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Victor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band

Victor Hugo: Victor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band - Kapitel 120
Quellenangabe
typepoem
authorVictor Hugo
titleVictor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung. (Adolf Benedict.)
seriesVictor Hugo's sämmtliche Werke
volumeZwanzigster Band
printrunDritte revidirte Auflage
year1860
firstpub1822
translatorLudwig Seeger
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071129
projectid17f45d6e
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XXVII.

Nurmahal, die Rothe.

Anmerkungen:

Nurmahal, ein arabisches Wort, das bedeutet: »Licht des Hauses.« Man darf nicht vergessen, daß rothe Haare bei einigen orientalischen Völkern eine Schönheit sind.
Obwohl dieses Gedicht aus keinem orientalischen Text geschöpft ist, so glauben wir doch, es sei am Ort, hier einige noch ganz unbekannte Bruchstücke von orientalischen Dichtern einzuschalten, die uns in hohem Grad beachtenswerth und merkwürdig erscheinen. Die Bekanntschaft mit diesen Fragmenten gewöhnt den Leser vielleicht an das Seltsame, das einige der Gedichte dieser Sammlung enthalten mögen. Die Mittheilung dieser hier zum erstenmal veröffentlichten Bruchstücke verdanken wir einem jungen, gelehrten und phantasiereichen Schriftsteller, Ernst Fouinet, der seine orientalische Gelehrsamkeit seinem Dichteltalent zur Verfügung stellen kann. Wir folgen genau seiner Uebertragung, sie ist wörtlich, und daher, unseres Erachtens, ausgezeichnet.

Das Kameel.

Das Kameel schreitet dahin im Sande von Thamed . Es ist fest wie die Bretter eines Sarges, und wenn ich es auf gebahntem Pfad vorwärts treibe, wie ein gestreifter Mantel. Es überholt die Schnellsten, und sein Hinterfuß jagt den Vorderfuß rasch vor sich her. Es gehorcht der Stimme seines Treibers und mit seinem dichten Schweife stößt es die gewaltthätigen Liebkosungen des Kameelhengstes mit der rothen Brust zurück;
Mit einem Schweife, der dem Flügelpaar eines Adlers gleicht, als hätte man es mit einem Pfriem an den Knochen befestigt;
Mit einem Schweife, der bald den Wanderer schlägt, bald ein trocken herabhängendes, wie ein Schlauch gerunzeltes Euter. Seine Schenkel sind von festem, hartem Fleisch und gleichen den hohen Thoren eines festen Schlosses. Seine Rückenwirbel sind biegsam; seine Hüften sind wie starke Bogen. Seine gebogenen Beine gehen auseinander, wenn es läuft, wie die beiden Eimer, die ein Mann vom Brunnen nach seinem Zelt trägt. Die Spuren der Stricke an seinen Seiten gleichen ausgetrockneten Teichen voll Kieselsteinen, die über den trockenen Boden ausgestreut sind. Sein Schädel ist hart wie ein Ambos; wer ihn berührt, glaubt eine Feile zu berühren. Seine Wange ist weiß wie Papier von Damascus, seine schwärzlichen Lippen wie Riemenleder von Yemen, das nie runzelt. Endlich gleicht es einer Wasserleitung, die ein griechischer Baumeister oben mit Ziegeln gedeckt hat.

Die Stute.

Die Stute, die im Kampfgewühl mich davonträgt, hat lange Füße, lange, weiße Mähnenhaare, die sich über ihre Stirne breiten. Ihr Huf ist wie der Napf, aus dem man einem Kinde zu essen gibt. Und innen ist dichtes, festes Fleisch. Tadellos sind seine Fersen, so fein sind seine Flechsen.
Ihr Kreuz ist wie der Stein im Strom, den des reißenden Wassers Rollen geglättet hat (Der Dichter hat diese Stelle im »Lebewohl der arabischen Wirthin« wiedergegeben: »Am Boden scharrt sein Huf, sein Kreuz ist glänzend fein, Rund, wie der schwarze Fels, den glatt gespült und rein Die Flut der Brandung, ihn umschäumend.«)
Ihr Schweif ist wie das schleppende Gewand der Gattin ... (Hier steht etwas so völlig Primitives, das man höchstens lateinisch wiedergeben könnte.)
Schaut man ihre schlanken Hüften, so glaubt man einen liegenden Leopard zu sehen. Ihr Hals ist wie unter den Palmen eine hervorragende Palme, an die ein verheerender Feind Feuer gelegt hat. (Ihr Hals dampft. V. Hugo's sämmtl. poetische Werke. II.)
Die Mähnenhaare, die um die Seiten ihres Kopfes flattern, sind wie die Locken der Frauen, die an einem windigen Tage auf ihren Stuten durch die Wüste reiten. Ihre Stirn ist wie der Rücken eines Schildes, den eine geschickte Hand gefertigt hat. Beim Anblick ihrer Nüstern denkt man an eine Höhle voll Hyänen und reißender Thiere, so gewaltig schnauben sie. Ihre Hufhaare sind wie die Federn des schwarzen Adlers, welche die Farben wechseln, wenn sie sich sträuben.
Siehst Du sie auf Dich zukommen, so sagst Du: Es ist eine grüne Heuschrecke, die aus dem Teiche springt. Eilt sie weg von Dir, so würdest Du sprechen: Das ist ein starker Dreifuß, der keinen Spalt hat.Das erklärt sich aus den Sitten der Wüste: man stellt dort zum Kochen einen Dreifuß auf.

Siehst Du sie von der Seite, dann rufst Du: es ist eine Heuschrecke, die einen Schweif hat und ihn hintenaus streckt. Fällt die Peitsche auf ihren Rücken, so klatscht sie, wie Hagelkörner. Sie läuft wie eine Hindin, die der Jäger verfolgt. Sie macht Sprünge wie die Wolken, die über ein Thal hinjagen, ohne es zu befeuchten, und die eilen, sich über ein anderes auszuschütten.

»Mögen Leser von Geist die Kräfte ihrer Phantasie an diesem Bilde üben!« – ruft bei Gelegenheit dieser schönen, seltsamen Stelle der gute deutsche Reiske aus, der so entschieden »das genügsame Kameel des Tarafa dem Flügelrosse Pegasus vorzog.«

Nachtreise durch die Wüste.

Ich tauche mich in die Windungen der Schluchten, in die einsamen, öden Oerter, wo die Djinns und die Vampyre pfeifen.

In einer dunkeln Nacht, überschüttet mit Finsterniß, wanderte ich, und meine Gefährten schwankten, vom Schlummer überwältigt, vor mir wie Zweige.

Es war eine Dunkelheit, wüst und schaurig wie das Meer, der Führer verirrte sich in ihrem Schooße, und sie hallte wieder vom Krächzen der Eule und erschrocken sieht der Wanderer sich verloren.

Tagreise.

Man hörte den Wind in der Tiefe der Schluchten wimmern.

Und wir wanderten um die Mittagstunde und entgegen kamen uns heiße, verpestete Winde, die die Fibern des Hirns durcheinander zerren.

Mein Kameel war schnell wie der Katha,Ein Wüstenvogel, dessen Instinkt ihn zu allen Wasserquellen leitet. der durch die Wüste fliegt;

Der dort nach Wasser sucht, und auf eine Quelle sich herabstürzt,

Der noch Niemand nahe gekommen, so undurchdringlich ist die Oede, die sie rings umlagert.

Und ich tauche in die staubige Ebene, deren bewegter Sand einem faltigen Gewande gleicht.

Dieses schöne, malerische Bild hat der Dichter in folgender Strophe des »Mazeppa« verwerthet:

»Und wenn der Arme, dem die Glieder fast zerschellen,
Sich rührt, dann scheint das Thier sich wild emporzuschnellen,
Das jäher Schreck ergreift;
Und durch der Wüste Sand hinjagt es ungehalten,
Die weit vor ihm sich dehnt mit ihren staub'gen Falten,
Gleich einem Mantel bunt gestreift.«

Ich tauche in den Abgrund voll Dünsten, wo die MarksteineDie Wegweiser. Fischern gleichen, die am Meeresufer auf Klippen sitzen.

Mein Kameel lief, wo kein Weg war, wo keines Menschen Wohnung war.

Und es wühlte den Staub auf; es jagte dahin wie ein Pfeil, wenn er vom Bogen fliegt, der ihn in die Ferne schnellt.«

Diese beiden Gemälde sind von Omajah ben Ajezd, dem Dichter des poetischen Stamms der Hudeiliten, der westlich von Mekka wohnt.

Das folgende Fragment ist noch älter, und zeichnet sich aus durch seine Tiefe und schwermüthige Stimmung. Seine Schönheit ist eine andere, als die des Hiob und des Homer, aber es ist eben so schön.

Vom hohen Berge hat das Schicksal mich niedersteigen lassen in ein tiefes Thal;

Das Glück hatte seine Reichthümer verschwenderisch über mich ausgeschüttet und mich hoch erhoben; nun hab' ich kein anderes Gut mehr als meine Ehre.

Heut läßt das Geschick mich weinen; wie oft hat es mich lächeln gemacht!

Hätte ich keine Töchter, schwach und zart, wie der Flaum des jungen Kathas;

Wahrlich, ich wollte lieber kreuz und quer auf der Erde herumgewirbelt werden.

Aber unsere Kinder sind wie unsere Eingeweide, wir können nicht leben ohne sie.

Meine Kinder! Wenn der Wind Eines von ihnen anwehte, meine Augen in meinem Haupte würden erstarren.

Die Stämme stoßen auf einander.

Sie stürzten sich mit wilder Gewalt auf den Stamm und warfen die Vorhut auseinander, wie eine Heerde wilder Esel; aber sie stießen auf eine Hagelwolke.Der Dichter beschränkt sich in diesem Fall nicht darauf zu sagen: »eine Wolle«; eine Wolke ist etwas Wohlthuendes für den Araber. Er nennt eine Hagelwolke, etwas, das weh thut.

Die Lanzen tauchten sich ins Blut und verursachten einen feuchten Klang, wie Regen, der auf Regen platscht,Die französische Sprache hat kein Wort, um das Geräusch auszudrücken, welches« das Wasser macht, das auf Wasser fällt. Die Engländer haben ein vollkommen entsprechendes Wort: splash. Das arabische Wort ist ebenso onomatopoetisch: ghachghachâ. die Schwerter, die auf einander schlugen, machten einen trockenen Ton, wie wenn man Holz spaltet. Die Bogen pfiffen und sausten durcheinander, wie der Südwind, der über gefrornes Wasser streift.

Es war, als stünden die Kämpfer unter einer Sommerwolke, die sich klärt, indem sie ihren Regen ausschüttet, während durch kleine, zerrissene Wölkchen Blitze zucken.

Das folgende Bruchstück von Rabiah ben al Kuden scheint uns bemerkenswerth durch die lyrische Unordnung der Gedanken. Es ist wunderlich, zu sehen, wie die Bilder eines nach dem andern im Gehirn des Dichters auftauchen, und unter dem Zelt des Arabers Pindar wieder zu finden.

»Bin ich denn jeden Abend verdammt, von dem Schatten der Chemna verfolgt zu werden? Sie hat ferne von mir ihre Wohnung genommen: und doch wäre sie es, die den Schlaf mir raubt?

In der Stunde der Nacht seh' ich ihr zur Seite nach der Gegend von Rian hin einen zitternden, zuckenden Blitz auffahren.

Ich wache, um ihn zu betrachten; er ist wie die Lampe des Feindes, die in einer wohlverschlossenen, unzugänglichen Festung brennt.

O Mutter des Omar! Ein Thurm ist's, an dem der elende Feigling erschrocken hinauf sieht; ihr Haupt erhebt sich wie eine scharfe Spitze.

Kleine weiße Wölkchen schweben um ihren Gipfel; sie sind wie die Flocken der Wolle, die ein Weber zieht.

Ich bin hinaufgestiegen, die Sterne, in einander geflochten, wie ein Netz, berührten ihn; ich hab' ihn erreicht, noch eh' das volle Morgenroth erschien.

Die Sterne, gegen Westen ziehend, waren, wie die weißen, wilden Kühe, die vom Ufer des Teiches wegrennen, an dem sie sich getränkt.

Ich hatte einen gelben Bogen, den gerne meine Hand berührte; aber ich allein hatt' ihn gefaßt; wie eine keusche Frau, war er von Niemand berührt worden, als von mir allein.

Und über meine Waffe deckt' ich mein Gewand, das ihn die ganze Nacht vor'm Regen schirmte, der durch die Lüfte rieselte.

Der Weg, der zum Schlosse führt, ist glatt, wie die Stirn einer Gattin, und seine Länge merkt' ich nicht.

Die Reihen von Steinen, die es umgeben, sind wie die beiden Knochen, die an jeder Seite des Kopfes sich erhöhen.«Die Auszüge aus dem Hamasa, die nun folgen, sind in Frankreich wenigstens bis jetzt unbekannt; in Deutschland wird eben eine Ausgabe dieser großen Sammlung mit lateinischer Uebersetzung veranstaltet.

Kotri ben al Fedjal el Mazeni spricht:

Am Tage des Kampfs hat Keiner von Euch durch all die vielen Gefahren des Todes sich zurückschrecken lassen.

Es schien, als wär' ich das ZielDer Ring, nachdem zu zielen man sich übt. der Lanzen, so viele drangen auf mich ein, von der Rechten und von vorn.

So roth überströmte mein Blut, das floß, und das Blut, das ich vergoß, meinen Sattel und das Gebiß meines Pferdes.

Und ich kam zurück; ich hatte geschlagen; denn ich bin wie ein zweijähriges Fohlen, das ausgewachsen ist; ich bin wie ein fünfjähriges Pferd, das alle seine Zähne hat.

Chemidher el Islami, aus der Zeit des Islam, spricht:

(Nachdem er den Meuchelmörder seines Bruders erschlagen hat.)

Kinder meines Oheims, sprecht mir nicht mehr von Poesie, ihr habt sie begraben in der Wüste Ghomeïr .Ihr seid geflohen, ihr habt euch entehrt; oder: ihr habt die Poesie, die Quelle all eures Ruhms, begraben.

Wir sind nicht, wie ihr, die ihr geräuschlos angreift; wir bieten der Gewalt die Stirn und wir richten als Kadi's .

Aber unsere Richtersprüche gegen euch sind die Schwerter, und wir sind zufrieden, wenn die Schwerter es sind.»Wenn die Schwerter durch's Hauen schartig geworden sind,« – sagt der Commentator, – was hat ein Commentator zu sagen?

Es war mir schmerzlich, den Krieg sich ausbreiten zu sehen zwischen uns und euch, Kinder meines Oheims! Doch ist die Sache ganz natürlich.

Meddak ben Csomeil el Mazeni, zur Zeit des Islam, spricht:

(Der Stamm Mazen, dem der Dichter angehörte, besaß in der Nähe von Barrah einen Brunnen, Safuan genannt. Die Benu Scheïban machten ihm denselben streitig; dies der Gegenstand des Gedichts.)

Nur sachte, Benu Scheïban, diejenigen unter euch, die uns bedrohen, werden morgen beim Safuan einer tüchtigen Reiterschaar begegnen;

Auserlesenen Pferden, die beim Lärm der Schlacht nicht scheu werden, wenn der Kampf sich auf den engsten Raum zusammendrängt;

Und Männern, unerschrocken im Gefecht; rasch stürzen sie sich in den Kampf, und Jeder von ihnen trägt ein Schwert von Yemen mit zwei scharfgeschliffenen Schneiden.

Sie prangen in ihrem Harnisch, und schlagen Wunden jeder Gattung.

Ihr werdet mit ihnen zusammenstoßen, und ihr werdet Männer finden, ausdauernd auch im Unglück.

Ruft man sie zu Hülfe, – sie sind immer bei der Hand, und fragen nicht, für welchen Krieg oder welches Land.

Salma ben Jezid al Djofi, auf den Tod eines Bruders.

Ich rede zu meiner Seele in der Einsamkeit und schelte sie: – Ist das Standhaftigkeit und Stärke?

Weißst Du nicht, daß ich, seit ich lebe, diesem Bruder nicht begegnet bin, als eben in dem Augenblick, wo das Grab sich zwischen ihm und mir geöffnet hat?

Ich war, wie der Tod, bei dieser Trennung in der Nacht, und welche Trennung ist wie die, die erst am Tage des Gerichts ein Ende nimmt!

Was meinen Schmerz besänftigte, war der Gedanke, daß ich ihm eines Tages folgen werde, so süß auch das Leben sein mag.

Er war ein junger, starker Mann, der im Kampf seinem Schwert alle schuldige Ehre erwies.

Wenn er reich war, ging er zu seinem Freund; er hielt sich fern von ihm, wenn er arm war.

Bruchstücke.

Gott übe Barmherzigkeit an Modrek am Tage des Gerichts und der Versammlung der Märtyrer.Des Islam.

Der gute Modrek, er betrachtete seinen Reisegefährten wie seinen Nachbar, auch wenn sein Reiseproviant im Sack hin und her kollerte.

Unbekannter Verfasser.

Rita, die Tochter Asem's, spricht:

Ich stand stille vor den Zelten meines Stammes, und bei dem Schmerz und den Seufzern der weinenden Frauen traten mir die Thränen in die Augen.

Wie die Schwerter des Hind eilten sie, sich im Tod auf dem Schlachtfeld zu tränken.

Diese Reiter waren die Wächter vor dem Zelte des Todes, und ihre Lanzen kreuzten sich wie die Zweige eines Waldes.

Abd-ebn-al-Cebib spricht:

Der Friede Gottes sei mit Keïs-ben-Asem und seine Gnade!

Der Tod des Reïs war nicht der Tod Eines Mannes, sondern der Einsturz eines ganzen Volksgebäudes.

Die vier letzten Bruchstücke sind dem zweiten Theil des Hamasa entnommen, der den Titel hat: »Todtengesänge.«

Die jetzt folgenden Stücke sind aus dem Divan des Stamms der Hodeil .


Taabata Cherran(einer der Helden der Wüste) und zwei seiner Gefährten stießen auf Barik : dieser begab sich weg von ihnen, stieg auf einen Fels und schleuderte von da seine Pfeile herab. – Oh, rief er, Einer von euch wird zuerst todt sein, der Zweite wird ihm folgen, den Dritten aber, den will ich schütteln, wie der Wind den Staub herumjagt. Und Barik machte darauf folgende Verse:

Es war im Lande des Thabit,Name des Taabata Cherran . und seine beiden Gefährten folgten ihm.

Er ermuthigte seine Kameraden, und ich sprach: – Sachte! Der Tod kommt zu dem, der zu ihm kommt.

Und ich zeigte meinen Köcher, in welchem lange Pfeile stacken, und ihre Spitzen leuchteten wie Feuer.

– Einer von Euch wird durch mich des Todes sein; dem Feigsten von Euch Dreien schenke ich das Leben, um Euern Tod zu melden! ...

Der Zweite wird dem Ersten folgen; was aber den Dritten und mich betrifft, so werden wir's machen, wie eine Staubwolke! ...

Thabit sah an den Hügel, der ihn überragte, und machte sich auf den Weg, ihn zu ersteigen.

Er sprach: Das gilt Ihm und Euch Beiden! – Ich hab' es mit dem Tode aufgenommen, zuletzt hab' ich ihn liegen lassen mit abgeschnittener Sehne!

Das Ende des Gedichts ist etwas dunkel; es ist dies ein Mangel aller hohen Poesie, zumal aller speciellen und ursprünglichen Poesie.

Bruchstücke.

Du hast Leïla in Reimen gelobt, die durch ihre Verkettung an gestreifte Stoffe aus Yemen erinnern ...

Gleichen die fetten, schweren Schafschwänze mit saurer Milch gegessen der süßen, rahmreichen Milch der Kameele, die süße Kräuter fressen, mit dem leckern Höcker des Dromedars verspeist? ...

Ist der Duft des Wachholder und des herben SchethEin Kraut, das zum Gerben dient. dem Dufte gleich der wilden Veilchen (Khosama) oder dem frischen Wohlgeruch der Levkoye? ...

Man könnte sagen: Du kennst kein anderes Weib, als Omm Nafi .

Man könnte sagen: Du siehst keinen andern Schatten, dessen Kühle die Menschen ersehnen könnten, als ihren Schatten, und keine Schönheit außer ihr ...

Hat Omm Naufel uns aufgeweckt, um in der Nacht abzureisen? Glück und Heil auf den Weg dem nächtlichen Wanderer, der seine Schritte beschleunigt!

Sie hat uns geweckt, wie in der sandigen Wüste Alidj Omaya die Leute vom Stamm Madjdel aus dem Schlaf aufgestört hat.

Die beiden Frauen brechen auf in der Nacht, aus Furcht, die ermüdeten Kameele könnten sie in dem Getümmel im Stiche lassen.

Ich habe gesehen und gesehen haben auch meine Gefährten das Feuer des Ueddan auf einer Anhöhe. Es war ein gutes Feuer, ein prächtig stammendes Feuer.

Wenn das Feuer im Nebel erstickt zu erlöschen droht, plötzlich sieht man es wieder aufflackern in einem Kranz von Flammen.

Ich sprach zu meinen Gefährten: Folget mir! Und sie stiegen von ihren behenden, schlanken Rossen.

Wir rasteten eine kurze Weile, wie der Katha, und die raschen Kameele mit ausgespreizten Beinen trugen uns von dannen.

Auch in diesen Fragmenten herrscht Dunkelheit, aber Anmuth und Erhabenheit leuchtet doch daraus hervor.

Das Folgende ist der Anfang eines Gedichts von Schanfari, einem Dichter aus dem Stamm Azed, eines Wettrenners von Beruf.

Kinder meiner Mutter, besteiget eure Kameele, ich wende meine Schritte zu andern Menschen, als ihr seid.

Das Reisegeräth ist in Bereitschaft, der Mond scheint, die Kameele sind gegürtet und gesattelt.

Es gibt auf Erden einen Ort, wo man den Haß nicht fürchtet, eine Zufluchtsstätte im Unglück.

Bei meinem Leben, die Erde ist nie zu eng für den weisen Mann, der es versteht, in der Nacht dem Gegenstand seiner Wünsche entgegen zu wandeln, oder weit hinweg von dem Gegenstand seiner Befürchtungen.

Ich werde andere Gefährten haben, als euch; einen Wolf, abgehärtet im Laufen; einen Leopard: bei ihnen braucht man nicht zu fürchten, sein Geheimniß verrathen zu sehen.

Alle sind sie tapfer, lassen sich keine Beleidigung gefallen, und ich stürze mich, wie sie, beim ersten Angriff auf den Feind.

Welch erhabner Ton der Trauer und des Stolzes in dieser Probe! Dies ist überhaupt der Charakter dieser Gedichte von höchstens hundert Versen, welche die Araber Kassideh nennen!

Ein anderer Dichter des Divans Bochteri, einer Gedichtsammlung von unbekannten Verfassern, – Blumen der Wüste, von welchen Nichts als ihr Duft übrig geblieben, – spricht:

Als ich die ersten Feinde durch die Tamarinthen und die stachlichten Bäume des Thales hindurchkommen sah,

Nahm ich meinen Mantel, ohne mich nach Jemand umzuwenden; ich haßte den Menschen, wie ihn das Kameel haßt, dem man eben die Nasenlöcher durchbohrt hat.Um den Ring durchzuziehen, an dem man es lenkt.

Der Uebergang von den Arabern zu den Persern ist ein schroffer. Es ist wie ein Volk von Weibern neben einer Nation von Männern. Sonderbar, daß man neben dem Einfachsten, Männlichsten, Rohsten, was das Genie hat, Geist findet, Nichts als Geist, mit all seinen Spitzfindigkeiten und all seinen weibischen, überfeinerten Manieren. Uranfängliche Barbarei und die letzte Stufe der Verdorbenheit, die Kindheit der Kunst und ihr Greisenalter. Anfang und Ende der Poesie berühren sich. Uebrigens findet sich viel Analogie zwischen der persischen und der italienischen Poesie. Auf beiden Seiten Madrigals, Concetti's, Blumen und Düfte. Geknechtete Völker, Courtisanenpoesie. Die Perser sind die Italiener von Asien.

Ghasel.

Sähe ich diese Zauberin in meinem Schlummer, ich opferte ihr meinen Geist und meinen Glauben.

Dann sehen sie ein Haus von Stein, hoch und ehrwürdig, inmitten eines unangebauten Thales;

Sie treten ein, um darin Gott zu schauen; sie suchen ihn lange und sie sehen ihn nicht.

Wenn sie traurig in dem Haus umhergelaufen sind, hören sie über ihren Häuptern eine Stimme:

O ihr Anbeter eines Hauses! Warum betet ihr Stein und Lehm an? Betet ein anderes Haus an, jenes, das die Auserwählten suchen.

Dschelal Eddin Rumi.

Dieser Dichter ist im Orient berühmt. Er war tief eingeweiht in den Mysticismus der Sufi's, dessen höchste Stufe ein Zustand der vollendeten Ruhe, der Vernichtung, ist: dies ist das Wort, das sie dafür gebrauchen.

Ferideddin Attar gibt in seinem mystischen Gedicht: » Die Sprache der Vögel,« eine merkwürdige Begriffsbestimmung von diesem Zustand der Vernichtung, oder, wie sie es auch nennen, der Armuth:

Das Wesen dieser Religion ist das Vergessen; es ist die Taubheit, die Stummheit, die Ohnmacht.

Ein einziger Sonnenstrahl wischt vor Deinen Augen hunderttausend Schatten weg.

Wenn der allgemeine Ocean sich bewegt, wie sollen die Gestalten, die auf dem Wasser sich abspiegeln, an ihrem Platze bleiben?

Die beiden Welten, die Gegenwart und die Zukunft, sind die Bilder, welche dieses Meer zeigt; der da spricht: es ist Nichts, ist auf dem guten Wege.

Wer in den Ocean des Herzens untergetaucht ist, hat die Ruhe gefunden in dieser Vernichtung.

Das Herz, voll Ruhe in diesem Ocean, das Herz findet dort Nichts als das Nichtsein .

(Noten des Pend-Nameh von Ferideddin Attar, herausgegeben von S. de Sacy .)

Hier sechs schöne Verse von Firdusi, dem berühmten Dichter des Schah-Nameh(Buch der Könige):

Als der Staub sich erhob bei dem Nahen des Heers, Wurden die Wangen unsrer ruhmvollen Krieger bleich,

Da erhob ich das Beil des Jekchm,Beiname von Sam, dem Sohne Nerimans; Sam war der Vater Rustems, und dies ist der Held, der sie schlägt, bewaffnet mit dem Beil eines Vaters. Und mit einem Streich brach ich meinem Heere Bahn. Mein Roß stieß ein Geschrei aus wie ein wüthender Elephant: Die Ebne war bewegt wie die Wellen des Nil.

Jones hat dieses Fragment in englischer Sprache bekannt gemacht. Togrul ben Urslan, der Letzte der Seldschukiden, sang diese Verse laut in der Schlacht, in der er seinen Tod fand.

Der Anfang des Gedichts Schrub von Firdusi scheint uns ebenfalls bemertenswerth:

Ich habe von einem MobedPriester der Magier. erfahren, daß Rustem sich früh am Morgen erhob.

Sein Geist war bekümmert; er rüstete sich zur Jagd; er steckte seine Streitaxt in den Gürtel, und füllte seinen Köcher mit Pfeilen.

Er ging; er sprang auf RakjchSein Pferd. und ließ sein elephantengleiches Roß dahin jagen.

Er wandte sein Haupt nach der Grenze von Turan, wie ein wüthender Löwe, der den Jäger gesehen hat!

Als er an den Grenzen von Turan anlangte, sah er die Wüste voll wilder Esel.

Der Kronenverleiher (Rustem) ward roth wie die Rose, er schüttelte sich und trieb Raksch an.

Mit den Pfeilen, mit der Streitaxt und mit der Schlinge warf er ganze Heerden Wild nieder.

Wir schließen diese Auszüge mit einem Pantum, einem malayischen Lied von köstlicher Originalität:

Malayisches Pantum.

Die Schmetterlinge flattern rings umher auf ihren Schwingen,
Sie fliegen dem Meer zu, nahe der Felsenkette.
Mein Herz ist krank in meiner Brust
Von meinen ersten Tagen bis zur heutigen Stunde.

Sie fliegen dem Meer zu, nahe der Felsenkette ...
Der Geier richtet seinen Flug gegen Bandam.
Von meinen ersten Tagen bis zur heutigen Stunde
Habe ich viele junge Männer bewundert.

Der Geier richtet seinen Flug gegen Bandam...
Und läßt seine Federn fallen auf Patani;
Ich habe viele junge Männer bewundert,
Aber keiner ist zu vergleichen mit meinem Auserkornen.

Er läßt seine Federn fallen auf Patani...
Siehe da, zwei junge Tauben!
Kein junger Mann kann sich vergleichen mit meinem Auserkornen,
So geschickt ist er, das Herz zu rühren.

Wir haben uns keine Mühe gegeben, Ordnung in diese Mittheilungen zu bringen. Es ist eine Handvoll Edelsteine, die wir auf gut Glück und in der Eile aus der großen Fundgrube des Orients herausgreifen.

Ende der Anmerkungen


No es bestia que non fus hy trovada.
Joan Lorenzo Segura de Astorga.

Kein wildes Thier, das dort nicht auch sich fände.

Dort zwischen Felsen eingeschnitten
Siehst Du die Schlucht, die Grauses hegt,
Wild, buschig, fern den Menschentritten,
Dem Büschel Wolle gleich inmitten
Der Hörner, die der Widder trägt.

Dort sträubt der Löwe seine Mähne,
Es brüllt der Tiger, buntgefleckt,
Der Schakal heult und die Hyäne,
Es fletscht der Leopard die Zähne,
Das Pantherthier, das Blut geleckt.

Es kriecht, es wimmelt in dem Raume
Von Ungeheuern, triefend schleicht
Der Basilisk von gift'gem Schaume,
Plump hängt die Boa an dem Baume,
Die selber einem Baumstamm gleicht.

Fischadler, röthlich unterlaufen
Das Aug', und Aff' und Schlange, – das
Zischt Alles, summt, wie Bienenhaufen,
Flußpferd' und Elephanten schnaufen,
Bambus zerstampfen sie wie Gras.

Dort haust die Brut, voll grimmer Hitze,
Die kreischt und kläfft und heult im Grund,
Durch Strauch und Büsche zuckt's, wie Blitze,
Ein Auge flammt aus jeder Ritze,
Aus jeder Höhle brüllt ein Schlund ...

Doch lief ich, nackt, bei all den Pfoten
Und Klau'n, nicht mindere Gefahr
Dort, als bei Nurmahal, der Rothen,
Die spricht so sanft, wie Himmelsboten,
Und blickt aus Augen mild und klar.

November, 1828.

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