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Verirrt in den Zeiten

Oswald Levett: Verirrt in den Zeiten - Kapitel 11
Quellenangabe
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typefiction
authorOswald Levett
titleVerirrt in den Zeiten
publisherVerlag Das Neue Berlin
year1984
firstpub1933
correctorreuters@abc.de
senderJens Sadowski
created20130612
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Zehntes Kapitel

Ich konnte nur mit einem stummen Händedruck erwidern und ging. Quälendes Grübeln bemächtigte sich meiner. Es war nicht nur der Kummer meiner mütterlichen Freundin, der mich tief ergriff, nicht das düstre Rätsel, das mich dumpf bedrückte – dunkle Zusammenhänge waren’s, die mich fesselten und schreckten.

Wie war doch die Konstellation am Tage des Verschwindens Erasmus Büttgemeisters? Neptun im vierten Hause. Uranus, Jupiter, Saturn in Konjunktion und im Trigon zu Mond und Sonne.

Die gleiche Konstellation berichtet der Mönch von Oldisleben vom 9. Juli 1632, dem Tage, da der Fremde sich in Ansbach plötzlich zeigte. Freilich schweigt er von Neptun und von Uranus. Aus guten Gründen. Denn die waren damals noch nicht bekannt.

Und hatten die Astrologen nicht der alten Frau erklärt, ein solches Zusammentreffen der Gestirne finde nur alle drei Jahrhunderte statt und es bedeute Außerordentliches, Unaufgeklärtes?

Erasmus Büttgemeister war im April 1906 verschwunden. Im Jahre 1906 – so melden alle Quellen – wurde der Fremde von Ansbach rückversetzt ins 17. Jahrhundert.

Was war es doch für eine Erfindung, an die Erasmus Jahre seines Lebens wendete, »das Größte, was je Menschengeist ersann«? Was war das für eine Maschine, die plötzlich unsichtbar werden konnte?

War der Mann, den ein Warnbühler als Genie bezeichnete, ebenbürtig Galilei, Newton, aus dessen Zügen Lenbach ungeheuren Verstand und unbeugsamen Willen sprechen ließ, war dieser Mann ein Narr, ein Schwärmer?

Ich trat vors Bildnis hin, den Leuchter in der Hand, und ließ die Lichter und die Schatten der Kerzenflamme darauf spielen, gleichsam um diese streng beherrschte Ruhe zur Bewegung zu beleben, als könnte dieser herb verschlossene Mund sich öffnen und das Geheimnis jener trotzigkühnen Stirn verraten.

Was hatte sich in diesem Raume hier, wo ich selbst seit vielen Wochen lebte, zugetragen: ein heimliches Verbrechen oder die Tragödie eines Genies, das Ungeheures unternahm und Ungeheures erlitt?

Immer wieder, auch in den nächsten Tagen, kreisten meine Gedanken um diesen Gegenstand; wurde ich doch durch meine tägliche Umgebung stets aufs neue dran erinnert. Schließlich wurde dieses fortwährende Grübeln so quälend, daß ich soviel als möglich außer Hause arbeitete und trotz der schlechten Jahreszeit weite Spaziergänge machte, nur um das Haus zu meiden.

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