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Verdammte Konkurrenz

Edgar Wallace: Verdammte Konkurrenz - Kapitel 3
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typefiction
authorEdgar Wallace
titleVerdammte Konkurrenz
publisherWilhelm Goldmann Verlag
translatorRavi Ravendro
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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2

Barbara trat auf den Korridor hinaus. Ihre Hand umklammerte krampfhaft die Vollmacht, und die letzten Worte Mr. Mabers klangen ihr noch in den Ohren.

»Gib ihm zehn Pfund -- ich habe kein Geld bei mir.«

Dunkel kam ihr zum Bewußtsein, daß damit der kleine Rechtsanwalt an ihrer Seite gemeint war, ein schmächtiger, halbverhungerter Mann in einem abgetragenen, unsauberen Anzug. Auch sein Kragen hätte längst gewaschen werden müssen. Seine Augen lagen tief in den Höhlen, und als er Barbara anlächelte, sah sein hageres Gesicht noch abstoßender aus.

»Schicken Sie mir doch bitte keinen Scheck zu, Miß Storr. Am besten ist in diesem Fall eine Barzahlung, dann brauche ich es nicht erst durch die Bücher gehen zu lassen. -- Wirklich ein reizender Mann, dieser Mr. Maber«, sagte er begeistert, als sie ihre Handtasche öffnete. »Wenn das Herz jung bleibt, wird man nicht alt. Verheiratet, Miß?«

»Ich? Nein.«

»Sie meinte ich nicht. Ich sprach von dem netten, alten Herrn.«

»Mr. Maber ist Junggeselle, soviel ich weiß.«

Barbara wurde gut bezahlt und hatte am Wochenbeginn stets eine größere Summe bei sich.

»Zehn Pfund?« fragte sie.

»Guineen«, erwiderte er in bescheidenem Ton.

Sie gab ihm den Betrag, und er steckte das Geld in die Hosentasche, nachdem er noch einen Blick auf die Zellentür geworfen hatte.

»Wenn ich Ihnen einmal irgendwie behilflich sein kann, Miß Storr, darf ich doch darauf rechnen, daß Sie sich mit mir in Verbindung setzen?«

Er drückte ihr eine nicht sehr saubere Karte in die Hand, und zu ihrem Erstaunen sah sie, daß er in Lambeth wohnte. Die Telefonnummer war ausgestrichen.

»Die Leitung ist zur Zeit nicht in Ordnung«, warf er hin. »Mit diesen verdammten Apparaten stimmt immer irgend etwas nicht.«

Barbara, die ganz genau wußte, daß Telefone meistens dann in Unordnung geraten, wenn die Rechnungen nicht bezahlt werden, reichte ihm lächelnd die Hand.

Er zog den Hut und wandte sich dann zum Gehen. Aber ein junger Mann, der offenbar auf ihn gewartet hatte, trat ihm in den Weg.

»Verzeihen Sie, sind Sie Mr. Hammett?«

»Ja, das bin ich«, erwiderte der Rechtsanwalt etwas herablassend.

Der junge Mann übergab ihm ein zusammengefaltetes, blaues Blatt.

Mr. Hammett zog die Augenbrauen zusammen, warf einen Blick auf die Adresse und steckte die unangenehme Nachricht dann in die Tasche.

»Sie können Ihrem Chef sagen, daß die Angelegenheit heute noch geregelt wird«, erklärte er ernst und entfernte sich.

Der Polizeiinspektor hatte die kleine Szene von der Tür seines Zimmers aus beobachtet.

»Wollen Sie nicht einen Augenblick hereinkommen?« sagte er freundlich zu Barbara. »Es tut mir leid, daß Ihr Chef an Hammett geraten ist. Hoffentlich hat der Mann alles wunschgemäß erledigt?«

»Wer ist er denn?« fragte Barbara, die immer noch nicht ganz an die Wirklichkeit ihres Erlebnisses glauben konnte.

»Ein Rechtsanwalt. Ich weiß nicht viel über ihn. Jedenfalls ist er noch nicht aus der Matrikel gestrichen. Er treibt sich auf den Polizeigerichten von Südlondon herum und taucht meistens in der Nacht nach dem Bootsrennen hier auf. Gewöhnlich hat er dann auch einen oder zwei Klienten aufgelesen. Um Mr. Maber tut es mir wirklich leid«, fuhr er ernster fort. »Ich kenne ihn gut, weil er früher meine alte Mutter in Ilchester unterstützt hat. Sie sind doch auch dort zu Hause? Ich habe Sie manchmal dort gesehen.«

»Das stimmt«, erwiderte sie überrascht. »Aber sagen Sie mir doch, hat er tatsächlich jemand gebissen?«

»Ich weiß es nicht. Die Leute sagen so. Aber was ist schließlich ein Biß? Es ist ja möglich, daß er es im Scherz getan hat.«

Im Zimmer stand der große, ernst dreinschauende Polizist, der Barbara geholt hatte. Anscheinend stand er dem Inspektor zu Botengängen zur Verfügung.

»Ich wundere mich eigentlich, daß Sie keine Polizisten in Ihrem Geschäft haben«, meinte der Inspektor. »Bei Atterman sind drei oder vier beschäftigt.«

»Ja, können Sie denn Polizisten verleihen?« fragte sie verwundert.

»Selbstverständlich, wenn die Polizeidirektion die Genehmigung dazu gibt«, entgegnete er lächelnd. »Natürlich müssen Sie dafür zahlen. Aber die großen Warenhäuser können gewöhnlich soviel Leute bekommen, wie sie nur haben wollen, besonders während der Ausverkäufe.«

Barbara faßte einen schnellen Entschluß.

»Gut, ich werde einen kaufen. Was kostet er?«

»Kaufen können Sie ihn nun allerdings gerade nicht, Miß Storr«, entgegnete der Beamte belustigt, »aber Sie können ihn für einige Zeit engagieren. Ich werde die Angelegenheit für Sie regeln. Wünschen Sie einen bestimmten Polizisten?«

Sie zeigte auf den großen Mann, der sie gerufen hatte.

»Ja, ich möchte diesen haben.«

Der Inspektor rieb sein Kinn.

»Ich glaube, das läßt sich machen. Brauchen Sie ihn für den Innen- oder für den Außendienst?«

»Für den Innendienst«, entgegnete sie prompt.

Das war eine ausgezeichnete Idee!

Sie winkte ein Taxi heran und fuhr zur Bank, legte dort dem erstaunten Direktor ihre Vollmacht vor und leistete die Unterschrift. Als sie gerade wieder in den Wagen steigen wollte, hörte sie ihren Namen. Rasch wandte sie sich um und sah sich einer blonden jungen Dame mit ausdrucksvollen, blauen Augen und frischen, roten Lippen gegenüber.

»Famos, daß ich Sie treffe, Miß Storr«, rief Maudie Deane und drückte Barbara herzlich die Hand. »Ich habe gerade versucht, Atterman zu sprechen. Man sollte doch eigentlich von einem Gentleman erwarten --«

»Kommen Sie schnell herein -- ich habe es sehr eilig!«

Die hübsche Solotrompeterin des Lusiana-Damenorchesters folgte der Aufforderung sofort.

»Nun erzählen Sie mir bitte Ihre ganze Geschichte noch einmal, Maudie«, bat Barbara. »Aus einem besonderen Grunde liegt mir jetzt daran, möglichst viel Auskünfte über Mr. Atterman zu sammeln. Er hat sich also in Sie verliebt und Ihnen versprochen, Sie zu heiraten?«

Maudie nickte, und ihre veilchenblauen Augen füllten sich mit Tränen.

»Ich habe die Damenkapelle für Atterman zusammengestellt. Es war meine Idee. Schon seit meinem sechsten Lebensjahr spiele ich Trompete, und mein Vater war der große Solobläser, den die Welt gekannt hat. Natürlich hat Mr. Atterman an mir Gefallen gefunden, und als wir im Erfrischungsraum spielten, kam er jeden Mittag und setzte sich so, daß er mich sehen konnte. Er hat mich mit den Blicken geradezu verschlungen, wenn ich diesen bildhaften Ausdruck gebrauchen darf. Es hat mich so mitgenommen, daß ich tatsächlich manchmal einen halben Ton zu tief gespielt habe. Und er wollte mich ja auch heiraten, aber seine Mutter --«

»Was, seine Mutter? Hat ein solches Scheusal auch eine Mutter?«

»Sogar zwei«, lautete die überraschende Antwort. »Eine Stiefmutter und eine wirkliche. Sein Vater hat sich unter traurigen Umständen scheiden lassen. Das war nämlich so --«

»Auf die traurigen Umstände wollen wir lieber jetzt nicht näher eingehen«, sagte Barbara hastig. »Aber ich bin sehr gespannt, über Ihre Liebesgeschichte noch mehr zu hören.«

Maudie warf ihr einen kummervollen Blick zu.

»Es begann damit, daß er mich nach Hause begleitete und meine Hand stärker drückte, als es im allgemeinen üblich ist. Er selbst ist ein anständiger Mann, das muß ich schon zu seinen Gunsten sagen. Aber seine Mutter konnte mich nicht leiden. Ich hätte ihn auch niemals bei Gericht verklagt, aber mein Vater meinte, wenn die Geschichte in die Zeitungen käme, könnte mir das ein gutes Engagement bei einem Varieté einbringen. Der Skandal in den Zeitungen war dann ja auch enorm -- aber das Engagement ist leider ausgeblieben. Und doch, Miß Storr --« Maudie kämpfte mit den Tränen -- »ich liebe ihn!«

Barbara schaute sie betroffen an.

»Ach, Sie werden ihn jetzt so oft sehen dürfen! Wie ich Sie deshalb beneide!« schluchzte Maudie und drückte das Taschentuch an die Augen.

»Ich kann nicht behaupten, daß mich dieser Gedanke so sehr entzückt. Aber warum soll ich ihn denn eigentlich jetzt so oft sehen?«

Maudie faßte sich wieder und trocknete ihre Tränen.

»Atterman kauft doch Ihre Firma! Ich traf neulich Mr. Minkey auf der Straße, und der erzählte mir, daß die Lebensmittelabteilung in Ihr Haus verlegt wird. Ach, Percy Atterman ist wirklich ein smarter Geschäftsmann, ein wundervoller Mensch!«

Vor dem Eingang zu Maber & Maber trennte sich Barbara von Maudie und eilte in ihr Büro.

Mr. Lark rief sie an, als sie an seinem Zimmer vorüberkam.

»Storr!«

Sie wandte sich um.

»Wann kommt Mr. Maber?«

»Das kann ich Ihnen nicht sagen, Lark.«

»Für Sie bin ich immer noch Mr. Lark«, wies er sie mit erhobener Stimme zurecht, da er wußte, daß das Büropersonal zuhörte.

Barbara betrachtete ihn nachdenklich.

»Ich möchte Sie nicht gern auf die Straße setzen, weil ich weiß, daß Sie ein verheirateter Mann sind, und daß Ihre Frau schon genug Sorgen hat. Aber Sie sind heute zum letztenmal Chef der Einkaufsabteilung in der Firma Maber & Maber gewesen. Ich werde Ihnen das noch schriftlich bestätigen.«

Mr. Lark war so verblüfft, daß er kein Wort hervorbrachte. Erst als sie gegangen war, fand er die Sprache wieder.

Barbara warf in ihrem Büro Mantel und Hut auf einen Stuhl, ging in Mr. Mabers Privatbüro, setzte sich an den Schreibtisch und sah die Post durch. Schließlich schob sie die Briefe beiseite und telefonierte mit Mr. Stewart. Dann klingelte sie.

Mr. Lark, der irrtümlicherweise glaubte, Mr. Maber sei gekommen, stürzte zur Tür herein, um seine Beschwerde vorzubringen. Er brannte darauf, dem Chef sein Herz auszuschütten.

Als er Barbara in Mr. Mabers Sessel sah, wäre er beinahe ohnmächtig umgesunken.

»Treten Sie näher, Lark, und setzen Sie sich.« Sie zeigte auf einen Stuhl.

»Sehen Sie, Miß Storr --« begann er.

Sie hob abwehrend die Hand.

»Für wann ist die Konferenz angesetzt?«

»Die Herren warten schon seit einiger Zeit drüben«, sagte er laut.

»Sehr gut.«

Sie nahm einen Bleistift, steckte ihn hinters Ohr und verließ das Büro. Mr. Lark folgte ihr in respektvollem Abstand. Er war fest davon überzeugt, daß ihr Eitelkeit, Selbstüberhebung und andere Charaktereigenschaften, die er ihr zuschrieb, vollständig den Kopf verdreht hatten.

Im Konferenzzimmer unterhielt sich Julius sehr angelegentlich mit Mr. Atterman und Mr. Minkey, und die drei schienen sehr befriedigt zu sein. Zwei Herren, von denen einer Barbara unbekannt war, verglichen den Text eines aufgesetzten Vertrages. Der grauhaarige Advokat Mr. Mabers nickte Barbara freundlich lächelnd zu, machte aber ein verdutztes Gesicht, als sie sich in dem Sessel am Ende des langen Verhandlungstisches niederließ.

Mr. Lark war ihr auf Zehenspitzen gefolgt.

»Wo ist Mr. Maber?« ertönte plötzlich eine scharfe Stimme.

»Er ist verhindert, zu kommen.«

Auf dem Tisch lag ein kleines Buch, in das die Direktoren ihre Namen eintrugen. Barbara tauchte die Feder ein und schrieb in energischen Zügen ihren Namen ein.

»Dann werde ich den Vorsitz übernehmen«, erklärte Julius sofort.

Er ging auf den geheiligten Sitz des Chefs zu und wartete.

Barbara sah nicht einmal auf.

»Machen Sie schnell, Miß Storr«, sagte Mr. Atterman ärgerlich. »Wir können nicht den ganzen Tag hier stehen, bis es Ihnen beliebt, sich zu erheben. Außerdem zweifle ich überhaupt daran, daß Ihre Anwesenheit hier erwünscht ist.«

»Und ich weiß nicht, ob ich Ihre Anwesenheit hier gutheißen kann, Mr. Atterman.«

Sie lehnte sich in dem Sessel zurück und legte die Fingerspitzen zusammen, wie es der berühmte Sherlock Holmes getan haben soll.

Mr. Lark blickte ratlos von einem zum andern und schüttelte den Kopf, als ob er die Verantwortung für das eigenartige Benehmen dieses jungen Mädchens nicht übernehmen wollte.

Der Rechtsanwalt Mr. Mabers versuchte, Öl auf die hochgehenden Wogen zu gießen.

»Meine liebe Miß Storr«, wandte er sich freundlich an sie, »ich glaube, Sie müssen den Platz verlassen. Haben Sie uns denn irgendeine Botschaft von Mr. Maber auszurichten?«

»Ja.« Barbara nahm die Vollmacht aus der Tasche und reichte sie ihm. »Das ist seine Botschaft.«

Er rückte seine Brille zurecht und las das Schriftstück von Anfang bis zu Ende durch. Den alten, erfahrenen Juristen konnte nichts mehr überraschen, und nachdem er die Urkunde durchgesehen hatte, faltete er sie gelassen wieder zusammen.

»Soll ich dieses Dokument aufbewahren?« fragte er.

»Ich bitte Sie darum, Mr. Steele.«

»Was soll denn das eigentlich alles bedeuten?« rief Julius wütend, der immer noch neben Barbara stand.

»Wollen Sie den Vorsitz bei der Verhandlung führen?« wandte sich Mr. Steele wieder an sie. Barbara nickte.

»Sie will die Verhandlungen führen? Was fällt Ihnen denn ein?« schrie Julius wild. »Sie ist eine Angestellte, eine Stenotypistin, eine --«

Der Rechtsanwalt setzte sich bequem in seinen Stuhl und putzte seine Brille lächelnd. Julius war ihm von jeher unsympathisch gewesen.

»Miß Storr ist vollkommen berechtigt, den Vorsitz hier zu führen«, erwiderte er verbindlich. »Nach allem, was ich höre, mögen Sie mit der Tatsache wenig einverstanden sein, aber Miß Barbara Storr hat die Leitung des Geschäftes augenblicklich in der Hand.«

Julius sank in den nächsten Sessel.

»Sind Sic verrückt?« fragte er heiser. »Die Leitung des Geschäftes? ... Was bin ich dann denn eigentlich hier?«

»Sie sind der Juniorpartner, Mr. Colesberg«, entgegnete Mr. Steele, »und wenn ich mich nicht sehr irre, steht in Ihrem Vertrag, daß Sie sich nicht in die Angelegenheiten des Seniorchefs oder seines Stellvertreters einzumischen haben. Und Miß Storr ist jetzt die Stellvertreterin Mr. Mabers. Sie zeigte mir eben ihre Generalvollmacht, die Mr. Maber persönlich unterschrieben hat.«

Tödliches Schweigen herrschte im Zimmer.

Mr. Lark starrte mit offenem Mund auf Barbara. Dann war es also wahr! »Junges Mädchen hat alten Millionär in der Gewalt!«

Mr. Atterman faßte sich zuerst wieder, denn es gehörte zu seinen Erfolgsprinzipien, jeder Situation die beste Seite abzugewinnen.

»Nun, das ist allerdings eine merkwürdige Sache«, meinte er, »aber ich erkläre Ihnen, meine Damen und Herren, daß ich ebenso bereit bin, mit Miß Storr zu verhandeln wie mit Mr. Maber. Vielleicht ist mir diese Lösung sogar noch lieber, denn die junge Dame besitzt eine Art intuitive Geschäftstüchtigkeit und ist außergewöhnlich intelligent, wenn sie auch vielleicht noch nicht unsere Erfahrung in Organisation und Finanzierung hat. Ich persönlich werde mich jedenfalls freuen, wenn sie ihre Unterschrift unter dieses historische Dokument setzt.«

Julius hatte sich noch nicht mit der Lage abgefunden. Er faltete die Hände über der Tischplatte und sah Barbara fassungslos an.

»Ich kann doch nicht einfach übergangen werden«, beschwerte er sich, aber Mr. Atterman brachte ihn durch einen scharfen Blick zum Schweigen.

Mr. Minkey ergriff nun das Wort.

»Der Vorschlag, den wir machen, Miß Storr, ist folgender ...« begann er.

»Wo ist Mr. Maber denn eigentlich?« fragte Julius wieder aufgeregt dazwischen.

»Im Ausland«, erklärte Barbara. »Er mußte unvermutet nach Deutschland fahren.«

»Wo hält er sich denn dort auf? Ich schweige nicht, Atterman, das muß ich wissen.«

Barbara hatte inzwischen Köln vergessen und suchte rasch in ihrem Gedächtnis nach einer anderen Stadt mit einem Dom.

»In Worms«, sagte sie schnell.

Mr. Lark fuhr zusammen.

»Ist er etwa tot?« fragte er mit hohler Stimme.

»Soviel ich weiß, ist er noch sehr lebendig. Also, was wollten Sie sagen, Mr. Minkey?«

»Unser Vorschlag geht also dahin«, begann der Direktor aufs neue.

»Warten Sie, Minkey«, unterbrach ihn Atterman. »Ich werde der jungen Dame die Lage in ein paar Worten klarmachen. Wir brauchen ja heute keine Verhandlungen mehr zu führen, da die Verkaufsbedingungen längst festgesetzt sind. Es handelt sich nur noch um die formelle Angelegenheit, den Vertrag zu unterzeichnen.«

»Das dürfte wohl nicht ganz stimmen«, meinte Mr. Steele.

»Natürlich stimmt das nicht«, sagte Barbara verächtlich. »Hören Sie einmal zu, Mr. Atterman. Wenn überhaupt ein Vertrag Zustandekommen sollte, dann nur nach allen Vorschriften des Rechtes. Auf Ihre Machenschaften lasse ich mich nicht ein!«

Atterman sah sie bestürzt an.

»Nennen Sie das anständig?«

»Das nenne ich sowohl anständig wie intelligent!«

Mr. Atterman bemühte sich, seine Entrüstung zu verbergen, aber Julius sprang erregt auf.

»Ich lasse mir von Ihnen nichts vorschreiben! Was habe ich denn noch hier zu sagen? Soll ich vielleicht ruhig zusehen, wie Sie sich in meine Geschäfte einmischen? Ich habe siebentausend Pfund eingezahlt und dafür ein fünfundzwanzigstel Anteil des Geschäfts gekauft -- siebentausend Pfund!« Bei diesen Worten schlug er siebenmal mit der Faust auf den Tisch. »Und wenn dieser Vertrag heute nicht unterschrieben wird, trete ich aus der Firma aus und verlange mein Geld zurück! Das ganze Ding hier geht allmählich in die Binsen. Noch keinen Cent Dividende habe ich bezogen, seit ich hier bin! Wenn Sie tatsächlich eine Generalvollmacht haben, dann lösen Sie gefälligst die Partnerschaft mit mir und schreiben Sie mir einen Scheck aus! Ich will mit einer solchen Firma nichts mehr zu tun haben!«

Zu seinem größten Erstaunen wandte sich Barbara an den Rechtsanwalt.

»Setzen Sie bitte eine Urkunde darüber auf, Mr. Steele. Ich glaube ja allerdings noch nicht, daß Mr. Colesberg das im Ernst meint --«

»Ich meine jedes Wort so, wie ich gesagt habe«, rief Julius außer sich. »Lassen Sie eine Erklärung ausfertigen, daß meine Teilhaberschaft aufgelöst ist, und ich unterzeichne sie sofort!«

Barbara nickte dem Rechtsanwalt zu, der mit überraschender Geschwindigkeit einige Zeilen auf das Papier warf und sie Julius hinüberreichte.

»Das Scheckbuch, Mr. Lark!« befahl Barbara.

Der Mann versuchte schwach, zu protestieren.

»Das Scheckbuch!« wiederholte sie energisch.

Er erhob sich, verließ widerwillig das Zimmer und kehrte mit dem verlangten zurück, das er vor sie hinlegte. Hoffentlich würde er bald aufwachen und die Ursache für diesen schrecklichen Traum entdecken.

Fasziniert beobachtete er, wie Barbara den Scheck über siebentausend Pfund zu Gunsten von Mr. Julius Colesberg oder Überbringer ausschrieb.

Der Rechtsanwalt trat zu ihr, prüfte das Formular sorgfältig und übergab es dann Julius. Mit zitternder Hand unterzeichnete Mr. Colesberg das Schriftstück, das die Erklärung seines Austritts aus der Firma enthielt.

Kaum eine Stunde nach Ausstellung der Generalvollmacht hatte Mr. Maber schon seinen Teilhaber verloren.

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