Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Victor Hugo >

Victor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band

Victor Hugo: Victor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band - Kapitel 40
Quellenangabe
typepoem
authorVictor Hugo
titleVictor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung. (Adolf Benedict.)
seriesVictor Hugo's sämmtliche Werke
volumeZwanzigster Band
printrunDritte revidirte Auflage
year1860
firstpub1822
translatorLudwig Seeger
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071129
projectid17f45d6e
Schließen

Navigation:

An Ulrich Guttinger.

Der Glückliche.

Beatus qui non prosper.

Achte Ode.

»Ich hass' euch, Götter! Was ich wünschte, schon dem Knaben
  Habt ihr's gewährt: Ich will? .. Ich kann!
Ich hass' euch, Götter! Mich erdrücken eure Gaben,
Ihr laßt mir keinen Wunsch. Was hab' ich euch gethan?

Fern von den Säulen des Herakles bis zum Sunde
   Leanders schwimmen Schiffe mir
Im Meere, mein Palast verschlingt, gleich einem Schlunde,
Den Schatz der Städte, wie der Fluren Frucht und Zier.

Des Spingquells Rauschen wiegt mich ein auf meinem Pfühle
  Von Purpur, und die Laute klingt.
Jungfrau'n vom Ganges wehn mit buntem Fächer Kühle
Der heißen Stirne zu, wenn mich der Schlaf umschlingt.

An meiner Tafel mag der Parasit sich strecken,
  Der, was ich selbst nicht mag, verzehrt.
Auf goldner Platte kann mir selbst der Fisch nicht schmecken,
Den sie mit Menschenblut in meinem Teich genährt.

Am Tiberstrande hab' ich Gärten und, wo Laven
  Die Berge sprühen, Schloß an Schloß;
Und meine Länderei'n, bebaut von tausend Sklaven,
Ermüden, weit gedehnt, mein Auge, wie mein Roß.

Die Großen fürchten mich, mir lächelt Cäsars Gnade,
  Es grüßt den mächtigen Patron
Im Wagen stets ein Schwarm Clienten, meine Pfade
Sind Marmor, und Porphyr mein Bad und mein Balkon.

Das Forum gähn' ich an, im Cirkus muß ich gähnen,
  »Was nun?« – so frag' ich halb im Traum.
Mit einem Sklaven mäst' ich täglich die Muränen,
Und doch, auch dieses Spiel Cato's ergötzt mich kaum.

Ihr Schönen Asiens und Europa's, eure Pfeile
  Berühren kaum mein todtes Herz.
Aus blankem Goldpokal tränkt mich die Langeweile,
Und mich beneidet noch des Armen blinder Schmerz?

Wie euer Segen hat noch nie ein Fluch getroffen.
  Gebt meine Blüte mir zurück,
Ihr Götter, lieben laßt den Jüngling wieder, hoffen,
Nehmt hin all euer Gut für ein bescheidnes Glück! –


So seinen Göttern Hohn spricht Celsus, prachtumflossen,
  Im Tempel hingestreckt, auf weichem Pfühl, verdrossen,
Indeß ein Märtyrer, der Gott im Himmel preist,
Aushaucht an dem Altar des Götzen seinen Geist.

1822.

 << Kapitel 39  Kapitel 41 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.