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Verirrt in den Zeiten

Oswald Levett: Verirrt in den Zeiten - Kapitel 19
Quellenangabe
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typefiction
authorOswald Levett
titleVerirrt in den Zeiten
publisherVerlag Das Neue Berlin
year1984
firstpub1933
correctorreuters@abc.de
senderJens Sadowski
created20130612
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Achtzehntes Kapitel

Und nun verhüllen wieder Nebel meinen Blick. Nebel steigen aus den Schlünden jener Tage letzten Ringens, wie im Nebel wogt mir die Erscheinung meines unbekannten Helfers.

Er war kein milder Gläubiger. Immer wieder war er da, plötzlich, wie aus der Erde aufgeschossen und doch wie von weiter Ferne hergeweht, und drängte und fragte nach dem Fortgang.

Endlich sagte ich, in berechtigter Entrüstung: »Nicht Sie, ich könnte die Geduld verlieren. Sie sehen doch, wie ich mich plage und wie mich die Arbeit schier verzehrt. Wo bleibt da die Barmherzigkeit? Ist dieses fortwährende Mahnen christlich?«

»Barmherzigkeit! Wer ist mit mir barmherzig? Nein, nicht christlich, jüdisch; nicht Barmherzigkeit, Vertrag. Ihr seid mir durch das Geld verbunden, durch Vertrag verpflichtet. Auf dem Rechte des Vertrags bestehn, das ist Art der Juden.«

Ein andres Bild taucht aus der Dämmerung. Ein Frühlingsabend.

Er stand am Fenster und die letzten Sonnenstrahlen umspielten seine Locken und milderten die düstre Wildheit in Schwermut, ehrfurchtgebietend.

Während er gierigen Blicks und stumm die Werkzeuge und die Modelle musterte, da fragte ich mich, was ihn wohl zu solch begieriger Teilnahme vermöge. Seine Hilfe – das hatte ich erkannt – galt nicht dem Schöpfer, sondern seinem Werk. Denn Mitleid war diesem Manne fremd; er kannte wirklich weder Furcht noch Hoffnung oder Mitleid.

Wenn’s also nur das Werk war, warum dann diese leidenschaftliche Erwartung? Ein Unternehmer, dem es um Gewinn ging, war er nicht, der Einsame, der wie in einem Zauberkreise unerforschlicher Geheimnisse dahinzog, entrückt den Zeiten und den Menschen. Ein Förderer der Wissenschaft? Er schien mir nicht gelehrt, und wenn er auch gar manches wußte von fernen Völkern und aus vielen Zeiten – ich weiß nicht, wie es kam, ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, daß diese Wissenschaft erlebt sei, nicht erlernt.

Indes ich ihn betrachtete, schweigend und ernst, formten sich, mir selbst halb unbewußt, die widerstreitenden Gedanken zur lauten ausgesprochnen Frage.

Und ihm entfuhr es mit einem Seufzer, gleich einem Sturmwind ungeheurer Sehnsucht: »Ach, wenn ich es erst hätte, dies Ding, dies Unding! Dann fort, fort bis ans Ende aller Zeiten!«

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