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Ut mine Stromtid

Fritz Reuter: Ut mine Stromtid - Kapitel 4
Quellenangabe
authorFritz Reuter
titleUt mine Stromtid
typenarrative
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firstpub1862
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Kapittel 3.

Wat Braesigen sin Herr Kammerrath för 'ne Ort Mann was, un worüm sick Braesig binah dat Krüz verrenken würd. – Dat Hawermann 'ne Austellung kreg, un dat de Fru Pastern ehr Kirchenstaul inbraken was. Wo för de lütte Lowise en Unnerkamen funnen ward, un Worüm Moses abslut man einen Hosendärger dragen un sick nich bi de preußschen Gerichten in Pankrottsaken mellen will. Dat uns' oll Herrgott ümmer noch lewt.

Den annern Morgen kamm Braesig tau rechter Tid, üm Hawermannen nah Pümpelhagen auftauhalen. De jung' Fru satt up de Del' un lohnte de Lüd' af; Jochen satt woll bi ehr un rokte Toback; aewer dat Geschäft besorgte sei. – Von de ollen Lüd' hadd sick noch keiner seihn laten, denn Großmudding hadd tau ehr Swigerdochter seggt: Sei wenigstens kem' hüt nich 'runner, denn sei hadd nicks up den Kopp tau setten, un Großvadding hadd seggt: Dat lustig Lewen würd ok woll ahn em gahn. – "Das 's recht nüdlich von die ollen Burßen," säd Braesig, "daß sie uns das Mittagessen nicht ansäuren wollen, denn, Madam Nüßlern, ich bleib' heut Mittag hier bei Korlen. Abersten Korl, wir müssen gehn. – Adjüs, lütt Kropzeug!"

As sei up den Hof kemen, stunn Braesig all wedder still: "Süh mal, Korl, sieht das hier nich aus, as in der Wüste Sarah? – Hir en Klacken Meß un dor en Klacken Meß! Un süh mal, diesen Graben hat Oll=Jochen noch aussmeißen lassen, daß doch bei Leibe all das bischen Jauch' in den Dorfteich laufen kann. Un denn die Dächer!" säd hei un gung wider. "Sie haben Stroh genug zu neue Dächer; aber 's is bloß, daß die Ollen zu der Ausgabe von das Dächerlohn schief sehen. – Ich geh hier eigentlich bloß aus zwei Ursachen her, einmal wegen meinen Magen, un einmal wegen meinen Herzen; denn ich habe das befunden, daß mich das gut bekommt, wenn ich en bischen stark gegessen habe, un ärgere mich dann gelinde. Un von meinen Herzen wegen geh ich her wegen Deiner Swester un das lütte Kropzeug, daß ich ihr doch en bischen unter die Arm greifen kann; denn Jung'=Jochen, der teigt sich sonst ganz zu as en Rad an'n Reis'wagen, 's Winters von hier nah Rostock. – Oh, ich möcht' ihn man bloß mal vor 'n Meßwagen haben, mit Dreien un vorn auf die Spitz, un denn mit der Peitsch dorachter!" – "Süh," säd Hawermann, as sei up 't Feld kemen, "hir hewwen sei doch recht nüdlichen Weiten," – "Ih ja, er hat 'ne ganz gute Farbe; aber was meinst Du, was sie hier säen wollten? – Roggen! – Un worüm? – Weil daß Oll=Jochen hier einundzwanzig Jahr lang in'n Winterslag ümmer Roggen gehabt hätte." – "Geiht de Slag ganz aewer den Barg 'raewer?" – "Ne, Korl, so fett fidelt Luchs nich: Speck in Botter brad't, un denn mit Lepeln eten; ne, Korl, der da über den Berg berüber, das 's schon meiner." – "Ih, wo Einer dat doch in ein por Johr vergeten kann! Bet hir 'ranne schüttst Du?" – "Ja, Korl, denn Warnitz dehnt sich hellschen in die Längde; auf dieser Seite schießt es bis hier hinein, un auf der andern swenkt es sich bis gegen Haunerwiem 'ranne. – Aber, sühst Du, von diesen Äuwer hier kann ich Dir die ganzen Verhältnissen von der Gegend zeigen. – Wo wir hir stehen, das is Deinen Swager sein, un das geht man rechtsch bis an meinen Weiten un linksch bis an den lütten Dannenkamp, denn Rexow is man klein, un auf jennseit von dem Dorf liegt man 'ne Wenigkeit von Acker. – Rechtsch hinter den Weitenslag liegt nu also Warnitz, un vor uns, wo die Brak anfängt, liegt Pümpelhagen, un hier linksch hinter den kleinen Dannenküsel, das 's fchon Gürlitzer." – "Warnitz is denn woll dat grötst?" – "Ne, Korl, auch das nich! Pümpelhagen hat acht Last mehr un is en Hauptgut, auch von Boniteh; zweiundvierzig Last gebornen Weizenboden. – Ja, wenn das andere All so wär! – Na, der Kammerrath is en guter Mann, auch als Landmann; aber siehst Du, da sitzt er nu in Swerin, un um Pümpelhagen kann er sich nich kümmern – da hat er denn männigmal auch So 'ne Art von Entspekters gehabt! – un das Gut hat er dunnmals noch in den theuren Zeiten gekauft, un da stehen 'ne Menge Apotheken darin, daß ihn woll männigmal die Haare weh thun, un denn soll auch sie, was die Kammerräthin is, hellschen in's Geschirr mit Vesiten un Traktirungen gehen. – Aber er is en ordentlicher Mann un hält auch seine Leute gut, un obschonst die Herren von Rambows von alter Herkunft sünd – denn mein gnedigst Herr Graf lad't ihn männigmal zu 's Middagbrod, un der geht man mit Uradlichen um – ist er doch man so ganz dusemangi vor sich weg, ahn vel Ümstänn'." –

Hawermann hürte bi dese Nahrichten upmarksam tau, denn de Ding'n kunnen in 'n glücklichen Fall mit sine Taukunft tausamhängen; aewer so sihr as em dat ok antreckte, hei kamm in sin Gedanken ümmer wedder up sine ogenblickliche Lag'. – "Braesig," frog hei, "hest Du Di dat mit min lütt Dirning dörch den Kopp gahn laten?" – "Was wollt ich nich, Korl! Abersten – weiß der Deuwel! – ich glaub', wir müssen doch am End' zu Stadt nach Kaufmann Kurzen. – Sie, die Kurzen, is 'ne ordentliche Frau, un er – na, er is auch so 'n Vokativus, als die Kaufmänner all sünd. – Denk Dir, hat mich der Kerl vorigen Sommer 'ne Art Hosenzeug angesnackt – was ich for Sünndagsch tragen wollt – war so'ne Art Schakoladen=Kalür – un denk Dir, als ich damit des Morgens in 'n Dau durch meinen Klewer geh, is sie bis an die Knie ganz krewtroth – rein schörlaken! Un en Kaem hat er mich geschickt, war so 'n preußschen, so 'n ollen süßen, den sie mit allerhand Druppen fabriziren. Hab' en ihm aber wieder retuhr geschickt mit en guten Vers, die Hose will er aber nich wieder nehmen, un ließ mich sagen: er säß auch nich in das Zeug. Na, meint der Kerl denn, daß ich in rothe Hosen sitzen will? – Un, Korl, süh! Dies linksch hier is nu schon Gürlitzer." – "Dat is jo woll de Gürlitzer Kirchthorm?" frog Hawermann. – "Ja, Korl," säd Braesig, stunn still, reckte sin Näs' hoch in Enn', treckte de Ogenbranen bet unner de Hautkremp – denn Sünndagsch drog hei en Haut – sparrte sin leiw Mulwark wid up un kek Hawermannen mit en por Ogen an, de dörch em dörch keken un sick wid achter em in de Firn' verluren. "Korl!" rep hei endlich, "daß Du von den Kirchthurm sagst! – daß Du die Nase in's Gesicht behältst! – Uns' Gürlitzer Paster muß ja Dein lütt Dirning nehmen." – "Paster Behrens?" frog Hawermann. – "Ja, Paster Behrens, der mir un Dir noch bei den alten Knirkstädt in der Provat gehabt hat." – "Ach, Braesig, ick will Di 't man seggen, ick heww binah de ganze Nacht doran dacht, ob dat woll maeglich wir, wenn ick hir up de Neg' bliwen süll." – "Maeglich? – Er muß! denn das is ihm gut, wenn er so 'n klein Würming um sich hat, was ihm mittlerweil in die Hand 'rin wächst, indem daß er selbst keine Kinder hat un seinen Acker verpacht hat, un nu weiter nichts nich thut, als in die Bücher lesen un studiren, daß 's en andern Menschen schon grün un gelb vor die Augen wird, wenn Einer 's bloß von ferne mit ansieht. Das is ihm gut! Un sie, die Frau Pastern, is so kinderlieb, daß alle Gören im ganzen Dorf ihr anhacken, un dabei is sie 'ne bedräpliche un rendliche Frau, un ümmer lustig, un paßt sich mit Deine Swester ganz kaptal." – "Ja, wenn dat güng!" rep Hawermann ut. "Wat verdanken wi beiden desen Mann nich Allens, Zacharies. – Weitst Du noch, wo hei uns, as hei noch Kannidat bi den ollen Knirkstädt was, des Winters Abends Privatstunn'n gaww un schriwen un reken lihrte, un wo fründlich hei gegen uns beiden dummen Jungs was?" – "Ja, Korl, un wo denn ümmer Zamel Pomuchelskopp achter 'n Aben lagg un snorkte, daß sich die Balken bögten, während dem daß wir in den Wissenschaften waren. – Weitst woll noch mit 's Rechen, als wir in die Regeldetri kamen? – Man suche die vierte unbekannte Größe – un denn wurd erst der Ansatz genommen, un denn gung's los! Jn der Fixigkeit war ich Dir über, aber in der Richtigkeit warst Du mir über, auch in der Ottographie; aber in dem Stiel, in Briefschreiben un 's Hochdeutsche, da war ich Dir wieder über, un in diesen Hinsichten habe ich mir nachher ümmer weiter befleißigt, denn jeder Mensch hat sein Lieblingsthema, un wenn ich zu dem Paster komm, denn bedank ich mich noch ümmer bei ihm, daß er mir Bildung beigebracht hat, un denn lacht er so vor sich hin un sagt: er müßte sich mehr bei mir bedanken dafür, daß ich ihm dazumalen seinen Acker verpacht hätte, un daß er nu auf en guten Kuntrakt säße. – Er hält was auf mir, un wenn Du hier ankommst, gehen wir nach ihm 'rüber, un Du sollst sehn, er thut's."

Mit de Wil' wiren sei nah Pümpelhagen 'ranne kamen, un Braesig namm nu Hawermannen ganz in sin vörnehmeres Fohrwater, as hei up den Hof up en ollen Bedeinten lossegelte un frog, ob de Herr Kammerrath woll tau HusS un tau sSpreken wir. – Hei wull de Herrn anmellen, säd de Mann; ob hei nich de Herr Entspekter Braesig wir? – "Ja," säd Braesig. – "Sühst Du, Korl, er kennt mir, un de Herr Kammerrath kennt mir auch. – Un – hast Du 's woll bemerkt? – ordentlich anmellen! – Unnerdem thun 's die Adlichen nich; mein gnedigst Herr Graf läßt sie sich ümmer von drei Stück anmellen, d.h. Einer mellt 's ümmer den Annern, bis 's der Herr Kammerdiener zuletzt ihm mellt, wobei denn männigmal hellsche Spaßigkeiten passiren, als neulich mit den Kammerjäger. Der Erste mellte den Zweiten stats Kammerjäger Oberjäger, un der Zweite setzte noch en Meister an, un der Dritte mellte den Herr Grafen einen Oberjägermeister, un als nu mein gnedigst Herr Graf den frömden Herrn recht mit en Aweck empfangen wollte, dunn was 't de oll Rottenfänger Tibäul."

De Bedeinter kamm taurügg un führte sei in en gerümig Timmer, wat woll anstännig, aewer dörchut nich aewermaten sin utmöblirt was; in de Midd stunn en groten einfachen Disch vull Poppiren un Reknungen. Achter den Disch stunn bi ehren Intritt en tämlich groten, magern Mann up, de in sinen Gesicht en sinnigen Utdruck hadd, in den sin ganzes Wesen 'ne stille Aewerleggung lagg, un in den sinen Antog, obschonst hei ganz vullstännig tau 'm Utgahn inricht't was, de sülwige Einfachheit tau seihn was, as in den Husrath von de Stuw'. Hei kunn in den Anfang von de Föftiger sin, un sin düsteres Hor spelte all stark in 't Grise, ok müggt hei woll kortsichtig wesen, denn as hei üm den Disch 'rümmer gung, üm de beiden Gäst in Empfang tau nemen, langte hei irst nah 'ne Lorjett, namm sei aewer nich in Gebruk, un gung dicht an sinen Besäuk heran: "Ah, Herr Inspektor Braesig!" säd hei ruhig. – "Womit kann ich dienen?" – Unkel Braesig hadd sick aewer so dägern in vörnehme Redensorten verhaspelt, dat hei sick dor nich so glik up en Slump 'rute wiren kunn; ahn sick also bi em wider uptauhollen, kek de Kammerrath Hawermannen ganz ut de Neg' an: "Sie wünschen...? – Aber," unnerbrok hei sick, "ick sollte Sie kennen. – Warten Sie – waren Sie nicht vor zehn oder zwölf Jahren in Kondition bei meinem Bruder?" – "Ja, Herr Kammerrath, und mein Name ist Hawermann." – "Richtig, richtig! Und was verschafft mir das Vergnügen, Sie bei mir zu sehen?" – "Ich habe erfahren, daß der Herr Kammerrath einen Inspektor suchen, und da mir mit einer solchen Stelle gedient wäre...." – "Aber Sie haben ja eine Pachtung in Pommern, wie ich gehört zu haben glaube," föll em de Gaudsherr in de Red'. – Nu was 't aewer de höchste Tid, dat Braesig, wenn hei aewerall noch wat von Bedüden seggen wull, sick in 't Middel läd: "Das hätte er auch, Herr Kammerrath von Rambow, aber gehabt, un dorfor gibt der Jude nichts mehr. Er is auch, wie viele Ökonomiker, in die schlechten Conjecturen gerathen, un die Miserabligkeit un Slechtigkeit von seinen Verpächter hat ihn rungenirt. – Was sagen Sie dazu, Herr Kammerrath?"

Achter den ollen Burßen sinen Rüggen lachte dat recht hell bi dese Red' up, un as hei sick ümkiken ded, kek em dat smucke Gesicht von en teihn= bet twölfjöhrigen Knawen entgegen, dat so utsach, as: "Paß' gaud up, dor kümmt glik noch wat." Ok de Kammerrath vertröck sin Min' en beten tau 'm Lachen; aewer tau 'm Glücken föll Unkel Braesig seindag' nich in, dat so 'n Lachen wat Anners sin künn, as dat natürliche Wollgefallen an sine wollgefett'te Red'; hei slot also ganz irnsthaft: "Un da is er denn Kopphester gegangen." – "Das bedaure ich recht von Herzen," säd de Kammerrath; "ja," sett'te hei mit en lisen Süfzer hentau, "es sind harte Zeiten für den Landmann gewesen; aber wir müssen hoffen, daß es besser kommt. Was nun Ihr Anliegen betrifft – Axel, geh einmal nach drüben und sieh zu, ob das Frühstück aufgetragen ist – so ist Ihre Voraussetzung richtig: ich habe meinen bisherigen Inspektor plötzlich entlassen müssen wegen – nun ich will sagen wegen nachlässiger Rechnungsführung, und ich suche einen passenden Mann an seiner Stelle. – Aber," säd hei, as sin Saehn de Dör upmakte un mellte, dat dat Frühstück prat wir, "die Herren haben noch nicht gefrühstückt, wir machen die Sache am besten beim Frühstückstische ab." Dormit gung hei nah de Dör, blew stahn un makte 'ne Handbewegung, de sei tau 'm Vörtritt inladen süll. – "Korl," flusterte Braesig, "nich wohr? Ganz wie Unserein!" – Aewer as Hawermann ruhig up de Inladung vöran gung, treckte hei de Ogenbranen hoch in de Höcht un reckte de Hand ut, as wull hei sinen Fründ bi de Rockslippen wedder taurügg trecken; dorbi stellte hei sine lütten, verschrabenen Beinpahl hellschen utwarts un dienerte as en Klappmetz: "Ih, wo werd ich! – Bitte äußerst! – Herr Kammerrath haben ümmer das Preh!" – Un sine Diener wiren nich von slichten Öllern, denn hei hadd en lang Liw un korte Beinen, un de hüren tau 'n ordentlichen Diener.

De Kammerrath müßt sin Kumpelmenten man ut den Weg' gahn, dat de oll Burß sick nich dat Krüz verrenken ded. Bi 't Frühstück würd denn nu de Sak afspraken un afslaten; Hawermann würd annamen mit en gaudes, utreikendes Gehalt, wat sick von fiw tau fiw Johr uphögen süll, un de einzige Bedingung, up de de Kammerrath en Gewicht läd, was, dat hei sinen Posten glik antreden süll. Dat versprok de ni Entspekter denn ok, un as de anner Dag tau de Wirthschaft=Aewernam' fastsett't was, dat de Kammerrath em doch vör sine Afreis' noch hir un dor wat wisen un mit sinen Willen bekannt maken kunn, un as Braesig tau 'm Sluß in 'n korten den 'betrübten' Lewenslop von den ollen, föfteihnjöhrigen Vullblaud=Wallach vertellt hadd, de grad' as Vörbimähr up den Hof sine Geschäften besorgte, un dat hei noch 'die Ehre hatte, den ollen Schinder ungeboren zu kennen', dat de Kretur in ehre jungen Johren 'ein Fohlen gewesen wäre, wie's in's Buch steht', sick aewer nahsten mit 'Spatt un Hasenhacken un allerlei Deuwelszeug bemengt hätte, wofür er nu vör den Meßwagen seine Bestrafung krigte', nemen de beiden Entspekters ehren Afschied.

"Braesig," säd Hawermann, as sei buten wiren, "mi 's en Stein von 'n Harten follen. – Gott sei Dank! ick bün wedder in Dädigkeit, un de ward mi up anner Gedanken bringen. – Nu nah Gürlitz! – Ach, wenn 't dor doch ok so gaud glücken wull!" – "Ja, Korl, Du kannst von Glück sagen, denn, nimm mich's nich übel, es fehlt Dich die Lebensart und der feine Plüh, mit Edelmänner umzugehn. Wo konnst Du so woll sein! wo konnst Du woll vor dem Kammerrath durch die Thür gehn?" – "Braesig, as hei mi dortau nödigen ded, was ick sin Gast, un hei was noch nich min Herr; nu ward ick 't nich wedder dauhn, un, verlat Di dor up, hei ward 't ok nich wedder dauhn." – "Na, Korl, ich sag' auch man, abersten bei dem Paster, da überlaß mir die Sache; das will mit Finessen angefaßt sein." – "Ja, Zacharias, in Gottes Namen. Wenn 't nich för min oll lütt Dirning wir, ick hadd nich den Maud, en Minschen üm so 'ne grote Sak antauspreken. Willst Du 't mi afnemen, so holl ick 't för en wohres Fründschaftsstück."

As sei gegen de Gürlitzer Kirch kemen, hürten sei an den Gesang, dat de Kirch noch nich ut was, un as sei in 't Pasterhus treden un in de Wahnstuw', kamm ehr 'ne lütte, quicke, runne Fru entgegen von en Johrener virtig. Allens was rund an ehr: de Arm un de Hänn' un de Fingern, de Kopp un de Back un de Lippen; un de Ogen keken so rund un krall ut dat runne, pralle Gesicht, as hadd meindag' kein Led un Truer de Ogenleder dal drückt, un so 'n lustiges Lewen quüll ut all ehre Minen un Bewegung, dat Einer glöwen müßt, hei künn von butwennig seihn, wo dat frische, rode Blaud dörch dat warme Hart rullte. – "Gu'n Dag, Herr Braesig, na, setten S' sick! Setten S' sick ok. – Ja, dat helpt nich! Min Paster is noch in de Kirch, hei würd schön schellen, wenn ick Sei weglaten hadd. – Setten S' sick doch ok, Herr...., wo heiten Sei? – Ja, ick wir ok girn hüt tau Kirch gahn, aewer denken S' sick, de Pasterstaul is vergangen Sünndag intweibraken – Du leiwer Gott, dor drängt sick Allens 'rinner, un Einer mag denn ok nich 'Ne' seggen – un uns' oll Discher Prüßhawer süll en wedder maken, un de oll Mann hett 't mit en Fewer kregen." So rullte dat rund ut den lütten, runnen Mund, as wenn ehr Würd' bunte, glatte, blanke Billardkugeln wiren, de en fröhlich Kind aewer dat gräune Laken hen un her scheiten lett.

Braesig stellte nu Hawermannen vör, as en Brauder von de Madam Nüßlern. "Sei Sünd Ehr Brauder? Ehr Korl=Brauder? – Nun, setzen Sie sich, setzen Sie sich! Was wird mein Paster sich freuen! Immer, wenn Madam Nüßlern bei uns ist, wird von Ihnen gesprochen – immer Gutes – der Herr Inspektor weiß es. – Mein Gott, Braesig, wat hewwen Sei mit min Gesangbauk tau dauhn! – Laten S' mi dat Bauk liggen! Sie lesen doch nicht darin, Sie sind ein alter Heide. Das sind Sterbelieder, und was haben Sie mit Sterbeliedern zu thun? Sie wollen ja wohl ewig leben? Sie sind nicht besser wie der ewige Jude. Lieber Gott, man muß doch auch einmal an's Sterben denken, und weil unser Kirchenstuhl gebrochen ist, und der alte Tischler das Fieber hat, so habe ich für mich ein paar Todesbetrachtungen gelesen." Un dorbi flog sei as Quicksülwer hen un her un läd de Bäuker an de Sid un wischte hir un dor Stoww af, wo gor kein lagg, un putzte un polirte in de Stuw 'rümmer, de so blank as en Putzkasten was. – Mit en Mal stunn sei still, horkte nah de Kaek herute un rep: "Richtig! Nu laten s' mi doch de Supp aewerkaken!" un 'rut was sei. – "Nich wohr, Korl," säd Bräsig, "dor 's Temprament in? Un was for 'ne däg'te Gesundheit! – Nu laß mich aber, ich bring 's nu in's Gleiche," un gung achter de Fru Pasturin her.

Hawermann kek sick in de Stuw' üm; wat was dat Allens so sauber, so behaglich, so heimlich un so vull Freden! Dor hung en schönen Christuskopp aewer den Sopha, un üm em 'rümmer un unner em de Biller von de Öllern von den Herrn Pastur un de Fru Pasturin un ehre Verwandten, weck bunt, weck Swart, weck grot, weck lütt, uns' Herr Christus hadd de Hänn' tau 'n Segen upböhrt, un nu hadd de Fru Pasturin em ehre ganze Verwandtschaft unnerschawen, dat sei dat Best von den Segen afkregen, wil sei sei för de Neg'sten dortau höll. Ehr eigen Bild ut jüngern Johren un ehren Paster sin hadd sei in Demaud bi dat Finster en beten bet af henhängt; aewer Gottes Sünn, de dörch de Slohwitten Gardinen kek un de annern Biller vergoldte, drop ehre beiden Biller irst recht. Dor stunn en lütt Bäukerschapp vull geistliche un weltliche Bäuker, en beten krus dörchenanner, aewer sei makten sick sihr schön, denn sei wiren mihr nah den Inband, as nah den Inholt tausam stellt. Un wenn Einer glöwt, dat sei, wil sei ok plattdütsch sprok, keinen Gefallen un keinen Verstand von hochdütsche Schriften hadd, denn brukte hei blot en Bauk uptauslahn, wo en Teiken lagg, un hei würd wohr warden, dat de anteikenten Städen em ok tau Hart un Gemäuth reden deden, dat heit, wenn hei ok so vel Hart un Gemäuth hatt hadd, as de Fru Pastern; un hadd hei gor dat Kakbauk upslahn, denn hadd hei inseihn, dat de Fru Pasturin eben so gaud tau studiren verstunn, as de Herr Pastur, denn sei hadd grad' so, as hei, ehre Anmarkungen an den Rand schrewen, un wo nicks gegenschrewen was, dorbi kunn sick Einer dorup verlaten, dat wiren den Herrn Paster sine Leiwlingsgerichte, "un dorbi," säd sei, "bruk ick keine Fedder antausetten, denn de weit ick utwennig."

Un hir in desen Freden, in dese saubere Behaglichkeit süll Hawermannen sin Kind, wenn Gott sinen Segen dortau gaww, sine jungen Johren verlewen! Dese Segenhänn' von dat Christusbild wiren ok aewer sin Kind utstreckt, dese Gottessünn süll ok up em schinen, un dat, wat grote un gaude Minschen för de Welt in de Bäuker schrewen hadden, süll sine junge Seel eins upwecken ut den Kindheitsdrom un belewen un erfreu'n. – Em würd gor tau weikmäudig.

Aewer as hei noch so in Hoffen un Fürchten satt, kamm de Fru Pasturin in de Dör, mit rothgeweinte Ogen: "Seggen S' mi nicks mihr, Herr Hawermann, seggen S' mi gor nicks mihr! Braesig hett mi Allens seggt, un Braesig is en wohren Heid', aewer hei 's en gauden Mann un en trugen Fründ von Sei, un min Paster denkt ebenso as ick, dat weit ick, denn wi sünd ümmer einig, un dat lütt Dirning? Du leiwer Gott, ja! Die alten Nüßlers sind eine hartherzige Art," un dorbi pedd'te sei drist mit en Faut up. – "Die Alte," schow Braesig bi dit Tempo fix dormang, "die Alte ist eine Nimmersatterin." – "Recht, Braesig, das ist sie auch; aber mein Paster soll den beiden Alten in's Gewissen reden; nicht wegen des kleinen Mädchens, das kommt hier zu uns her, oder ich müßte meinen Paster nicht kennen!"

Indem, as Hawermann sinen deipsten Dank utspreken ded, kamm Fru Pastern ehr Paster an, denn sei nennte em ümmer, wenn sei von em Sprok, 'ehren' Paster, wil dat hei würklich mit Liw un Seel ehr was, un ehren 'Paster' nennte sei em wegen sine eigene Würd, un wil 't em von Amtswegen taukamm. Hei kamm in Horen aewer den Kirchhof un Parrhof 'raewer tau gahn, denn dese hogen Sanftmützen, de unse gauden Protestanten=Preisters mit de rußschen Popen einfohrig maken, wiren dunn noch keine Mod', tau 'm wenigsten up den Lann' nich, un stats de groten Halskrusen, de so laten, as de witte, puzzelanene Teller, up den de Herodias ehren Steifpapa dat Höwt von den Täufer=Johannes presentiren ded, hadd hei en por lütte, unschüllige Böffkens, de em sine leiwe Fru Regine in alle christliche Ihrfurcht sülwst neiht, stiwt, plett't un ümbunnen hadd; denn dese lütten, unschinlichen Dinger höll hei mit Recht för de eigentliche Preister=Uneform un nich dat oll lütt Mäntelken, wat mit en virkantig Brett baben in den Rockkragen steken würd, "denn," säd sei, "meine liebe Madam Nüßler, so einen kleinen Mantel hat unser Küster auch, aber Bäffchen darf er nicht umbinden; und wenn ich meinen Paster so mit der Zierde seines Standes auf der Kanzel sehe, ich weiß nicht, dann kommen mir die kleinen weißen Dinger, wenn sie sich bei seinen Worten, bald das eine, bald das andere, so heben und senken, wie ein paar Engelflügelein vor, auf denen Einer gradesweg's zum Himmel fahren kann, bloß daß mein Paster die Flügel vorn und die Engel sie hinten haben."

Na, en Engel was nu ehr Paster nich, un hei was de Letzt, de sick dorför utgaww; aewer bi alle Uprichtigkeit, de von sin Gesicht lücht'te un keine Rücksichten tau kennen schinte, lagg dorup so 'ne fründliche Nahsicht, so 'n still gaudes Wesen, dat Einer em up den irsten Blick glik för en braven Mann hollen müßt; un wenn Einer em 't ok anseihn kunn, dat hei sin Lew'lang sick mit irnste Saken afgewen hadd, denn kunn hei doch – natürlich irst, wenn em de Fru Pastern den Mantel un de Böffkens afnamen hadd – ut sine Ogen en fröhliches Hart, un üm sinen Mund en unschülligen Spaß flackern seihn; un wenn hei den Geistlichen uttreckt hadd, denn stunn hei dor as en Mann, de ok woll in weltlichen Dingen en gesunnen Rath gewen un 'ne hülprike Hand utrecken kunn.

As hei in de Stuw' tred, kennte hei Hawermannen up de Städ' wedder un gung up em los. "Guten Tag, lieber Freund, wie? Seh ich Sie einmal wieder? Wie geht es? – Guten Tag, Herr Inspektor!" – Un as nu Hawermann em wedder begrüßen ded, un Braesig all von de Ursak von ehren Besäuk anfangen wull, sprung de Fru Pasturin dortwischen un namm ehren Paster dat geistliche Rüsttüg af un rep dormang: "Nichts! Nichts, Herr Hawermann. – Braesig, will'n sei woll! – Das sollst Du Alles von mir zu wissen kriegen," säd sei tau ehren Mann, "denn wenn die Veranlassung auch eine traurige ist – ja, Herr Hawermann, eine gar zu traurige! – so wird es für Dich doch eine Freude sein. – Komm, komm!" un dormit treckte sei em in sine Studirstuw' herinne. "Denn ich bin die Nächste dazu!" rep sei ut de Dör as Entschuldigung taurügg.

Nah 'ne Wil' kamm de Paster mit sine Fru wedder 'rinne in de Stuw' un gung mit bestimmten Schritt un en fasten Utdruck in 't Gesicht up Hawermannen tau: "Ja, lieber Hawermann, ja! Wir wollen es thun, und was an uns liegt, gerne thun," un druckte em de Hand, "aber," sett'te hei hentau, "wir haben keine Übung in der Kinderpflege, doch wir werden 's lernen. – Nicht wahr, Regine, wir werden 's lernen," as wull hei mit desen lütten Spaß Hawermannen aewer de deipe Rührung 'raewer helpen, de in sin Gesicht un in sin ganzes Wesen arbeit'te. – "Herr Pastor," brök hei endlich ut, "Sie haben schon früher so viel an mir gethan, aber dies....!" Un de lütt Fru Pasturin grep nah ehr Trostmiddel un Handwarkstüg, wat sei bi jede Aewerraschung in Freud' un in Led tau Hand namm, nah ehren Wischdauk, un wischte hir un wischte dor, un hadd jo woll Hawermannen de Thranen dormit afwischt, wenn hei sick nich afwendt hadd, un rep ut de Dör nah Frideriken: "Nu, Rike, gah mal glik hen nah de Wewerfru, un sei süll mi ehr Weig' mal schicken – denn sei brukt sei grad' nich," sett'te sei för Braesigen hentau. Un Braesig – as müßt hei de Ihr von dat Hawermannsche Hus vertreden – säd sihr wichtig: "Fru Pastern, wo denken Sie hin, dat oll lütt Dirning is all ganz hartlich!" Un de Fru Pastern lep wedder an de Dör un rep dat Mäten taurügg: "Rike! Rike! Kein Weig' – 'ne lütt Beddstell süll sei mi leihnen, un denn gah mal glik nah de Kösterdochter 'ran, un ob sei hüt Nahmiddag nich – ach, du leiwer Gott, 't is hüt Sünndag! Aber wenn Dir Dein Esel in den Brunnen gefallen ist, un so wider – ja, segg ehr, ob sei mi nich en por lütte Bedden stoppen helpen künn. – Denn dit is nich heidnisch, Braesig, dit is 'ne Nothsak un hett wat anners in 'n Munn', as wenn Sei Sünndag'snahmiddag's Ehren Herrn Grafen sinen Weiten inführen laten. – Und, mein lieber Herr Hawermann, noch heute muß das kleine Mädchen zu uns her, denn, Franz," säd sei tau ehren Mann, "die alten Nüßlers gönnen nicht einmal solchem kleinen Wurm das Mittagessen, und, Braesig, ungegönntes Brod....," hir was sei en beten ut de Pust, un Braesig föll in: "Ja, Fru Pasturin, ungünnt Brod soll fett machen, aber diese Art Fettigkeit hol' der Deuwel!" – "Sie alter Heide, wie können Sie in einem christlichen Pastorhause so fluchen!" rep de Fru Pastern. "Aber das Kurze und das Lange von der Sache ist: das kleine Mädchen muß heute noch her." – "Ja, Frau Pastorin," säd Hawermann aewerglücklich, "ich bringe sie Ihnen heute noch. Meiner armen Schwester wird's sehr leid thun; aber es ist besser so für sie und ihren Hausfrieden und für mein Kind....!" Hei gung up de beiden Pasterlüd' tau un dankte so heit, as 't em dat dankborste Hart ingaww, un as sei Adjüs seggt hadden un buten wiren, hal'te hei deipen Athen un säd tau Braesigen: "Hüt morgen sach mi de Welt noch so düster ut, un nu schint mi de Sünn wedder hell in 't Hart, un ick heww hüt doch noch en suren Gang tau gahn; aewer 't is en Glücksdag, un 't mag jo ok woll aewerein kamen." – "Was hast Du denn noch for einen Gang?" frog Braesig. – "Ick möt nah Rahnstädt tau den ollen Moses, de hett sid annerthalben Johr en Wessel von mi up fiwhunnert Daler; hei hett sick bi minen Bankerott gor nich mellt, un ick möt de Sak mit em afmaken." – "Das mußt Du, Korl, un zworsten auch darum, weil der alte Moses noch lang' kein von de leg'sten is. – Nu will ich Dir sagen, was wir for en Schlachtplan auf heute machen: wir gehn nu Beide nah Rexow retuhr un essen da Mittag; Nahmiddag muß Jung'=Jochen anspannen lassen, un Du bringst Deine Kleine nach Gürlitz, fährst von da nach der Stadt, un kommst auf den Abend zu mir nach Warnitz un bleibst die Nacht da, un kannst ja denn morgen schon nach Pümpelhagen 'rüber gehn, weil der Herr Kammerrath doch schon auf Deine baldige Anwesenheit respektirt." – "Recht," säd Hawermann, "so sall 't sin."

Sei kemen an, dat Middag würd eten, un Braesig bröcht dat Gewarw' von 't Führenlaten bi Jung'=Jochen an. – "Versteiht sick von sülwst," rep Madam Nüßlern. – "Ja, 't versteiht sick von sülwst," säd Jochen un gung sogor sülwst 'rut un bestellte dat Anspannen. – "Korl," säd de Swester, "min leiw' Brauder, wo girn, wo herzlich girn....! – Du weitst Bescheid, Braesig ward Di 't seggt hewwen. – Aewer, Du leiwer Gott, wenn Fred' in 'n Hus' sin sall! – Glöw' man jo nich, dat Jochen anners as ick denkt; hei hett dat Dörchgripen man blot nich in sick un kann de Würd' nich von sick gewen. – Ick will mi aewer nah Din Kind ümseihn, as wenn 't min eigen wir, obschonst dat bi Pasters nich nödig deiht."

De Wagen führte vör. – "Wo Deuwel!" rep Braesig, "Jung'=Jochen, Du hast jo woll gor Deine Staatsekklepasch', de oll gel'beinig Kutsch spandirt!" – "Ja, Herr," säd Krischan, de vörn up den Sitz satt, "wenn wi mit de oll Dam' man heil henkamen, denn sei is hellschen ut den Buck, un de ollen Rad' klappern, as wenn Lin rummelt ward." – "Krischan," säd Braesig, "Du mußt erst ein bischen in den Dorfteich fahren un nahsten in die Gürlitzer Bäk un denn vor Rahnstädt in den Poggenpaul, daß die Raed anziehen." – "Na," säd Krischan, "denn ward 'ck woll en richtigen Seefohren warden."

As Hawermann Afschied namen hadd un sin lütt Dirning in den Wagen satt, drängte sick Jung'=Jochen mit 'ne Hast dörch de Gesellschaft, dat Allens schu ut den Weg' gung un sine Fru utrep: "Na, wat ward nu los?" – "Da!" säd hei un stek de lütt Lowise en Pund fleigen Markur in de Hand, denn annern rokte hei nich; aewer 't was man butwennig, denn as Hawermann genauer tausach, funn hei en grot Stück Stuten, dat Jung'=Jochen blot en beten in Tobackspoppir inwickelt hadd, wil just nicks anners tau Hand was. – De Fohrt gung af.

Krischan namm den Dik un de Bäk vörschriftsmäßig mit; tau Gürlitz würd de Lütt afgewen, un ick will wider nicks dorvon vertellen, as dat dat lütte, smucke Gör unner Küssen un Straken von Einen tau 'm Annern gung un sick in sinen unschülligen Unverstand in de frömden Lüd' tau sinnen schinte. – Hawermann führte nah Rahnstädt tau Mosessen.

Moses was en Mann in de Föftigen; hei hadd en grotes, klaukes Og' unner starke swarte Ogenbranen, obschonst sin Kopp all binah witt was; en vulles Ogenlid un düstere Wimpern gewen em en Anschin von Sachtmäudigkeit; hei was middelgrot un von 'ne behagliche Vülligkeit; sine linke Schuller was en beten höger as sine rechte, un dat kamm von sinen Griff. Wenn hei nämlich von sinen Staul upstunn, denn grep hei mit de linke Hand in sine linke Rocktasch un fat'te sick unnerwarts den Hosenquedder in de Hos', dat sei em linksch nich dalgliden süll, denn hei drog man einen Hosendräger up de rechte Sid. – "Woßu?" säd hei tau sin Blümchen, wenn sei em tau den tweiten Hosendräger bereden wull, "as ich war jung, un war arm, un hatte kein Geld, hab' ich gemacht Geschäfte mit einem Hosendräger, un habe gefrei't um de Blümche mit einem Hosendräger, nu daß ich bin alt un bin raich un habe Geld und habe de Blümchen, woßu brauch ich denn ßwai Hosendräger?" Un denn strakte hei sin Blümche eins aewer, grep in de linke Rocktasch un gung wedder an 't Geschäft.

As Hawermann bi em 'rin kamm, sprung hei up: "Wahrhaftigen Gott! Wahrhaftigen Gott, 's ist der Hawermann! – Hab' ich Dir nich immer gesagt," wenn'te hei sick an sinen Saehn, "der Hawermann is gut, der Hawermann is en ehrlicher Mann." – "Ja, Moses," säd Hawermann, "ihrlich woll – aewer...." – "Steh auf, David, laß Herr Hawermannen sitzen, hier bei mir sitzen, Herr Hawermann hat mir was zu sagen, und ich hab' Herr Hawermannen was zu sagen. – Siehst Du?" wendte hei sick an sinen Saehn, "David, was hast Du gesagt? Ich soll mich melden bei die preußschen Gerichten. – Was hab' ich gesagt? Ich werd mich doch nich melden bei die preußschen Gerichten; Herr Hawermann is en ehrlicher Mann. Ich hab' mich einmal gemellt, es war in 'ner Sach' mit en preußschen Kannedaten, as ich hab' gemahnt den Kerl, hat er mir Brief geschrieben, ich soll nachlesen en Vers aus 'm christlichen Gesangbuch. – David, wie haißt noch?" – "Es war ein ganz entfamter Vers," säd David: "Main Gewüssen beußt mich nicht, Moses kann mich nicht verklagen, Der mich frai und ledig spricht Würd aach meine Schulden tragen." "Ja," rep Moses, "So hat er gehaißen! Un as ich nu hab' den Brief geßaigt, da haben die preußschen Gerichten gelacht, un as ich hab' meinen Wechsel geßaigt, da haben sie mit de Schulter geßogen und haben auch gelacht. – Haha! hab' ich gesagt: Sie mainen, das Peppir is gut, aber der Kerl daugt nichts. – Da haben sie gesagt, ich hätt Recht, haben sie gesagt; aber ich könnt en lassen einsperren, müßt en aber beköstigen. – Daß Du krigst den Dalles! Muß ich bezahlen Auslagen un Kosten un en Termin un den ganzen Prozeß, un nu noch Futterkosten for den Schweinigel? – Laß en laufen! hab' ich gesagt. – Nein, der Herr Hawermann ist mir Besser, als die preußschen Gerichten." – "Ja, dat is Allens recht gaud, Moses," säd Hawermann benau't, "aewer betahlen kann ick nich, wenigstens up Stunns nich." – "Na," säd Moses un kek em en beten frag'wis an, "Sie werden doch was übrig behalten haben?" – "Keinen roden Schilling," säd de Landmann bedräuwt. – "Gott du gerechter!" rep Moses, "keinen roden Schilling!" un sprung up un fohrte sinen Saehn an: "David, was stehst Du? was kuckst Du? was hörst Du? Geh hin un hol 's Buch her." – Dormit fung hei an unrauhig in de Stuw' hen un her tau gahn. – "Moses," säd Hawermann, "laten S' mi Tid, Sei saelen Geld un Tinsen bi Heller un Penning wedder hewwen." – Moses stunn still un hürte in deipen Bedenken up dit Wurt. – "Hawermann," säd hei tauletzt Plattdütsch, "sei sünd doch en ihrlichen Mann!" denn de Juden nah de olle Welt makten 't grad' so as de Christen, wenn 't ehr an 't Hart grep, red'ten sei plattdütsch. Un as David nu mit dat Bauk kamm, säd de Oll: "David, was soll das Buch? Trag 's Buch weg. – Nu, was is 't?" wenn 't hei sick an Hawermannen: "ick heww anfungen mit Nicks, Sei hewwen ok anfungen mit Nicks, ick heww makt en Geschäft, Sei hewwen ok makt en Geschäft, mi hett 't glückt, Sei hett 't nich glückt; ick bün düchtig dor, Sei sünd ok düchtig dor, denn Sei kennen Ehr Sak. Wat nich hüt is, is morgen; kaenen Sei doch morgen wedder 'ne Städ' krigen, kaenen Sei mi betahlen, denn Sei sünd en ihrlich Mann." – "'Ne Städ'," säd Hawermann, vel lichter üm 't Hart, "heww ick all wedder, un de Städ' is gaud." – "Wo?" frog Moses. – "Bi den Kammerrath up Pümpelhagen." – "Schön, Hawermann, schön. Is en guter Mann! Hat er auch mit die schlechten Szaiten zu thun, ist er doch en guter Mann; macht er auch kein Geschäft mit mir, is er doch en guter Mann. – Blümche!" rep hei ut de Dör, "Herr Hawermann is hir. Bring' heut ßwai Tassen Kaffee 'rein!" un as Hawermann den Koffe utslahn wull, sett'te hei hentau: "Lassen Sie, Herr Hawermann, lassen Sie! As ich war jung un mußt mit den Packen gehen zu Land', und es war kalt, hat mir Ihre Mutter oft gegeben 'ne warme Tasse Kaffee; as Sie noch Entspekter waren, haben Sie mich lassen fahren, ganz for umsonst. Na, wi sünd doch ok Minschen. Drinken Se! Herr Hawermann, drinken Se."

So kamm ok des' Sak in de Reih; un as Hawermann den Abend bi Braesigen ankamm, was sin Hart lichter, vel lichter, un as hei des Abends in 't Bedd den Dag aewerdachte, kemen em Gedanken, ob nich 'ne leiwe Stimm baben4 för em beden5 hadd, un ob nich 'ne leiwe Hand dat verwirte Klugen von sine Taukunft glatt utenanner wickelt hadd, dat hei an en schiren Faden sin Lewen entlang gahn kunn.

Den annern Morgen stellte hei sick up Pümpelhagen in; un as de Kammerrath mit sinen lütten Saehn nah en por Dagen afreis'te, hadd hei sick in de nige Wirthschaft vullstännig 'rinne funnen un was in vulle Dädigkeit; un dat blew hei in stille Taufredenheit männig Johr; dat Led hadd uttowt, un wat em Freud' maken ded, was von jenne Ort, de de Minsch nich allein genütt, de hei mit en annem Minschen deilen möt.

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