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Verirrt in den Zeiten

Oswald Levett: Verirrt in den Zeiten - Kapitel 5
Quellenangabe
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typefiction
authorOswald Levett
titleVerirrt in den Zeiten
publisherVerlag Das Neue Berlin
year1984
firstpub1933
correctorreuters@abc.de
senderJens Sadowski
created20130612
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Viertes Kapitel

Frau Büttgemeister gehörte nicht zu jenen Menschen, die gerne von sich selbst erzählen. Was ich von ihr erfuhr, war folgendes:

Sie und ihr längst verstorbener Gemahl entstammten altangesessenen Patriziergeschlechtern. Ihr Gatte war Professor der Mathematik zu Tübingen gewesen. Weit mehr aus Neigung als um des Erwerbes willen, denn er war Erbe althergebrachten Reichtums.

Dieser Wohlstand wurde aufgezehrt durch irgendwelche Forschungen, Experimente ihres Sohnes. Die Not der Nachkriegszeit tat dann ihr übriges. So blieb von all den Häusern, Feldern, Faktoreien nur jene kleine Wohnung mit dem Hausrat.

Doch mit dem wirtschaftlichen Niedergange war ihre Schwermut immer noch nicht zu erklären. Dazu war ihre Phantasie zu reich und ihr Gemüt zu tief.

Die Trauer galt dem Sohne, dem »Einzigen«, dem »armen Kinde«.

Und doch vermied sie stets, von ihm zu sprechen.

Wenn er im Krieg gefallen, verschollen, in der Gefangenschaft verstorben war, so hätte sie es doch mit einem Worte angedeutet. Starb er den Tod eines Verräters? Starb er im Wahnsinn? Oder waltete hier sonst ein düsteres Geheimnis?

Eines Tages waren meine Notizen über den Fremden von Ansbach vom Schreibtisch verschwunden. Alles Suchen blieb vergeblich, so daß ich meine Hauswirtin um Hilfe bitten mußte.

Wirklich fand sie das Blatt, das sich zwischen dem Rücken des Schreibtisches und der Zimmerwand lautlos und tückisch versteckt hielt.

So kam es, daß ich das Gespräch auf den Inhalt jenes Blattes brachte.

Nun hatte ich zwar schon früher oft bemerkt, daß sie das Übersinnliche, wenn schon nicht glaubte, so doch keineswegs bestritt und daß sie den okkulten Dingen bereitwillig entgegentrat. Vielleicht erzeugt das Alter jenen Hang zur Mystik.

Allein die Teilnahme, welche dieser neue Gegenstand in ihr erweckte, war befremdlich.

Frage stellte sie um Frage, und mit jeder Antwort, die ich gab, wuchs ihre Erregung.

Schließlich gab ich dem Gespräche fast gewaltsam eine andere Wendung; so groß war die Erregung meiner Wirtin, so unverständlich und darum so unheimlich.

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