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Versuche den wahren Stand der Natur des Menschen zu entdecken

Christoph Martin Wieland: Versuche den wahren Stand der Natur des Menschen zu entdecken - Kapitel 8
Quellenangabe
typeessay
booktitleC. M. Wieland's sämmtliche Werke. Neunundzwanzigster Band.
authorChristoph Martin Wieland
year1857
firstpub1770
publisherG. J. Göschen'sche Verlagshandlung
addressLeipzig
titleVersuche den wahren Stand der Natur des Menschen zu entdecken
pages40
created20131206
sendergerd.bouillon@t-online.de
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7.

Die Ammen essen, trinken, gehen auf zwei Beinen und thun zwanzig andere Dinge, welche man im Stande der Natur zwar auch, aber vielleicht auf eine andere Manier thut. Ihr Beispiel würde unsere Kinder verführen; sie würden von den Ammen lernen, was sie allein von der Natur lernen sollen. – Rathet, was zu thun ist!

Wie gefiele euch folgender Vorschlag? – ich weiß keinen bessern! – Wir haben die Ammen – stumm gemacht; wie wär' es, wenn wir nun die Kinder – blind machten?

Man versteht schon, wie dieß gemeint ist: nicht so stockblind, wie uns gewisse Leute, die ich nicht nennen will, gern auf unser ganzes Leben machten, – vermuthlich um uns die Mühe zu ersparen, zu sehen, wie sie mit uns wirthschaften 213 würden; denn ein Blinder, insofern er eine schöne Frau, eine gute Tafel und guten Wein im Keller hat, ist der brauchbarste Mann von der Welt; – sondern nur blind, solange wir's vonnöthen haben.

Ohne geschicktern Mechanikern, als ich bin (d. i. den allerungeschicktesten unter allen mit eingeschlossen), vorgreifen zu wollen, könnte dieß am füglichsten durch eine Art von Binden geschehen, welche eben nicht völlig so fest anschließen müßten, als das magische Diadem, womit die schöne SeilerinOeuvres de Louise Charly, dite Labé ou la belle Cordière, p. 13. Mehr von ihr in dem Bande, welcher die literarischen Miscellaneen enthält. W. dem Amor die Augen verbindet, die ihm die Göttin Narrheit ausgeschlagen hatte; aber doch fest genug, daß die Kinder unvermögend wären, sie wegzuschieben oder auf irgend eine Weise eher abzunehmen, bis es Zeit wäre, sie wieder davon zu befreien.

So viele Schwierigkeiten fangen an verdrießlich zu werden, und dennoch ist wenigstens noch eine übrig, welche wir vielleicht nicht anders als – nach König Alexanders Weise werden auflösen können.


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