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Victor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band

Victor Hugo: Victor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band - Kapitel 31
Quellenangabe
typepoem
authorVictor Hugo
titleVictor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung. (Adolf Benedict.)
seriesVictor Hugo's sämmtliche Werke
volumeZwanzigster Band
printrunDritte revidirte Auflage
year1860
firstpub1822
translatorLudwig Seeger
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071129
projectid17f45d6e
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Ende.

Ubi defuit orbis.

Achte Ode.

I.

Durchblättert hab' ich so die neuste Volks-Geschichte,
Ein Schicksalsbuch, darin: Ruhm, Siege, Strafgerichte, ...
Und immer klang, ein Kind der Zeit, mein Saitenspiel,
So ist ein großer Mann ... Verbrecher ... Menschheitsretter ...
Erschien, und in dem Buch von Erz dann eins der Blätter
  Aufs andre mächtig schallend fiel.

Geschlossen sei das Buch der Wunder und der Schrecken;
Die unnahbare Sphinx, wir wollen sie nicht wecken,
Die, – Gott und Scheusal, – es bewacht in stummer Hut.
Nicht jedem Dichter glückt's, ihr Räthsel zu errathen,
Das Wort der Lösung schreibt den Reichen und den Staaten
  Sie auf die Stirn mit Blut und Glut.

II.

Wir suchen's nicht, das Wort. – Doch dann, Poet, weßwegen
Willst du dich ruhig nicht zur stummen Harfe legen?
Warum erklingen läßt du deinen Unglückssang,
Stimmst tolle Lieder an und singst vor allen Thüren? ...
  – Ein großes Volk, um es zu rühren,
  Bedurfte meines Geistes Drang.


Der Revolution geliefert hätt' ich Waffen? –
– Ja, weil ein Chaos braucht, wer eine Welt will schaffen,
Weil Nachts ein Gott zu mir sprach in der Einsamkeit,
Und weil in meinem Lied für meine Volksgenossen
  Ich das Jahrhundert, das verflossen,
  Genüber stellte dem von heut.

Der Dichter braucht ein Volk, ein Herz, das ihn erfreue,
Durchleuchte, wärme, Glut ihm in die Seele streue,
Und eine Welt, um frei zu wandeln seine Bahn.
Und ist sein Geist einmal vom Ufer weggeflogen,
  Um fortzustürmen auf den Wogen,
  Ist ihm zu groß kein Ocean.

Hier dehnt der Genius im freien Raum die Flügel,
Schwebt über Tiefen hin und hohe Wellenhügel,
Thut Riesensprünge, tanzt, als wär's auf grüner Flur,
Und wirbelt ungestüm dahin im Sturmgetose,
  Den Fuß auf einer Wasserhose,
  Das Haupt im himmlischen Azur.

Mai, 1828.

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