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Versuche den wahren Stand der Natur des Menschen zu entdecken

Christoph Martin Wieland: Versuche den wahren Stand der Natur des Menschen zu entdecken - Kapitel 4
Quellenangabe
typeessay
booktitleC. M. Wieland's sämmtliche Werke. Neunundzwanzigster Band.
authorChristoph Martin Wieland
year1857
firstpub1770
publisherG. J. Göschen'sche Verlagshandlung
addressLeipzig
titleVersuche den wahren Stand der Natur des Menschen zu entdecken
pages40
created20131206
sendergerd.bouillon@t-online.de
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3.

Aber, wie wenn alle Wissenschaft der gelehrtesten Akademisten in Europa und alle Macht der Könige in Asien zusammen genommen nicht vermögend wäre, zu Stande zu bringen, was bei näherer Untersuchung – unmöglich scheint?

Ohne Zweifel ist die Erfahrung das kürzeste und sicherste Mittel, hinter das Geheimniß unserer Natur zu kommen. Versuche sind der gerade Weg; das heißt die Natur selbst fragen: und dieses Orakel pflegt gemeiniglich eine deutlichere Antwort zu geben als alle andere, wenn wir nur die Kunst verstehen, es recht zu fragen.

»Und welches sind denn die Mittel, diese Erfahrungen im Schoße der Gesellschaft anzustellen?« fragt Rousseau. –

Das mögen die Götter wissen! – Denn, wenn diese Mittel so gewählt werden müssen, daß wir gewiß seyn können, der Natur die Antwort, welche sie uns geben soll, nicht selbst untergeschoben zu haben, so – müssen wir die menschliche Natur schon sehr genau kennen; und eben, weil wir sie gern kennen möchten, sollen diese Versuche angestellt werden.

Mir däucht, es ist nur ein Weg, aus diesem Cirkel zu kommen, und er ist in der That so leicht zu finden, daß man (mit Tristram zu reden) nur seiner Nase folgen darf; nämlich:

»Weil es unmöglich ist, Versuche anzustellen, von denen man sich gar keinen Begriff machen kann; so müssen wir solche in Vorschlag bringen, deren Möglichkeit sich wenigstens träumen läßt.«

208 Ferne sey von uns die Vermessenheit, ein Problem auflösen zu wollen, an welches sich sein Erfinder selbst nicht gewagt hat! er, der ein so großer Meister ist, auf die verwickeltsten Fragen eine scharfsinnige Antwort zu finden. Alles, wozu wir gut genug zu seyn glauben, ist, daß wir – bis die neuesten Stagyriten und Pliniusse, denen dieses Abenteuer aufbehalten bleibt, ihre Auflösung gegeben haben werden – uns bemühen, einen Theil der Schwierigkeiten anzuzeigen, die irgend ein abgeneigter Dämon diesen nämlichen Erfahrungen entgegen zu stellen scheint, von welchen, nach Rousseau's Meinung, die Entdeckung der wahren ursprünglichen Beschaffenheit der menschlichen Natur abhängt.


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