dem Boden verbundenen Kreise der Bevölkerung aus. Für ihn ist der nicht mit dem Boden verbundene Teil der Bevölkerung einfach – Pars pro toto – die Nation. Renners Nation ist eine Gemeinschaft Heimatloser.

Wie kommt er zu solchen Auffassungen?

Für Renner ist das Nationalterritorium nicht Heimat und Ackerboden, sondern der Weideplatz der Ziehenden. In seiner Definition liegt ein Gegensatz, der so alt ist wie die Menschheitsgeschichte selbst: Der Gegensatz zwischen Nomaden und Seßhaften, zwischen Jägern und Wanderhirten auf der einen und Ackerbauern auf der anderen Seite. Dieser Gegensatz aus der Frühzeit der menschlichen Geschichte ist heute noch innerhalb der hochzivilisierten Nationen unserer Zeit genauso vorhanden wie einst.

Menschen, die an eine bestimmte Landschaft gebunden sind – sei es, weil diese Landschaft die Grundlage ihrer wirtschaftlichen Existenz bildet, sei es, weil sie gefühlsmäßige Bindungen an eine bestimmte Landschaft haben –, betrachten die ganze Welt anders als es die Menschen tun, die von landschaftlichen Bindungen frei sind und deren Leben sich an vielen verschiedenen Orten abspielt.

Um es überspitzt zu sagen: Der seßhafte Mensch stammt direkt von den Pflanzen ab; der frei bewegliche von den Tieren.

Da der seßhafte Mensch sich nicht frei bewegen kann und sich nicht bewegen will, sieht er die Welt von seinem Platz aus. Um die seßhaften Bewohner eines Territoriums zu einer Einheit zusammenzuschließen, braucht es keines Programms, keiner besonderen Organisation, keines Antriebes. Der Platz, an dem er lebt, ist für ihn nicht nur Nutzboden, d. h. von exklusiv wirtschaftlicher Bedeutung. Der Seßhafte sieht in seiner Heimaterde auch etwas Heiliges. Er ist durch sie mit seinen Vorfahren verbunden, die in ihr begraben liegen und sich nach solcher Auffassung körperlich mit diesem Boden verbunden haben.

Die Seßhaften sind schließlich durch die landschaftliche Lage ihres Wohnsitzes miteinander verbunden, sie könnten nicht auseinander, auch wenn sie es wollten.

Das politische Ideal des Seßhaften ist die autonome Gemeinde, die Landesautonomie, der Heimatstaat, in größerem Kreis der Föderativstaat. Jeder größere Gemeinschaftskörper, den Seßhafte errichten, ist geordnete Mannigfaltigkeit. Der Seßhafte denkt, wenn man es so sagen will – »provinziell«. Seine Welt ist seine Heimat. Alle Gefühle, die er einem Kollektiv gegenüber empfinden kann, stehen in unlösbarer Verbundenheit mit der Heimatliebe. Wenn er Patriotismus empfindet, so ist das nichts anderes als ein Anhänglichkeitsgefühl an eine Genossenschaft von Heimaten, zu der auch die seine gehört. Seine ganze Welt besteht überhaupt nur aus Heimaten: Die eigene Heimat und die Heimat anderer Menschen. Was außerhalb der noch als Heimat begreifbaren Landstriche liegt, ist eine andere, eine unheimatliche und gefährliche Welt, die er mit dem Namen »Fremde« bezeichnet. Sie liegt außerhalb seines Lebensweges, »abroad«. Zwingt man den Seßhaften, seine Heimat zu verlassen, so wird er Zeit seines Lebens ein Gefühl nicht los, das der Engländer mit Recht eine Krankheit nennt: Das Heimweh. Sogar der Himmel ist für ihn Heimat: Ewige Heimat.

Der Himmel des Nichtseßhaften ist das ewige Glück im Kreise Gleichgesinnter.

Der nicht mit dem Boden Verbundene sieht die Welt von keinem festen Platz, sondern von einem geistigen, wirtschaftlichen, gesinnungsmäßigen Standpunkt aus. Seine »Nachbarschaft« ist keine territoriale. Sie liegt überall dort, wo es Gleichgesinnte, Gleichinteressierte gibt. Keine Kollektivform des Nichtseßhaften hält von selbst wie die der Seßhaften. Um nichtseßhafte Menschen zusammenzuhalten, braucht es Programme, Organisationen und Antriebe. Die klassische liberale Definition der Nation durch Ernest Renan (s. a. a. O.) bringt das schön zum Ausdruck: »Vouloir faire grandes choses ensemble.« Und dazu braucht es »un plebiscite de tous les jours« oder wenigstens einen »ésprit de corps«.

Der nicht an den Boden gebundene Mensch ist an autonomen Gemeinden nur so lange interessiert, als er sich innerhalb ihrer Grenzen aufhält. Da er aber nicht beständig bleibt (sonst würde er seßhaft), ist er daran interessiert, daß er überall, wo er sich auch aufhalten mag, die gleiche Ordnung, das gleiche Recht, die gleiche Welt findet: Der moderne Nomade braucht große Einheiten. Sein politisches Ideal ist der zentral verwaltete Einheitsstaat. Mit einer Genossenschaft von Heimaten weiß er nichts anzufangen. Er will seine Bewegungsfreiheit erweitern. Je größer der Raum ist, in dem er seinen Aufenthaltsort wählen kann, desto besser für ihn. Deshalb tendiert der Nichtseßhafte zum Imperialismus und zum Soldatentum. Trotzdem er moderner ist als der Bodenständige, ist er doch dem Gedanken der Diktatur, dem Anreiz zur Eroberung leichter zugänglich als der Bodenständige.

Die Rolle, die die Heimat im politischen Weltbild des Bodenständigen spielt, wird beim Nichtbodengebundenen durch Parteigesinnung, ein Weltbild, eine Organisation nach seinem Sinn, ersetzt.

Das Gefühl des Patriotismus, das der Nichtseßhafte empfindet, ist ein Anhänglichkeitsgefühl an diejenige Organisation, in der er seine Art von »Heimat« findet. Diese Organisation kann ein Staat sein. Sie kann auch eine Partei sein. Im Idealfall ist es die Nation, denn die Nation ist der Inbegriff alles dessen, was dem Menschen eine landschaftliche Heimat ersetzen kann. Im Nationalismus sehen große Massen Nichtseßhafter die Möglichkeit, eine Heimat zu haben, ohne an einen bestimmten Grund und Boden gebunden zu sein. Die Zugehörigkeit zu einer Nation ersetzt sozusagen die Zugehörigkeit zu einer territorialen Heimat und verankert den Menschen zugleich in größeren Räumen.

Mit diesen Gegensätzen sind Extreme gekennzeichnet. Die moderne Welt versucht, die auseinanderstrahlenden Tendenzen immer wieder durch Kompromisse zu überbrücken; dem Seßhaften wird durch die modernen Verkehrsmittel, die wirtschaftliche Großorganisation der Horizont erweitert: Seine Heimat wird größer. Dem Nichtbodenverbundenen wird durch die Auflockerung der Großstädte, durch die Kleinsiedlung und Stadtrandsiedlung, Erscheinungen, die in Europa im Laufe der letzten Jahrzehnte große Bedeutung gewonnen haben, durch den Übergang von der maschinenhaften Eisenbahn zum viel landschaftlicheren Auto u. a. m. eine neue Verbindung zum Boden eröffnet.

Renners Auffassung geht vielleicht letzten Endes von der Voraussetzung aus, daß die Bodenverbundenen nicht zur Nation gehören, weil sie keine brauchen.

Sie haben schon eine: die Welt der Heimaten.

Die Nichtseßhaften brauchen die Nation – also sind sie es, die sie bilden.

Solche Meinungen sind kristallisiertes XIX. Jahrhundert. Heute sehen wir anders. Eine Nation muß eine Gesamtheit sein. Eine Gesamtheit ist niemals die Interessenvertretung von Einzelgruppen. Zur Nation gehören die Bodenständigen wie die Freibeweglichen. Das Territorium, mit dem der Begriff der Nation verbunden ist, ist größer als die Heimat der Bodenständigen und natürlich kleiner als der Lebensraum der Beweglichsten unter den Nichtbodenständigen.

Das nationale Territorium darf nicht so groß sein, daß es nicht mehr in irgendeinem Sinn auch landschaftliche Heimat zu sein vermag. Es ist nie der Bewegungsraum der total Ungebundenen, der Kosmopoliten.

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