Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Christoph Martin Wieland >

Versuche den wahren Stand der Natur des Menschen zu entdecken

Christoph Martin Wieland: Versuche den wahren Stand der Natur des Menschen zu entdecken - Kapitel 6
Quellenangabe
typeessay
booktitleC. M. Wieland's sämmtliche Werke. Neunundzwanzigster Band.
authorChristoph Martin Wieland
year1857
firstpub1770
publisherG. J. Göschen'sche Verlagshandlung
addressLeipzig
titleVersuche den wahren Stand der Natur des Menschen zu entdecken
pages40
created20131206
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

5.

Gesetzt nun, unsere Fabrik von Caraiben, Californiern oder Patagonen – wie ihr wollt – wäre im Gange, (wiewohl so etwas im Project freilich schneller geht, als in der Ausführung), und gesetzt, die erforderliche Anzahl von Kindern wäre fertig, – alle so gut, sauber und auf die Dauer gearbeitet, als es der Gebrauch, den wir von ihnen machen wollen, erfordert; so fragt sich nun: Wo finden wir einen bequemen Ort, unsere Versuche mit ihnen anzustellen?

Nach meinem Plane – den ich, aus schuldiger Hochachtung für den Genius unserer Zeit, so ökonomisch gemacht habe, als es nur immer möglich ist, – wird dazu wenigstens ein Umfang von hundert und zwanzig deutschen Meilen im Durchschnitt erfordert. Denn wir haben nichts gethan, wenn wir nicht verschiedene Versuche zugleich anstellen, und ein jeder verlangt einen ziemlichen Raum, weil Alles davon abhängt, daß die verschiedenen Haufen, in welche wir die Kinder vertheilen, wenigstens dreißig Meilen ringsum von einander abgesondert werden. Fänden sie einander, einer so beträchtlichen Entfernung ungeachtet, dennoch und wüchsen in eine Gesellschaft zusammen; so dürfte dieses sodann, ohne Bedenken, für eine öffentliche Erklärung der Natur angesehen werden können:

»Daß sie, alles Einwendens von Seiten Rousseau's ungeachtet, zum geselligen Leben erschaffen seyen.«

Aber wo, ich bitte alle Geographen und Seefahrer beider Halbkugeln, wo finden wir ein Land von vierhundert Meilen im Umfange, welches unter einem sehr milden Himmel liege und entweder noch gänzlich unbewohnt oder von so gutherzigen Leuten bewohnt sey, daß sie willig und bereit 211 wären, einer physikomoralischen Aufgabe zu Gefallen auszuziehen und uns ihr Land zu Versuchen zu überlassen, wobei sie, allem Ansehen nach, sehr wenig zu gewinnen haben werden?


 << Kapitel 5  Kapitel 7 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.