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Verdammte Konkurrenz

Edgar Wallace: Verdammte Konkurrenz - Kapitel 8
Quellenangabe
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typefiction
authorEdgar Wallace
titleVerdammte Konkurrenz
publisherWilhelm Goldmann Verlag
translatorRavi Ravendro
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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7

Daß Mr. Maber grausam und hinterlistig ermordet worden war, stand bei beiden zweifellos fest. Die blutigen Kleidungsstücke waren der untrüglichste Beweis dafür. Selbst Mr. Atterman schauderte, als er die verdächtigen Flecken wieder betrachtete.

»Ich weiß nicht, das sieht aber doch eigentlich mehr wie ein Weinfleck aus«, meinte Julius und zeigte auf den Einsatz des Oberhemdes.

Atterman nickte traurig.

»Wahrscheinlich hat sie ihn betrunken gemacht und dann in einen Hinterhalt gelockt. Und das alles nur um des schnöden Mammons willen! So jung, und schon so entsetzlich verdorben! Oh, das Geld ist doch ein furchtbarer Fluch für die Menschheit!«

Julius pflichtete ihm bei.

»Und ich hatte ihn doch so gern«, fuhr Atterman salbungsvoll fort. »Er mußte einem ja auch sympathisch sein bei seinem freundlichen Wesen. Er war wirklich ein charmanter Mensch.«

»Ja, das dachte ich auch immer.«

»Ein vornehmer Charakter.« Atterman seufzte.

»Wahrscheinlich hat ihn der Tod ereilt, bevor er ein Testament machen konnte«, meinte Julius. »Diese sorglosen älteren Herren kümmern sich leider meist wenig um die Zukunft. Aber er hatte wirklich viele angenehme Seiten, vor allem zeigte er sich immer sehr dankbar. Ich weiß noch, wie es eines Tages regnete, und ich ihm mein Taxi überließ --«

»Schrecklich, daß die Öffentlichkeit davon erfahren muß«, unterbrach ihn Mr. Atterman. »Auf der anderen Seite hebt es natürlich das Geschäft, wenn die Öffentlichkeit interessiert ist. Diese Miß Storr --« Er zuckte die Schultern.

»Es ist eigentlich schade um sie«, erwiderte Julius, »aber Gesetz bleibt Gesetz.«

So saßen sie in düsterer Stimmung zusammen und sprachen nur Gutes von dem allzu früh Verschiedenen. Unter welch seltsamen Umständen mochte er wohl den Tod gefunden haben? Sie stellten allerhand Theorien auf, bis sie durch Mr. Peekers Erscheinen in dieser Beschäftigung gestört wurden.

»Soviel ich verstanden habe, handelt es sich um einen Mord?« begann der Detektiv ruhig und geschäftsmäßig.

Mr. Atterman erzählte ihm umständlich die ganze Geschichte.

Peeker hörte schweigend zu und betrachtete dann das Oberhemd und die anderen Kleidungsstücke.

»Zweifellos Blut. Und das hier ist Straßenschmutz«, erklärte er und nahm geistesabwesend eine der kostbaren Zigarren vom Schreibtisch. Julius reichte ihm fast ehrfurchtsvoll sein Taschenfeuerzeug.

»Der Rock ist im Streit zerrissen worden«, fuhr Mr. Peeker fort. »Wenn man das Verbrechen rekonstruiert, ergibt sich, daß der Mörder sein Opfer am Kragen packte. Sehen Sie, so.« Er würgte den armen Julius an der Kehle, so daß dessen Gesicht dunkelrot wurde. Dann schlug er ihm auf den Kopf. »Nein, so ist es unmöglich. Ich will es einmal mit der rechten Hand versuchen.«

»Es genügt, wenn Sie uns erzählen, was geschehen ist«, sagte Julius ängstlich. »Es ist wirklich nicht nötig, daß Sie es uns obendrein noch praktisch vorführen.«

»Also, hören Sie zu. Der Verbrecher packte ihn mit der Rechten und schlug mit der Linken zu. Deshalb sehen Sie auch die rostroten Blutflecken auf der rechten Seite des Hemdes. Mit einer schweren Champagnerflasche zertrümmerte er ihm den Schädel. Diese Weinflecken beweisen das!«

»Aber Champagner ist doch gelb und nicht rot«, wandte Mr. Atterman ein.

»Manche Champagnersorten werden rot, wenn man sie der Luft aussetzt«, entgegnete Mr. Peeker unbeirrt. »Man darf wohl annehmen, daß er auf die Straße geschleppt wurde -- die Frau hatte einen Komplicen -- einen großen, dunklen Mann.«

»Woher wissen Sie denn das?« fragte sein Chef verblüfft.

Peeker gab darüber aber keine weitere Auskunft. Der Mörder mußte eben ein großer, dunkler Mann sein. Ein kleiner Mensch mit blonden Haaren war doch als Täter undenkbar!

»Die Leiche wurde eine ganze Strecke über den Boden geschleift -- wahrscheinlich in ein leeres Haus!«

Mr. Peeker nahm die schwarzen Lackschuhe aus dem Koffer, die die anderen übersehen hatten.

»Betrachten Sie einmal die Risse hier«, sagte er und zeigte die Stelle. »Jemand muß ihm mit aller Gewalt auf den Fuß getreten haben, das können Sie deutlich an der Oberfläche des Leders bemerken.«

Dann untersuchte der Detektiv den Inhalt der inneren Brusttasche des Rocks und brachte zwei grüne Theaterkarten zum Vorschein.

»Er ist mit ihr zuerst im Empire-Theater gewesen«, stellte er lakonisch fest.

Bei der Prüfung der zweiten Tasche machte er eine sehr wichtige Entdeckung. Er fand ein Stück zusammengeknittertes, dickes Papier, das offensichtlich von einer Weinliste abgerissen war. Auf der Rückseite standen einige Worte, die mit Bleistift hingekritzelt waren:

»Liebe Barbara -- um Himmels willen, sage keiner Menschenseele ...«

»Allem Anschein nach wußte sie etwas von ihm«, meinte Peeker, der die einzelnen Tatsachen jetzt aneinanderreihte. »Sie drohte, diese Dinge bekanntzumachen und ihn in der Öffentlichkeit bloßzustellen, verlangte eine hohe Summe, und als er sich weigerte ...«

Er zuckte vielsagend die Schultern.

»Das ist eine Sache für die Polizei«, begann Atterman.

Peeker hob warnend die Hand.

»Lassen Sie bloß diese unfähigen Leute aus dem Spiel. Es ist doch möglich, daß Mr. Maber noch lebt!«

Atterman atmete schwer. »Sie meinen --?«

»Es gibt eine Menge Spelunken und Schlupfwinkel, von denen Sie sich keine Vorstellung machen. Dort können sie ihn versteckt haben. Ich sage Ihnen, ich kenne Plätze, die der wildesten Phantasie spotten. Wenn wir diesen Fall Scotland Yard melden, führen die Beamten durch ihre Ungeschicklichkeit eine Katastrophe herbei, die womöglich Mr. Mabers Tod zur Folge hat! Und Tote können nicht mehr sprechen«, fügte er mit hohler Stimme hinzu.

»Ja, was wollen wir denn dann unternehmen?« fragte Julius, aufgelöst vor Schrecken.

»Überlassen Sie alles nur mir«, erwiderte der Detektiv und zog ein Notizbuch heraus. »Geben Sie mir bitte die Privatadresse von Miß Storr. Wo kann ich sie finden? Und wie ist Mr. Mabers Privatadresse?«

Als er alles notiert hatte, klappte er das Buch energisch zu.

»Die Sache ist ganz klar«, faßte er dann sein Urteil noch einmal zusammen. »Das Mädchen ist in Schwierigkeiten -- wahrscheinlich in den Händen von Wucherern. In ihrer Verzweiflung überredet sie den alten Maber, mit ihr zu Abend zu speisen. Später gehen sie zum Empire-Theater, wo sie ihren Komplicen trifft. Unter irgendeinem Vorwand -- zum Beispiel, um den Dritten nach Hause zu bringen -- fährt sie Maber in eine einsame Gegend. Er steigt aus, wird nach einem kurzen, verzweifelten Kampf niedergeschlagen und in einen Keller geschleppt. Das Mädchen möchte ihn aufs Land schaffen, wo er nicht so leicht gefunden werden kann. Sie besorgt sich deshalb einen gewöhnlichen Anzug von Mr. Maber. Ein Mann im Frack würde ja sofort auffallen und Verdacht erregen. Sie betäubt ihn -- und was dann noch geschehen ist, können Sie sich ja selbst denken.«

»Was ist denn geschehen?« erkundigte sich Julius, der sich das durchaus nicht selbst denken konnte.

»Überlassen Sie es nur mir, den Fall aufzuklären«, wiederholte Mr. Peeker, ohne auf diese Frage einzugehen. »In vierundzwanzig Stunden mögen Sie die Polizei benachrichtigen. In achtundvierzig Stunden werden die beiden Verbrecher, die den Mord auf dem Gewissen haben, hinter Schloß und Riegel sitzen. Sonst noch etwas, Mr. Atterman?«

Er benahm sich, als ob es kaum der Mühe wert gewesen wäre, ihn wegen eines so einfachen Mordfalles nach dem Regent's Park zu rufen.

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