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Versuche den wahren Stand der Natur des Menschen zu entdecken

Christoph Martin Wieland: Versuche den wahren Stand der Natur des Menschen zu entdecken - Kapitel 5
Quellenangabe
typeessay
booktitleC. M. Wieland's sämmtliche Werke. Neunundzwanzigster Band.
authorChristoph Martin Wieland
year1857
firstpub1770
publisherG. J. Göschen'sche Verlagshandlung
addressLeipzig
titleVersuche den wahren Stand der Natur des Menschen zu entdecken
pages40
created20131206
sendergerd.bouillon@t-online.de
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4.

Diese Erfahrungen oder Versuche, wovon die Rede ist, müssen mit kleinen Kindern angestellt werden, daran ist kein Zweifel; und diese Kinder können nicht jung genug ausgehoben werden, wofern sie zu unserm Zwecke taugen sollen. Unstreitig wäre das Allerbeste, wenn wir sie schon als bloße Homunculos bekommen könnten; – wenigstens könnten wir dann am gewissesten seyn, daß ihre Leiber und Seelen noch keine merkliche Veränderung durch die Eindrücke von Erziehung, Unterricht, Polizei, Religion und Sitten aus dem gesellschaftlichen Stande erlitten haben könnten.

Aber ich besorge, daß dieses schlechterdings nicht möglich zu machen seyn werde.

Inzwischen fragt sich, woher diese Kinder kommen sollen? und es ist leicht zu sehen, daß diese Frage nicht ohne Schwierigkeit ist. In der bürgerlichen Gesellschaft werden wohl 209 keine andere als aus der unglücklichen Zahl der Kinder der Venus Volgivaga zu diesen Versuchen gebraucht werden können. Denn die Philosophen haben entweder selbst keine andere – oder, wenn sie andere haben, würde schwerlich ein einziger unter ihnen Philosoph genug seyn, sie zu einem solchen Versuch herzugeben, wie gemeinnützig auch die Absicht desselben immer seyn möchte.

Nun ist zwar, was die Findlinge betrifft, die günstige Meinung des Vanini von diesen armen Geschöpfen, wie ärgerlich sie auch dem Doctor Warburton ist,S. Jul. Caes. Vanini de Natura regina deaque Mortalium und Warburtons Anmerkung zum Monolog des Edmund im König Lear, Shakesp. Vol. VI. p. 16. W. noch immer die gemeinste: aber daran ist sehr zu zweifeln, ob in allen Findelhäusern des größten und policirtesten Reiches von Europa auf einmal eine so große Anzahl von gesunden und dauerhaften Säuglingen, als wir vonnöthen haben, aufzutreiben seyn würde, – und dieß, nebst verschiedenen andern Umständen, wohl erwogen, glaube ich nicht, daß man werde vermeiden können, eine eigene Fabrik zu unserm Zweck anzulegen.

In diesem Falle wollte ich ohne Maßgabe die Caraiben oder die Esquimaux in America oder auch die Californier vorgeschlagen haben, welche, wenn wir den nicht gar zu wohl zusammenhängenden Berichten des Pater Venegas glauben, unter allen Anthropomorphis dem Rousseauischen Mann-ThierEin Wort, das wir dem alten Froschmäuseler zu danken haben. W. am Nächsten kommen. Jedoch sehe ich auch nicht, was dagegen eingewendet werden könnte, wenn unsere Pliniusse oder Maupertuis lieber die Patagonen, mit welchen uns der Commodore Byron bekannter gemacht hat, dazu gebrauchen möchten; – wenn sie auch gleich nicht völlig so sehr Riesen wären, als Blaubart oder der schreckliche Popanz Petit Poucet, – wie man uns anfangs glauben machen wollte. 210


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