Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Victor Hugo >

Victor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band

Victor Hugo: Victor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band - Kapitel 100
Quellenangabe
typepoem
authorVictor Hugo
titleVictor Hugo's sämmtliche poetische Werke. Zweiter Band
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung. (Adolf Benedict.)
seriesVictor Hugo's sämmtliche Werke
volumeZwanzigster Band
printrunDritte revidirte Auflage
year1860
firstpub1822
translatorLudwig Seeger
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071129
projectid17f45d6e
Schließen

Navigation:

VII.

Des Pascha's Schmerz.

Getrennt von Allem, was mir theuer war,
Verzehr' ich mich verlassen, ohne Trost.

Byron.

Der Derwisch sprach: – Was mag der Schatten Allah's haben? –
Sein Seckel ist so reich, so arm sind seine Gaben.
Starr, geizig, finster blickt er, bitter lächelnd, drein.
Hieb eine Schart' er wohl in seines Vaters Degen?
Brüllt', ein empörtes Meer, ihm wohl sein Heer entgegen?
  Hört' er's bis in sein Schloß hinein? –

– Was hat der Pascha doch, der Kühnste der Beziere? –
Mit rothen Lunten sprach's die Schaar der Bombardiere.
– Hat diesen Eisenkopf ein Iman wohl gebeugt?
Hat er im Ramazan vielleicht versäumt zu fasten?
Und hat man ihm, indeß er ruhen wollt' und rasten,
Den Engel Azraël am Höllenthor gezeigt?Azraël, der türkische Todesengel.

– Was hat er? – fragten leis verdutzt die Ikoglane;
Ging wohl ein Weihrauchschiff ihm unter, das die Fahne
Des Pascha trug, gefüllt mit duft'gem Oel ein Kahn?
Will seinen Ruhm man ihm in Stambul nicht verzeihen?
Durft' ein ägyptisch Weib ihm Arges prophezeihen?
  Sah er den stummen Noten nahn?

– Was fehlt dem Sultan wohl? – So fragten die Sultanen,
Traf er sein braunes Lieb im Schatten der Platanen,
Die Favoritin wohl, die ros'ge, bei dem Sohn?
Hat man das Bad gewürzt ihm mit gemeinen Oelen?
Im Sack des Fellah hat er wohl vermißt beim Zählen
Ein Haupt, das im Serail man längst erwartet schon?

– Was hat doch unser Herr? – Die Sklaven all, die Thoren,
Sie täuschen sich! – Wenn er, für Hof und Heer verloren,
Dasitzt, dem Greise gleich, den schwer das Alter beugt,
Dem Krieger, der sich Ruhm geholt einst im Gefechte,
Und der drei Tage schon und schon drei lange Nächte
  Die Stirn in seine Hände neigt; –

Nicht darum ist's, weil er gesehn, wie die Revolte
In seinem Harem ihn belagernd tobt' und grollte,
Weil bis zu seinem Bett die Fackel zündend fuhr,
Des Vaters altes Schwert hat Scharten nicht empfangen,
Nicht Azraël erschien, kein Stummer kam gegangen,
Zu überreichen ihm die schwarze seidne Schnur.

Der Schatten Allah's hat gefastet, die Sultane
Ist wohlbewacht, sein Sohn zu jung noch, keinem Kahne
Noch Schiff des Pascha ward das Meer zur feuchten Gruft.
Auch des Tataren Sack war voll, nicht zu erschöpfen,
Im süßen Kerker, im Serail, hat's nicht an Köpfen
  Gefehlt und nicht an würz'gem Duft.

Die Städte sind es nicht, die rollen ins Verderben,
Die Menschenleichen nicht, die schwarz die Thäler färben,
Hellas in Flammen nicht, zerstört durch Omar's Sohn.
Die Wittwen, Waisen sind es nicht, die ihn erschüttern,
Die Kinder nicht, erwürgt vor ihren armen Müttern,
Jungfrau'n im Bazar nicht, verkauft um schnöden Lohn; –

Nein, nein, die sind es nicht, die klagenden Gestalten,
Die Töne nicht, die grell ins Ohr ihm mahnend schallten,
Der Strahl nicht, der die Nacht durchfurchte blutig roth.
Was hat der Pascha denn, der jedem Zeitvertreibe
Entsagt und sinnt und träumt und weint gleich einem Weibe? ... –
  Sein nubisch Tigerthier ist todt.

December, 1827.

 << Kapitel 99  Kapitel 101 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.