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Victor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band

Victor Hugo: Victor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band - Kapitel 97
Quellenangabe
typepoem
authorVictor Hugo
titleVictor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung. (Adolf Benedict.)
seriesVictor Hugo's sämmtliche Werke
volumeZwanzigster Band
printrunDritte revidirte Auflage
year1860
firstpub1822
translatorLudwig Seeger
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071129
projectid17f45d6e
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IV.

Begeisterung

Vorwärts, Jüngling, marsch, voran! ...

André Chénier.

Nach Hellas! – Fort! – Lebt wohl! Wir scheiden wohlgemuth;
Und fließen soll einmal der Henker schnödes Blut,
  Nicht länger mehr das Blut der Männer.
Freiheit und Rache! Fort, nur fort, nach Griechenland!
Gebt mir den Turban, gebt das Schwert mir in die Hand,
  Vorwärts, und sattelt mir den Renner!

Wenn ziehn wir ab? – Noch heut! – Wer weiß, was morgen droht?
Rasch Waffen, Pferde, und im Hafen dann ein Boot!
  Ein Boot? – O Gott, warum nicht Schwingen?
Von unsrem alten Heer die Reste nur laßt ziehn,
Glaubt mir, wir sähen bald die blut'gen Tiger fliehn
  Und rasch, wie die Gazellen, springen.

O Fabvier, führ' uns Du! Du warst ein Fürst, ein Mann,
Indeß die Kön'ge nicht, was sie gesollt, gethan,
  Du Führer schwer gezähmter Schaaren.
Den alten Römer sah das neue Griechenland
Im schlichten Krieger, der mit seiner rauhen Hand
  Des Volkes Rechte sucht zu wahren.

Französ'sche Büchsen, hört ihr nicht den Ruf? Erwacht!
Ihr schlieft nur allzu lang! Und du, Musik der Schlacht,
  Kanonen, Bomben und Haubitzen,
Erwacht, ihr Rosse, hebt den starken Huf und scharrt,
Ihr Säbel, die ihr noch der blut'gen Taufe harrt,
  Pistolen, die Verderben blitzen!

Die Kämpfer will ich seh'n stets in den ersten Reihn,
Will sehn die Spahis, die sich stürzen jäh hinein,
  Ein Strom, aufs sklavische Gelichter;
Will schauen, wie vom Pferd ihr Damascenerschwert
Dem Türken krumm geschweift durch seinen Nacken fährt;
  Vorwärts! ... Doch, wie, du armer Dichter? ...

Wo reißt die Kampfbegier mich hin aus stiller Ruh?
Den Greisen zählt man mich, ach, und den Kindern zu;
  Ein Geist bin ich in lust'gen Räumen,
Ein Birkenblatt, das welk von seinem Zweige fiel
Und treibt dahin, der Flut, der Winde leichtes Spiel,
  Ich leb' und webe nur in Träumen.

In Träume wiegt mich Luft und Au, Gebirg und Wald,
Ich sinne Tage lang, wenn mir ein Waldhorn schallt,
  Wenn Blätter säuseln, rauschen, thauen,
Und wenn die Dämm'rung naht, im Thale rinnt ein Quell,
Und weit ein See sich dehnt, ein Spiegel rein und hell,
  In dem die Wolken sich beschauen.

Der Mond entzückt mich, wenn er glühend roth wie Gold
Sich aus der Wolke hebt, die grau und finster rollt,
  Wenn weiß er schwimmt auf schwarzen Wellen.
Ich liebe Wagen, schwer und plump, wenn in der Nacht
Sie rollen durch ein Dorf, und unterm Rade kracht
  Der Stein und laut die Hunde bellen.

1827.

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