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Verdammte Konkurrenz

Edgar Wallace: Verdammte Konkurrenz - Kapitel 7
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typefiction
authorEdgar Wallace
titleVerdammte Konkurrenz
publisherWilhelm Goldmann Verlag
translatorRavi Ravendro
correctorreuters@abc.de
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6

Im ersten Moment war Julius halb gelähmt vor Furcht, aber dann riß er sich mit dem Mut der Verzweiflung los und stürzte aufs Geratewohl die Straße entlang. Der Beamte sofort hinter ihm her. Ein Alarmpfiff gellte durch die Nacht, und von der anderen Seite der Straße eilte ein Mann herüber, um den Flüchtling zu fassen.

Julius bog in eine Nebenstraße ein und sah sich plötzlich vor dem Eisenzaun des Hyde-Parks. Er zögerte keine Sekunde, sprang und packte den oberen Rand. Mit übermenschlicher Anstrengung zog er sich hoch und fiel auf der anderen Seite auf dem Rasen nieder. Wie ein Federball sprang er wieder auf und raste weiter durch die Dunkelheit.

Um vier Uhr morgens schlich er sich mit vollständig beschmutzten und zerrissenen Kleidern die Treppe zu Mr. Attermans Haus im Regent's Park hinauf. Er hatte auf der Flucht seinen Hut verloren, und das sonst so gut gepflegte Haar hing ihm wirr in die Stirne.

Mr. Atterman öffnete ihm auf sein leises Klopfen und ließ ihn ein.

»Was ist denn mit Ihnen los, Julius?« Entsetzt starrte er auf seinen Bundesgenossen.

»Geben Sie mir etwas zu trinken«, stöhnte Mr. Colesberg und wankte zum nächsten Sessel.

»Ja -- aber was ist denn los?«

»Haben Sie den Koffer?«

»Selbstverständlich«, entgegnete Atterman ungeduldig. Er hatte ihn unter die Couch in seinem Arbeitszimmer gestellt. »Es war nur ein Glück«, sagte er dann herzlos, »daß ich den Polizisten beizeiten sah und mich aus dem Staube machen konnte. Sie sind wohl erwischt worden?«

Julius nickte und trank gierig den Whisky-Soda, den Atterman inzwischen eingegossen hatte.

»Wo ist denn eigentlich Minkey?«

»Minkey?« Julius sah ihn entgeistert an. Mit keinem Gedanken hatte er sich bis jetzt an seinen Begleiter erinnert.

»Na, wo ist er?« wiederholte Atterman drängend.

»Das weiß ich nicht.« Julius strich sich das Haar aus der Stirne. »Ich habe ihn in Larks Büro zurückgelassen. Wahrscheinlich hat er sie auch kommen hören und ist entwischt. Ich hoffe es wenigstens. Er war allerdings sehr schläfrig.«

»Der Idiot wird doch nicht am Ende in Larks Büro eingeschlafen sein?« erwiderte Atterman ängstlich. »Glauben Sie, daß sie ihn geschnappt haben könnten?«

»Leicht möglich, wenn ich mir's jetzt überlege«, entgegnete Julius brutal. »Vielleicht haben sie ihn schon auf die Polizeistation gebracht und verhören ihn gerade. Und wenn ich mich nicht sehr täusche, wird er ihnen alles verraten.«

»Verdammt!« fluchte Atterman, schwieg eine Weile und dachte nach. »Ich glaube aber nicht, daß der viel erzählt«, meinte er dann. »Außerdem weiß er ja auch gar nichts. Es war Wahnsinn, daß ich ihn mitschickte. Der Trottel schlief ja schon, bevor er hier aus dem Haus ging.«

Er erhob sich und fischte den Koffer unter der Couch hervor.

»Haben Sie den Schlüssel?«

Julius schüttelte den Kopf.

»Das ist doch ein ganz gewöhnliches Schloß. Mit jedem Schlüssel können Sie das aufmachen.«

»Nein, es ist ein Patentschloß. Ich habe es schon untersucht. Sehen Sie doch her.«

»Dann müssen sie den Koffer eben an der Seite aufschneiden«, schlug Julius vor.

Aber das erschien Mr. Atterman doch zu gefährlich. Und je länger er überlegte, desto weniger erschien es ihm ratsam, gewaltsam vorzugehen. Der Koffer enthielt ja vermutlich doch nur Kleidungsstücke.

»Ich werde Sie jetzt mit meinem Wagen nach Hause bringen, Colesberg. In Ihrer Wohnung müssen Sie sofort Ihre Kleider verbrennen, damit die Polizei nicht noch mehr Anhaltspunkte bekommt, als sie schon ohnehin hat.«

Julius schauderte.

»Und werfen Sie vor allem auch den Schlüssel zum Safe weg ...«

Den Schlüssel zum Safe! Julius suchte wild in allen Taschen.

»Um Himmels willen, den habe ich ja stecken lassen!« stammelte er entsetzt. »Und mein Name ist darauf eingraviert!«

*

Mr. Lark untersuchte die Banknotenbündel.

»Nein, Miß Storr, soweit ich sehen kann, fehlt nichts von dem Geld.«

»Nur der Koffer ist fort«, erwiderte sie nachdenklich. »Er gehört Mr. Maber«, fügte sie zögernd hinzu.

»War Geld darin?«

»Nein -- nur zum Wechseln -- ich meine von Kleidern.«

»Der Einbrecher ist durch das Fenster in Mr. Colesbergs Büro entwischt. Ich habe mir schon immer gedacht, daß auf diesem Weg einmal Diebe ins Haus kommen. Die Fenster hätten längst durch Gitter gesichert werden müssen.«

»Hat die Polizei ihn nicht gefaßt?«

»Nein, aber die werden ihn schon noch kriegen!« entgegnete er zuversichtlich.

Im Osten graute der Horizont, die Morgendämmerung brach herein. Das Vernünftigste wäre jetzt gewesen, nach Hause zu gehen und sich ins Bett zu legen, aber Barbara hatte kein Bedürfnis nach Schlaf.

Sie ging mit Mr. Lark zum Erfrischungsraum hinauf. Er wußte dort Bescheid, kochte eine Tasse Kaffee und servierte sie ihr mit einem Päckchen Keks. So frühstückten die beiden nach den Strapazen der Nacht friedlich im frühen Morgenlicht.

»Schlafen Sie überhaupt jemals?« fragte sie neugierig.

»Nur drei oder vier Stunden pro Tag«, erwiderte er gleichgültig. »Napoleon war auch so veranlagt, wenn man den Berichten über ihn glauben kann.«

»Ja, und von Wellington und Washington habe ich das gleiche gelesen. Da befinden Sie sich ja in einer Gesellschaft berühmter Männer.«

Sie sprachen noch über dies und jenes, und nach einer Weile erhob sich Mr. Lark, um in sein Büro zu gehen. Barbara blieb noch oben.

Plötzlich ertönte ein unterdrückter Schrei. Gleich darauf war wieder alles ruhig.

Barbara eilte nach unten.

»Was ist denn los?« fragte sie außer Atem.

Lark stand mit bleichem Gesicht vor der Tür zu seinem Büro.

»Ich habe eben allerdings einen ziemlichen Schrecken bekommen«, entschuldigte er sich. »Raten Sie mal, wen ich in meinem Zimmer gefunden habe?«

»Den Einbrecher?«

»Mr. Minkey!«

Barbara traute ihren Ohren nicht.

»Mr. Minkey schläft in meinem Sessel und ist anscheinend total betrunken.«

Sie gingen hinein, und Lark schaltete das Licht ein.

Wirklich, es stimmte. Mr. Minkey kauerte wie ein zusammengerollter Igel in dem bequemen Klubsessel und schnarchte laut.

Lark ging auf ihn zu, packte ihn am Kragen und schüttelte ihn.

Barbara mußte ein Lachen unterdrücken, als Minkey schläfrig die Augen öffnete. Er schien gar nicht zu wissen, wo er sich befand, und drehte sich knurrend auf die andere Seite um.

»Wachen Sie auf, Sie Faulpelz!« rief Mr. Lark energisch. »Sie sind in der falschen Firma! -- Miß Storr, da haben wir ja den Einbrecher!« wandte er sich plötzlich an Barbara.

Aber sie schüttelte den Kopf.

»Nein, er war es nicht. Aber ich kenne den richtigen Dieb«, erklärte sie mit Nachdruck. »Wecken Sie den Mann doch auf.«

»Aufwachen, Minkey!« Lark stieß den unglücklichen Gefangenen in die Rippen, aber seine Bemühungen blieben erfolglos.

»Na, dann müssen wir ihn eben schlafen lassen«, meinte Barbara nach einer Weile.

Lark drehte das Licht wieder aus und folgte Barbara in ihr Büro.

»Wie ist der Mensch bloß dahin gekommen?« Er runzelte verwundert die Stirne.

Der Mann würde nun der Polizei übergeben werden. Das behagte Lark nicht sonderlich, denn schließlich war Minkey doch ein Kollege von ihm. Er dachte an die Freimaurer, die sich gegenseitig unterstützten. Bestand nicht eine ähnliche Bruderschaft auch zwischen ihnen, da sie doch Vertreter desselben Standes waren? Wenn er nur ein wenig mehr von diesen Dingen gewußt hätte!

»Wahrscheinlich hat er den Eingang verwechselt und ist hier hereingekommen. Simmonds hat natürlich geschlafen und nichts gehört«, sagte Barbara, die die wahren Zusammenhänge ahnte. »Lassen Sie ihn ruhig schlafen. Vermutlich wacht er nicht vor vier Uhr nachmittags auf.«

Lark suchte von seiner Nachtruhe zu retten, was sich noch retten Heß, ging in die Teppichabteilung, ließ sich dort auf einem weichen Stapel nieder und breitete eine Daunendecke über sich, die er unterwegs mitgenommen hatte. Als die Putzfrauen um sieben Uhr kamen, fanden sie ihn dort und weckten ihn.

Barbara hatte ebenfalls in ihrem Büro ein wenig geschlafen. Als sie später die Post durchsah, fand sie darunter ein Schreiben von Okko. Alan Stewart hatte sie schon darauf vorbereitet, daß wahrscheinlich eine Nachricht von dem Mann eintreffen würde. Rasch öffnete sie den Umschlag und las:

»Sehr geehrter Herr, nachdem ich die Angelegenheit noch einmal überlegt und mit verschiedenen Kollegen besprochen habe, muß ich die angebotene Beschäftigung ablehnen, da sie sich nicht mit meiner Berufsehre und der Würde meines Standes verträgt.

Hochachtungsvoll

Okko.«

Barbara wurde aufs unangenehmste überrascht. Alan hatte schon kurze Artikel über den Wilden Mann an alle Zeitungen geschickt, die an diesem Morgen bestimmt erschienen waren.

Sie ließ Mr. Lark kommen und zeigte ihm den Brief.

»Das ist allerdings äußerst fatal«, meinte auch er. »Von dieser Attraktion hatte ich mir sehr viel versprochen.«

»Vielleicht wäre es möglich, einen Ersatz zu finden«, erwiderte Barbara mit etwas heiserer Stimme. Es war auch sonderbar, daß sie ihn nicht wie sonst anschaute, während sie sprach.

Lark schüttelte den Kopf.

»Für einen Verkäufer oder für eine Verkäuferin finden Sie leicht Ersatz, aber für den Original-Wilden Mann aus Borneo? Ausgeschlossen!«

»Wir müssen aber unter allen Umständen Ersatz schaffen«, sagte sie und sah immer noch an ihm vorbei. »Und Minkey hatte doch wirklich kein Recht, hierher zu kommen. Wir könnten ihn glatt wegen Einbruchs anzeigen.«

»Sie wollen doch nicht etwa ...« begann er entsetzt.

Sie nickte langsam.

»Es wäre doch auch viel bequemer für ihn als in Ihrem Stuhl. Wir könnten ihm eine weiche Matte auf den Boden legen und ihm ein paar Decken geben.«

Mr. Lark öffnete die Tür zu seinem Büro und schaute hinein. Minkey schlief noch und rührte sich auch nicht, als Lark geräuschvoll einen Sessel an den Tisch schob.

»Kümmern Sie sich nicht darum, Miß Storr«, wandte sich der Direktor an Barbara. »Wenn alles geregelt ist, sage ich Ihnen Bescheid.«

*

Die Erstausgaben der Zeitungen brachten kein Wort über den Einbruch bei der Firma Maber & Maber. Mr. Atterman hatte einen besonderen Boten in die City geschickt, um die wichtigsten Morgenblätter zu kaufen. Als er sie durchgesehen hatte, atmete er erleichtert auf.

Aber der Gedanke an Minkey beunruhigte ihn immer noch sehr. Was war denn nur aus dem Mann geworden? Hoffentlich hatte er sich aus dem Staube gemacht.

Später beobachtete Mr. Atterman von seinem Büro aus die Menschenmenge, die sich vor den Schaufenstern von Maber & Maber drängte. Der Wilde Mann aus Borneo schien ein großer Erfolg zu werden. Immer mehr Leute stauten sich vor dem Konkurrenzgeschäft, und berittene Schutzleute mußten dafür sorgen, daß der Fahrdamm freigehalten wurde.

Mr. Atterman nahm einen Feldstecher zur Hand, um das Schaufenster mit der Dschungeldekoration näher in Augenschein zu nehmen, aber er konnte nichts erkennen, da die Massen in ständiger Bewegung waren. Schließlich hielt er es vor Neugierde nicht länger aus, ging auf die Straße hinunter und bahnte sich einen Weg durch die Menge. Mit Geduld und Hartnäckigkeit gelangte er endlich in die vorderste Reihe und sah den Original-Wilden Mann aus Borneo. Aber er mußte sich zusammennehmen, um nicht laut aufzuschreien.

Mitten im Schaufenster lag auf zartgrünem Rasenteppich, mit offenem Munde und laut schnarchend, Minkey!

Bebend vor Wut drängte sich Atterman durch die Menschen und stürzte zu dem Haupteingang der Firma Maber & Maber. Aber ein Polizist packte ihn am Ärmel und hielt ihn fest.

»Immer hübsch in der Reihe bleiben! Jeder kommt dran! Sie können noch genug kaufen.«

»Ich muß aber dringend Miß Storr sprechen«, schrie Atterman.

»Das tut mir leid, ich kann mit Ihnen auch keine Ausnahme machen. Sie müssen sich hinten anstellen.«

In maßloser Empörung eilte Atterman zur Lawton Street und betrat durch den Hintereingang Mabers Geschäftshaus. Der Portier, der dort Wache hielt, kannte ihn und wagte nicht, ihn aufzuhalten.

Einige Minuten später hatte sich Atterman bis in die Nähe des Schaufensters vorgearbeitet, in dem er Minkey entdeckt hatte.

»Entschuldigen Sie, den Wilden Mann darf man nicht stören«, wehrte ihn einer der Aufsichtsbeamten ab. »Der Kerl ist gefährlich. Der kriegt es fertig und beißt Sie in die Hand.«

»Lassen Sie mich in Ruhe«, knurrte Mr. Atterman. »Ich muß zu ihm, er ist mein Angestellter.«

»Es tut mir leid«, erwiderte der Mann und zog Mr. Atterman mit festem Griff zurück, als sich dieser mit Gewalt Zugang zu dem Schaufenster verschaffen wollte.

Schäumend vor Wut eilte Atterman zu Barbaras Büro hinauf, aber auch vor ihrer Tür wurde er angehalten.

»Sind Sie bestellt?« fragte Albuera und musterte ihn argwöhnisch und kritisch.

»Ich muß Miß Storr sprechen«, stieß Atterman wild hervor, »und zwar sofort!«

Im selben Augenblick tat sich die Tür auf, und Barbara trat heraus.

»Ach, wollen Sie mich sprechen, Mr. Atterman?« begrüßte sie ihn harmlos.

Seine Erregung war so groß, daß er kein Wort mehr herausbrachte. Er zeigte nur stumm mit der Hand nach unten.

»Ja, der Besuch ist heute morgen ausgezeichnet. Ich danke Ihnen herzlich für die Aufmerksamkeit, mir zu gratulieren.«

»Mein -- Direktor -- Mr. Minkey«, stotterte er außer sich.

»Wie bitte? Mr. Minkey? -- Ach, jetzt erinnere ich mich. Was ist denn mit ihm?«

»Er liegt in Ihrem Schaufenster -- es ist eine Schande ... ich werde Sie dafür verhaften lassen!«

»Drohen Sie hier nicht!« warnte Albuera und legte die Stirne in gefährliche Falten.

»Das kann nicht Ihr Mr. Minkey sein«, sagte Barbara mit sanfter Stimme. »Das ist doch der Wilde Mann, den wir engagiert haben. Ich weiß allerdings nicht, wie er hereingekommen ist. Wir fanden ihn heute morgen schlafend in Mr. Larks Büro und hielten ihn natürlich für den Wilden Mann aus Borneo. Wer sollte es denn auch sonst sein? Wenn es nicht der Wilde Mann ist, sondern zum Beispiel ein Mensch, der heimtückisch in der Nacht in das Geschäft eingebrochen ist, müßten wir ihn ja verhaften lassen! Nicht wahr?« wandte sie sich an Albuera.

»Selbstverständlich«, pflichtete der Polizist bereitwillig bei. »Man bricht nicht ungestraft nachts in Geschäfte ein. In diesem Lande herrscht Ordnung!«

Die letzte Bemerkung ernüchterte Mr. Atterman.

»Es muß ein gräßliches Mißverständnis vorliegen«, sagte er plötzlich freundlich. »Entweder ist der Mann aus Versehen ins falsche Geschäft gegangen, oder man hat einem Hauptangestellten der Firma Atterman einen bösen Streich gespielt.«

»Das glaube ich nicht!« entgegnete Barbara energisch. »Nur mit einem Paßschlüssel oder in Begleitung eines entlassenen Angestellten der Firma Maber & Maber, der einen solchen Schlüssel besitzt, hätte er hereinkommen können. Allem Anschein nach hat er irgendeine gesetzwidrige Handlung begangen. Ich möchte Ihnen übrigens noch mitteilen, daß mein Safe gestern nacht geöffnet wurde. Er enthielt eine große Summe ...«

Mr. Atterman wurde bleich.

»Aber es ist doch nichts gestohlen worden«, sagte er unnötig laut.

»Es ist schon etwas gestohlen worden, wenn auch das Geld, soweit bis jetzt bekannt, noch vollständig vorhanden ist. Der Einbrecher und der Hehler --« ein durchbohrender Blick traf Mr. Atterman -- »können sich auf lange Freiheitsstrafen gefaßt machen. Ich habe eine bestimmte Theorie über den Einbruch, und ich hoffe, Sie werden sich nicht unnötig einmischen, Mr. Atterman! Wenn es sich allerdings herausstellen sollte, daß unser Wilder Mann tatsächlich Ihr Mr. Minkey wäre --«

Sie zuckte die Schultern und sah Albuera mit einem vielsagenden Lächeln an, worauf sich der Beamte stolz in die Brust warf.

»Vielleicht irre ich mich auch«, fiel ihr Mr. Atterman ins Wort und räusperte sich dann. »Ich muß allerdings sagen, daß die Ähnlichkeit direkt verblüffend ist. Damit will ich nun aber nicht etwa behaupten, daß Mr. Minkey dem Wilden Mann aus Borneo auch nur im geringsten ähnlich sieht. Aber es wäre doch immerhin möglich --« er schwieg, da ihm im Augenblick weiter nichts einfiel.

»Es wäre immerhin möglich«, meinte Barbara freundlich, »daß der Wilde Mann aus Borneo eine frappante Ähnlichkeit mit Mr. Minkey hat.«

»Ja, ganz meine Ansicht«, stammelte Atterman verwirrt.

»Ach, Albuera, haben Sie doch die Güte und bringen Sie den Herrn zum Ausgang. Oder wollen Sie vielleicht vorher noch etwas einkaufen, Mr. Atterman?«

Der geschlagene Mann wagte nicht, noch ein Wort zu sagen.

*

Maudie Deane, die Trompetenbläserin, war verabredungsgemäß schon am vergangenen Morgen erschienen. Barbara hatte sie jedoch wieder fortgeschickt, allerdings unter der Bedingung, sich stets bereit zu halten. An diesem Tag kam sie nun mit ihrem Instrument wieder kurz nach neun.

»Ich glaube, heute morgen ist es an der Zeit, das aufgeregte Gemüt Mr. Attermans durch Musik ein wenig zu besänftigen«, begrüßte Barbara die junge Dame.

»Was für ein Schreckgespenst haben Sie denn da im Schaufenster?« fragte Maudie etwas bestürzt. »So einen wüsten Kerl habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen! Großer Gott, da kann man ja das Gruseln lernen!« Sie schauderte. »Hoffentlich halten Sie den hinter Schloß und Riegel? Als ich vorbeikam, schlief er.«

»Diese wilden Leute aus Borneo schlafen den ganzen Sommer«, erklärte Barbara. »Gehen Sie jetzt bitte aufs Dach und machen Sie es sich dort bequem. Mr. Lark soll Sie hinbringen. Er hat mir versprochen, einen großen Sonnenschirm für Sie aufzustellen.«

»Soll man mich denn auch von der Straße aus sehen?«

»Nein, im Gegenteil. Es wäre besser, daß Sie sich möglichst weit entfernt vom Geländer niederlassen.« »Und was soll ich spielen?« fragte Maudie eifrig. Barbara überlegte.

»Beginnen Sie mit ›Bubi, wo warst du die letzte Nacht?‹ Das geht doch, nicht wahr?«

Maudie nickte und notierte sich das Stück.

»Dann spielen Sie das ›Lied vom Wilden Mann aus Borneo‹. Es ist eine alte Melodie, aber Sie kennen sie vielleicht?«

Maudie nickte wieder und machte eine neue Notiz.

»Und dann --« Barbara sah nachdenklich zur Decke empor -- ›Schlaf ein, mein kleines Sonnenkind‹ -- das reizende Lied ist Ihnen doch bekannt?«

Maudie war nahezu gekränkt, weil Barbara sich dauernd erkundigte, ob sie die Schlager kenne.

Nachdem Miß Deane gegangen war, erhielt Barbara einen unwillkommenen Besuch.

»Ich weiß schon, daß Sie mich nicht zu sehen wünschen«, begrüßte ›Mrs. Maber‹ das junge Mädchen und lächelte süß. »Aber trotzdem möchte ich Sie um eine längere und ernste Aussprache bitten.«

»Daraus kann wohl nichts werden. Je kürzer, desto besser.«

»Ich habe eben erfahren, daß mein armer Mann im Kittchen sitzt.«

Barbara sah die Frau entsetzt an.

»Wer hat Ihnen denn diese unglaublich alberne Geschichte erzählt?«

»Das möchte ich im Augenblick nicht sagen. Ich wollte es Ihnen nur mitteilen«, erklärte die Frau selbstbewußt. »Sie sind es nämlich, die meinen Mann in all diese Schwierigkeiten gebracht hat. Ich lasse mir das nicht bieten, ich gehe zur Polizei! Sie wußten, daß er im Gefängnis saß und haben mich, seine rechtmäßige Frau, nicht einmal davon benachrichtigt! Und mein Geld haben Sie mir vorenthalten! Weil mein Mann nicht hier im Geschäft ist, bekomme ich nicht die mir zustehende Rente!«

Ihre Aufregung war diesmal durchaus echt, denn Rechtsanwalt Hammett hatte gedroht, ihr das Genick umzudrehen, wenn sie wieder ohne Erfolg zurückkäme.

»Sie sitzen hier, lassen es sich gut gehen und behandeln die Frau Ihres Chefs in der infamsten Weise. Das lasse ich mir nicht gefallen! Meinen Sie vielleicht, ich würde Sie hier auf Knien um das Geld bitten, das mir rechtmäßig zusteht? Nur, weil mein Mann im Gefängnis sitzt? Ich gehe direkt zu den Zeitungen. Ich wende mich an das Ministerium des Innern --«

Sie machte eine Atempause. Mr. Hammett hatte ihr noch viel mehr eingetrichtert, aber sie konnte sich im Moment nicht mehr darauf besinnen.

Barbara benutzte die Unterbrechung, um auch ein paar Worte zu sagen.

»Sie brauchen sich durchaus nicht derartig aufzuregen, Mrs. Maber. Ich will ja alles für Sie tun, was nur in meiner Macht steht. Es ist ja leider wahr, daß Ihr Mann im Gefängnis sitzt, aber dafür kann ich nichts.«

Die Frau rümpfte die Nase.

»Bedenken Sie, daß fünfhundert Pfund eine ungeheure Summe sind«, fuhr Barbara ernst fort. »Ihnen mag sie ja nicht groß erscheinen, aber für mich bedeutet sie sehr viel. Und ich bin nicht darauf vorbereitet--«

»Was, Sie sind nicht darauf vorbereitet?« rief Mrs. Hammett mit schriller Stimme. »Nun gut, dann werden Sie schon sehen, wie ich mir mein Recht verschaffe. Ich gehe jetzt sofort zu meinem Anwalt, dem berühmten Mr. Hammett --«

»Ach, der!«

Mrs. Maber hatte einen schweren Fehler gemacht. Ihr Mann hatte ihr nicht gesagt, daß sie seinen Namen erwähnen solle, aber er hatte es ihr auch nicht verboten. Und sie glaubte natürlich, daß Miß Storr nichts von der Existenz eines Mr. Hammett wüßte.

Barbara lachte vergnügt vor sich hin.

»Das war aber wirklich sehr dumm von Ihnen! Hätten Sie das nicht gesagt, so hätte ich Ihnen tatsächlich die fünfhundert Pfund gezahlt.«

»Wie meinen Sie denn das?« fragte Mrs. Hammett ängstlich.

»Jetzt durchschaue ich den ganzen Schwindel. Ihre geheime Ehe mit Mr. Maber und alles andere! Warten Sie einen Augenblick.«

Sie nahm den Telefonhörer und nannte eine Nummer, während sie mit der rechten Hand das Scheckbuch aus dem Schreibtischfach nahm und in den Abschnitten blätterte.

»Ist dort die Southern Bank? Miß Storr ist am Apparat. Bitte sperren Sie Scheck DH 187475 ... danke. Er ist doch noch nicht vorgelegt worden? ... Danke vielmals.«

Mrs. Hammett wurde aschgrau im Gesicht.

»Was soll denn das alles bedeuten?« fragte sie entsetzt.

Barbara zeigte auf die Tür.

»Machen Sie schnell, daß Sie verduften!«

Barbara konnte sich bei solchen Gelegenheiten sehr vulgär ausdrücken.

Mrs. Hammett machte einen letzten Versuch und richtete sich zu ihrer vollen Größe auf.

»Wenn Sie mich hinauswerfen, gibt es einen kolossalen Krach, das kann ich Ihnen nur sagen. Der Alte sitzt im Loch, und Sie wollen es vertuschen! Was meinen Sie wohl, was andere Leute mir dafür geben würden, wenn sie die Neuigkeit erfahren? Ich brauche bloß zu Atterman hinüberzugehen!«

Der Name war ihr nur zufällig eingefallen, aber sie sah, daß ihre letzten Worte großen Eindruck auf Barbara gemacht hatten.

»Ich will Ihnen etwas sagen«, fuhr sie sicherer fort. »Mein Mann muß das Land verlassen, und zwar sehr schnell. Wir stecken bis über die Ohren in Schulden; und man verhaftet ihn nächste Woche, wenn wir uns nicht rechtzeitig aus dem Staube machen können. Unsere Pässe sind in Ordnung -- wir wollen nach Kanada gehen. Also, wenn Sie mir jetzt nicht eine anständige Summe zahlen, gehe ich zu Atterman und erzähle ihm, daß Maber im Gefängnis sitzt.«

Barbara überlegte scharf und betrachtete Mrs. Hammett dabei. Zweifellos sprach die Frau vollkommen im Ernst. Ihr mit dem Gericht zu drohen, hatte gar keinen Zweck. Und wenn sie sie durch Albuera verhaften ließ, kam die Sache erst recht in die Öffentlichkeit. Außerdem konnte ja eigentlich nichts Besseres passieren, als daß Hammett das Land für immer verließ. Er war außer ihr und den Gerichtsbeamten der einzige, der von dieser unglücklichen Affäre Mr. Mabers wußte und ihn daher erpressen konnte.

Kurz entschlossen erhob sie sich, nahm zwei Päckchen Banknoten zu je hundert Pfund aus dem Safe und legte sie auf den Schreibtisch.

»Hier haben Sie Ihr Geld. Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit. Wenn Sie in einer Woche noch in England sind, sorge ich dafür, daß Sie selbst ins Kittchen kommen!«

Sie öffnete die Tür, und Mrs. Hammett ging hinaus, wenn auch nicht gerade triumphierend, so doch befriedigt.

*

Zur selben Zeit hielt Atterman einen Kriegsrat mit Julius ab. Die Menschenmenge drängte sich noch in der Straße, um den schlafenden Mann aus Borneo zu sehen. So oft Mr. Atterman am Fenster vorüberkam und hinunterschaute, wurde er wild und konnte nicht mehr zusammenhängend sprechen.

»Sie weiß, daß Sie der andere waren«, sagte er ärgerlich. »Natürlich weiß sie das. Sie haben mich in eine nette Lage gebracht!«

»Ich?« erwiderte Julius entrüstet. »Das fehlt gerade noch, daß Sie mir jetzt Vorwürfe machen wollen! Wenn Sie nicht wie ein Verrückter darauf bestanden hätten, wäre ich niemals hingegangen! Warum haben Sie mir überhaupt diesen blödsinnigen Minkey mitgegeben?«

Mr. Atterman wanderte mit gesenktem Kopf in seinem Zimmer umher.

»Wenn ich nur wüßte, wie ich diese niederträchtige Person in meine Gewalt bekommen könnte!«

Plötzlich begann sein Herz heftig zu schlagen, als er wundervoll klare und reine Trompetentöne hörte. Nur Maudie Deane konnte so herrlich spielen! Er sah sich um, ob er sie nicht entdecken könnte. Aber nirgends glitzerte eine Trompete im Sonnenlicht. Es schien fast, als ob die Töne aus den Wolken niederströmten, und Mr. Atterman glaubte einen Augenblick, Sphärenmusik zu hören. Erst als er die Melodie erkannte, kam er zur Wirklichkeit zurück und knirschte mit den Zähnen.

»Sie weiß nicht, was sie tut!« rief er empört. »Dieses unverschämte Frauenzimmer hat sie zu dieser Schandtat angestiftet, um mich zu ärgern!«

Er suchte die Straße, die Mabersche Fassade und den Himmel mit den Blicken ab, und schließlich merkte er, woher die Töne kamen.

»Auf dem Dach ist sie!« sagte er atemlos, stürzte zum Fahrstuhl und ließ sich zum Dachgarten hinauffahren.

Ja, sie war's! Er winkte ihr mit der Hand, aber sie hatte die Augen geschlossen, weil sie dann besser blasen konnte. Sie war gerade bei dem »Wilden Mann von Borneo«. Wie konnte eine Künstlerin wie Maudie ein derartig vulgäres Lied spielen!

Verzweifelt begab er sich wieder in sein Büro. Die Liebe zu Maudie schlug nun in wilden Haß um, weil sie ihn so schamlos verhöhnte.

»Jetzt werde ich doch nachsehen, was in dem Koffer ist«, sagte er entschlossen zu Julius. »Es ist mir ganz egal, was daraus wird. Wir fahren in meine Wohnung, und wir schneiden das Leder auf.«

»Das können Sie meinetwegen tun, wenn es Ihnen Spaß macht. Aber ich habe meine Haut schon genügend zu Markt getragen. Mein Bedarf an solchen Abenteuern ist bis an mein Lebensende gedeckt!«

»Kommt es denn überhaupt darauf an, wer das Leder aufschneidet? Ich werde Peeker einmal rufen.« »Wer ist denn das?« brummte Julius.

Mr. Atterman drückte auf eine Klingel.

Peeker war einer der tüchtigsten Warenhausdetektive, denn er besaß ein sehr feines Einfühlungsvermögen und faßte sowohl die vornehmen Damen mit kleptomanischer Veranlagung als auch die gewöhnlichen Taschendiebe. Er war der Schrecken all dieser Leute. Seine Blicke drangen gleich Bohrern durch Stadtköfferchen und Aktentaschen und legten die Spitzen, Strümpfe und Krawatten bloß, die kein Geld gekostet hatten.

Aber manchmal wuchs er noch über sich selbst hinaus. Man sah es dem kleinen, unscheinbaren Mann mit den rosig angehauchten Bäckchen nicht an, nach welchen großen Taten seine Seele lechzte.

Seine Tätigkeit im Warenhaus erschien ihm kleinlich und entwürdigend, und mit Bitterkeit dachte er daran, daß er wegen der paar Zentimeter, die an seiner Größe fehlten, nicht als regulärer Beamter in die Polizeitruppe eintreten konnte. Wie glühend beneidete er seine glücklicheren Kollegen in Scotland Yard!

In dem kleinen Schuppen auf der Rückseite seines Hauses in Camden Town hatte er ein Laboratorium eingerichtet. Mikroskope und viele Flaschen mit Giften und sonderbaren Flüssigkeiten waren in diesem Raum zu finden, und Peeker beschäftigte sich dort mit merkwürdigen Experimenten. Er hatte auch alle Bücher über Verbrechen und Verbrecher gelesen, die in seine Reichweite kamen, konnte Tier- von Menschenblut unterscheiden und besaß eine sehr genaue Kenntnis der Gifte. Auf einen solchen Mann mußte die alltägliche Tätigkeit als Ladendetektiv natürlich ermüdend und deprimierend wirken.

Als er hereintrat, begrüßte er Atterman mit einem ernsten Nicken.

»Hören Sie einmal zu«, wandte sich der Chef an ihn. »Angenommen, ich habe einen Koffer in meinem Besitz, der das Eigentum eines anderen ist. Wenn ich ihn öffne, erfahre ich wahrscheinlich sehr wichtige Informationen, die ich unbedingt brauche --«

»Und die Ihnen widerrechtlich vorenthalten werden?« ergänzte Peeker.

»Ja, ganz recht.« Atterman ging sofort auf diese Auslegung ein.

»Handelt es sich um gestohlenes Gut?«

»Hm -- das wäre möglich.«

»Dann öffnen Sie den Koffer doch«, erklärte Peeker und wartete. »Sonst noch etwas?«

»Nein, das ist alles.«

Der Detektiv entfernte sich wieder.

»Haben Sie es gehört?« sagte Atterman befriedigt zu Julius. »Der Mann muß es doch schließlich wissen!«

Er hatte den Sinn für das Erlaubte verloren. In seiner augenblicklichen Stimmung kam es ihm gar nicht darauf an, den fremden Koffer aufzuschneiden oder ein noch viel schlimmeres Verbrechen zu begehen, wenn er in diesem Kampf mit Barbara Storr nur die Oberhand gewann.

Zuerst wollte er bis zur Mittagszeit warten. Aber Maudie spielte unentwegt weiter, und zwar alle seine Lieblingsschlager. An eine Arbeit im Büro war unter diesen Umständen nicht zu denken. Er holte deshalb Julius aus dem kleinen Zimmer ab, das er ihm zugewiesen hatte, und fuhr zu seiner Villa.

Sobald sie angekommen waren, holte er den Koffer aus dem Schrank, in den er ihn eingeschlossen hatte, und legte ihn auf den Tisch in der Bibliothek.

»Schließen Sie die Tür ab«, sagte er leise zu Julius.

Dann nahm er ein Universalmesser aus der Tasche, das aus seinem eigenen Warenhaus stammte, und stieß es rücksichtslos in das Leder.

Die Klinge brach ab -- das war der erste Erfolg.

»Es hat ja noch eine Schneide«, bemerkte Julius trocken.

Atterman öffnete sie und machte einen neuen Versuch. Dasselbe Ergebnis.

»Haben Sie denn kein Rasiermesser?« fragte Julius, nachdem er seine eigenen Taschen vergeblich nach einer Waffe durchsucht hatte.

»Doch, eine ganze Menge«, erwiderte Mr. Atterman kühl.

»Dann nehmen Sie aber eins, das nicht aus Ihrer Firma stammt«, sagte Julius rücksichtslos.

Mr. Atterman begab sich nach oben und kam gleich darauf mit einem großen, schönen Messer zurück. Diesmal ging er vorsichtiger zu Werke und hatte auch mehr Erfolg. Als der Koffer geöffnet war, zeigte sich ihren erstaunten Blicken ein zerdrückter Frackanzug.

»Was soll denn das bedeuten?« Mit spitzen Fingern hielt Julius ein Paar schwarze, zerrissene und beschmutzte Beinkleider in die Höhe. »Entweder hat er sich auf die Straße gesetzt, oder er ist hingefallen«, sagte er. »Jedenfalls ist es merkwürdig.«

Atterman förderte noch ein Oberhemd mit vollständig zerfetztem Kragen zutage. Maber mußte unbedingt in einen Kampf verwickelt gewesen sein, als er es zum letztenmal trug. Die Ellbogen waren zerrissen, und auf den Manschetten waren dunkelrote Flecken zu sehen.

Julius stand mit offenem Mund daneben und konnte kein Wort hervorbringen, als Atterman das Hemd auf dem Tisch ausbreitete. Große Blutflecken liefen von der Schulter bis zum zweiten Knopfloch. »Großer Gott!« stieß Atterman bleich hervor.

Seine Hände zitterten, und er atmete schwer, als er zu dem Telephonhörer griff und sich mit seinem Büro verbinden ließ.

»Hier Mr. Atterman -- rufen Sie Mr. Peeker.« Während er wartete, sprach er über die Schulter zu Julius. »Wir müssen in dieser Angelegenheit sehr sorgfältig und behutsam vorgehen«, flüsterte er. »Ich möchte der Polizei noch nichts melden, bis ich nicht mit Peeker -- hallo, Peeker? Kommen Sie doch sofort in meine Wohnung -- es ist ein Mord begangen worden!«

Nach dieser sensationellen Mitteilung legte er den Hörer wieder hin und sah Julius düster an.

»Es fragt sich jetzt nur noch, wo sie die Leiche versteckt hat«, sagte er mit Grabesstimme.

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