Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Friedrich Gerstäcker >

Verhängnisse

Friedrich Gerstäcker: Verhängnisse - Kapitel 2
Quellenangabe
typenarrative
authorFriedrich Gerstäcker
titleVerhängnisse
booktitleErzählungen und Humoresken
publisherHesse & Becker Verlag
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20151228
projectid
Schließen

Navigation:

1. Mädchen-Launen.

In der 14. Avenue, in einem der elegantesten Häuser dieser überhaupt bevorzugten Gegend von Neuyork, da hier gerade die Aristokratie der reichen Handelsstadt ihren Wohnsitz aufgeschlagen, saß an dem offenen Balkon, unter einer wahren Laube von hohen breitblätterigen Topfgewächsen, Jenny Wood, eines der schönsten und reichsten Mädchen der Stadt. Unmittelbar hinter ihr, aber so, daß er von der Straße aus nicht gesehen werden konnte und doch dicht neben der Geliebten war, in deren dunkelbraunen Locken seine Finger spielten, lehnte George Halay, ihr erklärter und glücklicher Bräutigam.

Er hatte ihr zugeflüstert, wie selig er sich fühle, jetzt so nahe dem Ziel seiner Wünsche zu sein – denn in zwei Tagen sollte schon ihre Vermählung gefeiert werden – und einen heißen Kuß drückte er dabei auf die ihm zugekehrte schneeige Schulter – Jenny aber, ein etwas verzogenes Kind und sich ihrer Reize eigentlich ein wenig zu sehr bewußt, sagte, indem sie die Schulter emporzog und den Kopf halb zur Seite wandte:

»Komm, George, sei vernünftig und betrag' dich anständig. Was sollen denn die Leute von uns denken, wenn sie uns von da drüben beobachten?«

»Aber, Schatz, was kümmern uns die Leute!« lachte George. »Oder glaubst du etwa, daß mich einer deshalb tadeln – ja nicht von Herzensgrund aus beneiden würde?«

»Aber, George,« rief Jenny halb beleidigt, indem sich ihr ein rosiger Hauch über Stirn und Schläfe zog – »schäm' dich, auch nur so etwas zu sagen – du weißt doch, daß ich es nicht leiden kann. Du willst mich wieder ärgern.«

»Wie du nur heute bist, Jenny!« bat George – »Hab' ich dich mit irgend etwas gekränkt, so kann es nur durch meine Liebe zu dir sein, denn weiter bin ich mir nichts bewußt.«

»Auch die kann lästig werden,« sagte die junge Lady, indem sie die Arme fest zusammenzog und die zarten Lippen fast wie ein trotziges Kind etwas vorschob. Es gefiel ihr gerade einmal, ein wenig zu schmollen, und sie ärgerte sich in dem Augenblicke vielleicht nur darüber, daß sie eigentlich keinen wirklichen Grund dafür hatte oder wußte.

»Jenny,« bat George vorwurfsvoll, »das waren recht häßliche Worte, und ich würde viel darum geben, wenn du sie nicht gesagt hättest.« – »Komm,« setzte er nach einer kleinen Weile freundlich hinzu, – »sei kein Kind – ich wußte ja nicht, daß es dir so unangenehm sei.«

»Auf offener Straße geküßt werden? – und deshalb soll ich ein Kind sein?« rief das junge Mädchen, sich wieder halb zu ihm drehend, ohne ihn aber anzusehen – »Mr. Halay, Sie werden immer liebenswürdiger.«

»Aber, Herz, auf offener Straße? – ich sitze hier so von den Zweigen verdeckt, daß mich kein Indianer herausfinden würde. – Sei gut, Jenny – komm ins Zimmer, daß wir unsere Versöhnung feiern können, wenn du mir wirklich auch nur für einen Augenblick böse gewesen bist, Schatz! Sei gut, Jenny.«

Jenny war wirklich von Herzen gut, aber, wie schon erwähnt, ein so durchaus verzogenes und verwöhntes, ja durch Schmeicheleien übersättigtes junges Wesen, daß es ihr das größte Vergnügen gewährte, den Geliebten um Verzeihung bitten zu hören, wo er eigentlich gar nichts verbrochen hatte. Sie liebte George wirklich leidenschaftlich, und daß sie ihn heiratete, verstand sich von selbst – lieber Gott, sogar die Vorbereitungen zu ihrem Hochzeitsschmaus waren ja schon getroffen, und sie würde in Verzweiflung gewesen sein, wenn sie sich nur die Möglichkeit hätte denken sollen, ihn zu verlieren – aber ihn ein wenig zu quälen, konnte gar nichts schaden – er mußte beizeiten inne werden, daß sie künftig die Herrin im Haus zu sein gedenke, und je früher er sich mit dem Gedanken vertraut machte, desto besser.

Anstatt seiner Bitte Gehör zu geben, rückte sie sich ihren Stuhl noch ein wenig weiter auf den Balkon hinaus, wo er ihr gar nicht nahen durfte, wenn er sie nicht aufs neue beleidigen wollte, und alle seine Schmeichelreden halfen nichts, bis er endlich, selber gereizt, von seinem Stuhle aufsprang und mit kaum verbissenem Ärger sagte:

»Miß Jenny, Sie scheinen heute ausnahmsweise schlechter Laune, und ich glaube fast, es wird besser sein, Sie für diesen Abend Ihrem eigenen Nachdenken zu überlassen – Good evening, my lady –«

Er blieb stehen, um eine Antwort abzuwarten; Jenny rührte sich aber gar nicht – sie hatte keine Ahnung, daß er überhaupt gehen würde – George dagegen griff in der Tat seinen auf dem Tische stehenden Hut auf, wartete aber nichtsdestoweniger noch auf eine Erwiderung – freilich vergeblich.

»Jenny,« begann er nach einer kleinen Weile wieder, »soll ich gehn? – ist dir meine Zärtlichkeit in Wahrheit lästig?«

Keine Antwort – die kleine Kokette trommelte mit zierlichem Fuß den Takt zu irgend einem imaginären Tanz und summte sich dazu eine für den Augenblick selbsterfundene Melodie. Hätte George ihr Gesicht sehen können, so würde er auch bemerkt haben, daß ein leichtes, selbstzufriedenes Lächeln um ihre Lippen spielte. Sie hatte ihren Bräutigam geärgert, und das war ja eben alles gewesen, was sie bezweckte; aus der Versöhnungsszene ging sie dann als Siegerin hervor und George – aber ging er wirklich? –

» Good bye, Jenny,« sagte George, noch allerdings freundlich, aber auch ganz bestimmt. –

Sie zögerte einen Moment mit der Antwort, aber sie durfte sich gerade jetzt nichts vergeben, oder sie hätte sich damit einen schon errungenen Sieg mutwillig entschlüpfen lassen. –» Good by, Sir,« sagte sie trocken, ohne auch nur den Kopf nach ihm zu wenden, und dann horchte sie, ob er es auch wirklich übers Herz bringen könne, sie so zu verlassen – es war ja auch gar nicht denkbar – er hätte sie nicht wirklich geliebt.

Eine Tür öffnete sich und schloß sich wieder – dann war alles still – der Schelm, das hatte er nur getan, damit sie sich nach ihm umdrehen und ihn zurückrufen solle – aber dabei sollte er sich verrechnet haben. Sie mußte sich freilich etwas Gewalt antun, denn gar zu gern hätte sie den Kopf gewandt, um zu sehen, wo er sich versteckt halte, aber wie würde er nachher gelacht und sie geneckt haben. Nein – er mochte selber wieder kommen; sie wollte wahrlich nicht die sein, die das erste Wort zur Sühne redete – aber er kam nicht. –

Sie horchte – es ließ sich nichts hören, und mit der zierlichen Fußspitze den Boden klopfend, summte sie jetzt ein kleines Lied vor sich hin, das sie aber augenblicklich wieder abbrach, sobald sie sich der Melodie und des dazu gehörenden Textes klar wurde. Dieses Lied: » Where is my lover? can any one tell« – »Wo Ist mein Liebster? wer sagt es mir an –« durfte sie wahrlich nicht singen, so lange er sich in Hörweite befand, oder er hätte natürlich daraus gefolgert, daß sie ihn zurückersehne, und ein trotziger, gar nicht hübscher Zug zuckte dabei um ihre Lippen – ein Zug, der etwa bedeuten sollte, »brauche ich nicht etwa nur die Hand auszustrecken und habe an jedem Finger fünf brillante Anträge, und ich sollte um George Halays willen auch nur den Kopf drehen? – Nie.«

Und doch liebte sie ihn vor all den anderen, die sich mit ihm zugleich um sie bewarben – und war sogar stolz auf ihn, denn George, wie er einer der reichsten und angesehensten Familien der Stadt angehörte, war auch einer der hübschesten und begabtesten jungen Leute von Neuyork und wäre in jedem Haus willkommen gewesen. Es gehörte deshalb nicht zu ihren geringsten Triumphen, ihn gerade zum » Beau« zu haben und – jetzt ein wenig quälen zu können. In wenig Tagen nur waren sie ja doch Mann und Frau, und sie hatte es leider an anderen verheirateten Frauen schon gesehen, daß die Gewalt, welche eine Braut über den Bräutigam ausübt, doch eine ganz andere ist, als wenn das Paar erst einmal verheiratet war und sich nun nicht mehr trennen konnte.

Aber er kam wahrhaftig nicht. Sie saß gegen zehn Minuten – sie saß eine Viertelstunde; endlich aber konnte sie diese Ungewißheit nicht länger ertragen, und sich langsam von ihrem Schaukelstuhl erhebend – als ob sie eben nur müde wäre dort länger zu sitzen, wandte sie sich und trat in das Zimmer hinein. Aber wirklich erstaunt flog ihr Blick dort umher, denn George war nirgends zu sehen – ja fortgegangen, ohne von ihr Abschied genommen zu haben! – Unerhört, und das nur zwei Tage vor der Hochzeit – war sie nicht das unglücklichste, verratenste Wesen, das sich auf der Welt nur denken ließ?

In der Tat preßten sich ihr ein paar klare Tropfen in die Augen, aber rasch schüttelte sie dieselben wieder ab, denn draußen hörte sie die Vorsaaltür gehen – er kam zurück, und durfte ja doch wahrlich nicht erfahren, wie tief sie die Kränkung geschmerzt – aber er kam nicht; – es war eine fremde Stimme – der Postbote wahrscheinlich oder jemand von der Dienerschaft – sie trat jetzt wieder hinaus auf den Balkon und sah die Straße hinab – George ließ sich nirgends erkennen. – Konnte er denn wirklich bös auf sie geworden sein? hatte sie ihn denn gekränkt, oder er sie? Er sie? und womit denn eigentlich? – Sie war vielleicht ein wenig zu weit gegangen, aber du lieber Gott, wenn ein Bräutigam nicht einmal so viel Rücksicht auf seine Braut nahm, was konnte sie dann von dem Ehemann erwarten. – Es war zu abscheulich von ihm und sie schmollte jetzt wirklich. – Aber was half's; auch das brachte ihn nicht zurück, und als der Abend immer weiter vorrückte und George sich wirklich nicht wieder sehen ließ, da ging sie zuerst auf ihr Zimmer und weinte sich im Ärger und Unmut recht herzlich aus und dann nahm sie sich vor, morgen den ganzen Tag im Bett liegen zu bleiben – angeblicher Krankheit wegen – und ihn gar nicht vorzulassen. Sie wollte doch einmal sehen, wer von ihnen beiden zuerst Abbitte tat – aber er kam gar nicht.

Der Abend – der ganze nächste Tag verging und George ließ sich nicht ein einziges Mal sehen – und das am Tage vor der Hochzeit – es war ja himmelschreiend – und ließ sich zuletzt nichts anderes denken, als daß er krank geworden sei – aber sollte sie zu ihm schicken? –

George Halay hatte seit etwa acht Tagen schon das kleine reizend eingerichtete Haus bezogen, das ihre neue Heimat werden sollte; es vergingen deshalb oft Tage, daß er seine Eltern nicht besuchte, denn wieviel gab es in der Zeit nicht zu ordnen und einzurichten, und er konnte in der Tat gar nicht fertig werden, alles herbeizuschaffen, von dem er nur irgend glaubte, daß Jenny Freude daran haben könne. Das ganze Haus glich fast einer ausgeputzten Schmuckkammer, und keine Königin der Welt hatte je ein solches Boudoir besessen.

Jennys Vater fühlte sich endlich selber beunruhigt. Was war nur vorgefallen, daß sich der Bräutigam den ganzen Tag vor der Hochzeit nicht bei ihnen oder seiner Braut sehen ließ, noch dazu, da er die letzten vierzehn Tage schon ihr regelmäßiger Mittagsgast gewesen. Mr. Wood schickte deshalb in Georges nicht ferne Wohnung, erhielt aber die überraschende Antwort, daß die Dienstboten dort selber nicht wüßten, wo ihr Herr sei, da er die Nacht nicht nach Hause gekommen wäre und möglicherweise bei seinen Eltern geschlafen hätte. Am vorigen Abend noch habe er nur ein Paket geschickt, das aber noch uneröffnet in seiner Stube läge.

Mr. Wood ging jetzt selber zu Halay sen., setzte aber dort die Familie selbst in die größte Bestürzung, als er sich nach dem Sohn erkundigte, denn dort wußte kein Mensch etwas von ihm, und die Eltern hatten natürlich geglaubt, daß er jetzt seine ganze Zeit bei den Schwiegereltern verbringe.

Mr. Halay schickte augenblicklich in den Klub, um zu fragen, ob sein Sohn gestern abend dort gewesen sei, denn das war der einzige Platz, wohin er ging, wenn er überhaupt einmal einen fremden Ort besuchte. Man wollte ihn dort aber schon seit vierzehn Tagen nicht mehr gesehen haben – also auch gestern abend nicht – wenn ihm nun ein Unglück zugestoßen war?

Jenny zitterte an allen Gliedern, als ihr Vater die Nachricht nach Hause brachte – etwas Entsetzliches mußte geschehen sein, oder George hätte sie nicht so – einer solchen Kleinigkeit – eines hingeworfenen mutwilligen Wortes wegen, verlassen können. – Sie hatte ganz vergessen, daß sie krank sein wollte, und den ganzen Tag, wenn unten der Klopfer am Haus ertönte, fuhr sie fast krampfhaft zusammen und horchte nach der Tür, ob sie seinen Schritt nicht vernehmen könne – – aber er kam nicht.

Der Tag verging – der nächste – ihr bestimmter Hochzeitstag ebenfalls – kein Bräutigam ließ sich sehen, und wie ein Geist, bleich und ineinandergebrochen, glitt Jenny im Haus umher. – Noch hatte ihr Vater – wenn er sich dies rätselhafte Verschwinden auch nicht erklären konnte – die Hoffnung nicht ganz aufgegeben, denn sämtliche Polizeistationen waren schon an dem Morgen durch ihn und seine Freunde, aber vergebens, abgesucht worden. Von dem Vermißten fanden sie aber keine Spur und konstatierten dadurch wenigstens – immer nur freilich ein schwacher Trost – daß keine bestimmte und authentische Nachricht über einen Unglücksfall vorlag.

Aber was war mit ihm geschehen und weshalb hatte er seine Kleider nach Hause geschickt? Man untersuchte nämlich das Bündel und fand nicht allein seinen ganzen Anzug, sondern in dem Paket auch fest verpackt seine goldene Uhrkette, seine Brillant-Hemdknöpfchen und Tuchnadel, und ein kleines Notizbuch, das aber nur geschäftliche Dinge enthielt. Beraubt konnte er also nicht sein, denn nur die eigentliche Uhr fehlte, und die einzige Möglichkeit, womit man auch Jenny zu trösten suchte, blieb, daß er sich einen anderen Anzug gekauft habe, um vielleicht – – ja, darüber zerbrach man sich umsonst den Kopf, denn selbst das blieb immer rätselhaft.

Welches Aufsehen das Ganze dabei in der Stadt machte, läßt sich denken, denn beide Familien gehörten zu den angesehensten der ganzen Metropole, und man wußte auch schon, daß der alte Halay an diesem Tage beabsichtigt hatte, allen Glanz und alle Pracht seines Hauses zu entfalten. Jetzt plötzlich war der Bräutigam abhanden gekommen, und böse Zungen, die sich nicht die unbedeutendste Gelegenheit entschlüpfen lassen, ihr Gift nach allen Seiten zu verbreiten, beuteten diese natürlich nach besten Kräften aus. Aber alles, was sie ausstreuen konnten, blieb doch immer nur einzig und allein Vermutung, denn nirgends fand sich ein Anhalt zu der kleinsten Gewißheit, zu dem auch nur geringfügigsten Beweis. Nur so viel behaupteten sie – und fanden darin auch bei einer ziemlichen Anzahl von Menschen Glauben – daß es den lebenslustigen George Halay gereut habe, jetzt schon sein junges Leben in die Hände einer wohl hübschen und reichen, aber sonst vollkommenen kleinen Kokette zu legen, und dieser schon fest abgeschlossenen Verbindung konnte er sich in dem Falle nur allein durch die Flucht entziehen. Geld genug hatte er in Händen, das ganze Land – die ganze Welt stand ihm offen, und Gelegenheit fortzukommen? – lieber Gott, in Neuyork verging keine Stunde, wo ihn nicht Dampfer oder Eisenbahn nach irgend einem entfernten Punkt schaffen konnten, und wer wollte sagen, nach welchem Kompaßstrich er sich gewandt – das nämlich war das rasch gefällte Urteil in der Stadt, wenn sich auch das Mutterherz damit nicht begnügte und ebenso den Vater schwere Sorge heimsuchte.

Daß George die Verbindung mit der Geliebten geflohen haben sollte, war nicht denkbar. Nie hatte er auch nur die leiseste Andeutung gegeben, daß er an ihrer Seite nicht glücklich zu werden hoffe – und überhaupt offen und ehrlich in seinem ganzen Wesen, würde er das auch nie vor seinen Eltern haben verbergen können. Was anders also blieb ihnen zu glauben übrig, als daß er auf irgend eine geheimnisvolle Weise seinen Tod an dem Abend in der Stadt gefunden. War er vielleicht von einem der zahlreichen Fährboote gestürzt, die ja fortwährend nach Brooklyn, Hoboken und anderen Punkten abgingen – aber auf keinem derselben, obgleich Mr. Halay sich auf allen erkundigen ließ, wollte man etwas davon wissen. Die ganze Polizei wurde in Bewegung gesetzt – umsonst, sie spürte nichts von ihm auf, und als Tag nach Tag – Woche nach Woche – Monat nach Monat verging, ohne daß Kunde von dem Verschollenen gekommen wäre, da beweinten sie ihn zuletzt als einen Toten.

Und Jenny? – wer kann sagen, was in dem Herzen einer solchen, von der ganzen Welt verzogenen jungen Schönen vorgeht, wenn sie sich in ihrer Liebe sowohl als in ihrem Stolz zugleich so schwer getroffen und gekränkt sieht? Was Georges Eltern bis dahin noch als letzten, wenn auch schwachen Trost behielten, daß George am Ende doch, wenn auch aus unerklärlichen Beweggründen, in das Innere des Landes hineingezogen sein könne, war für Jenny der furchtbarste und unerträglichste Gedanke. Nur der Tod konnte ihren Bräutigam für diesen Frevel, den er an ihr begangen, entschuldigen – er mußte tot sein oder – er verdiente getötet zu werden, denn welches Mädchen der Erde war schwerer gekränkt – tiefer verletzt worden – als sie – durch das Verschwinden des Bräutigams am Hochzeitstag?

Und wo war George eigentlich geblieben?

 << Kapitel 1  Kapitel 3 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.