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Verirrt in den Zeiten

Oswald Levett: Verirrt in den Zeiten - Kapitel 34
Quellenangabe
pfad/levett/verirrt/verirrt.xml
typefiction
authorOswald Levett
titleVerirrt in den Zeiten
publisherVerlag Das Neue Berlin
year1984
firstpub1933
correctorreuters@abc.de
senderJens Sadowski
created20130612
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Dreiunddreißigstes Kapitel

Fragen flammten auf und schwebten überm Abgrund gleich Irrlichtern und erloschen.

Wiedererringen, was vergangen ist, und dem Künftigen entgegeneilen; wohl . . . Aber wenn ich von heute in zweihundert Jahren längst verstorben bin, wie kann ich dann zur selben Zeit, auf der Maschine sitzend, leben? Vielleicht vom Fahrzeug steigen und frisch und lebendig meine eigene Gruft besuchen, wo meine längst vermoderten Gebeine ruhen?

Und in der Vergangenheit: Wenn ich gestern ging und stand und allerhand verrichtete, wie kann ich dann dasselbe Gestern, auf der Maschine fahrend, noch einmal durchleben, also zu gleicher Zeit auf der Maschine und außerhalb derselben? Oder hat etwa die alte Fabel von den Doppelgängern, welche sterben müssen, wenn sie je zusammentreffen, einen ungeahnten, tiefem Sinn?

Wenn es möglich ist, die Zeit zu überwinden, so muß es doch, sowie es mir geglückt ist, ob früher oder später, auch ein andrer Mensch zuwege bringen; es muß Gemeingut aller Menschen werden, wie die Dampfmaschine, wie das Luftschiff. Warum ist dann noch nie ein solcher Zeitumsegler auch bei uns erschienen?

Wenn es ihn gelüstete, haltzumachen irgendwo in der Vergangenheit, hier die Errungenschaften künftiger Jahrtausende bekanntzugeben, wäre nicht die Weltgeschichte eine andere geworden? Ein Dampfboot für die Perser bei Salamis, Europa wäre persisch; zwei Feldgeschütze bei den Puniern vor Zama, und die Kultur des Abendlandes wäre punisch.

Und wenn es solch einem Zeitenwanderer beifiele, zurückzujagen bis in die entfernteste Vergangenheit, bis an die Wiege allen menschlichen Geschlechts, und hier mit ein paar Bomben oder mit einer Phiole giftiger Bakterien alles Leben zu vernichten – wo wäre dann die Menschheit, wo ich selbst? Und wenn ich jetzt meinen kinderlosen Ahnen Matthäus Büttgemeister ums Leben brächte . . .

Nicht länger konnte ich in diesen Flammenabgrund starren, mein Blick umflorte sich, und ich versank in lähmende Erschöpfung.

Wie war ich hergekommen? War’s Landung oder Strandung? Wo war es hingesegelt, das Gespensterschiff, wo war das Flügelroß dahingestürmt, der Zauberdrache, die Chimäre? Hat es ein Brontosaurier mit einem Prankenhieb zerschellt? Wird man es einst in einer Höhle des Eozän entdecken und den rätselhaften Fund bestaunen? Oder ist es fortgerast bis an den Anfang allen Anfangs, bis in den Urbeginn der Erdentage, um in den Flammennebeln der Erschaffung zu verdampfen?

Unwiederbringlich fort, mein Zauberroß, der Bringer des Unwiederbringlichen. Bis wieder einmal, in Äonen, ein anderer vollbringt, was ich begann, ein anderer Prometheus dem Himmel seinen Blitz, die Zeit der Ewigkeit entringt.

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