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Ut de Franzosentid/Aus der Franzosenzeit - Plattdeutsch/Hochdeutsch

Fritz Reuter: Ut de Franzosentid/Aus der Franzosenzeit - Plattdeutsch/Hochdeutsch - Kapitel 16
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authorFritz Reuter
titleUt de Franzosentid/Aus der Franzosenzeit - Plattdeutsch/Hochdeutsch
publisherVerlag von Otto Janke/Leipzig
translatorHeinrich Conrad
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Dat föfteihnte Kapittel

Fünfzehntes Kapitel

Worüm sick de Oberst bi Fiken ehr Red' afwennen müßt, un worüm sick Fiken bi Hinrichen sin Red' afwennen müßt. Worüm de Herr Ratsherr up de knendlichen Lüd' schull, un de Möller wünscht, dat hei 'ne Kreih wir.

Warum sich der Oberst bei Fikens Rede abwenden mußte, und warum sich Fiken bei Hinrichs Rede abwenden mußte. – Warum der Herr Ratsherr auf die schmächtigen Leute schalt, und der Müller wünschte, daß er eine Krähe wäre.

As Fiken mit Hinrichen an den Mählenbarg kamm, flogen ehr Ogen nah allen Siden, un't durt ok nich lang', dunn hadd sei ehren Vader un sin Gesellschaft rute kennt, wo sei dor unner de Mähl seten. »Dor is min Vader«, säd sei tau Hinrichen. – »Na«, säd Hinrich, »denn will'n wi hir rechtsch von den Hollweg nah den hakten Acker nah de Mähl tau ruppe bögen. Slicht ward't man gahn; äwer dörch den Hollweg is jo nich dörchtaukamen, un du kannst jo denn ok mit dinen Vader reden.« – »Holt«, röp Fiken, »nich rechtsch nah de Mähl tau, ne, linksch von de Mähl af bög ut den Weg'; ick will nich mit em reden. – Leiwer Gott! nu hett hei uns all seihn, nu winkt hei.« – »Fiken«, säd Hinrich, as hei nah ehre Wisung führen ded, »wat heit dat? Worüm geihst du dinen Vader ut den Weg'?« – »Wil ick em nicks nützen kann, ihre ick den Breiw bestellt heww. Wer weit, wo de Franzosen dat upnemen, wenn ick mit em red? Dor kann Larm un Strid ut entstahn, un wenn wi in de Ort vör den Obersten bröcht warden, ward hei uns grad nich mit fründliche Ogen anseihn. Un denn, wotau sall ick minen ollen Vader mit Utsichten unner de Ogen gahn, de noch in widen Felden liggen? För den Ogenblick is dat naug, dat hei weit, wi sünd üm ern.«

Als Fiken mit Hinrich an den Mühlenberg kam, flogen ihre Augen nach allen Seiten, und es dauerte auch nicht lange, so hatte sie ihren Vater erblickt, der mit seiner Gesellschaft dort unter der Mühle saß. »Da ist mein Vater,« sagte sie zu Hinrich. – »Na,« sagte Hinrich, »dann wollen wir hier rechts vom Hohlweg über den gepflügten Acker nach der Mühle zu hinaufbiegen. Schlecht wird es nur gehen; aber durch den Hohlweg ist ja nicht durchzukommen, und du kannst ja dann auch mit deinem Vater reden.« – »Halt!« rief Fiken; »nicht rechts nach der Mühle zu, sondern links von der Mühle ab biege aus dem Wege; ich will nicht mit ihm reden. – Lieber Gott! nun hat er uns schon gesehen, nun winkt er.« – »Fiken,« sagte Hinrich, als er nach ihrer Weisung fuhr, »was heißt das? Warum gehst du deinem Vater aus dem Wege?« – »Weil ich ihm nichts nützen kann, bevor ich den Brief bestellt habe. Wer weiß, wie die Franzosen es aufnehmen, wenn ich mit ihm spreche? Daraus kann Lärm und Streit entstehen, und wenn wir auf diese Art vor den Obersten gebracht werden, wird er uns nicht gerade mit freundlichen Augen ansehen. Und dann – wozu soll ich meinem alten Vater mit Aussichten unter die Augen gehen, die noch in weitem Felde liegen? Für den Augenblick ist es genug, wenn er weiß, daß wir in seiner Nähe sind.«

Mitdewil wiren denn nu ok de Kanonen ut den Hollweg losböhrt un losgrawen, un de Tog was wedder in Bewegung. De Gefangen würden up de ein Sid von den Hollweg entlang kummandiert, un Hinrich führt up de anner, so grell hei in oll Nahmakern sin Streking vörwarts kamen kunn. Fiken kek nah den Obersten ut. »Wenn ick em seih, kenn ick em wedder«, säd sei tau Hinrichen. »Hei hett en gaud Gesicht, wenn dat ok hart utsach, as hei den Burmeister wegbringen let.« So kemen sei an de Kanonen vörbi un an männigen Hümpel Franzosen, de in den deipen Weg sachten furtsleus'ten. Tauletzt, dicht vör den Bremsenkraug, segen sei den Obersten, wo hei mit weck von sin Offizierers Schritt vör Schritt vörwarts red. – »Hinrich«, säd Fiken, »hir jag vörtau un up den Äuwer holl still, ick will denn afstigen.«

Mittlerweile waren nun auch die Kanonen aus dem Hohlweg losgegraben und wieder aufgerichtet, und der Zug war wieder in Bewegung. Die Gefangenen wurden aus der einen Seite des Hohlwegs entlang kommandiert, und Hinrich fuhr auf der anderen, so schnell er in des alten Nahmachers Streckfurche vorwärts kommen konnte. Fiken sah nach dem Obersten aus. »Wenn ich ihn sehe, kenn ich ihn wieder,« sagte sie zu Hinrich, »er hat ein gutes Gesicht, wenn dieses auch hart aussah, als er den Bürgermeister fortbringen ließ.« So kamen sie an den Kanonen vorbei und an manchem Haufen Franzosen, die in dem tiefen Wege langsam weiter zogen. Zuletzt, dicht vor dem Bremsenkrug, sahen sie den Obersten, der mit einigen von seinen Offizieren Schritt vor Schritt vorwärts ritt. – »Hinrich,« sagte Fiken, »hier jage voraus und auf der Höhe halte still; ich will dann absteigen.«

Dit geschach. As de Oberst heran kamm, stunn Fiken up den Fautstig in den Weg, gung em en por Schritt entgegen, reckt em den Breiw tau un säd: »Herr, ick heww en Breiw för Sei.« – De Oberst höll an, namm den Breiw, kek Fiken en beten verwunnert an: »Von wen, min Kind?« – »Von unsen Herrn Amtshauptmann Wewer.« – De Oberst brok den Breiw up un las; sin Gesicht würd so mitledig utseihn, un as hei tau En'n lesen hadd, schüddelt hei still mit den Kopp. Fiken hadd em mit de grötste Angst anseihn, sei las de Antwurt up den Breiw in den Obersten sin Minen, un as hei so trurig mit den Kopp schüddeln ded, stört'ten ehr de hellen Tranen ut de Ogen: »Herr, 't is min oll Vader, un ick bün sin einzigst Kind!« röp sei.

Dies geschah. Als der Oberst herankam, stand Fiken auf dem Fußsteig im Wege, ging ihm ein paar Schritte entgegen, reichte ihm den Brief zu und sagte: »Herr, ich habe einen Brief für Sie.« – Der Oberst hielt an, nahm den Brief, sah Fiken ein bißchen verwundert an und fragte: »Von wem, mein Kind?« – »Von unserm Herrn Amtshauptmann Weber.« – Der Oberst brach den Brief auf und las; sein Gesicht bekam einen so mitleidigen Ausdruck, und als er zu Ende gelesen hatte, schüttelte er still mit dem Kopf. Fiken hatte ihn mit der größten Angst angesehen. Sie las die Antwort auf den Brief in der Miene des Obersten; und als er so traurig mit dem Kopf schüttelte, stürzten ihr die hellen Tränen aus den Augen: »Herr, 's ist mein alter Vater, und ich bin sein einziges Kind!« rief sie.

Sei hadd allens in de Welt seggen künnt, de schönste Red' un den kräftigsten Bibelspruch, nicks hadd so'n Indruck up den starken Mann makt as des' por Würd' in plattdütsche Sprak. – Hei hadd ok en ollen Vader un was sin einzigstes Kind; sin Vader satt up en hoges Sloß in't Westfalen-Land, äwer in Einsamkeit, untaufreden mit sin Volk un sin Vaderland; Tid un Welt hadden männigen Stein twischen em un den einzigsten Sähn smeten, bet dat en breiden Wall worden was, äwer den räwer sei sick man swack verstännigen kunnen. Mißverstand un Unfreden was dorut entstahn, un wo de sünd, dor meld't sick ok in stillen Stun'n dat Gewissen. Wo oft hadd sin Hart tau em spraken: »'t is din oll Vader, un du büst sin einzigst Kind!« – Lust un Drangsal, Kanonendunner un Feldslacht hadden de Stimm woll tau Tiden äwerschallen kunnt; äwer ümmer kamm de wunne Placken von sinen Harten wedder taum Vörschin as 'ne bläudige Städ up de Stubendehl. Taum irstenmal hürt hei dit Wurd utspreken von frömde Lippen, taum irstenmal in de Sprak von sine Kindheit; em was, as wir kein Vörwurf mihr in dit Wurd, so weik würd dat spraken, em klung dat sacht in't Uhr as en Wurd von Vergewung, un as hei dat arme Kind vör sick stahn sach, mit sin bang', bekümmert Gesicht, dunn würd't em tau warm, hei müßt sick afwen'n, un't wohrt 'ne Tid lang, ihre hei wedder mit ehr reden kunn. Tauletzt hadd hei sick fat't un säd tau ehr mit all de Herzlichkeit, de ut so'n Ogenblick geboren ward: »Min leiwes Kind, frilaten kann ick dinen Vader nich; 't ward äwer woll kamen. Du un din Leiw' tau dinen Vader sälen äwer nich ümsüs bi mi ankloppt hewwen, du sallst üm em bliwen, un hei sall up dinen Wagen mit di führen. – Un wenn wi in Bramborg kamen, denn mell di bi mi.« Dormit ordnierte hei dat Nödige an un red mit sin Offzierers wider.

Sie hätte alles in der Welt sagen können, die schönste Rede und den kräftigsten Bibelspruch – nichts hätte solchen Eindruck auf den starken Mann gemacht, wie diese Worte in deutscher Sprache. – Er hatte auch einen alten Vater und war sein einziges Kind; sein Vater saß auf einem hohen Schloß im Westfalenland, aber in Einsamkeit, unzufrieden mit seinem Volk und seinem Vaterland; Zeit und Welt hatten manchen Stein zwischen ihn und den einzigen Sohn geworfen, bis es ein breiter Wall geworden war, über den hinüber sie sich nur schwach verständigen konnten. Mißverstehen und Unfrieden war daraus entstanden; und wo die sind, da meldet sich auch in stillen Stunden das Gewissen. Wie oft hatte sein Herz zu ihm gesprochen: »'s ist dein alter Vater, und du bist sein einziges Kind!« – Lust und Drangsal, Kanonendonner und Feldschlacht hatten wohl zu Zeiten die Stimme überschallen können; aber immer kam der wunde Fleck seines Herzens wieder zum Vorschein, wie eine blutige Stelle auf der Stubendiele. Zum erstenmal hörte er dies Wort von fremden Lippen aussprechen, zum erstenmal in der Sprache seiner Kindheit; ihm war, als läge kein Vorwurf mehr in diesem Wort, so weich wurde es gesprochen; es klang ihm leise ins Ohr, wie ein Wort von Vergebung; und als er das arme Kind vor sich stehen sah, mit seinem bangen, bekümmerten Gesicht, da wurde ihm zu warm – er mußte sich abwenden, und es dauerte eine Zeitlang, bevor er wieder mit ihr sprechen konnte. Zuletzt hatte er sich gefaßt und sagte zu ihr mit all der Herzlichkeit, die aus solch einem Augenblick geboren wird: »Mein liebes Kind, freilassen kann ich deinen Vater nicht; das wird aber wohl kommen. Du und deine Liebe zu deinem Vater sollen aber nicht umsonst bei mir angeklopft haben; du sollst um ihn bleiben, und er soll auf deinem Wagen mit dir fahren. – Und wenn wir in Neubrandenburg ankommen, dann melde dich bei mir.« Hierauf ordnete er das Nötige an und ritt mit seinen Offizieren weiter.

Hinrich kamm nu mit sinen Wagen neger ran, sprung runner un frog: »Fiken, wo is't? – Äwer wat frag ick noch lang'? Du sühst jo ut, as set di't Hart up de Tung; nich wohr, hei hett den Ollen frilaten?« Un hei slog den Arm üm ehr: »Kumm, Fiken, stig up den Wagen, dor kümmt wedder so'n Hümpel Volks, will'n den ut den Weg gahn.« – »De dauhn uns nicks«, säd Fiken un steg höher nah de Grawenburt ruppe un kek den Weg lang. »Frilaten hett hei em nich; äwer hei hett mi't tauseggt. Ick sall üm em bliwen, un sei sälen mit mi führen, un, Hinrich, du künnst jo nu nah Hus un up de Mähl seihn un Mutting bistahn.«

Hinrich kam jetzt mit seinem Wagen näher heran, sprang herunter und fragte: »Fiken, wie ist es? – Aber was frag' ich noch lange? Du stehst ja aus, als säße dir das Herz auf der Zunge; nicht wahr, er hat den Alten freigelassen?« Und er schlug den Arm um sie: »Komm, Fiken, steig auf den Wagen; da kommt wieder so ein Haufen Volks, denen wollen wir aus dem Wege gehen.« – »Die tun uns nichts,« sagte Fiken und stieg höher nach dem Grabenrande hinauf und sah den Weg entlang. »Freigelassen hat er ihn nicht; aber er hat mir zugesagt, ich solle um ihn bleiben, und sie dürfen mit mir fahren; und, Hinrich, du könntest ja nun nach Hause gehen und auf die Mühle sehen und Mutter beistehen.«

Hinrich bünn de Lin üm 'ne Wid fast un bückt sick dal, snallt an't Geschirr un strek denn sin Unnermähr mit de Hand den glatten natten Puckel langs. »Du hest recht, Hinrich«, säd Fiken, »du hest woll Sorg', din Fuhrwark tau verlaten; äwer dat kann jo oll Inspekter Nicolai ut Bramborg mit taurügg nemen, de deiht uns riklich den Gefallen.« – »Fiken«, säd Hinrich, »an't Fuhrwark heww ick nich dacht; ick dacht an di un an dat, wat de oll Herr Amtshauptmann tau mi säd.« – »Wat was dat?« frog sei. – »Wenn ick di en Hor krümmen let, denn süll ick em nich wedder vör de Ogen kamen. Un, Fiken, ick heww em verspraken, för di uptaukamen tau allen Tiden, un as ick em dat versprok« – un hei gung tau ehr ran un namm ehre Hand un kek ehr so recht ihrlich in de Ogen – »dunn wiren noch twei taugegen, de hewwen't mit anhürt, un keiner wüßt dorvon as ick allein; dat wir uns' Herrgott, Fiken, un min eigen Hart.« – Fiken würd rod as 'ne Ros', un as hei sinen Arm üm ehr slog, wünn sei sick rute: »Hir nich, Hinrich! Hüt nich, Hinrich! – Gott in den Himmel! Dor kümmt min oll Vader an!« Un dormit gung sei von em af, ehren Vader entgegen, un Hinrich stunn still as en Bom tau Winterstid, wenn de gräunen Bläder affollen sünd un de Vägel nich mihr von Leiw' un Lust in de Telgen singen. As sei sick äwer ümwen'n ded, wedder tau em taurügg kamm: »Hinrich! Hinrich!« un de hellen Tranen ehr ut de Ogen schoten, un dunn hastig wedder up ehren Vader taugung, dunn schot Blatt up Blatt ut den stillen Bom, un Leder von Lust un Leiw' klungen in sine Twig', un dat Frühjohr gung in em up, dat einzige Frühjohr, wat dörch't ganze Lewen, in Sommerhitt, in Harwststorm un Winterküll, vörhollen möt, wenn't en richtig Frühjohr un en richtig Lewen is.

Hinrich band die Leine um eine Weide fest und bückte sich, schnallte am Geschirr und strich dann seinem Sattelpferd mit der Hand über den glatten nassen Rücken. »Du hast recht, Hinrich,« sagte Fiken; »du hast wohl Sorge, dein Fuhrwerk zu verlassen; aber das kann ja der alte Inspektor Nicolai aus Brandenburg mit zurücknehmen; der tut uns sehr gerne den Gefallen.« – »Fiken,« sagte Hinrich, »ans Fuhrwerk hab ich nicht gedacht; ich dachte an dich und an das, was der alte Herr Amtshauptmann zu mir sagte.« – »Was war das?« fragte sie. – »Wenn ich dir ein Haar krümmen ließe, dann sollte ich ihm nicht wieder vor die Augen kommen. Und, Fiken, ich hab ihm versprochen, für dich aufzukommen zu allen Zeiten, und als ich ihm das versprach« – und er ging zu ihr heran und nahm ihre Hand und sah ihr so recht ehrlich in die Augen – »da waren noch zwei zugegen, die haben's mit angehört, und keiner wußte davon als ich allein; das waren unser Herrgott, Fiken, und mein eigenes Herz.« – Fiken wurde rot wie eine Rose, und als er seinen Arm um sie schlug, wand sie sich heraus: »Hier nicht, Hinrich! Heute nicht, Hinrich, Gott im Himmel – da kommt mein alter Vater an!« Und damit ging sie von ihm fort ihrem Vater entgegen, und Hinrich stand still wie ein Baum zur Winterszeit, wenn die grünen Blätter abgefallen sind und die Vögel nicht mehr von Liebe und Lust in seinen Zweigen singen. Als sie sich aber umwandte, wieder zu ihm zurückging: »Hinrich! Hinrich!« und die hellen Tränen ihr aus den Augen schossen, und dann hastig wieder auf ihren Vater zuging – da schoß Blatt auf Blatt aus dem stillen Baum, und Lieder von Lust und Liebe klangen in seinen Zweigen, und das Frühjahr ging in ihm auf, das einzige Frühjahr, das durch das ganze Leben, in Sommerhitze, in Herbststurm und Winterkälte vorhalten muß, wenn es ein richtiges Frühjahr und ein richtiges Leben ist.

»Fiken«, röp oll Möller Voß, »wo kümmst du her?« Un as Fiken em üm den Hals fel un em mit Tranen in de Ogen de Umstän'n utenanner set't, dunn schull de Oll un säd, Hinrich hadd allein kamen künnt, un dit wiren Angelegenheiten, wo Frugenslüd' wegbliwen süllen; äwer Ratsherr Hers' erklärt, von so'ne Saken verstünn de Möller gor nicks, un Fiken ehr Infall mit den Wagen wir so schön, dat hei'n sick sülwst nich hadd beter utdenken künnt, denn wat sin postpapierne Stäweln anbedrapen ded, so wiren sei von Schauster Banken utdrücklich tau de Ratssitzungen upricht't worden, un nich tau vir Mil meckelbörgsche Landweg' in dese Johrstid. Un Bäcker Witt, as hei von den Korw mit Mettwust un Pamel hürt, slog sick up de Mag' un säd: Fiken wir sin best Päding, un wenn hei ok tau de Ort hüren ded, de ehr Fauderkist ümmer bi sick dragen, so verännerten de Umstän'n de Sak, un bi so'n Weder müßt ok in den besten Backaben af un an nahbött warden.

»Fiken,« rief der alte Müller Voß, »wo kommst du her?« Und als Fiken ihm um den Hals fiel und ihm mit Tränen in den Augen die Umstände auseinandersetzte, da schalt der Alte und sagte, Hinrich hätte alleine kommen können, und dies wären Angelegenheiten, von denen Frauensleute wegbleiben sollten; aber Ratsherr Herse erklärte, von solchen Sachen verstände der Müller gar nichts, und Fikens Einfall mit dem Wagen wäre so schön, daß er ihn selber sich nicht besser hätte ausdenken können; denn seine postpapierenen Stiefel, die wären von Schuster Bank ausdrücklich für die Ratssitzungen gebaut worden und nicht für vier Meilen mecklenburgische Landwege in dieser Jahreszeit. Und als Bäcker Witt von dem Korb mit Mettwurst und Semmel hörte, schlug er sich auf den Magen und sagte: Fiken wäre sein bestes Patchen, und wenn er auch zu der Art gehörte, die ihre Futterkiste immer bei sich tragen, so veränderten doch Umstände die Sache. Und bei solchem Wetter müßte auch im besten Backofen ab und zu nachgeheizt werden.

De französche Schersant hadd nu de Wachtmannschaft den Befehl von den Obersten äwerbröcht, un de Gesellschaft steg up den Wagen un makte sick dat so warm un bequem, as jeder kunn. Min Unkel Hers' eigent sick de för minen Vader bestimmten Kledaschen an, wil hei as Kolleg de negste dortau wir, un schull up de smächtigen Lüd' in'n allgemeinen un up minen Vader in't besondere. Von de Läng', säd hei, wull hei nicks seggen, denn de kunn sick keiner gewen un nemen, äwer för de richtige Breid künn jeder vernünftige Minsch mit de Tid sorgen. »Kiken S', Meister Witt, dit sall en Rock för en utgewuss'nen un en dörchgewussenen Minschen sin!« Un dormit höll hei minen Vader sin Röckschen taum Spektakel in de Höcht. – »Herr Ratsherr«, säd Bäcker Witt, »fohren S' von vör mit de beiden Arm in de Ärmel, so dat den Burmeister sin Rüggblatt up Ehr Bostblatt tau sitten kümmt; hir is noch en Rock, den häng' ick Sei achter äwer, so maken wi ut twei lütt einen gadlichen; de Minsch möt sick tau helpen weiten.« – Na, dat geschach, un min Unkel Hers' sach ut as 'ne schöne fette Auster, de all 'ne Tid lang up Reisen schickt is; hin'n un vörn hadd hei 'ne faste Schell, äwer up de Siden jappt hei af un an utenanner. Bäcker Witt hadd en siden Rockelur von sin verstorbene Fru vörfun'n, un hei bunn em üm mit de Karninkenfellen nah buten, denn, säd hei, üm dat siden Tüg wir't in so'n Weder schad; äwer de Fellen künnen't verdragen, denn so vel hei wüßt, lepen de Karninken ok mit de Hor nah buten rüm.

Der französische Sergeant hatte nun der Wachtmannschaft den Befehl des Obersten überbracht, und die Gesellschaft stieg auf den Wagen und machte sich's so warm und bequem wie jeder konnte. Mein Onkel Herse eignete sich die für meinen Vater bestimmten Kleider an, weil er als Kollege der nächste dazu war, und schalt auf die schmächtigen Leute im allgemeinen und auf meinen Vater im besonderen. Von der Länge, sagte er, wollte er nichts sagen, denn die könnte sich keiner geben und nehmen, aber für die richtige Breite könnte jeder vernünftige Mensch mit der Zeit sorgen. »Sehen Sie, Meister Witt, dies soll ein Rock für einen ausgewachsenen und durchgewachsenen Menschen sein!« Und damit hielt er meines Vaters Röckchen zum Spektakel in die Höhe. – »Herr Ratsherr,« sagte Bäcker Witt, »fahren Sie von vorne mit den beiden Armen in die Aermel, sodaß des Bürgermeisters Rückenblatt auf Ihrem Brustblatt zu liegen kommt; hier ist noch ein Rock, den hänge ich Ihnen hintenüber, so machen wir aus zwei kleinen einen leidlichen; der Mensch muß sich zu helfen wissen.« – Na, das geschah, und mein Onkel Herse sah aus wie eine schöne fette Auster, die schon eine Zeitlang auf Reisen geschickt ist: hinten und vorne hatte er eine feste Schale, aber auf den Seiten klaffte er ab und zu auseinander. Bäcker Witt hatte einen seidenen Rockelor von seiner verstorbenen Frau vorgefunden und band ihn um mit dem Kaninchenfelle nach außen; denn, sagte er, um das seidene Zeug wär's schade in solchem Wetter; aber die Felle könnten es vertragen, denn so viel er wüßte, liefen die Kaninchen auch mit den Haaren nach außen herum.

Mit dese beiden gung de Verpuppung in'n ganzen tämlich rasch; äwer mit den Möller kamm sei sihr in de Tüderi, denn as hei hüren ded, dat de Mantel mit de säben Kragens, de för em bestimmt was, rechtmäßig den Herrn Amtshauptmann tauhürt, kreg hei dat irst mit den Respekt un makte Diner äwer Diner, as stünn de oll Herr vör em un wull em den Vörtritt in de Dör laten, un nahsten kreg hei't mit de Rührsamkeit, wil dat de oll Herr an sine Notdurft dacht hadd, un säd, hei wir dat gor nich wirt, un as em Fiken den einen Ärmel antreckt hadd, kamm em dat Bedenken, de Lüd' kün'n em för en vernehmen Mann hollen. »Un, Vadder«, wennt hei sick an Witten, »wenn ick nu an tau reden fang' un wenn denn de Eselsuhren ut de säben Kragens rute kiken, wat denn?« – »Ja, Vadder«, seggt de Bäcker, »dorin hest du recht: ut en Swinsuhr lett sick mindag' kein siden Geldbüdel maken; äwer du kannst jo dat Mul hollen; oder süs red Hochdütsch, du kannst jo.« – »Ick kann woll, äwer't is ok dornah«, seggt de Möller un set't sick up den vöddelsten Sack. Sei seten nu all, blot Hinrich nich. »Hinrich«, säd Möller Voß, »wo? Du wardst jo doch woll up dinen eigen Wagen tau sitten kamen! Fiken, rück bet ran un mak den Vedder Platz.« – Äwer Hinrich led dat nich, hei slog Fiken de Pirddeck üm de Fäut un säd: hei wull gahn. Hei gung, un as hei nu so gung un hir äwer'n Graben sprung un denn wedder taurügg, ümmer vörup, dat hei Fiken in de Ogen kiken kunn, säd Möller Voß: »Herr Ratsherr, 't is min Vedder, Jochen Vossen sin Sähn; is't nich en schiren Kirl?« – Un Ratsherr Hers' säd: »Dat is hei, Möller; hei's en smucken Kirl.« – Un Bäcker Witt säd: »Hei's en dägten Kirl.« – Fiken säd nicks; äwer sei dacht: »Hei's en gauden Kirl un en trugen Kirl«, un sei hadd möglicher Wis' noch mihr von em dacht, äwer Hinrich stunn mit einmal bi ehr un kek ehr so fründlich an un frog, ob ehr ok friren ded, dunn was dat mit dat Denken vörbi, un sei gaww em de Hand: »Fat mi blot an, ick bün ganz warm.«

Mit diesen beiden ging das Umkleiden im Ganzen ziemlich schnell, aber der Müller machte viele Umstände; denn als er hörte, daß der Mantel mit den sieben Kragen, der für ihn bestimmt war, eigentlich dem Herrn Amtshauptmann gehörte, kriegte er es erst mit dem Respekt und machte Diener über Diener, als stände der alte Herr vor ihm und wollte ihm den Vortritt an der Tür lassen; und nachher kriegte er's mit der Rührung, weil der alte Herr an seine Notdurft gedacht hätte, und sagte, das wäre er gar nicht wert; und als Fiken ihm den einen Aermel angezogen hatte, kam ihm das Bedenken, die Leute könnten ihn für einen vornehmen Mann halten. »Und, Gevatter,« wandte er sich an Witt, »wenn ich nun zu reden anfange, und wenn dann die Eselsohren aus den sieben Kragen herausgucken, was dann?« – »Ja, Gevatter,« sagt der Bäcker, »darin hast du recht: aus einem Schweinsohr läßt sich niemals ein seidener Geldbeutel machen; aber da gibt es ja ein einfaches Mittel: du kannst ja den Mund halten.« – »Ja, das kann ich allerdings,« sagt der Müller und setzt sich auf den vordersten Sack. Sie saßen jetzt alle, nur Hinrich nicht, »Hinrich,« sagte Müller Voß, »wie? du wirst dich ja doch wohl auf deinen eigenen Wagen setzen! Fiken, rück' ein bißchen mehr heran und mach dem Vetter Platz.« – Aber Hinrich litt es nicht; er schlang Fiken die Pferdedecke um die Füße und sagte: er wolle gehen. Er ging, und als er nun so ging und hier über den Graben sprang und dort wieder zurück, immer vorauf, um Fiken in die Augen sehen zu können, sagte Müller Voß: »Herr Ratsherr, 's ist mein Vetter, Jochen Vossens Sohn; ist er nicht ein strammer Kerl?« – Und Ratsherr Herse sagte: »Das ist er, Müller; er ist ein schmucker Kerl.« – Bäcker Witt sagte: »Er ist ein tüchtiger Kerl.« – Fiken sagte nichts, aber sie dachte: »Er ist ein guter Kerl und ein treuer Kerl.« Und sie hätte möglicherweise noch mehr von ihm gedacht, aber auf einmal stand Hinrich bei ihr und sah sie so freundlich an und fragte, ob sie auch fröre; da war es mit dem Denken vorbei, und sie gab ihm die Hand: »Faß mich nur an, ich bin ganz warm.«

Bäcker Witt langt nu in den Wust- und Stutenkorw un gaww jeden sin Deil, un as de Herr Ratsherr den Pamel sihr lawen ded, säd de oll Bäcker tau sick: »Kik den Racker, süs köfft hei von Guhlen; äwer wenn ein keinen annern hett, is de Uhl ok en Vagel.« – De Herr Ratsherr bögt sick an den Bäcker ran un flustert em halwlud in de Uhren: »Meister Witt, dor vör uns liggt de Bremsenkraug, un wenn de Schergen von den korsikanischen Wüterich noch eine Spur von menschliches Gefäuhl in sick dragen, denn warden sei nicks dorgegen hewwen, wenn wi uns dor von den ollen Haker tau unsern Stuten en Sluck inschenken laten.« Dorbi hadd hei äwer sinen Stuten uter Obacht laten un hadd em mitsamt de Wust en beten äwer den Ledderbom räwer hollen. Mit einmal fäuhlt hei, dat em dor wat mang de Fingern grawweln würd, un as hei sick ümkek, sach hei, wo de ein von de korsikanischen Schergen grad in sin Wust un sinen Pamel inbet, un as hei nu mit harte Würd' gegen so'n apenbores Marodieren lostrecken wull, langte en anner Szackermenter hin'n äwer dat Krett un führt sick den ganzen Korw' tau Gemäud. – »Gott sall mi bewahren!« röp min Unkel Hers', »so slicht heww ick mi de Taustän'n in unsern Vaderland doch nich dacht.« – »Entfahmte Spitzbauwen!« schot oll Witt wedder los, un de Möller, de führt, hadd in den Herrn Amtshauptmann sine warmen Mantel sin Lag' so ganz vergeten, dat hei de Swep all in de Höcht böhrt, üm den Franzosen eins tau verreiken, as em Fiken den Arm fast höll: »Um Gottes willen! Vatting, wat deihst du?« – »Hm! – Ja!« säd de Möller un besunn sick, »Fiken, du hest wedder recht«, un wen'nt sick an de Franzosen: »Nehmen S' 't nich äwel, ick ded man so.«

Bäcker Witt langte nun in den Wurst- und Semmelkorb und gab jedem sein Teil, und als der Herr Ratsherr die Semmel sehr lobte, sagte der alte Bäcker zu sich selbst: »Guck den Racker, sonst kauft er von Guhl; aber wenn man keinen anderen hat, ist die Eule auch ein Vogel.« – Der Herr Ratsherr beugte sich an den Bäcker heran und flüsterte ihm halblaut in die Ohren: »Meister Witt, da vor uns liegt der Bremsenkrug, und wenn die Schergen des korsikanischen Wüterichs noch eine Spur von menschlichem Gefühl in sich tragen, dann werden sie nichts dagegen haben, wenn wir uns da von dem alten Haker zu unserm Brot einen Schluck Schnaps einschenken lassen.« Dabei hatte er aber seine Semmel außer acht gelassen und sie mitsamt der Wurst ein bißchen über den Leiterbaum gehalten. Mit einemmal fühlte er, wie ihm etwas zwischen den Fingern krabbelte, und als er sich umdrehte, sah er, wie einer von den korsikanischen Schergen gerade in seine Wurst und in seine Semmel hineinbiß, und als er nun mit harten Worten gegen solch ein offenbares Marodieren losziehen wollte, langte ein anderer Sakramenter hinten über das Krett und führte sich den ganzen Korb zu Gemüte. »Gott soll mich bewahren!« rief mein Onkel Herse, »so schlecht hab ich mir die Zustände in unserm Vaterland doch nicht gedacht.« – »Infame Spitzbuben!« schoß der alte Witt wieder los, und der Müller, der fuhr, hatte in dem warmen Mantel des Herrn Amtshauptmanns seine Lage so ganz vergessen, daß er schon die Peitsche in die Höhe hob, um dem Franzosen eins zu verabreichen, als ihm Fiken den Arm festhielt: »Um Gotteswillen! Vatting, was tust du?« – »Hm! – Ja!« sagt der Müller und besann sich, »Fiken, du hast wieder recht,« und wandte sich an die Franzosen: »Nehmen Sie's nicht übel, ich tat nur so.«

Na, de nemen't denn ok sichtlich nich äwel un eten ganz vergnäuglich in de Wust un den Stuten, dat den Herrn Ratsherrn vör Arger un Afgunst dat Gift un de Gall in den leddigen Magen steg un ehr alle ehre Lag' wedder kunnig würd, de sei in de warme Behaglichkeit von den Wagen up 'ne Tidlang vergeten hadden. Sei führten also in den grisen Abend nah Bramborg hentau, un wo süs de Stutenkorw stunn, hin'n in't Krett, was nu dat Bedenken un de Sorg' un de Trurigkeit uphackt, un de flusterten ehr allerlei beängstliche Geschichten in de Uhren, un as mal en Tog Kreihn äwer ehr wegflog, säd min Unkel Hers': »Je, wat hewwt ji för Nod, ji känt lachen!«, un de Bäcker säd: »De Ort giwwt kein Hür un kein Stür«, un de oll Möller süfzt un säd: »Ick wull, dat ick 'ne Kreih wir!«

Äwer in twei Harten funn de Sorg' keinen Platz, dor was de Leiw' inkihrt mit ehren Hofstaat von heimliche Wünsch un Hoffnung un Vertrugen, un de heimlichen Wünsch lepen as flinke Brutjumfern dörch't ganze Hus un all sin Kamern, rümten up, wat in den Weg stunn, un wischten den Stoff von den Disch un von de Bänk un putzten de Finstern, dat ein wid rut seihn kunn in't schöne Lewensland, un deckten den Disch in den hellen Saal un makten dat Bedd in de stille Kamer un hüngen frische Kränz' von Low un Blaumen äwer Dör un Finster un an de Wand de buntsten Biller. Un de Hoffnung stek ehre dusend Lichter an un set't sick dunn heimlich still in de Eck, as wir sei't gor nich west, as hadd't ehr Steifswester dahn, de Würklichkeit; un dat Vertrugen stunn an de Dör un let keinen rin, de kein Hochtidskled anhadd, un säd tau de Sorg', as sei nah Fiken frog: »Gah din Weg', de oll Möller danzt up uns' Hochtid«, un säd tau dat Bedenken, as dat nah Hinrichen frog: »Gah din Weg', 't is allens in Richtigkeit.«

Na, die nahmen's denn auch sichtlich nicht übel und aßen ganz vergnügt die Wurst und die Semmel, daß dem Herrn Ratsherrn vor Aerger und Abgunst Gift und Galle in den leeren Magen stieg, und ihnen allen ihre Lage wieder zum Bewußtsein kam, die sie in der warmen Behaglichkeit des Wagens eine Zeitlang vergessen hatten. Sie fuhren also in dem grauen Abend nach Brandenburg zu; und wo sonst der Semmelkorb stand hinten im Krett, waren jetzt das Bedenken und die Sorge und die Traurigkeit aufgehockt und flüsterten ihnen allerlei beängstigende Geschichten in die Ohren, und als einmal ein Zug Krähen über sie wegflog, sagte mein Onkel Herse: »Ja, was habt ihr für Not – ihr könnt lachen!« Und der Bäcker sagte: »Die Art gibt keine Heuer und keine Steuer!« Und der alte Müller seufzte und sagte: »Ich wollte, ich wäre eine Krähe!« Aber in zwei Herzen fand die Sorge keinen Platz, da war die Liebe eingekehrt mit ihrem Hofstaat von heimlichen Wünschen und Hoffnung und Vertrauen; und die heimlichen Wünsche liefen als flinke Brautjungfern durch das ganze Haus und alle seine Kammern, räumten ab, was im Wege stand, und wischten den Staub von Tisch und Bänken und putzten die Fenster, daß man weit hinaus sehen konnte ins schöne Lebensland, und deckten den Tisch im hellen Saal und machten das Bett in der stillen Kammer und hingen frische Kränze von Laub und Blumen über Tür und Fenster und an die Wand die buntesten Bilder. Und die Hoffnung steckte ihre tausend Lichter an und setzte sich dann heimlich still in die Ecke, als wäre sie's gar nicht gewesen, als hätt' es ihre Stiefschwester getan, die Wirklichkeit; und das Vertrauen stand an der Tür und ließ niemanden ein, der kein Hochzeitskleid an hatte, und sagte zur Sorge, als sie nach Fiken fragte: »Geh deiner Wege, der alte Müller tanzt auf unserer Hochzeit,« – und sagte zum Bedenken, als es nach Hinrich fragte: »Geh deiner Wege, 's ist alles in Richtigkeit.«

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