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Ut mine Stromtid

Fritz Reuter: Ut mine Stromtid - Kapitel 5
Quellenangabe
authorFritz Reuter
titleUt mine Stromtid
typenarrative
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firstpub1862
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Kapittel 4.

Wer eigentlich den Minschen as en Burrkäwer an en Faden burren lett un denn männigamal an den Faden treckt. Wo Braesitg, de ollen Größings, Jochen Nüßler, Herr Paster, Moses, Hawermann un de lütt Lowise, All an desen Faden regirt warden. Worüm de Herr Kammerrath so redselig ward, un wat Hawermann för 'ne Nahwerschaft kriggt. Wat de Herr Kammerrath mit Mosessen tau dauhn hadd, un worüm de Kürassirleutnant in sin Vaders Fauttappen, un David ut sin Vaders Fauttappen tred.

Up den Slag bi de Maehl stunn aewer Johr wedder Brakweiten, as in dat Johr, in dat Hawermann up dat Gaud tautrecken ded. In elben Släg' lagg dat Gaud; elben Johr wiren also sörre de Tid vergahn. De Inspekter kamm ut de Kirch, denn 't was en Sünndag, un hei hadd den Paster sine Predigt hürt un sin lütt Döchting besöcht; hei gung tau Faut den Kirchstig entlang, denn de Weg was kort, un de Dag was schön, so schön, as em Jehann'sweder maken kann; hei gung dörch sinen Weitenslag, un ein' von de reinsten Freuden kamm aewer em, de, dat uns' Herrgott sinen sichtboren Segen utgaten hadd aewer dat, wat wi in minschliche Hoffnung, aewer ok in minschlichen Unverstand utsei't hewwen. Hei hadd nicks bi desen Segen, de hürte sinen Herrn; aewer de Freud' was sin, un de makte em dat Hart wid un den Sinn hell, un in den hellen Sinn blitzten fröhliche Gedanken up, as Fisch in 'ne klore Bäk. – Hei fläut'te en lustig Stückschen vör sick un müßt binah lachen, as hei sin eigen Fläuten hürte, denn tau so 'n Utbreken von Lustigkeit kamm hei nich oft. "So," säd hei, "einmal bün ick nu in de elben Johr dat Feld rund, un dat Graewst is bi Sid, nu noch einmal rund! denn sall de WirthSchaft ut annern Ogen seihn." – Hei slog den Weg dörch den Goren in, de hoch lagg un an en lütt Eiken= un Bäuken=Holt stödd, in dat de Gäng' un Stig' hüt sauber reinmakt un harkt wiren, denn de Kammerrath wull mit sine Fomili hüt inrücken un hadd sick tau halwe Nahmiddag anmellen laten. – As hei up den Äuwer kamm, stunn hei still, kek sick nah den Weitenslag üm, un lachte so vör sick hen: "Ja, anners kled'f em dat, as denn' vör elben Johr, den ick dunn meihen let; aewer, wat Recht is! Ditmal hett dat ok beter johrt. – Na, wat de oll Herr woll seggen ward! – Bet tau 'm Aust liggt man noch gor tau vel Tid dortüschen; aewer den Rapp hewwen wi doch nu so gaud as seker. – Wenn hei blot nich wedder all vörweg verköfff is!" süfzte hei. "Weit de Kukuk – !" un nu söllen em all de Summen in, de hei all in de langen elben Johren afliwert hadd, "de oll Herr kümmt nich wider un kümmt nich wider; aewer, du leiwer Gott, dor hett hei nu de fiw Döchter un de twei Herrn Swigersaehns, de em melken, un denn de gnedige Fru, de jo woll glöwt, wil 't Geld rund is, möt 't ok lopen, un denn de Saehn – wat de em woll bi de preußschen Kürassir kosten deiht! – Ja, de Tiden sünd beter worden, vel beter, as tau mine Tid; aewer, wer einmal in de Klemm sitt – 't is slimm, un hei ward mi up Stunn's gor tau olt utseihn." – Hei hadd noch Tid, sei wullen up den Kammerrath hüt mit dat Middageten täuwen, obschonst hei dat nich heiten hadd; dat hürte sick nich anners, hadd Hawermann seggt. – "Ja," säd hei noch mal un sett'te sick in 'ne käuhle Lauw', "freuen ward hei sick aewer den Weiten, un 'ne Hülp ward hei em sin, denn hei gellt wat, un de Tiden sünd beter worden."

Ja, de Tiden wiren strammer worden; denn wat sünd för den norddütschen Landmann un aewerall för den Minschen de Tiden anners as lange, lange Faden, de hinnen wid in England un in Amerika un aewer de ganze Ird' mit dat ein' Enn' anknüppt sünd un an dat anner em regiren, de männigmal ganz slapp liggen, dat hei, un wat an em bammelt – un dat 's för unsen Landmann binah dat ganze Land – sick nich rögen kann, un denn mal wedder stramm antreckt warden, dat Allens lustig dörchenanner schütt, un Allens ümkatert ward bet in de bütelste Eck herin. Ok in uns' lütt Minscheneck was de Faden strammer antreckt un hadd Jung'=Jochen sinen puzzelanenen Pipenkopp un blierne Swammdos' un sin blag anstreken Eckschapp un den gewichs'ten Sopha ut den Hus', un de oll gel'beinigte Dam' von Kutsch ut dat Wagenschur 'rute, un dorför en meerschümenen Pipenkopp mit Sülwer beslagen, un en 'mahony Sekletähr' un 'ne mastige Kretur von 'n Diwahn in de Stuw 'rinne treckt, un in sin Wagenschur stunn en Ding von Fuhrwark, wat Braesig ümmer dat 'Phantom' näumen ded, wil hei up de Reknung 'ne 'E' för 'ne 'N' un 'ne 'N' för 'ne 'M' anseihn hadd; un hei hadd Recht, denn 't Ding sach binah so ut, as künn 't Einen in 'n Drom vörkamen. Un de sülwige Faden hadd ok Braesigen sinen Herrn Grafen de Hand regirt, as hei em nu, nah binah twintig Johr, de Erlaubniß schriftlich gaww, dat hei up Stunn's för sinentwegen frigen künn, un dat hei em 'ne Verschriwung gaww, 'auf eine zuständige Pension für seine alten Tage'. Un in desen Faden, as hei slapp was, hadd sick de lütte Fru Pastern inwickelt, as en Brummküsel, den sick de Jungs uptömen; un nu, as hei antreckt würd, küselte sei sick üm ehren Paster 'rümmer un brummte em däglich in de Uhren: wenn de Preister=Acker nu wedder verpacht würd, künnen sei gaud dat Duwwelte verlangen. Un as Moses bi den letzten Johressluß sine Hauptsumm tog, un unnen 'ne lütte Eins un vir grote Nullen schrewen hadd, dunn tuckte de Faden em an den Arm, un ut de vir Nullen wiren fiw worden: "David, leg's Buch weg, "es stimmt."

Aewer an desen Faden, wo wid hei ok anknüppt un wo drist hei ok antreckt ward, ward doch man Irden= un Minschenwark regirt, un wenn uns' Herrgott ok dor achter sitt un Obacht giwwt, dat dat Slappliggen un dat Strammtrecken mit Maten geschüht, dat de Minschheit nich ganz still up einen Hümpel liggt un sick anstickt un ful ward, oder wild dörchenanner rönnt, as wenn en Sack mit Arwten platzt is, de enzeln Minsch hett an desen Faden doch so velen Willen, as en Burrkäwer an sinen, wenn de Kinner dormit spelen; hei kann hir un dor herümmerburren. Ein anner Faden aewer regirt noch de Welt, hei geiht von baben nah unnen, un uns' Herrgott hett dat Enn' sülwst anfat't, un dor kann kein Käwer an burren, un en Spelwark is 't ok nich; hei hadd man en lütt beting doran tuckt un Zacharies Braesig hadd 't Podagra kregen, un hei hadd en beten strammer doran treckt, un dat hadd de beiden ollen Nüßler'schen Großherrn up dat letzte Lager smeten, un hei hadd en Knuppen an 't Enn' von ehren Faden slagen, un sei wiren begrawen worden.

Zacharies Braesig hadd frilich gefährlich schimpt un schandirt, as hei dat Tucken markte un in sinen Unverstand nich verstunn, denn hei gaww de nigen vörnehmen Moden mit einnaethige Wichsstäweln un dat nattkolle Frühjohr doran Schuld, wat hei doch mit Recht sine fetten, gesegenten Maltiden un den gebrüklichen, lütten Kaem hadd anreken süllt. – Hei was verdreitlich, as 'ne Hunn'fleig', un Hawermann drop em jedes Mal, wenn hei em in so 'ne Ümstänn' besäuken ded, mit de Schrift in de Hand, de hei von den Herrn Grafen wegen dat Frigen un de Pangsion kregen hadd, un denn was Braesig falsch, hellschen falsch, un denn säd hei: "Nu denk Dich mal, Bruder, in was for ein entfamtes Verhältniß ich durch das gnedige, gräfliche Poppir hineingerathen bün! Will ich heurathen, denn sagt mein gnedigst Graf, ich bün noch zu jung zu 'ner Pangsion, un forder ich die Pangsion, denn muß ich zu mir selber sagen: ich bin zu alt zu's Heurathen. – Oh! mein gnedigst Herr Graf is auch noch nicht viel besser, as en ganz gewöhnlicher Jesuwiter; er hat's mit's Maul, er hat's mit's Maul un geht Einen unter die Augen; aber schriftlich setzt er Einen allerlei hundsvöttsche Paddagrafen in's poppir, daß en Mann, der achtuntwintig Johr lang seine Knochen for ihn abstrappzirt hat, nich mal ohne perßönliche Blamirung seine Pangsion verzehren kann, un daß en Mann, der schon vor zwanzig Jahr drei würkliche Brauten gehabt hat, nu in seine Funfzigerjahren nich einmal eine enzelne heurathen kann? – Oh, ich lach über die gnedigsten Paddagrafen un die gnedigsten Grafen!"

Wat den Einen sin Uhl is, is den Annern sin Nachtigal. Braesig was verdreitlich bi dat Fadentucken; aewer in Jung'=Jochen sinen Hus' was nah dat Knuppeninslagen en Gast inkihrt, den de junge Fru frilich all ümmer in de Dör hadd 'rinne kumplementiren wullt, de aewer ümmer nich hadd aewer den Süll wullt, dat was de Husfreden. Nu hadd hei sick recht schön behaglich up den nigen Diwahn sett't un kummandirte von dor ut dat Ganze. De jung' Fru plegte em denn nu ok so, as wenn Vadder=Brauder=Saehn an 't Hus kamen wir, un de beiden ollen lütten Druwäppel deden Allens, wat sei em an de Ogen afseihn kunnen, un ok Jung'=Jochen schenkte den Gast in un namm de Sak so, as dat Ledder was, un ded, wat hei as Husvader dorbi dauhn kunn. Frilich einsülwig blew hei, un annern Toback as fleigen Markur müggt hei nich, un ut de Vörmundschaft was hei nich 'rute kamen, denn nah de Ollen ehren Dod' hadden Hawermann un Braesig em de Vörmundschaft aewer dat Butenwesen aewer den Kopp wegnamen, un hadden de Släg' ümleggt un hadden dat Inventor in de Reih' bröcht un hadden mergelt un mad't, un wil dat de Ollen noch unner 't Koppküssen un ut en Strumpschacht un ut dat Abenlock un süs noch von hir un dor wännigen Büdel mit Geld mittaunemen vergeten hadden, gung de Sak ganz glatt un ahn vel Ümstänn', un, as 't All tau Schick was, säd Jung'=Jochen: "Je, wat sall ick dor wider bi dauhn?" un let 't Ding sinen Lop. Aewer de Behaglichkeit, un de Wollstand, de nu üm em 'rümmer sick breit maken ded, makte em en ganz deil uperweckter, un sine angeburne Gaudmäudigkeit, de so lang' unner den Filz von de ollen Herrn taudeckt was, gung nu in bloten Horen herümmer, un wenn ehr dat ok en beten rug üm den Kopp let, dat schadt nich, as de Schaulmeister mit de rode West bi 't Gräfniß säd: Herr Paster, wenn 't Hart man swart is.

Un wo was 't nu bi Fru Pastern ehren Paster? – Dor hadd uns' Herrgott wenig tau tucken hatt, hei hadd 't so makt as Jung'=Jochen, hei hadd seggt: Wat sall ick dor wider bi dauhn? Lat 't Ding sinen Lop! – Un wenn de Paster mal hen un wenn so 'n lütten, lisen Tog an den Arm verspören ded, wenn hei sine Predigt makte, un hei kek sick denn üm, denn stunn blot sine lütte fründliche Fru achter em, aewer mit den Wischdauk, un putzte an sinen Lehnstaul 'rümmer un frog, wat hei de Bors brad't oder kakt hewwen wull, un wenn hei denn grad' in sine prediat bi Petri Fischtog oder bi de grote Fischspisung ut 't Evangelium was, denn schoten em allerlei verdreitliche, unchristliche Gedanken von Bradfisch un Merretig un Botter dor mit mang, dat hei sine leiwe Noth hadd, Predigt un Amtswürd uprecht tau erhollen. Aewer wat wiren dese lütten Leiden, an de em sine Regina von Anfang an all gewennt hadd, gegen sine groten Freuden? – Du leiwer Gott! ick heww von minen Gärtner=Fründ Jühlke in Erfurt 'ne schöne Lilgenzwiwel schickt kregen, de nu in de Märzsünn ehre irsten Bläder driwwt, un min irste Gang is des Morgens tau ehr, üm tau seihn, wo vel Bläder sei aewer Nacht drewen hett, un ick pöll doran herümme, üm tau seihn, ob sei ok an de Wörtel fult, un ick drag' sei von dat kolle Finster an den warmen Aben, un von den düstern Aben an dat helle Finster in de Gottessünn, un 't is doch man irst en gräunen Schuß, de ut de Jrd' kümmt, un noch kein Blaumenknupp, un 't is doch man en Planten= un kein Minschenlewen, un wo freu ick mi all aewer ehr Driwen un Wassen un Gräunen! Un Fru Pastern ehr Paster hadd ok 'ne schöne Lilgenzwibel schickt kregen von sinen Gärtner=Fründ, Herrgott in Himmelrik, un hei un sine lütte Fru hadden sei plegt un hegt, un nu was 't all 'ne Blaumenknupp worden un 'ne Minschenblaumenknupp, un de warme Maisünn schinte up ehr, un de Fru Pastern lep des Morgens mit ehren irsten Gang tau ehr hen un burrte des Middag's üm ehr 'rümme un freu'te sick aewer ehren gesunnen Apptit un füllte ehr noch en Lepel vull up den Teller; denn, säd sei, Lewen will tau lewen hewwen; un des Abends unner de Lind' vör de Dör snürte sei dat oll lütt Dirning mit sick sülwst in ein un den sülwigen Umslageldauk tausamen, wegen de gegensidige Warmniß, un wenn 't Beddgahnstid was, denn gaww sei ehr en Gu'nnachtkuß: "Gott segen Di, min Döchting; aewer morgen früh, Klock fiw', büst Du mi wedder in de Bein'!"

Un den paster sin irste Gang was ok tau ehr, un hei wacht'te un lurte, Blatt för Blatt, up ehr Gräunen un Wassen un gaww ehr en Staww tau Siden un bünn sei an, dat sei steidel nah baben wüß, un wehrte dat Unkrut un Ungeziefer von ehr af, un wenn hei des Abends tau Bedd gung, denn säd hei vull Hoffnung, as en Kind: "Regina, nun muß sie bald blühen."

Un so was 't denn kamen, ahn dat de ollen leiwen Pasterlüd' dat markt hadden, ahn dat dat Kind dat markt hadd, dat sei in den Pasterhus' de Angel worden was, üm de sick Allens dreihte, fröhlich dreihte, ahn Gnurren un Quarren, ahn Krischen un Dwang. Wenn sei in ehr lütt, einfach Kledting un den lütten, siden Dauk üm den Hals, un mit de frischen Backen un de ut Rand un Band lös'ten Hor herümmer danzte in den Hus', denn was ehre Fröhlichkeit de Up= un Dalsprung för 't ganze Hus, un wenn sei stil dorsatt bi ehren Pleg'vader un lihrte un mit ehre groten Ogen em ansach, as müßt noch ümmer wat Schöneres kamen, un tauletzt mit en deipen Süfzer dat Bauk taumaken ded, as wir 't Schad', dat 't all was, un tauglik doch gaud, dat 't all was, denn mihr hadd ehr lütt Hart nich faten kunnt, denn stunn Fru Pastern up Socken achter ehr un höll den Wischdauk achter ehren Rock un hadd de Tüffeln vör de Dör laten: "denn," säd sei, "Kinnerlihren is wat Anners as Predigtmaken; de Ollen helpt dat blot denn un wenn, wenn Einer ehr mal irnstlich mit de Höllenstrafen aewer 't Liw kümmt; aewer 'ne Kinnerseel...! Dor brukt Einer man blot mit en Tulpenstengel tau winken, dor brukt hei keinen Tunpahl tau."

Hawermannen sin lütt Döchting was ümmer schön, aewer tau 'm schönsten was sei doch, wenn sei, einen Schritt vörup, ehren Vader an de Hand hadd un em in den Preisterhof 'rinne bröchte, wo de gauden Pasterlüd' unner de grote Lind' seten; denn lücht'ten all de gauden Dugenden, de süs still in den Minschenharten slapen un blot mal denn un wenn un enzeln tau Dag' kamen, de Leiw' un de Dankborkeit un de Freud' un de Stolz, ehr von dat lewige Angesicht, un wenn Hawermann still un halw trurig neben ehr gung, dat hei so wenig för sin eigen Kind dauhn kunn, denn was in ehre Ogen 'ne Festdag'sfreud' tau lesen, as künn sei allen Dank, den sei ehre gauden Pleg'öllern schüllig was, dordörch afbetahlen, dat sei ehr ehren Vader wisen ded. Sei gung nu in ehr drütteigst Johr, un Rekenschaft wüßt ehr junges Hart von ehr Fäuhlen un Dauhn nich tau gewen; sei hadd sick meindag' nich fragt, worüm ehr ehr Vader an 't Hart wussen was. Mit de Pasterlüd was dat anners, dor hadd sei dagdäglich den Bewis, wo tru un gaud sei dat mit ehr meinten, dagdäglich hadd sei Gelegenheit, ehre Leiw' mit lütte Fründlichkeiten un Taudauhlichkeiten tau vergellen; aewer hir? Sei wüßt blot: dat wir ehr Vader, hei sprok männigmal so 'n Wurt tau ehr, wat ut sinen Harten kamen müßt, un kek sei denn mal wedder mit so 'n stillen, trugen Blick an, de tau ehren Harten gahn müßt. Hadd sei all reken kunnt, de Pasterlüd' hadden 't mihr üm ehr verdeint; aewer dennoch....! – Uns' Herrgott mag jo woll weck Minschenfaden dor baben so tausam knüppt hewwen, dat sei neben einanner hen lopen, sick hir up de Ird' verslingen un hir nich von einanner lös't warden kaenen. – –

Hüt, as Hawermann in de käuhle Lauw' satt, was 't wedder för sin Kind so 'ne Festdag'sfreud' west, un in em was 't ebenso. Hei aewersach de ganze Gegend. Dat Frühjohr was vergahn, de Sommersünn schinte warm dörch de lichten, witten Wulken; en lisen Wind käuhlte de Luft en beten un bülgte dat gräune Kurn tau Höcht in den Sünnenstrahl, as wenn de Ird' vör ehren Kummandür, de Sünn, 'ne gräune, sidene Fahn swenken ded. Ehr Regimentsmusik von de dusend Vaegel was mit dat Frühjohr aftreckt, un blot de Kukuksraup un de Wachtelslag schallte noch, as wenn en Windstot ut de Firn' af un an en Pauken= un Beckenslag aewer dat stille Land dröggt; aewer stats Klingen un Singen drog de Wind en säuten Geruch aewer de Feller, de woll von en Slachtfeld kamm, wo dusend un dusend Liken in Reihen un in Hupen legen, wat aewer nicks von bläudigen Jammer wüßt, un wat för den Minschen en Wollgefallen is: de Heuaust hadd anfungen, un Hawermann satt up den Äuwer in de käuhle Lauw' un aewerkek sin Feld wid hen. – Woll is 'ne Gegend schön, wo sick de Feller in dusend gräune un gele Stripen un Strippen an de Barg' tau Höchten trecken un wid 'raewer schinen, as en buntes Kled, wat de Flit för de Ird' wewt hett; aewer 't lett unrauhig un ängstlich, as wir de Grund un Bodden mal in de Griwwelgrawwel smeten, un ein Jeder hadd sinen Flicken sick herute reten un quälte sick nu enzeln af, sinen kümmerlichen Profit ut sin Stückschen Ird' herut tau grawen, un Alltausamen hadden nu mit dese Stripen un Strippen an de Barg' un in de Grünn' en Tügniß von ehre Armauth henschrewen. – Ick weit woll, dat is nich so, dat lett man so. – Bi uns is dat anners: wid hen recken sick de Släg' von einerlei Kurn bet an den blagen Holt! as en groten See in goldnen Morgensünnenstrahl dehnen sick de Rappfeller hen; wide Weiden un Koppeln harbargen dat

bunte Veih, un aewer de gräunen Wischen trecken in schragen Tog de langen Reihen von Meihers in witte Hemdsmaugen; Allens is ut vullen Holt sneden, Allens wirkt un schafft tausamen; un wo Einer dat Og' hensleiht, dor süht hei up Rauh un up Sekerheit, as sei de Rikdaum bütt. – Ick weit recht gaud, dat is nich so, aewer dat lett doch so. – Doch dat steiht up en anner Blatt, dat Og' süht blot den Rikdaum un de Rauh, un dese treckt in käuhlen Schatten mit Immensummen un Bottervaegelspelen sacht in 't Hart herin. so gung 't Hawermannen hüt: em was so still, so glücklich tau Maud', un dankbor aewerdacht hei de letzten elben Johr; Allens was gaud un beter worden, hei hadd sine Schulden an Braesigen un Mosessen betahlt; mit sinen Herrn stunn hei up den besten Faut – sin Ümgang mit em was binah vertrulich – denn, wenn ok de Kammerrath dat gor nich in de Ort hadd, Jedwereinen sine Privatangelegenheiten up de Näs' tau binnen, Hawermannen sin Bedragen was so tauverlässig seker, hei wüßt sick so genau in sine Grenzen tau hollen, dat de Kammerrath ok woll mal aewer Saken nnt em red'te, de mihr em sülwst as de Wirthschaft angungen; aewer sine Fomilienverhältnisse blot hadd hei seindag' nich spraken. Hüt süll dat anners kamen.

As de Inspekter en beten seten hadd, hürte hei en por Wagen vör de Dör führen. "Mein Gott, sei kamen nu all!" rep hei un sprung tau Höcht, de Herrschaft in Empfang tau nemen.

De Kammerrath kamm mit sine Fru un drei Döchter un sinen Saehn; sei wullen en Wochener söß up 't Gaud bliwen un de Landluft geneiten. "Lieber Herr Hawermann," säd hei, "wir kommen Ihnen gewiß ein bischen zu zeitig auf den Hals; aber meine Terminsgeschäfte in Rostock haben sich rascher abgewickelt, als ich glaubte. – Wie steht's hier? – Ist Alles für die Damen eingerichtet?" – "Alles in Ordnung!" säd Hawermann; "aber ich fürchte, auf das Mittagessen werden die Herrschaften etwas warten müssen." – "Kein Unglück! die Damen können während der Zeit Toilette machen, und Sie können mir unsern Weizen zeigen. – Axel," wenn'te hei sick an sinen Saehn, de as en staatschen, jungen Minschen in hübsche Uneform an sine Sid stunn, "Du kannst nachher Mutter und Schwestern ein bischen in den Garten führen, denn für Ökonomie" – hir makte hei so 'n kränklichen Versäuk, en beten tau lachen – "interessirst Du Dich doch wohl nicht." – "Lieber Vater, ich..." säd de Saehn en beten benau't. – "Nein, laß es, mein Sohn," säd de Vadder fründlich. "Kommen Sie, Herr Hawermann! Der Weizen steht ja wohl dicht hinter dem Garten."

Hawermann gung mit em. – Herr Gott, wat was de Mann in korte Tid olt worden; un 't Öller was 't leider nich allein, wat em tau drücken schinte, 't was, as wenn em noch wat Anners belasten ded. – As hei sinen Weiten tau seihn kreg, würd hei en beten upvermüntert un rep: "Schön, schön! Ich glaube nicht, in Pümpelhagen solchen Weizen gesehen zu haben." – Dat kettelte denn nu Hawermannen; aewer as sei nu so sünd, de ollen Entspekters: jo nich marken laten! un wildeß em dat Hart in 'n Liw' lachte, kratzte hei sick in den Kopp un säd: wullen 't Enn' aftäuwen, un dor wir noch vel dorbi vermakt, un dor unnen an den Wischensom herümmer, dor hadd ümmer der Deuwel sin Spill mit den Rust. – "Was noch kommen kann, können wir nicht verhindern," säd de Kammerrath. "Es ist eine wahre Freude, die Sie mir heut machen, lieber Herr Inspektor. – Ach," sett'te hei nah 'ne lütte Wil' hentau, "warum haben wir uns nicht schon vor Zwanzig Jahren gekannt! Es wäre für Sie und für mich besser gewesen!" – Hawermann kratzte sick nich mihr in den Kopp; de lütte Schelm, de ok dörch sin irnsthaft Wesen tauwilen flog, was weg, un hei kek sinen Herrn bekümmert an. – Sei wiren an de Gürlitzer Grenz heranner kamen. – "Der Weizen drüben sieht nicht so gut aus als unser," säd de Kammerrath. – "Ja," säd Hawermann; "der Boden ist vollkommen so gut, wie der unsrige; 's ist der Gürlitzer Pastor=Acker; er hat aber wohl sein Recht nicht gekriegt." –"A propos," föll de Kammerrath em in 't Wurt, "wissen Sie, daß Gürlitz verkauft ist? Vor einigen Tagen ist's in Rostock verkauft für 173.000 Thaler. Die Güter steigen, nicht wahr, Hawermann, die Güter steigen bedeutend? Wenn Gürlitz 173.000 Thaler werth ist, dann ist Pümpelhagen für 240.000 Thaler ein guter Kauf;" un dorbi kek hei Hawermannen so recht indringlich an. – "Das ist's, Herr Kammerrath; aber für Sie führt der Gürlitzer Verkauf noch etwas anders im Munde; der Pastor=Acker fällt beim Verkauf kontraktlich aus der Pacht und schießt hier mit einem Keil in unser Feld, Sie müssen jetzt den Pastor=Acker pachten!" – "Ach, lieber Hawermann, ich und pachten!" rep de Kammerrath un wenn'te sick üm un gung so langsam taurügg, as müggt hei dat schöne Stück Acker gor nich mal anseihn, "ich habe schon so viel auf dem Halse, mich verlangt nicht nach neuer Unruhe." – "Die sollen Sie auch nicht haben. Wenn Sie mir Vollmacht geben, mache ich die Sache mit dem Herrn Pastor ab." – "Nein, nein, Hawermann, es geht nicht! Die Ausgaben, der Pachtvorschuß, das vergrößerte Inventarium! Ich habe überdies so viele Ausgaben; mir stehen die Haare zu Berge," un dorbi slepte sick de Mann so mäuhsam bargan un snuwwelte aewer jeden Stein, dat de Inspekter em bisprung un em sinen Arm anböd; aewer dicht vör den Goren kreg de Kammerrath en Anfall von Swindel, dat Hawermann em hollen müßt un em knapp in de Lauw' herinne kreg. – Hir in 'n Käuhlen verhal'te hei sick frilich bald von sinen Anfall; aewer sin Wesen was so verännert, dat de Inspekter ut desen weikmäudigen, tausambraknen Mann binah nich mihr den ruhigen, bestimmten von vördem herute kennen kunn. De Mann würd so redselig, dat was, as müßt hei mal sin Hart utschüdden. – "Lieber Hawermann," säd hei un fot sine Hand, "ich habe eine Bitte an Sie: mein Brudersohn Franz – Sie kennen ihn ja von früher – hat das Gymnasium absolvirt und soll einmal seine beiden Güter übernehmen, er will meinen Rath befolgen – mein verstorbener Bruder hat mich zum Vormund ernannt – er will praktischer Landmann werden, und da habe ich Sie zu seinem Lehrmeister ausersehen. Sie müssen den jungen Mann hernehmen, er ist ein verständiger Junge, er ist ein guter Mensch." – Ja, säd Hawermann, dat wull hei girn dauhn, un wat an em leg', doran süll 't nich fehlen, un hei hadd em jo all von lütt up kennt, un 't wir ümmer 'n taudauhlichen Knaw' gegen em west. – "Ach," rep de Kammerrath ut, "warum konnte mein eigener Junge nicht denselben Weg gehen! Warum war ich schwach genug, gegen meine bessere Einsicht, meiner Frau nachzugeben! – Es half Alles nichts, er mußte Soldat werden. – Aber nun kommt's, nun kommt's, mein alter Freund, nun haben wir Schulden gemacht, mehr als wir sagen können und mögen, denn ich seh 's ja an seinem gedrückten, scheuen Wesen, daß er mir nicht alle gebeichtet hat. – Wenn er's doch nur thäte, dann wüßte ich doch, woran ich wäre, und ich könnte ihn doch aus Wucherer=Händen frei machen. – Und wenn ich auch selbst in diese Hände fallen sollte," Sett'te hei nah 'n beten mit swacke Stimm düster hentau. – Hawermann verfirte sick aewer dat Wurt un aewer den Ton, mihr aewer noch aewer dat Utseihn von sinen Herrn. – "So schlimm wird 's nicht sein," säd hei, üm wat tau seggen, "und denn haben der Herr Kammerrath ja noch die Einnahme von circa 1500 Scheffel Rapps, denn so veranschlage ich den Ertrag." – "Und für 1700 Scheffel, die ich verkauft habe, habe ich schon das Geld, und es ist schon ausgegeben; aber das ist nicht das Schlimmste, darüber ließe sich hinwegkommen. – Ach, was soll das Quälen!" rep hei ut, as müßt hei sine Last mal afschüddeln. "Meine Terminsgeschäfte in Rostock sind nicht abgewickelt, wie ich, meiner Familie wegen, zu Ihnen sagte, ich habe eine Schuld für einen meiner Schwiegersöhne auf 7000 Thaler übernommen und konnte das Geld in Rostock nicht erhalten, und in dreien Tagen muß es gezahlt werden, das Geld ist an den Käufer von Gürlitz cedirt, und der muß übermorgen den Kaufpreis zahlen. – Geben Sie mir Rath, alter Freund! Sie sind in ähnlicher Lage gewesen, Sie wissen, wie Sie sich geholfen haben – nehmen Sie's nicht übel! – Sie sind ein ehrlicher Mann gewesen und geblieben; aber ich kann's nicht ertragen, mich in meinem ehrlichen Namen, in meinem Besitze nicht sicher zu wissen." – Ja, Hawermann was oft in so 'ne Lagen west, un hei was aewer 'n por hunnert Daler fallen; un dit wiren saebendusend. – "Haben Sie mit dem Käufer von Gürlitz gesprochen?" frog hei nah en lang' Bedenken. – "Ja," was de Antwurt, "und ich habe ihm über meine augenblickliche Verlegenheit reinen Wein eingeschenkt." – "Und was war die Antwort?" säd Hawermann. "Aber ich kann's mir denken: er braucht's Geld nothwendig selbst." – "Das nicht, wie mir es schien, aber der Mann hatte für mich etwas Widerwärtiges, er war mir zu dreist und gradezu, und als er meine Verlegenheit bemerkte, waren mir seine Vorschläge zu listig, so daß ich das Geschäft abbrach, weil ich noch hoffte, anderweitig das Geld zu erhalten. Das hat sich aber auch zerschlagen, und ich befinde mich in größter Verlegenheit." – "Ich weiß auf den Sturz nur eine Hülfe," säd Hawermann, "Sie müssen sich an Moses in Rahnstädt wenden." – "An den Geldjuden?" frog de Kammerrath. "Nie und nimmermehr!" rep hei. "Ich würd's nicht ertragen können, mich in solchen Händen zu wissen. – Nein, lieber ertrage ich die Unverschämtheiten des Herrn Pomuchelskopp." – "Wessen?" fohrt Hawermann up, as hadd em 'ne Wesp steken. – "Nun, des Käufers von Gürlitz, von dem wir sprachen," säd de Kammerrath un kek em an, as künn hei sick sin Benehmen nich recht utdüden. – "Und ist das ein Pommer aus der Gegend an der Peene, klein und stark, mit einem vollen Gesicht?" – "Ja," säd de Kammerrath. – "Und der wird unser Nachbar hier? Und mit dem wollen Sie in Geldverbindungen treten? – Nein, nein, Herr Kammerrath, ich bitte, ich beschwöre Sie, lassen Sie sich mit dem Manne nicht ein! – Sie müssen nur das Zeugniß geben, daß ich nie im Guten und im Bösen des Mannes erwähnt habe, der mich ruinirt hat; aber nun, da Sie in Gefahr sich befinden, nun halte ich's für meine Pflicht: dieser Mensch ist Schuld an meinem Unglück," un dorbi was hei upsprungen, un ut sine süs so ruhig fründlichen Ogen schot en Strahl von Haß, dat sülwst de Kammerrath, obschonst hei ganz von sin eigen Sak vull was, sick dorvör verfierte. – "Ja," rep de Inspekter, "ja! der Mensch hat mich einmal von Haus und Hof vertrieben, der Mensch hat einmal alle quälenden Sorgen auf mich und mein armes Weib gehäuft und sie ist darüber zu Grabe gegangen! – Nein, nein: Meiden Sie den Mann!" – De Warnung was tau indringlich, de kunn de Kammerrath nich in den Wind slahn: "Aber wer hilft?" frog hei. – "Moses!" säd Hawermann fast un bestimmt. – De Kammerrath wull Inwennungen maken, aewer Hawermann stellte sick vör em hen un säd noch indringlicher: "Herr Kammerrath: Moses! Nach Tische fahren wir zu ihm, und, so wie ich ihn kenne, werden sie's nie zu bereuen haben."

De Kammerrath stunn up un namm Hawermannen sinen Arm; hei stütt'te sick nich blot up den, ne! ogenschinlich höll em ok den Inspekter sin bestimmte Rath aewer Enn'; denn en stillen Mann, de mal ut sine Rauh 'rute kamen is, äuwt 'ne grote Gewalt up en annern Minschen, un wir hei ok nich so krank un in So 'ne Verlegenheit, as de Kammerrath, un de stann'sunnerscheid geiht verdeuwelt fix in so 'ne Lagen vör de Perßönlichkeit unner.

De Unnerhollung bi Disch gung man swack von Statten, ein Jeder hadd mit sick tau dauhn. Hawermann dachte an sine nige, bedenkliche Nahwerschaft, de Kammerrath an den Geldpunkt, un de Kürassirleutnant sach ok so ut, as hadd hei sick in 'ne Zins up Zins=Reknung verbistert un kunn de Lösung nich recht finnen, un wenn de gnedige Mama sick nich en beten up 't hoge Pird sett't hadd un tau 'm vörnehmen Besäuk up de Nahwerschaft 'rümmer reden wir, un de drei Frölen nich in de ländlichen Vergnäugungen 'rümmer swelgt un dorinne mit gruglich vel Gras un Blaumen spillunkt hadden, denn wir Dod's=Geruch west.

Nah Disch führte de Kammerrath mit sinen Inspekter nah Rahnstädt. As sei in Mosessen sin Husdör treden, was den Kammerrath so tau Maud', as wenn em en Luggedur in den Smutz follen wir, un hei süll un müßt em sick mit sine rendlichen Hänn' herute langen. Up de Del' all kamm em so 'n permüffigen Geruch entgegen; denn en 'Produkten=Geschäft' rückt aewerall nich sihr nah Rosenöl, un de Wull, wenn sei grad' irst den mütterlichen Schappuckel verlaten hett, rückt in ehre Jugend ganz anners, as wenn sei all en beten in de Welt 'rümmer west un utlüft't is, un as bunte Teppich in 'ne vörnehme Damenstuw' liggt un mit Olewang besprengt is. – Un wo prölig sach dat up de Del' un in de Stuw' ut! Denn Blümchen was woll 'ne sihr gaude Fru; aewer dat verstunn sei ok nich, mit 'ne Kauhhut un en Hümpel Hamelbeinen en Angtreh un en Komtur uttauzieren, denn Moses säd kort: dat hürte tau 't Geschäft, un Davidleben drog ehr ümmer nige Items in den Weg un makte dat Hus tau en wohres Rottenparadies, denn dit lütt angenehme Veih treckt achter den Wollgeruch von en richtigen Produkten=Geschäft her, as de Duwen achter Anisöl.

In de Stuw' würd den Kammerrath grad' ok nich angenehmer tau Maud', denn Moses was oltglöwig, un an de Christen ehren Schawwes treckte hei, wenn 't Geschäft nich grad' anners verlangte, sinen smerigsten Rock an, üm de geputzten Gojims gegenaewer dat Gesetz uprecht tau erhollen; un as hei nu mit den Griff in de linke Rocktasch up= un den Kammerrath entgegensprung: "Wahrhastigen Gott, der Herr Kammerrath! – die Ehre!" un up Davidleben losfohrte, de den Sünndag'schnahmiddag'schen Stillstand von dat 'Produkten=Geschäft' dortau benutzt hadd, sick en beten up den Sopha tau rekeln: "David, was sitzt Du? Was liegst Du? Was runkst Du? Steh auf! laß den Herrn Kammerrath sitzen!" un as hei nu den Kammerrath up den schön angewarmten Platz von Daviden dal nödigen wull, dunn hadd de Kammerrath girn den Luggedur in den Smutz liggen laten; aewer – hei brukte en gor tau nothwennig.

Hawermann slog sick in 't Middel un sett'te för den Kammerrath einen Staul an dat ap'ne Finster un aewernamm de irste Inleitung tau dat Geschäft; un as Moses markte, wovon de Red' sin süll, jog un schücherte hei irst mit Davidleben 'rümmer, dat hei 'n ut de Stuw' kreg', denn wenn bei em ok in dat Produkten=Geschäft vel frie Hand let, för de Geldgeschäften höll hei em mit fiw un dörtig Johr noch nich rip; un as de Luft rein was – dat heit von Daviden – rep hei ein aewer 't anner Mal, wat em dat för 'ne grote Ihr wir, mit den Herrn Kammerrath en Geschäft tau maken. "Was hab' ich immer gesagt, Herr Hawermann? Der Herr Kammerrath is en guter Mann, der Herr Kammerrath is gut. – Was hab' ich immer gesagt, Herr Kammerrath? Der Herr Hawermann is en ehrlicher Mann; er hat sich lassen werden sauer, daß er mir bezahlt hat den letzten Pfennig." – Aewer as hei vernamm, von wat för 'ne Summ de Red' was, dunn würd hei tager, un hei wünn sick un makte Inwendungen, un wenn hei nich en grot Stück up Hawermannen hollen un in den sin Wesen lesen hadd, dat de em irnstlich tau dat Geschäft raden ded, denn wir woll nicks dorut worden. Un wer weit, wat sick de Sak nich dennoch utenannerslagen hadd, wenn de Red' nich dorup kamen wir, dat dat Geld tau den Gürlitzer Kop sin süll, un dat de Kammerrath süs mit Pomuchelskoppen in Unnerhandlung treden müßt. Aewer as des' Nam' näumt würd, dunn makte Moses en Gesicht, as hadd em Einer en Stück treifer Fleisch up den Teller leggt, un hei rep ut: "Mit Pömüffelskoppen?" – Denn so sprok hei den Namen in sine Ort. – Wissen Se, was das for Einer is? – Das is so Einer!" un dorbi makte hei 'ne Bewegung, as wenn hei dat Stück treifer Fleisch aewer de Schuller smiten ded. "David, hab' ich gesagt, laß Dir nicht ein mit Pömüffelskoppen! – Aber junge Leute! – David hat ihm gekauft ab die Wull. – Schön! hab' ich gesagt; Du wirst sehn, hab' ich gesagt. – Un was hat er gemacht? – Da hat er mir eingefluscht in de gewaschene Wull de Klatten, da hat er mir eingefluscht de Sterblingswull, da hat er mir eingefluscht de Schmierwull von de geschlachteten Hammel, da hat er mir eingefluscht ßwai große Feldstain. – Szwai große Feldstain hat er mir eingefluscht! Is er gekommen ßu holen sein Geld – schön! hab' ich gesagt – hab' ich ihm bezahlt in preußsche Kassenanweisungen un hab' gemacht ümmer kleine Packete von hundert Thalern, un habe ümmer in die Mitte hineingefluscht solche, die nich mehr sind in Kurs und falsche, und in's letzte Packet hab' ich hineingelegt ßwai abgespielte Lotterielos' – das sind die ßwai Feldstaine, hab' ich gesagt. – Oh, hat er da en Lärm gemacht! Is er gekommen mit den Notorius Slus'uhr – is auch so Einer" – dor smet hei wedder en Stück treifer Fleisch aewer de Schuller – "sieht aus, wie ein' von Daviden seine Rotten – so stehen ihm die Ohren – will auch leben – nu, er lebt auch wie die Rotten, nährt sich redlich von Abfall und Schmutz und schneidt andere Leute die ehrlichen Leder entzwei. – Oh, haben sie en Lärm gemacht, sie haben mir machen wollen en Prozeß. Wie haißt Prozeß? hab' ich gesagt; ich brauch keinen Prozeß. – As de Woor is, as das Geld is. – Und wissen Sie was Neues, meine Herrn, hab' ich gesagt – der Herr Notorius und der Herr Pömüffelskopp und ich sünd drei Jüden – können auch vier daraus gemacht werden, wenn de beiden Herren gelten wollen for drei. – Oh! haben sie 'n Lärm gemacht, haben sie schandirt in de Stadt herüm, hat aber der Herr Bürgermeister zu mir gesagt: Moses, Sie machen en groß Geschäft, haben aber noch nie gehabt en Prozeß, lassen Sie sie kommen! – – Herr Kammerrath, Sie sollen haben noch heute das Geld ßu's Angebott von de Provision un de Zinsen, denn Sie sind en guter Mann, und Sie halten Ihre Leute gut, und Ihr Name is gut im Lande, und Sie sollen nich zu thun haben mit de Pömüffelsköpp."

Geld borgen is en swor Stück Arbeit, un de, de dit schriwwt, weit dat ut langjöhrige Erfohrung un weit dorvon nahtauseggen; aewer 't is doch ümmer noch wat Anners, wat sick Einer an de Gaudheit von en ollen Fründ, oder an en Mann wenn't, de en Geschäft ut dit Geschäft makt. – De Kammerrath hadd Schulden up sinen Gaud, tämlich vel Schulden; aewer 't wiren keine bedüdende Wesselschulden, un sin Geldangelegenheiten hadden sick so un so ümmer schriftlich oder dörch Avkaten= un Kopmanns=Vermiddelung afwickeln laten; nu was hei tau 'm irsten Mal nich in'n Stann', dit up den ollen Weg farig tau krigen, hei hadd sick an en Geldjuden – as hei des' Ort Lüd' nennte – wennen müßt; de Wedderwärtigkeiten, de em bi desen Gang upstödden, de ganz annere Ort un Wis' un Gesinnung, de hei hir funn, de Verdruß, de em Mosessen sine anfänglichen Swierigkeiten maken deden, un nu tauletzt de rasche Hülp, de em ut sine dringliche Verlegenheit ret, hadden den kranken Mann aewernamen, hei sackte blaß in den Staul taurügg, un Hawermann rep aewer en Glas Water. – "Herr Kammerrath," rep Moses dormang, "villicht en Schnäpschen Wein, ich laß holen von 'n Kopmann gleich en Pegel." – "Ne, Water! Water!" rep Hawermann, un Moses lep an de Dör un stödd Daviden binah üm, denn David hadd en beten up dat Geldgeschäft horkt, üm endlich mal rip tau warden: "David, was stehst Du, was holst Du kein Wasser?"

Un David kamm, un de Kammerrath drunk Water un verhal'te sick, un Moses tellte de Luggedur up den Disch, un de Kammerrath langte sei ut den Smutz un besach sin Hänn', un sei schinten em noch so rendlich as vördem, un as hei up den Wagen steg un von dor up Mosessen sine Del' taurügg kek, dunn was 't em, as leg' up Mosessen sine Fellen un sine Hamelbein' noch en grotes Packet, un dat wiren sine eigenen Sorgen. Un Moses stunn in de Dör un dienerte un dienerte un kek nah sine Nahwers 'rüm, ob sei 't ok segen, dat de Herr Kammerrath bi em west was. – Aewer in all de schöne Ihr versöp hei doch nich; hei höll den Kopp baben un kreg Hawermannen bi Sid un säd: "Herr Inspekter, Sie sind ein ehrlicher Mann, as ich hab' das Geschäft gemacht, hab' ich nicht gewußt, daß der Mann so krank war. Sie müssen mir versprechen, daß das Geld eingetragen wird auf's Gut. – 'S is um Leben un Sterben. – Was thu ich mit en kranken Mann un en Wechsel!" – –

De Kammerrath was ut sine Verlegenheit; de Upregung hürte up, sin Gesundheitstaustand beterte sick, hei sach de Welt all mit annere Ogen an, un as Hawermann nah en por Dag' wedder up dat Pachten von den Paster=Acker kamm, let hei sick dorup in, un Hawermann kreg den Bescheid, mit den Paster Behrens tau reden. Dat ded hei denn ok, un und' lütte Fru Pastern burrte bi dit Geschäft in de Stuw' herüm, un 't was ehren Paster un Hawermannen in de Uhren, as wenn sei ümmer hürten: "'Ne högere Summ! 'Ne högere Summ!" – "Ja," säd Hawermann, "das versteht sich, Frrau Pastorin, die Pachtsumme muß erhöht werden, die Zeiten sind anders geworden, hier ist's aber nicht schwierig übereinzukommen; der Vortheil liegt auf beiden Seiten." – "Regina," säd ehr Paster, "mir fällt ein, die Blumen sind am Ende nicht begossen." – "Ach, du meines Lebens!" rep Fru Pastern un burrte ut de Dör, "die Blumen!" – "So," säd de Paster, "nun wird's rascher gehen. – Ich muß Ihnen gestehen, daß ich lieber mit einem Pächter von auswärts her zu thun habe, als mit einem aus demselben Orte, es giebt So viele kleine Berührungen, die der unmittelbaren Nachbarschaft entspringen und ein solches Verhältniß so mißlich und verdrießlich machen, wie es zwischen Gutsherrn und Prediger nicht sein sollte. Und dann ist mir der Kammerrath Persönlich viel lieber als der neue Besitzer; ich kenne ihn ja schon seit langen Jahren. – Und Sie meinen, ich kann auf eine höhere Pachtsumme Anspruch machen?" – "Ja wohl, Herr Pastor! und ich bin beauftragt, Ihnen die Hälfte mehr zu bieten. Wenn ich selbst Ihnen den Acker abpachten wollte, könnte ich Ihnen noch mehr bieten; aber..." – "Wir verstehen uns, lieber Hawermann," föll de Paster in, "wir sind Handels eins." – Un as de Fru Pasturin wedder mit de lütte Lowise herinne burrte un utrep: "Das wäre nicht nöthig gewesen! Luise hatte die Sache schon abgemacht," dunn was ehren Herrn Paster sin Sak ok all afmakt, un dat oll lütt Lowisen=Kindting föll ehren Vader üm den Hals: "Ach, Vater, Vater, das ist mal schön!" – Wat hadd sei ehren Vader üm den Hals tau fallen? Wat hadd sei mit den Pachtkuntrakt tau dauhn? – Vel, vel! Ehr Vader müßt jo nu bet dicht an den Pastergoren haken un austen laten, un sei kreg em jo öfter tau seihn.

As Hawermann den Gürlitzer Kirchstig wedder taurügg gung, begegent em Zacharias Braesig, de ut sine hellsch unphilosoph'schen Podagra=Turen glücklich in de philosoph'schen 'rinne geraden was; denn de kreg hei ümmer, wenn de Weihdag' tau Enn' wiren. "Gu'n Dag, Korl," säd hei, "ich bün ein bitschen all in Deinem Quattier gewesen, indem daß ich auf Dich lauerte. Das währte mich aber zu lang', und da hab' ich währenddem den Herrn Kammerrath mein Kumplimang abgestattet. Er freute sich über mir und hat mich mit einer großen Lieblichkeit aufgenommen; abersten wo sieht der Mann aus!" – Ja, säd Hawermann, sin Herr wir – leider Gotts – sihr olt un swack worden, un hei för sin Perßon müßte fürchten, den Mann, von den hei so vel höll, bald tau verlieren. – "Ja," nickte Braesig, "abersten, was is das Leben, Korl? Was ist das menschliche Leben? Süh mal, Korl, wenn Einer das um und um kehrt, as en leddigen Geldbeutel, denn fällt noch lang' kein Schilling 'raus." – "Braesig," säd Hawermann, "ick weit nich, wo anner Lüd' doraewer denken, aewer mi kümmt dat so vör, as wenn Lewen un Arbeiten Ein un dat Sülwige is." – "Hoho, Korl! nu hör ich Dir laufen; diesen Sinnspruch hast Du von Pastor Behrendsen. Der hat unterweilen auch mit mir über diesen Thema gesprochen, und hat mir von's menschliche Leben 'ne Beschreibung gemacht, as wär' es hir unten man bloß so 'ne Ort Meßführertid, und der christliche Glaube wäre die Sonne und der Regen, die die Saat wachsen ließen, und da oben erst, in den höheren Religionen, da käme der Aust; aber der Mensch müßte arbeiten und sorgen und das Seinige thun. – Aber, Korl, es stimmt nich, es streit't gegen die Bibel. – Die Bibel besagt von die Lilien auf dem Felde: sie arbeiten nicht und sie spinnen nicht, und unser himmlischer Vater ernähret sie doch. Und wenn unser Herrgott sie ernährt, dann leben sie doch, un dabei arbeiten sie nich, und wenn ich das entfamtige Podagra habe, und thu nichts – dauh gor nicks, as daß ich mir die verstuchten ßackermentschen Fliegen aus das Gesicht jage – arbeit ich denn? und leben thu ich doch, und noch dazu unter die nichtswürdigste Weihdag'. – Un Korl," säd hei, un wis'te rechtsch in 't Feld herinner, "ßüh dor mal die beiden Lilien an, die da herüber zu staken kommen, Deinen gnedigsten Herm Leutnant, und was das jüngste Frölen is; hast Du denn schon gehört, daß die Kürassir=Leutnants sich mit Arbeit befießen, und die gnedigsten Frölens spinnen thäten? – Und doch kommen sie bei lebendigen Leibe über Deine Rappstoppel 'rüber." – "Will'n stahn bliwen, Zacharias," säd Hawermann, "Sei trachten hir nah uns 'raewer, sei will'n maeglich mit uns reden." – "For meinentwegen!" säd Braesig. "Aber sieh bloß mal das Frölen an, wo das in die Rappstoppel mit die langen Kledaschen und das dünne Schuhzeug 'rümmer wad't! – Ne, Korl, Weihdag' is das Leben! Und das fängt ümmer mit die bütelsten Enn'n an, mit die Beinen, und das kannst Du bei mir bei das ßackermentsche Podagra, und bei's Frölen bei die Rappstoppeln und die dünnen Schuhsohlen betrachten. – Aber was ich sagen wollte, Korl – Deine beste Zeit hast Du nu hier auch gehabt, denn wenn de Herr Kammerrath hier erst dod is, denn paß Achtung! Denn sollst Du Din blages Wunner tau seihn krigen mit die gnedigste Frau und die drei unbegebenen Töchter und den Herrn Leutnant. – Korl," fung hei nah 'ne tidlang Besinnen wedder an, "ich würd's nu all mit den Erbprinzen halten." – "Ach wat! Braesig, wat red'st Du?" föll Hawermann hastig in, "ick gah minen graden Weg." – "Ja, Korl, das thu ich auch, und das thut Jedwerein, der kein Jasuwiter ist! aber sieh Dir das gnedigst Frölen mal an! Sie geht auch ihren graden Weg, aber in die Rappstoppeln – Korl...."

Nu wiren aewer de beiden Herrschaften all tau neg', hei kunn nich wider reden, blot dat hei noch so bi Sid seggen ded: "En Jesuwiter? Ne! Aber ein Vokativus is er."

"Ich danke Ihnen, Herr Hawermann, daß Sie hier auf mich gewartet haben," säd Axel von Rambow, as hei herankamm, "meine Schwester und ich sind auf zwei verschiedene Expeditionen ausgegangen; sie auf Kornblumen und ich auf Füllen; sie hat keine Kornblumen gefunden und ich keine Füllen." – "Gnedigstes Frölen," säd Braesig, "wenn Sie mit die Komblumen unsere gewöhnlichen Tremsen meinen – aber" – unnerbrok hei sick – "wo hat Ihnen die entfamte Rappstoppel das schöne Kleid rungenirt, all die Balangzen abgerissen!" un dorbi bückt hei sick dal, as wull hei bi dat Frölen unnenwarts Kammerjumferdeinsten verrichten. – "Schadet nicht!" rep dat Frölen un sprung en Enn' taurügg, "'s ist ein altes Kleid. Aber wo finde ich Komblumen?" – "Die will ich Ihnen weisen, daß es 'ne wahre Lust is; hier ganz dichting bei auf's Gürlitzer, da stehen Tremsen un Feuerblumen un witten Wesel un Distelköpp, kurzum die ganze Plantasch'." – "Das paßt ja gut, liebe Fidelia," säd de Leutnant: "Du gehst mit dem Herrn Inspektor Braesig zu den Kornblumen, und ich bitte Herrn Hawermann, mich zu den Füllen zu begleiten. Denn, wissen Sie," säd hei tau Hawermannen, "mein alter, guter Papa war heute Morgen so guter Laune, daß er mir die Erlaubniß gegeben hat, mir das beste von den vierjährigen Füllen zum Gebrauchspferd auswählen zu können." – "Mit Vergnügen," säd Hawermann, "werde ich Ihnen die Thiere zeigen, und es sind brave Bursche drunter." – So gungen de beiden Gesellschaften utenanner, un Hawermann hürte blot noch, wo Zacharias Braesig tau dat Frölen Fidelia säd, hei freu'te sick sihr, ehre Bekanntschaft makt tau hewwen, indem dat hei mal en Hund hatt hadd, de ok 'Fidel' heiten hadd un en hellschen Rottenbiter west wir. Hawermann gung mit den Herrn Leutnant nah de Fahlenkoppel. Sei sproken mit enanner – natürlich landwirthschaftliche

Saken – de Leutnant was en ganz uperweckten Mann, un Hawermann hadd em jo all von lütt up kennt, aewer de Mann hadd ok gor nicks taulihrt; all sine Ansichten wiren so baben weg, kein' von sine Fragen slog so recht in dat Fach, dat Hawermann tau sick säd: gaudmäudig is hei, sihr gaudmäudig, aewer kennen deiht hei nicks, un – du leiwer Gott! – wenn de oll Herr einmal ut de Welt geiht, denn möt hei jo doch dat Gaud annemen un sall sin Brod dorvon eten!

As sei bi de Koppel ankamen wiren un de enzelnen Fahlen munstert hadden, stellte sick de Leutnant vör Hawermannen hen un frog: "Na, was sagen Sie? – Welchen soll ich nehmen?" – "Den Braunen," säd Hawermann. – "Ich möchte lieber den Rappen wählen, sehn Sie die schöne Halsung, den feinen Kopf!" – "Herr von Rambow," säd Hawermann, "auf Kopf und Hals reiten Sie nicht, Sie reiten auf Puckel und Beinen, Sie wollen ein Gebrauchspferd haben, der Braune macht drei solcher Rappen todt." – "In dem Rappen steckt augenscheinlich englisches Blut." – "Das ist wahr, er ist vom Wildfire gefallen; aber in dem Braunen ist altes mecklenburgisches Blut, und es ist 'ne Schande, daß man das untergehen läßt, daß man das Gute, welches das Vaterland bietet, nicht beachtet und es mit englischen Windschneidern vertauscht." – "Das mag wahr sein," säd Axel, "aber in unserm Rrr-ment haben die Kameraden nur Rappen; ich entscheide mich für den Rappen."

Dat was denn nu en Grund, den Hawermann nich recht verstahn kunn, hei sweg also, un as sei taurügg gungen, was de Unnerhollung man en beten einsülwig, aewer as sei binah tau Hus wiren – dicht vör den Dur, as hadd hei 't sick bet up den letzten Schritt upsport – höll de Leutnant den Inspekter wiß, un mit en deipen Süfzer, as wull hei sick 'ne Last von 'n Harten schaffen, säd hei! "Hawermann, ich habe lange gewünscht, Sie einmal unter vier Augen zu sprechen. – Hawermann, ich habe Schulden – Sie müssen mir helfen! – Es sind neunhundert Thaler, die muß ich bezahlen, muß ich haben." – Dat was en slimmen Andrag för Hawermannen; aewer in würklich irnstliche saken makt sick dat Öller gültig; hei kek den jungen dreiuntwintigjöhrigen Mann stramm in 't Gesicht un säd kort: "Herr von Rambow, das thue ich nicht." – "Hawermann, lieber Hawermann, ich brauche das Geld höchst nothwendig." – "Dann müssen Sie's Ihrem Vater sagen." – "Meinem Vater? – Nein, nein! Er hat schon für mich bezahlt, und nun ist er krank, es könnte ihn zu sehr alteriren." – "Und dennoch müssen Sie's ihm sagen! Solche Sachen müssen nicht mit fremden Leuten, die müssen zwischen Vater und Sohn abgemacht werden." – "Fremde Leute?" frog Axel un kek em so recht biddwis' un so recht hartlich in de Ogen, "Hawermann, bin ich Ihnen denn so fremd?" – "Nein, Herr von Rambow, nein!" rep Hawermann un grep nah den jungen Herrn sine Hand, fot sei aewer nich an. "Sie sind mir nicht fremdl Und was ich für Sie thun könnte, würde ich grade für Sie thun. Die Sache selbst ist eine Kleinigkeit, und wo 's mir fehlen sollte, würde mein Freund Braesig aushelfen; aber, lieber Herr von Rambow, Ihr Vater ist der natürlichste Helfer, diese Stufe darf nicht überschlagen werden." – "Meinem Vater kann ich's nicht sagen," säd Axel un plückte an einen Widenbusch herümmer. – "Sie müssen's ihm sagen," rep Hawermann so indringlich, as hei kunn. "Er vermuthet es, daß Sie ihm Schulden verschwiegen haben, und das quält ihn." – "Hat er mit Ihnen darüber gesprochen?" – "Ja," säd Hawermann, "aber nur in Folge seiner eigenen großen Verlegenheit, die Ihnen bekannt ist." – "Ich weiß," säd Axel, "und ich kenne auch den Brunnen, aus welchem er gepumpt hat. – Nun, was mein Vater that, kann ich ja auch thun," sett'te hei kolt un kort hentau un gung in 't Hofdur 'rinne. – "Herr von Rambow," rep Hawerwann un folgte em hastig, "ich bitte Sie um des Himmelswillen, thun Sie diesen Schritt nicht, er ist vergebens, oder er stürzt Sie in größere Verlegenheit." – Axel hürte nich.

En por Stunn'n späder stunn de Leutnant von Rambow mit Mosessen mang de Wullsäck un de Fellen up de Del' in 't Judenhus, wo David mang de Hamelbeinen sin Vergnäugen hadd, as de Lus in den Schorf, un makte ogenschinlich noch 'ne vertwifelte, letzte Attack up Mosessen sinen vörsichtigen Geldbüdel; aewer Moses höll sick ümmer stark in de Reserw': "Wiß un wahrhaftig, Herr Baron, ich kann nich! – Nu, warum denn nich? warum sollt ich nich? Kann ich doch verdienen, kann ich doch schön verdienen bei's Geschäft. – Sehn Se, Herr Baron, da steht David. – David, was stehst Du, was kuckst Du? Komm her, David. – Sehn Se, Herr Baron, nu steht er hier, nu steht er vor Ihnen und steht er vor mir, ich will ihm nich winken, ich will ihm nich plinken, ich will 'reingehn in de Stub', nu fragen Se Daviden." Un dormit schow hei mit sine rechte Hosendräger=Schuller vöran in de Stuw' herinne.

Den armen Leutnant sine Sak müßt slimm stahn, dat hei sick aewerall man mit Daviden inlet; denn wenn hei in sine blanke Uneform utsach, as wir hei vör den König sine Kutsch spannt, denn sach Daviden sine Butensid fo schawwig ut, as güng hei in de Mergel= un Modd'=Karr5 Bi dit Geschäft kamm 't nu aewer weniger up 't staatsche Utseihn an, as dorup, wer de Karr am besten ut den Dreck trecken kunn, un dorup was David hellschen geläufig. Hei hadd drei Ding' an un in sick, de stunnen em bi: irstens hadd hei en uterwähltes, prachtvolles Judenbengel=Utseihn, un as hei so vör den Leutnant stunn un Kaneelsbork kauete, de hei sin Memmeleben ümmer wegen den bösen Dunst in sin Geschäft ut de Spis'kamer mus'te, un mit en scheiwen Kopp, de ein' Hand in de Tasch, em ankek, dunn sach hei so frech ut, as wir de Geist von all de vergebenen Rotten ut dat langjöhrige Produktengeschäft in em fohrt; un denn hadd hei 't, tweitens, in sick, dat hei sick tag fäuhlen ded, vel tager as sin Tatterleben, un dat kunn nich utbliwen wegen sinen däglichen Ümgang mit dat tag'ste Tüg up de Welt, mit Wull, mit Fellen un mit Flechsen; un drüddens hadd hei dat an sick, dat hei Jedwereinen ruhig an= un afstinken kunn, wat hei deils sine natürlichen Anlagen, deils sinen Geschäftsverkihr verdanken ded.

Mit einen so glücklich begawten Minschen kunn denn de Leutnant nich einen un den sülwigen Strang trecken; hei gung binnen korten mit sworen Harten ut de Dör, un David freu'te sick so sihr aewer sine eigene Ort un Wis', dat em ordentlich mitleidig tau Sinn würd, un dat hei em noch den christlichen Rath up den Wegg gaww, hei süll sick an den Notorjus Slus'uhr wenden: "Der hat's," säd hei, "und der thut's."

Knapp was de jung' Mann ut de Dör, dunn sprung Moses ut de Stuw': "David, hast Du en Gewüssen? – Ich will Dir sagen was Neues: Du hast kains! – Wie kannst Du schicken den jungen Mann mang die Halsabschneiders?" – "Hab' ich ihn doch bloß geschickt," säd David verdreitlich, "zu seine eigene Leut; is er en Soldat, is er doch aach en HalsabSchneider. Schneidt der Notorjus ihm den Hals ab, nu was kümmert's Dich? Schneidt er den Notorjus den Hals ab, nu was kümmert's mich?" – "David," säd de Oll un schüddelte mit den Kopp, "ich sag', Du hast kain Gewüssen." – "Wie haißt Gewüssen?" brummte David vör sick hen; "als Du machst en Geschäft, jagst Du mich fort, als Du machst kain Geschäft, rufst Du mich 'ran." – "David," säd de Oll, "Du büst noch ßu jung!" un gung in de Stuw'. – "Bün ich ßu jung," säd David giftig, "bleib' ich aach ßu jung; aber ich weiß 'ne Stell, wo ich nich bün ßu jung." Dormit smet hei sick en annern Rock aewer un gung den sülwigen Weg, den de Leutnant gahn was, nah den Notorjus Slus'uhr.

Wat hei dor tau dauhn hadd, wat dor aewerall afmakt worden is, weit ick nich; ick weit blot, dat de jung' Herr von Rambow an desen Abend tau Pümpelhagen vel Breiw' tau schriwen un Geld intausiegeln hadd un dat hei, as hei dormit farig was, deip upsüfzte, as wir em 'ne Last afnamen. De irste Noth was kihrt; aewer hei hadd 't makt as jenne olle Fru, hei hadd 't Süerwater mit den Backeltrog heit makt.

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