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Villa Falconieri

Richard Voß: Villa Falconieri - Kapitel 19
Quellenangabe
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typefiction
authorRichard Voß
titleVilla Falconieri
publisherVerlag von J. Engelhorn
seriesEngelhorns Allgemeine Romanbibliothek
volumeDreizehnter Jahrgang. Band 1.
year
firstpub
correctorreuters@abc.de
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Die Prinzessin von Sora

an die

Herzogin Pere de Pere
Daly-Castle, Duside-Highlands, England.

Villa Taverna-Borghese im Juli.

Scirocco!

Eine goldbraune blendende Landschaft, darüber bronzefarbenes blendendes Gewölk; Himmel und Erde von goldigen Dünsten umbraut; die Sonne mit gewaltigen Strahlengarben die Nebelwogen durchbrechend – eine Stimmung wie bei einem biblischen Weltereignis.

Scirocco!

Ueber dem göttlichen Leib von Mutter Natur wälzt sich ein Alp. Sie kann sich nicht regen; sie wird im Sommerschlafe erwürgt.

Scirocco!

Seit Wochen Scirocco!

Ich bin wie gelähmt, fühle mich halb entgeistet ...

In Frascati, in allen albanischen Weinstädten, allen sabinischen Felsennestern werden jetzt unaufhörlich Feste gefeiert. Unaufhörlich Musik, Prozessionen, Glockengeläute, Böllerschüsse, Raketen, Feuerwerk, Gesang, Geschrei und Gejohle: als ob alle Welt durch den wütenden Wüstenwind toll geworden wäre.

In Rom war Girandola und der Berg Soracte war neulich abends ein einziger Flammenkegel. Dazu gaukeln die Johanniswürmer durch die blühenden Granat- und Oleanderbäume, als stöben Funkenschauer durch die Lüfte; dazu duften die Magnolien betäubend; dazu siedet es in meinem Blute, hämmert es in meinem Gehirn, fiebern meine Pulse.

Die Prinzessin Lancellotti läßt Straßen anlegen, Kanäle ziehen, antike Villen ausgraben, Wildnisse ausroden und Wüsteneien in Kulturen verwandeln. Sie ist thätig, nützt und hilft. Sie hat einen geliebten Gatten, eine blühende Familie und weiß, wozu sie auf der Welt ist.

Und ich –

Dina, Dina! Und ich?

Ich nütze nichts, gar nichts! Nicht einmal, daß ich –

Nur nicht nachdenken!

Ich habe Anwandlungen von Sentimentalität – ich! Neulich bei der Fronleichnamsprozession sank ich in Frascati auf dem Marktplatz mit allem Volk vor dem Allerheiligsten auf die Kniee und betete inbrünstig. Ich merkte nicht einmal, daß ich in einer wundervollen neuen Toilette inmitten eines Schwarmes von Ciocciaren auf den Knieen lag. Und als die Luft vom Geläute der Kirchenglocken ertönte, als die Böllerschüsse krachten, als in einer Weihrauchwolke die glanzvolle Schar der Priester daherwallte, als die Menge auf die Kniee stürzte – da hätte ich mich am liebsten mit dem Gesicht in den Staub niedergeworfen.

Was bedeuten diese Zeichen? ... Nichts anderes, als daß seit Wochen Scirocco ist; oder –

Hilf mir doch!

Ist es das Bewußtsein meines Elends, die Erkenntnis meiner Erbärmlichkeit; oder ist es die Sehnsucht, besser zu werden und glücklich zu sein?

Ich bin ja doch auch ein Geschöpf Gottes!

*

Du hast es gut auf der kalten stolzen Höhe Deiner Vortrefflichkeiten! Du thronst in den Wolken Deiner Tugenden, siehst zu Deinen Füßen, die staubige sündige Welt, fühlst Dich erhaben über Erdenqualen und Menschenschuld: über all den Jammer da unten! Du urteilst von der Höhe Deiner strengen Sittenreinheit herunter; und –

Nein! Du verurteilst nicht – noch nicht!

Noch bist Du gütig und barmherzig, noch schaust Du geduldig zu...

Aber da Du mich unmöglich verstehen kannst, wie könntest Du mir wohl vergeben?

»Alle Schuld, der Du selber Dich zeihst, liegt ja nur in Deiner Einbildung, arme kleine dumme Viviane!« Damit entschuldigst Du mich bis zur Stunde, damit versuchst Du, mich zu entschuldigen.

Freilich ist alles, alles nur in der Phantasie.

Bei uns Frauen ist immer nur alles in unserer Phantasie!

Das ist es ja eben! Das ist für uns Frauen die Gefahr.

Unsere Phantasie ist die Kupplerin.

Begreifst Du nicht?

Wenn alles Phantasie ist, so ist auch alles Impression und Sensation! Welches Unheil haben wir Frauen allein durch unsere Impressionen und Sensationen angerichtet: über andere und über uns selbst gebracht! Wir können durch Impressionen und Sensationen zu Märtyrerinnen, Heldinnen und Heiligen – zu Betrügerinnen, Ehebrecherinnen und Dirnen werden.

Auch zu moralischen Totschlägerinnen und Mörderinnen.

Und wenn die Impression vorbei ist, die Sensation verflogen, die Phantasie wieder entnüchtert –

Was dann?

Was dann, wenn wir erkennen, daß alles, alles ausschließlich Impression und Sensation war; alles, alles lediglich in unserer Phantasie lag?

Selbstmörderinnen werden wir nicht. Dafür sind wir zu feige. Auch Büßerinnen werden wir nicht. Dazu sind wir zu frivol.

Wir werden einfach immer verlogener, verworfener, verächtlicher.

Und das Ende?

Eine alternde kokette Mondaine, eine alte entnervte Mondaine ...

Und das heißt man dann »gelebt« haben.

Trostlos!

*

Könnte ich dieser erdrückenden erstickenden Wüstenluft entfliehen, in Dein grünes Bergland hinauf. Hochlandsstürme! Es müßte köstlich sein. Und wenn eine Windsbraut die am Rande eines Abgrunds Wandelnde faßte und hinunterrisse –

Aengstige Dich nicht. Das sind Eindrücke, Stimmungen, eben Impressionen. Sie gehen mit dem Scirocco vorüber. Und wenn wir eine kräftige Tramontana bekommen, werde ich gar nicht mehr verstehen, weshalb ich mir einen Abgrund wünschte. Ich kenne mich viel zu gut.

Das ist ja eben mein Unglück!

Geliebte Beichtmutter, ich wurde versucht. Es geschah zum erstenmal in meinem Leben, daß es wirklich eine Versuchung war. Siehe! Ich befand mich in einer Wüste und fühlte mich dem Verschmachten nahe. Da trat der Versucher zu mir, zeigte mir das Land aller Verheißung, wollte es mir zu eigen geben, wollte mich erquicken und vor dem Verschmachten bewahren, wenn ich – ihn ein einziges Mal küssen würde.

Sei ruhig: ich küßte ihn nicht.

Und so bleibe ich denn in meiner Wüste und verschmachte.

*

Wie der Versucher aussah?

Wie sehen heutzutage Versucher aus? Sie haben weder Hörner noch Bocksfüße, speien weder Flammen noch riechen sie nach Schwefel. Mein Versucher trägt die Uniform Seiner Majestät des Königs von Italien, hat dunkle kleine entzückende moustaches und parfümiert sich mit Lavendelwasser... Du siehst, wie ruhig Du sein kannst. Denn Deine kleine dumme, aber stolze Viviane und irgend ein hübscher flotter Offizier – Wüsteneinsamkeit und Tod durch Verschmachten sind denn doch besser.

Daß er nicht grade von Kopf bis zu Füßen irgend einer ist, wirst Du Dir übrigens denken können. Er ist so köstlich frisch, ein junger Held! Und dann:

Er ist ein ganzer Mann!

Ich glaube, er liebt mich sehr. Aber leider weiß ich, was er an mir liebt. Und dieses Was hat mich vor ihm bewahrt. Sonst hätte mich mein Genie für Impressionen, hätten mich meine Gelüste nach Sensationen vielleicht in das mir gezeigte Paradies herabgezerrt. Ich wäre in dem Garten Eden eine kleine, sehr kleine Weile wahrscheinlich leidlich selig gewesen – nur in der Phantasie natürlich! – und dann –

Aber mein junger Held liebt an mir nur meinen Leib, will von mir nur meinen Leib besitzen. Und noch einmal nichts sein als Körper – zehnmal lieber lasse ich meine Seele hungern, dürsten, umkommen.

Wer meine Lippen berühren will, muß meine Seele begehren.

Er muß, ohne meine Seele – meine ganze Seele zu besitzen, meine Lippen gar nicht haben wollen.

Wie Du einsehen wirst, kann ich meinem jungen Helden, der ein ganzer Mann ist, nicht helfen.

*

Eine Mondaine zu sein und nichts anderes als eine Mondaine, ist doch eigentlich etwas Jammervolles. Selbst die große Mondaine macht die Sache nicht besser. Als Mondaine geboren werden, als Mondaine leben, sterben und sich begraben lassen; und was zwischen solcher Geburt und solchem Tode liegt – mir graut's!

Assunta Neri ist ein großer Mensch; andere Frauen sind große Malerinnen, Schauspielerinnen, Dichterinnen. Oder sie sind große Emanzipierte. Wiederum andere – ja, was sind andere Frauen sonst noch?

Sie sind groß als Gattin, oder groß als Mutter, oder groß als Geliebte, oder groß als Weib.

Ich möchte gar keine große Künstlerin sein, wäre ich nur als Weib etwas weniger klein.

Worin könnte ich ausschließlich in meiner Weiblichkeit groß sein?

Als Gattin nicht, auch nicht als Mutter; dann also –

Eine große Leidenschaft! Eine große Leidenschaft!

Wenn ich einem Menschen alles sein könnte – würde ich dann nicht auch ein einziges Mal leben, ehe ich sterben muß?

Und ich soll so bald sterben müssen!

Wie aber, wenn auch diese eine mich verzehrende Sehnsucht nur der gierige Wunsch nach Sensation wäre?

*

Der Prinz hat eine neue Maitresse, mein junger Held bleibt fort und hat sich – mit einem andern Leibe getröstet. Auch Cola Campana läßt sich nicht blicken.

Die Madama soll abgereist sein – ganz plötzlich!

Was bedeutet das? ... Und warum kommt er auch jetzt nicht?

Sollte er sich fürchten? Sollte er –

Ich schrieb Dir, daß er wirklich gar nicht so alt sei. Aber weißt Du auch, woher es kommt, daß er mit seinen vollen fünfundvierzig Jahren noch gar nicht so alt ist?

Seine Jugend ist früh, sehr früh eingeschlafen: durch einen bösen Zauber verhext. Als verzauberte Märchenprinzessin ruht sie eingeschlossen in seiner Seele, unter lauter, lauter Dornen. Die grauen Stacheln werden duftende Blüten treiben und die Prinzeß wird aus ihrem Todesschlafe erwachen, wenn – Cola Campana auf den Mund geküßt wird.

Es kommt freilich darauf an, wer ihn küßt.

Es müßte merkwürdig sein, die schlummernde Jugend in dieser Mannesseele zu wecken. Er würde dann gewiß wieder ein Dichter werden, vielleicht sogar ein großer Dichter.

Ja! Es müßte wunderbar sein ...

Dina, Dina! Ich beichte Dir meine Sünde, meine Gedankensünde: » mea colpa, mea massima colpa!« Bin ich sehr schuldig? Kannst Du mir meine Gedankensünde verzeihen?

Keine so leicht wie diese!

*

Heute kam er zu mir und sagte:

»Du kannst mich erlösen, oder vernichten.«

Er sagte es ganz ruhig. Ich hatte auch gar keine Furcht. Es durchschauerte mich nur im Allertiefsten. Mir war es, als wäre ich eine große Souveränin und die Richter legten in meine Hände ein Todesurteil; und wenn ich das Blatt unterschrieb, mußte ein Mensch sterben.

Es war solche Verantwortung, die er in meine armen kleinen Hände legte.

Nun weiß ich sehr wohl, daß eine Mondaine keine Verantwortung zu tragen hat: weil sie keine Verantwortung übernimmt. Eine echte Mondaine legt niemals Rechenschaft ab: weder Gott noch sich selbst. Was man Gewissen zu nennen pflegt, dieses Organ wird von einer solchen Dame gar nicht gekannt, also gar nicht besessen.

Dennoch durchschauerte es mich.

Eine echte Mondaine läßt sich lieben, nimmt einen Liebhaber und verläßt einen Liebhaber. Sie beseligt kurze Zeit und macht für lange Zeit unselig. Sie bringt ins Irrenhaus, treibt zum Selbstmord, zur Schande und – bleibt eine echte Mondaine.

Und trotzdem diese Schauer!

Bin ich besser und stärker, als ich selbst weiß? Will ich eine Verantwortung übernehmen? Will ich erlösen und nicht vernichten? Oder will ich durch seine Erlösung mich selber befreien; und graut mir's nur vor dem Wunder, das an mir sich vollziehen soll? Vielleicht schauderte mir, weil ich an kein Wunder für mich mehr glaube.

Oder kam es, weil er so ganz anders ist als alle Männer, die ich kenne? Weil ich vielleicht einen anderen Mann gewissenlos vernichten könnte, nur nicht diesen Mann! Weil seine Stirn der Genius geküßt hat, so daß es ein Sakrileg sein würde, wollte ich seinen Mund küssen: nicht um ihn zu erlösen, sondern zu vernichten ...

Ich weiß es nicht – nichts weiß ich! Ich muß erst wieder zu mir selbst kommen. Ich muß mich erst erforschen, muß ergründen, ob ich – Dina, Dina! – ob ich die Verantwortung übernehmen darf?

Ich höre Deine feste klare kalte Stimme mir antworten:

»Nein!«

*

Die ganze Nacht wachte ich, wollte denken, überlegen, beschließen und kam zu keinem Entschluß.

Sein Licht brannte nicht.

Als der Morgen graute, schrieb ich ihm.

Ich bat ihn, mir Zeit zu lassen.

Ich bin feige.

*

Ich sehe und höre nichts von ihm. Jeden Morgen, wenn die Kammerfrau zu mir ins Zimmer tritt, erwarte ich, daß sie sagen wird:

»Imaginez-vous, madame: le comte de la villa Falconieri, vous savez, le monsieur avec la grande passion, s'est tué cette nuit!«

La grande passion – Wie die Person das r schnarrt und das s zischt!

» La grande passion« –

Erinnerst Du Dich des Eindruckes, den die Phrase damals auf mich machte? Und jetzt – jetzt höre ich immerfort, immerfort mit dem geschnarrten r und dem gezischten s:

» La grande passion! La grande passion!«

Und jeden Morgen erwarte ich, daß meine Kammerfrau mir mitteilt: es sei in der Villa Falconieri etwas Entsetzliches geschehen.

*

Gott stehe mir bei! Ich übernahm die Verantwortung.

*

Wie das gekommen ist?

Ich schrieb ihm nicht: ich hatte zu große Furcht.

Ich dachte immerfort daran; aber schreiben konnte ich ihm nicht.

Und unablässig dachte ich an seine Worte:

»Du kannst mich erlösen, oder vernichten!«

Es war so seltsam! Daß ich die Macht besaß zu vernichten, wußte ich wohl – welche Frau weiß es nicht? – daß ich aber auch eine arme Menschenseele erlösen konnte, hatte ich nicht gewußt.

Einem einzigen Menschen »alles« zu sein, wünschte ich? Jetzt konnte mein Wunsch sich erfüllen! In einer einzigen Empfindung groß zu sein, sehnte ich mich? Jetzt konnte ich meine Sehnsucht stillen ... Und jetzt graute mir's vor meiner eigenen Macht, jetzt fürchtete ich mich vor mir selbst. Und – ich schrieb ihm noch immer nicht, ließ ihn warten und warten.

Jedoch dann geschah's ...

Es waren grade viele Leute in der Villa; denn Frascati hat jetzt season. Die Torlonia sind hier, die Aldobrandini, Gracioli, und viele andere. Man lebt jetzt hier wie in Pau oder Baden. Auf Tusculum soll demnächst im griechischen Theater Komödie gespielt werden. Ich hoffe, Assunta Neri kommt dazu her.

Also: es war viel Welt bei uns, und auf der Pinienwiese fand eine fête champêtre statt. Ich hatte die schönsten Mädchen und jungen Männer ausgesucht, in das alte prächtige Frascatanerkostüm gesteckt und ließ unter den Pinien Saltarello tanzen. Die Sarkophage waren mit frischen Rosen gefüllt, in denen große Scheiben Eis aufgestellt wurden. Hier soupierte man an kleinen Tischen.

Es war wirklich sehr hübsch.

Die Fürstin M.... war da. Schrieb ich Dir, daß diese Dame meinen Prinz-Gemahl unwiderstehlich findet? Ich schrieb es Dir wohl nicht? Es ist ja auch so gleichgültig. Stelle Dir vor: Madame la Princesse ließ sich sogar von Monsieur le Prince Smaragde schenken –

Außer diesem famosen Paar befand sich in der Gesellschaft noch ein zweites: mein junger Held und die kaum verheiratete Herzogin D....

Du staunst? Ich ganz und gar nicht! Denn ich kenne die Welt.

Die junge Herzogin ist übrigens reizend.

Ich saß unter den geschmückten Särgen wie in einer Theaterloge und sah die Komödie mit an. Aber auf einmal wurde ich todtraurig.

Bei Anbruch der Dunkelheit begann man unter den Pinien zu illuminieren: Lampions, Raketen, Feuerräder, griechische Lichter. Dazu Musik, Lachen, Liebe, Glück, Leidenschaft, Lebensfreude.

Nur ich war traurig und einsam.

Ich wußte, daß ich an diesem Abend sehr schön aussah. Man hatte es mir mit Worten und Blicken deutlich genug zu verstehen gegeben. Mein junger Held ließ sogar seine reizende Herzogin im Stiche, kam zu mir, blieb bei mir, und seine Blicke sagten mir unaufhörlich: ›Du bist sehr schön! Du bist so schön, daß ich dich haben muß! Und ich werde dich haben! Denn – ich kann warten.‹

Da faßte mich solcher Ekel ...

Dazu der Lichtglanz, die Musik, das Lachen, die Lebensfreude, das Liebesglück der anderen!

Die Villa Falconieri lag dunkel und einsam über mir; und ich wußte: dort oben wartet einer auf dich, den du erlösen kannst – erlösen allein durch deine Seele.

Ich erhob mich, ließ meinen jungen Helden sitzen, ging durch alle Menschen über die Wiese. Ich ging an dem Prinzen und seiner Fürstin vorüber, ging geradenwegs auf die kleine grüne Pforte zu, die jetzt immer unverschlossen ist.

Ich hätte die Pforte geöffnet, wäre geradenwegs hinaufgegangen, wäre zu ihm gekommen und hätte ihm gesagt:

»Hier bin ich. Jetzt erlöse du mich

Aber bei der Pforte stand er und wartete.

Als er mich kommen sah, lief er mir entgegen.

Er warf sich vor mich hin, umschlang mich, drückte seinen Kopf gegen meinen Leib und weinte.

Ich küßte seine Haare, seine Stirn, seine Augen, seinen Mund.

Ich küßte seine schlummernde Jugend wach.

Wir sind sehr glücklich.

*

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