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Verdammte Konkurrenz

Edgar Wallace: Verdammte Konkurrenz - Kapitel 4
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typefiction
authorEdgar Wallace
titleVerdammte Konkurrenz
publisherWilhelm Goldmann Verlag
translatorRavi Ravendro
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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3

Barbara verließ allem Anschein nach das Geschäft, um zu Tisch zu gehen. In Wirklichkeit aber wollte sie einen geheimen Auftrag ausführen.

Mr. Maber besaß eine kleine, sehr elegante Junggesellenwohnung in der St. James's Street, die manche Annehmlichkeiten hatte. Zum Beispiel brauchte er keine Dienstboten dort zu unterhalten. Wenn man einmal klingelte, kam der Hauskellner, und man konnte das Essen bestellen, das man wünschte. Drückte man den Knopf zweimal, so erschien der Hausdiener, der Anzüge und Wäsche in Ordnung hielt. Und da Mr. Maber Komfort über alles liebte, hatte er überall in seinen Räumen leicht erreichbare Klingeln anbringen lassen.

Barbara öffnete mit dem Schlüssel, den ihr Mr. Maber gegeben hatte, und klingelte nach dem Diener. Der Mann kannte sie, weil sie früher öfter Post für Mr. Maber in die Wohnung gebracht hatte.

»Mr. Maber mußte plötzlich nach Deutschland reisen und hat mich gebeten, ihm einige Kleider nachzusenden. Packen Sie also bitte einen Anzug ein, und ein Oberhemd und ein ...«

»Nur einen Anzug?« Der Diener machte ein bedenkliches Gesicht. »Das ist doch nicht genug!«

»Er kann doch nur einen Anzug zu gleicher Zeit tragen!« erwiderte Barbara geduldig.

»Aber er kann doch nicht alle Tage den gleichen Anzug tragen! Und Wäsche muß er doch auch zum Wechseln haben --«

»Nein, er braucht nur ein Stück von jeder Sorte«, erklärte Barbara verzweifelt, die von Herrenkleidung keine Ahnung hatte. »Er hat gewettet, daß er mit einem Anzug eine Reise um die Welt machen wird.«

Dem Diener erschien das äußerst merkwürdig, und er sah sie argwöhnisch an.

»Von der Seite habe ich Mr. Maber noch gar nicht kennengelernt«, meinte er zweifelnd.

»Bilden Sie sich denn ein, daß Sie ihn von allen Seiten kennen?« fragte Barbara gereizt. »Muß ich Mr. Maber vielleicht nach Deutschland telegraphieren und ihm mitteilen, daß --«

»Beruhigen Sie sich nur, ich werde alles wunschgemäß besorgen«, erwiderte er hastig, als Barbara auf die Schlafzimmertür zuging.

Endlich war der Koffer fertig gepackt. Sie verließ damit die Wohnung und fuhr zu der Marlborough-Polizeistation.

»Ja, er ist noch hier«, sagte der Inspektor, »und entwickelt gerade einen gewaltigen Appetit.« Er nahm ihr den Koffer ab. »Wollen Sie warten, oder soll ich Ihnen die anderen Sachen nachher zuschicken?«

»Es wäre mir sehr lieb, wenn Sie sie später ins Geschäft senden würden.«

Nachdem sie Mr. Maber nun mit einem Anzug versorgt hatte, in dem er sich in einem Monat wieder unter seinen Mitmenschen sehen lassen konnte, aß sie unterwegs in einem Restaurant und kehrte dann in die Firma zurück.

Mr. Julius Colesberg ging nicht zu Tisch. Geistesabwesend und verstört saß er in seinem Büro. Der Scheck über siebentausend Pfund lag vor ihm. Immer noch mußte Julius an den entsetzlichen Augenblick denken, als sich Barbara erhoben und die Sitzung geschlossen hatte. Er besann sich auch noch deutlich darauf, daß sie beim Verlassen des Konferenzzimmers ein Stück Papier vom Boden aufgenommen hatte. Barbara liebte Ordnung über alles.

Ebenso erinnerte er sich noch an Mr. Larks verzerrtes Lächeln und an die drohenden Worte, mit denen Mr. Atterman und sein Direktor gegangen waren.

Er schrak zusammen, als seine Sekretärin klopfte und gleich darauf eintrat.

»Was wollen Sie denn?« fuhr er sie an.

»Sie sagten mir doch heute morgen, daß Sie mir später Briefe diktieren wollten.«

»Ich diktiere keine Briefe mehr«, erwiderte Mr. Colesberg wütend. »Meinetwegen mag das Geschäft gehen, wie es will, ich kümmere mich nicht mehr darum. Es hat ja doch alles keinen Zweck. Ich gehöre nicht mehr zur Firma -- Sie übrigens auch nicht. Sie sind entlassen!«

»Weshalb denn?« fragte sie entrüstet. »Sie können mich doch nicht einfach entlassen, ohne mir vorher zu kündigen!«

»Gehen Sie nur hinüber und lassen Sie sich von ihr kündigen, wenn Sie so großen Wert darauf legen«, sagte Julius höhnisch und zeigte mit dem Kopf zum Büro seines Seniorpartners.

»Zu Miß Storr?«

Unkontrollierbare Gerüchte zirkulierten im Hause der Firma Maber & Maber. Der Chef sollte Barbara heimlich geheiratet und ihr das Geschäft als Hochzeitsgeschenk übergeben haben. Einige Verkäuferinnen in der Wäscheabteilung wollten sogar den Hochzeitskuchen gesehen haben. Andere erzählten sich, Mr. Maber schäme sich so sehr über diese gesellschaftliche Entgleisung, daß er sich nicht wieder im Büro zeigen wolle. Wieder andere glaubten der Version, daß sich die Jungvermählten an der Kirchentür wieder getrennt hätten, da Mr. Maber seine voreilige Handlungsweise bereut habe. Mit einer schwarzen Hornbrille, wie sie Mr. Atterman trug, sollte er nach Deutschland entflohen sein.

Julius stützte den Kopf in die Hand und dachte verzweifelt und angestrengt darüber nach, was nun werden sollte. Vorschnell und unüberlegt hatte er eine gute Stellung aufgegeben. Wenn er auch noch keine Dividende erhalten hatte, bezog er doch ein glänzendes Gehalt. Er bekam viermal mehr, als wenn er das Geld auf Zinsen angelegt hätte.

*

Alan Stewart ging mit schnellen Schritten durch die Verkaufsräume, eilte die Treppe hinauf und trat ohne große Anmeldezeremonie bei Barbara ein.

»Sie sind doch wirklich ein Prachtmädel!« begrüßte er sie. »Ist es denn tatsächlich wahr, daß Sie die Leitung des Geschäfts haben?«

»Ich habe Sie herbestellt, um mit Ihnen die nötige Reklame zu besprechen.«

»Ja. Ich empfehle Ihnen, sofort eine ganzseitige Anzeige im ›Daily Megaphone‹ aufzugeben. Die erste Seite ist zufällig gerade frei. Haben Sie schon einen Text aufgesetzt?«

»Ja, hier.«

Mehrere Konzepte lagen auf dem Schreibtisch herum.

»Was, Sie wollen eine ›Billige Woche‹ veranstalten? Das ist ja bis jetzt in der Geschichte der Firma Maber & Maber überhaupt noch nicht vorgekommen!«

»Nun, dann machen wir eben jetzt den Anfang damit«, erklärte sie kurz. »Ich habe mir die Lagerbücher aller Abteilungen kommen lassen. Mit den alten Ladenhütern und dem unnötigen Ballast muß endlich einmal aufgeräumt werden. Würden Sie wohl den Text einmal für mich durchsehen? Ich habe darin noch zu wenig Übung. Vor allem fehlen noch ein paar zugkräftige Worte.«

Er las eins der Manuskripte durch und machte einige Korrekturen.

»Das ist ja alles ganz gut und schön«, meinte er dann. »Aber Sie können doch einen solchen Plan nicht innerhalb vierundzwanzig Stunden durchführen, mein liebes Kind!«

»Ich bin kein Kind. Nehmen Sie sich mit Ihren Ausdrücken ein wenig in acht, sonst muß ich mir einen anderen Berater für Reklameangelegenheiten kommen lassen. Und ich möchte Ihnen auch den Rat geben, sich lieber kein Urteil über meine Fähigkeiten anzumaßen. Noch vor Ablauf einer Woche werden Sie nichts mehr von den alten Beständen in diesem Hause finden.«

Alan Stewart sah auf die Annonce, dann auf Barbara, legte die Stirne in Falten und äußerte dann neue Zweifel und Einwände.

»Die Zeit für Ausverkäufe ist doch schon zu Ende -- haben Sie daran auch gedacht?«

»Unsere Besprechung ist jetzt auch zu Ende«, sagte sie und zeigte mit der Hand zur Tür.

Als er durch die Geschäftsräume dem Ausgang zuschritt, kam ihm erst zum Bewußtsein, daß er Barbara doch vor allem nach einer Erklärung für diese revolutionierende Umstellung des ganzen Betriebes hatte fragen wollen.

Kaum war Alan Stewart gegangen, so erschien Mr. Lark im Büro des Chefs. Er wandelte noch immer wie im Traum umher und konnte die Wirklichkeit nicht fassen.

»Ich gebe Ihnen Ihren Posten als Einkäufer vorläufig wieder zurück«, erklärte Barbara ruhig, »weil ich zur Zeit keinen anderen Herrn zur Verfügung habe. Beschaffen Sie sich sofort einen Katalog von Atterman und bringen Sie heraus, was von den Artikeln am besten geht. Und dann setzen Sie sich mit den Grossisten in Verbindung und bestellen Sie von diesen Waren, soviel die Leute davon auf Lager haben. Alles wird nachher zu dem billigsten Einkaufspreis ausgezeichnet. Beeilen Sie sich doch, wir haben keine Sekunde Zeit zu verlieren!«

Wenige Minuten später erschienen sämtliche Abteilungsleiter bei ihr, und sie hielt ihnen eine kurze, aber sehr energische Ansprache.

»Die Firma ist jetzt aus einem mehr als hundertjährigen Schlaf erwacht. Morgen vormittag um elf Uhr beginnt unsere ›Billige Woche‹. Engagieren Sie genügend Personal, um dem Andrang des Publikums gewachsen zu sein.«

Sie wandte sich an den Lagerverwalter.

»Bei dem neuen Kurs werden Sie wahrscheinlich kein Nachmittagsschläfchen mehr halten können. Alle Lagerbestände müssen in die Verkaufsräume gebracht und auf den Tischen verteilt werden. Die Preisgestaltung werde ich nachher noch im Einzelnen mit Ihnen besprechen.«

Jemand wagte die schüchterne Bemerkung, daß Überstunden eingelegt werden müßten, wenn diese Aufträge erledigt werden sollten.

»Dann arbeiten wir eben einmal die ganze Nacht durch! Ich werde selbst alles leiten«, erwiderte Barbara und schickte einen Boten zu Myrtle, der eine Schlafdecke holen sollte.

Sie war gerade mit einem Lagerbuch beschäftigt, als Julius hereinkam. Er sah blaß aus, schien jetzt aber wieder vollkommen von dem Wert seiner Persönlichkeit überzeugt zu sein.

Barbara schaute auf.

»Ich muß doch tatsächlich einen Klopfer an der Tür anbringen lassen«, sagte sie scharf. »Was suchen Sie eigentlich noch hier in unserer modernen Firma?«

»Ich habe mich entschlossen, nicht aus dem Geschäft auszutreten.«

Sie lehnte sich in ihrem Sessel zurück und lachte höflich.

»Ich gehe jedenfalls nicht«, fuhr Julius verbissen fort, »bevor ich weiß, was mit Mr. Maber passiert ist. Und wenn Sie darauf bestehen, werde ich einem befreundeten Zeitungsmann die ganze Geschichte mitteilen.«

»Vielleicht sehen Sie sich das einmal an.«

Sie öffnete eine Schublade, nahm ein Stück Papier heraus und hielt es so, daß er darauf schauen konnte. Auf dem Blatt standen drei Zeilen, die zweifellos von Mr. Colesberg geschrieben waren.

»Gehen Sie höchstens bis zu hundertzehntausend Pfund. Der Bestand hat einen Wert von dreißigtausend. Bieten Sie keinen Cent mehr!«

»Dies dürfte doch wohl ein Vertrauensbruch sein, Mr. Julius Colesberg!«

»Das war eine rein persönliche Notiz«, protestierte er lebhaft.

Sie legte den Zettel in die Schublade zurück und schloß sie ostentativ ab.

»Wenn Sie schon einen Reporter in Bewegung setzen, schicken Sie ihn doch bitte auch zu mir. Ich kann ihm noch ein paar interessante Einzelheiten zu Ihrer Geschichte erzählen. Er wird sicher staunen, und die Wirkung auf das Publikum ist wahrscheinlich auch ausgezeichnet, wenn unsere großen Annoncen noch durch sensationelle Enthüllungen unterstützt werden.«

»Sie wollen doch nicht annoncieren?« rief Julius.

»Ich lehne es ab, geschäftliche Details mit einem Angehörigen der Gegenpartei zu besprechen.«

»Schön -- aber auf keinen Fall gehe ich!« schrie er empört. »Ich bleibe hier, bis Mr. Maber zurückkommt, und ich gestatte Ihnen nicht, mich aus der Firma zu entfernen. Wo ist Mr. Maber?«

»In Köln.«

»Vorhin sagten Sie Worms. Jetzt ist es auf einmal Köln. Wissen Sie, diese Sache kommt mir mehr als verdächtig vor. Aber ich werde die Wahrheit schon herausbringen, verlassen Sie sich darauf. Sie sollen --«

Ein Klopfen unterbrach ihn.

Der kleine Page steckte den Kopf zur Tür herein und machte Barbara geheimnisvolle Zeichen.

Sie erhob sich erstaunt, und als sie hinaustrat, stand sie dem großen, hageren Polizisten gegenüber. Er brachte den Koffer, in dem Mr. Mabers Frack und andere Kleidungsstücke ruhten.

»Der Inspektor hat alles in Ordnung gebracht. Ich melde mich zur Stelle.«

Sie atmete erleichtert auf.

»Treten Sie schon jetzt Ihren Dienst an?«

Er nickte.

»Dann lassen Sie den Koffer einmal hier stehen und kommen Sie mit mir.«

Julius starrte den großen Mann bestürzt an und sah dann etwas ängstlich zu Barbara hinüber.

»Was -- was -- was --?« stotterte er.

»Bitte, führen Sie diesen Herrn auf die Straße«, wandte sie sich an den Beamten.

Der Polizist schaute sie eine Sekunde lang verblüfft an, öffnete dann aber die Tür und zeigte mit dem Daumen auf den Gang hinaus.

»Er kann sich seinen Hut aus dem Büro holen, sonst erkältet er sich am Ende noch«, sagte Barbara gnädig.

Julius wankte als gebrochener Mann hinaus ...

*

Der Polizist führte den Namen A. Sturman. Barbara dachte unwillkürlich an »Arthur«, aber er klärte sie darüber auf, daß er »Albuera« hieß. Er erzählte ihr auch, daß er noch ledig sei und bei einer verheirateten Kusine wohne; daß er jeden Tag seine Beförderung erwarte und schon einmal mit dem Prinzen von Wales gesprochen habe; daß er vielseitige Interessen habe, und daß alle Mitglieder seiner Familie ein hohes Alter erreicht hätten.

Nach der ersten längeren Unterhaltung mit ihm hätte Barbara seine Lebensgeschichte schreiben können.

Bei der Firma Maber & Maber herrschte inzwischen fieberhafte Tätigkeit. Alles drehte sich, alles bewegte sich. Geschäftig eilten die Angestellten hin und her. Obwohl Barbara nicht aktiv an diesen Vorbereitungen teilnahm, sondern in ihrem Büro die Organisation ausarbeitete, fühlte sie doch die nervöse Spannung.

Mr. Lark war plötzlich äußerst lebendig und tatkräftig geworden, und seine Stenotypistin wußte nicht, wo ihr der Kopf stand. Sie war bereits am Ende ihrer Kraft angekommen und den Tränen nahe, denn sie mußte Briefe an die unglaublichsten Leute schreiben. Alle Orders sollten sofort ausgeführt und die Waren auf dem schnellsten Wege geliefert werden.

Die schönen Verkäuferinnen hatten nun keine Zeit mehr, sich in den Spiegeln zu betrachten und die Augenbrauen nachzuziehen. Auch sie waren in den Strudel allgemeinen Geschehens gerissen worden und mußten helfen, wo es notwendig war.

Als Barbara die Nachmittagspost sortierte, fand sie darunter auch einen Brief an Mr. Maber mit der Aufschrift »Sehr dringend. Privat.« Er war außerdem durch einen besonderen Boten gebracht worden. Sie zögerte ein wenig, den Umschlag zu öffnen, denn die Adresse war von einer Frauenhand geschrieben. Dann lächelte sie leicht. Armer Mr. Maber!

Leute wie er waren die geborenen Junggesellen, die nur die Annehmlichkeiten des Lebens kennenlernten, in prachtvoll ausgestatteten Wohnungen lebten und es sich gut gehen ließen. Sie hatten nichts zu bedauern und zu bereuen, betrachteten sich das sogenannte »Familienglück« aus der Ferne und erfreuten sich ihrer sorgenlosen Einsamkeit.

Sie sah den Brief verschmitzt an. Wahrscheinlich kam er von einer Dame, die eine Rente von Mr. Maber bezog. Es mußte eine ganze Anzahl solcher Frauen geben -- sie selbst hatte schon mehrere entdeckt. Mr. Maber war gewöhnlich sehr schweigsam und unnahbar, wenn er Briefe erhielt, die den Vermerk »Persönlich« oder »Privat« trugen. Ein einziges Mal war er bis jetzt wirklich ärgerlich über sie geworden, und zwar weil sie einen solchen Privatbrief einmal geöffnet und daraus erfahren hatte, daß er die Familie eines Gärtners unterstützte.

Aber dieses Schreiben konnte doch nicht unbeantwortet bleiben. Sie brach mit einer langen Gewohnheit, schnitt den Umschlag auf und nahm den Bogen heraus. Ein intensiver Duft von Chypre schlug ihr entgegen, als sie das Blatt entfaltete.

Schon als sie die erste Zeile gelesen hatte, tanzten die Buchstaben vor ihren Augen.

»Mein teurer, einzig geliebter Gatte --«

Der Raum drehte sich plötzlich um Barbara, und sie mußte sich am Tisch festhalten. Als sie sich wieder etwas gefaßt hatte, betrachtete sie die Adresse noch einmal genau:

»W. E. Maber, Esq., Maber & Maber.«

Ein Irrtum war vollkommen ausgeschlossen.

»Mein teurer, einzig geliebter Gatte«, las Barbara langsam, »warum hast du mich am Sonntag nicht angerufen? Wir hatten einen so herrlichen Braten zum Abendessen. Wann kann ich dich denn wiedersehen, Liebling? Ich zähle die Stunden, die ich von dir getrennt zubringe! Und ich bin auch so knapp an Geld, Schatz. Du wolltest mir doch bestimmt am Sonnabend fünfhundert Pfund schicken. Behandelt man so seine Frau? Ach, als ich in diese heimliche Heirat einwilligte und versprach, daß ich nicht einmal meinen nächsten Freunden etwas davon sagen wollte, ahnte ich nicht, daß du mich so viel allein lassen würdest. Ich beschwöre dich: Verlaß mich nicht!

Immer Deine Margaret Maber.«

»Um Himmels willen!« stöhnte Barbara und legte das Blatt atemlos auf den Schreibtisch.

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