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Victor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band

Victor Hugo: Victor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band - Kapitel 25
Quellenangabe
typepoem
authorVictor Hugo
titleVictor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung. (Adolf Benedict.)
seriesVictor Hugo's sämmtliche Werke
volumeZwanzigster Band
printrunDritte revidirte Auflage
year1860
firstpub1822
translatorLudwig Seeger
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071129
projectid17f45d6e
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An Chateaubriand.

Unfruchtbare, verdorrte Bäume läßt man in Ruhe. Nur
nach denjenigen wirft man mit Steinen, deren Stirnen mit
goldnen Früchten gekrönt sind.

Abenhamed.

Zweite Ode.

I.

Chateaubriand, es gibt glorreiche Schiffe, denen
Der Sturm willkommen, die nach Zephyrn nie sich sehnen;
Gestirne, Könige der lichten Sternennacht,
Vulkan'sche Welten, die Gott in den Kreis der andern
  Geschleudert, die im Dunkeln wandern,
Verzehrt vom Feuer, das ihr Haupt umkränzt mit Pracht.

Stets liebt der Genius das Große, Die gefallen.
Die Opfer, sind es, die ihm heilig sind vor allen;
Im Unglück wächst der Ruhm, der Helden wird zu Theil,
Sie ragen hoch im Volk, mit sturmumwehten Stirnen.
Die Wetterwolke hält nur über hohen Firnen,
  Die Gipfel trifft des Donners Keil.

Ein großes Herz, es darf auf großes Unglück zählen;
Das Leid ist der Tribut, den edlen, großen Seelen,
Die dem Alltagsgeschick entrückt, die Welt bescheert.
Der Held, der duldet, sieht entgegen seinem Lohne:
  Der Ruhm hat keine schönre Krone,
Als einen Lorbeer, den des Himmels Blitz verzehrt.

II.

Wie kamst Du doch dazu, o Freund, zu Hof zu gehen? –
Du, der als Knabe schon vernahm des Sturmes Wehen,
Den nie ein Unfall schreckt, der trotzt dem Hohn und Spott,
Ein Freund der Könige, wie wenige nur leben,
Der Kön'gen nur, wenn sie die Mörder schon umgeben.
   Nur schmeicheln kann auf dem Schaffott.

In Zeiten, wo der Thron sein Obdach neu gefunden,
Wo man bei Fest und Schmaus vergißt der trüben Stunden,
Da lacht des Hofes Gunst nicht Männern, groß, wie Du.
In finstrer Nacht, bedroht von Riffen nur, im Sturme
   Wirft sinkend der Pilot dem Thurme,
Der leuchtet ihm zum Heil, dankbare Blicke zu.

Du bogst die Stirne nicht, als Er die Welt bewegte,
Als des Erobrers Hand sich schwer auf's Haupt Dir legte.
Wenn durch Verbrechen oft dem Abgrund nah gerückt
Das Vaterland den Pfad verlor und taumelnd zagte,
Stets Eine Stütze blieb ihm, die sich nie versagte,
  Dein hohes Haupt, das nie sich bückt.

III.

Doch hat auch Frankreich Dich gestützt und hoch gehalten,
Drum wandle stolz dahin und laß Dein Schicksal walten,
Und lauter tönen stets wird Deines Ruhmes Schall!
So oft ein Schlag Dich traf, still gingst Du Deine Pfade,
   Und stolz, gefallen in Ungnade,
Stiegst Du nur höher, als zuvor, durch jeden Fall.

Juni, 1824

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