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Victor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band

Victor Hugo: Victor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band - Kapitel 42
Quellenangabe
typepoem
authorVictor Hugo
titleVictor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung. (Adolf Benedict.)
seriesVictor Hugo's sämmtliche Werke
volumeZwanzigster Band
printrunDritte revidirte Auflage
year1860
firstpub1822
translatorLudwig Seeger
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071129
projectid17f45d6e
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Lied der Arena.

... Ihr hell umschienten Achäer.
Rings für die Reisigen stehn Kampfpreise, zu ehren die Sieger.

Homer.

Zehnte Ode.

Geehrt ist der Athlet von Allen,
Dem die Arena bot den Preis,
Unsterblich wird sein Name schallen,
Dem Sieger huldigt Kind und Greis.
Die Völker preisen ihn vom Rande
Der Welt, vom eisig kalten Lande,
Wo seinen Schlaf der Winter hält,
Bis zu Aurora's goldnem Schlosse,
Wo fern am Meer die Sonnenrosse
Laut wiehern in die Morgenwelt.

Olymp'sche Spiele!. .. Kränze flechten
Laßt uns aus Lorbeer und Acanth!
Der Götter Fluch dem Ungerechten!
Der Alten Heldenmuth im Fechten
Erwache neu in uns entbrannt!

Kommt all, auch aus dem fernsten Reiche,
Apollo's Priester naht und pflückt,
Daß er ihn Euch, den Siegern, reiche,
Den Kranz vom Laub der alten Eiche,
Der Milons Stirne schon geschmückt;

Von Paphos, wo die Taube brütet
Der Venus, Tyrus und Korinth,
Vom Strande, wo die Scylla wüthet,
Vom Athos, den der Adler hütet,
Wo Sonn' und Stern' ihm näher sind;

Kommt von den Inseln all, den schönen,
Des Archipel, von Kreta's Strand,
Von Rhodus, reich an Heldensöhnen,
Die, wo des Ares Hörner tönen,
Fortkämpfen bis zum Grabesrand;

Kommt aus der Stadt, der wundervollen,
Des Cekrops, schmuck und farbenbunt,
Von Argos' erntereichen Schollen,
Von Lemnos, wo die Donner rollen,
Von Sparta kommt und Amathunt.

Die Gynäce'n und Tempel glänzen
Mit Blumenflechten reich verbrämt,
Wie unter bräutlich schmucken Kränzen
Jungfrau'n die Stirn bei Reigentänzen
Verhüllen züchtig und verschämt.

Seht die Archonten und Ephoren
Dort auf der Bänke vordern Reihn,
Die jungfräulichen Kanephoren
Sie wuschen, weihten die Amphoren
Nach eleusin'schem Brauche rein.

Die Pythia, Traumdeuter fragte
Um Zeichen man, den Opferduft;
Des gelben Geiers Feder jagte
Zur Stunde, wo's im Osten tagte,
Man Antwort suchend in die Luft.

Dreifüße, zwei, mit Pracht verzierte, –
Wer siegt im Wettlauf, nennt sie sein;
Dazu den Becher, den berührte
Einst Bacchus, als er kostend führte
Zum Mund den ersten Tropfen Wein.

Und wer den Discus warf inmitten
Der Kämpfenden am weitsten fort,
Der hat die Urne, schön geschnitten
Von Phlegons Künstleihand, erstritten,
Sein Nam' erschallt von Ort zu Ort.

Und wem des Ringers Künste glücken,
Dem wird der Chlamys stolze Gab'
Aus Sidon, reich in allen Stücken,
Die Hermes und Poseidon schmücken
Mit Dreizack und mit Schlangenstab.

Ihr Kämpfer alle, stark, wie Eisen,
Steigt aus dem Bade, salbt euch, ringt,
Damit die Dichter euch, die weisen,
In stolzen Feierhymnen preisen,
Ein Pindar euch unsterblich singt.

Geehrt ist der Athlet von Allen,
Dem die Arena bot den Preis,
Unsterblich wird sein Name schallen,
Dem Sieger huldigt Kind und Greis.
Die Völker preisen ihn vom Rande
Der Welt, vom eisig kalten Lande,
Wo seinen Schlaf der Winter hält,
Bis zu Aurora's goldnem Schlosse,
Wo fern am Meer die Sonnenrosse
Laut wiehern in die Morgenwelt.

Januar, 1824.

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