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Ut de Franzosentid

Fritz Reuter: Ut de Franzosentid - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
booktitleUt mine Festungstid
authorFritz Reuter
year1997
publisherHinstorff Verlag
addressRostock
isbn3-356-00699-1
titleUt de Franzosentid
pages3-185
created19990611
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1859
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Dat säbente Kapittel

Wat min Unkel Hers' säd, un wat min Unkel Hers' was; un worüm Fritz Sahlmann fläuten müßt.

As de Uhrkenmaker den Sloßbarg hendal bröcht ward, was jo denn nu natürlich Fritz Sahlmann mitgahn, blot üm tau seihn, wo den Arrestanten de Sak kleden würd un wat hei woll nich utrischen ded; doch dit letztere geschach nich. De Tog gung langsam dal nah't Rathus, denn hei müßt sick mit Mäuh dörchwinnen dörch allerlei Gespann un Fuhrwark, dat taum Transportieren von Gepäck un Maroden un taum Vörspann von Kanonen ut de Dörper un de Stadt kummandiert was un de nu up den Sloßhof un den Weg taum Sloß tausam drewen un mit Franzosen ümstellt wiren, dat sei nich wedder schappieren süllen, denn dor wiren de ollen Buren nu all hellschen klauk up. – De Uhrkenmaker gung gedüllig as en Lamm un ok ganz ruhig mit sin beiden Wächters dörch den Hümpel, denn wenn hei sick ok in de Irst hellschen verfirt hadd un wenn em de ganze Sak dese Nacht äwer ok hellschen eklich un bedenklich was, so was hei doch während dat Verhür, wat de Adjudant mit em anstellen ded, in 'ne Ort von Verfat kamen, de sick mit de Redensort beteiken lett: »Red du man! Du kannst vel reden, ihre mi en Wurd dorvon gefällt«, un sin Antwurten wiren hellschen sporsam utfollen. Un wenn hei ok nich so'ne wille Krasch' in sick hadd, de up allens glik losgeiht, so was hei doch all tau lang' in de Welt west un hadd all so oft in de Tint' seten, dat bei nich glik verzagt. Hei let dat an sick kamen. »Wo dit woll ward?« säd hei sülwst, as hei in de Rathusdör rinne schuppst würd.

»Fritz Sahlmann«, seggt Ratsherr Hers', as de Jung' wedder nah't Sloß ruppe will, »wat heit dit?« – Fritz vertellt denn nu mit de grötste Wichtigkeit de Geschicht von gistern, un wo Herr Droi in Mamsell Westphalen ehre Stuw' slapen un allens kort slagen hadd un wo hei sülwst den Herrn Amtshauptmann sin Pipen intwei smeten hadd – hei künn dor äwer nich vör, denn Fik wir schüllig doran – un wo de Oberst den Herrn Amtshauptmann hadd dodstecken wollt un wo Mamsell Westphalen in de Käk set as en Bild des Leidens; von den Isklumpen säd hei äwerst nicks.

Nu was äwerst min Unkel, de Ratsherr Hers', en ungeheuren Patriot, wenn ok man heimlich. Un dat hett sinen Grund. Denn, as hei mi nah langen Johren, as Bonepart all dod was, tauflustern ded, hürt hei üm dese Tid tau den Tugendbund. Un glöwen will ick em dat, denn wenn hei in Gesellschaft was, denn spelt hei ümmer mit 'ne lange Uhrked von sihr helle Hor – un Tanten Hersen ehr wiren swart – un wis't ümmer en gefährlich groten isern Fingerring, womit hei mal den Vagebunden, den Slössergesellen Höpner, binah dodslagen hadd, as de sick in de Gerichtsstuw' sihr unhöflich upführen ded. – »Fritz«, säd hei späder tau mi, »dit helle Hor is von eine heldenmütige Jungfrau, de sick Anno drütteihn den Kopp för't Vaderland hett scheren laten, un de isern Ring hett mi minen gollenen kost. Red' äwer nich dorvon, ick mag dat nich.« Hei was also üm de Tid, as dese Geschicht spelen ded, mit Recht sihr för Heimlichkeiten. Un mäglich is't ok, dat sin Ort un Wis', allens in'n ganzen, ut en widen Gesichtspunkt tau äwerslahn, mit sine heimliche Verbräuderung tausam hung, denn wenn min Oll mit de nichtswürdigsten Plackerien un Schinnerien sick Nacht un Dag afquälen müßt, dormit dat oll lütt dürftig Stadtwesen knapp noch tausam hacken blew un nich ganz ut den Lim güng, denn let Ratsherr Hers' Kutusoffen rechts marschieren un Czernitscheffen links un lawt Yorken un schüll up Bülown, hei verstünn sin Sak nich, denn hei hadd sick nich up Berlin, hei hadd sick bet rechts nah Stemhagen trecken un hadd Boneparten bet in de Flanken fohren müßt. Kort, hei was so recht de Mann dortau, ut en Sünnenprust en Dunnerslag tau maken: in jeden unschülligen französchen Kapperal sach hei den korsikanischen Wüterich, un hadd de Stadtdeiner Luth an'n blagen Mandag bi 'ne Gesellen-Slägeri en por Raps afkregen, denn hadd hei sick, as wir de Herzog von Meckelnborg mit Mulschellen traktiert worden.

»Holl din Mul, Jung«', flustert Ratsherr Hers' sihr indringlich, »Willst du jug' Dodsurtel hir up den öffentlichen Mark utschrigen? – För den Uhrkenmaker sin Lewen gew ik keinen Gröschen, denn dat is gewiß, dat de Möller un sin Fridrich den Schassür dodslagen hewwen...« – »De Möller nich«, föllt em Fritz in de Red', »de Möller was gistern nicks as Bramwin un Barmherzigkeit.« – »Na, denn sin Fridrich, dat's en Preuß. Weitst du, wat en Preuß is? Weitst du, wat en Preuß tau bedüden hett? Weitst du...? Dumme Jung', wat kickst mi an? Meinst du, dat ick di min Angelegenheiten up de Näs' binnen sall? – Doch, wat ick seggen wull – den ollen Amtshauptmann warden sei nah Bäjonn in Frankrik schicken, wo sei den Ivenacker Grafen sinen Schimmelhingst, den Herodoht, ok henschickt hewwen, un Mamsell Westphalen – so vel as ick de französchen Kriegsgesetze kennen dauh – ward woll einfach uphängt warden, un du, min Sähn, för de Bestellung, de du utricht hest, wardst woll en ungeheuren Puckel vull Släg' krigen.« – Fritz Sahlmann sach denn nu in 'ne trurige Taukunft un makt ok en Gesicht dornah. »Herr Ratsherr, doch nich up den öffentlichen Mark?« frog hei. – »Wo du grad geihst un steihst; dorüm heit dat jo Standrecht. Wenn äwer de Sak in de richtige Hand namen ward, kann allens noch schön taurecht kamen. – Kannst du swigen?« – Fritz Sahlmann säd, hei künn ganz utverschamten swigen. – »Na, denn kumm mal her un stek de beiden Hän'n in de Hosentaschen un fläut mal. – So! dat geiht all! – Un nu mak man so'n verluren Gesicht, as wir di gor nicks weg, as du bi Sommertiden makst, wenn die in'n Sloßgoren Appel von de Böm smittst un Mamsell Westphalen d'räwer taukümmt. – Richtig! Un nu mark di jedes Wurd, wat ick di segg: nu geihst du mit dit Gesicht un mit desen schönen Schin vull kindliche Unschuld dörch de Franzosen un de Buren dörch up dat Sloß in de Käk un röppst Mamsell Westphalen allein in de Eck un seggst denn blot de beiden Würd': Rettung naht!' Süll sei sick dormit nich taufreden gewen, denn kannst du ehr in aller Gelimplichkeit seggen, wat ick von't Uphängen seggt heww, un süll sei sick doräwer in etwas verfiren, denn seggst du ehr, sei süll noch lang' nich verzagen, denn ick, de Ratsherr Hers', hadd de Sak in de Hand namen. Vör allen süll sei äwerst glik de Käkendör afsluten un de Achterdör nah den Goren hen, un sei un de beiden Dirns un du süllen jeder en Stück Dings in de Hand nemen un keinen Franzosen rinne laten un süll'n sick wehren bet up den letzten Mann, bet ick kam. Ick äwer ward glik dörch den Sloßgorn nah de Achterdör gahn – will mi man irst en Mantel halen, denn dat regent all infam –, un min Parol wir: ›Wohl, wohl!‹, un min Feldgeschri wir: ›York!‹ Ne, dat geiht nich, dat versteiht sei nich. – Na, wat denn? 't is ganz egal – 't is ganz egal. – Na, min Feldgeschri wir – wir – ›Sur Swinfleisch!‹ Dat versteiht sei. Wenn also einer kem un röp dit Wurd, denn süll sei de Achterdör upmaken. – Hest allens behollen?« – »Ja, Herr Ratsherr.« – »Na, denn gah! Un keiner, sülwst de Amtshauptmann nich, erfohrt dorvon en Wurd!« – Fritz gung, un ok de Herr Ratsherr.

Min Unkel Hers' hadd sick natürlich glik, as hei Ratsherr worden was, de blage Ratsherrnuniform mit den roden un gollen Kragen maken laten, un wil hei en groten, starken, statschen Mann was, treckt hei sei sihr girn an, wenn jichtens Gelegenheit dortau was, taum Bispill wenn de Sprütten probiert würden oder wenn an'n Maidag de Käuh in de Koppel kemen oder wenn Inquartierung kamm, üm sick in den gehörigen Respekt tau setten. Wenn denn min Vader in sinen grisen Röckschen achter den Gerichtsdisch sitten ded un schrew, dat em de Fingern knackten, gung Ratsherr Hers' vör den Gerichtsdisch up un dal un besorgte de Würd un den Glanz, wobi em dat denn sihr ketteln ded, wenn so'n Franzos' em mit »Monsieur le maire« anredt! Minen Vader was dat ok nich entgegen, denn meistendeils gaww dat bi dit Geschäft wat uttaubaden, un dat äwerlet hei denn mit den Glanz ok den Herrn Ratsherrn, un hei äwernamm de Arbeit. So hadden sei sick dat richtig indeilt, un wenn Ratsherr Susemihl sin swor Deil as Bisitzer bi 'n Gerichtsdag ordentlich besorgte un Stadtdeiner Luth dat Lopen up de Strat un Stadtspreker Dohmstreich nich dicker würd, as hei würklich was, dat hei noch af un an dörch Feld un Holt gung un up 'ne weike Grawenburd sinen Middagsslap beschaffte, wenn de Virtelslüd' af un an de Sprütten probierten un de Bullenangelegenheit besorgten un Panner Hirsch de Jungs ut de Arwtpalen jog – denn wull ick mal eins seihn, wo 'ne Stadt un 'ne Feldmark tau finnen wir, de so in'n Tog un up den Damm was as min Vaderstadt Stemhagen! Un dat kamm all dorvon her, dat Ratsherr Hers' girn sin Uniform dragen müggt.

Also, as min Unkel Hers' nu nah Hus gung – denn dat regent all piplings –, söcht hei in sinen Klederschapp nah sinen grisen Mantel, un dorbi föll em sin Uniform in de Hand, un hei dacht: »Süh, hüt is de Gelegenheit dornah, un wer weit, sei kann mi mäglich in min Vörnemen nütten«, un treckt sei an un set't sick ok den schönen Dreimaster up, den wi Jungs nahsten ümmer as Kahn up den ollen Nahmaker sinen Dik hewwen swemmen laten. Na, tau dese Tid was hei noch in sinen besten Verfat, un as de Herr Ratsherr ut de Husdör gung, slog hei den Mantelkragen doräwer, dat de Haut nich natt würd, un min Unkel Hers' sach nu bi heiligen Dag' ut as en französchen General bi Nacht, wenn hei de findlichen Posten wohrschu't. »So!« säd hei, »un nu kennt mi ok kein Minsch!« Hei gang äwer'n Mark un makt en lütten Ümweg äwer'n Buhof, wo Pächter Nahmaker ut dat Eckfinster sine Mähren nahkek, de em de Franzosen ut den Stall treckt hadden. »Gun Morrn, Herr Ratsherr!« säd de Pächter. »Min Herzing, wat is dit för 'ne Tid!« – »Still!« säd min Unkel Hers' un gung wider. Achter de Buhofsschün begegent em Dresler Swirdfeger: »Gun Morrn, Herr Ratsherr!« – »Hollen S' Ehr Mul!« seggt min Unkel ärgerlich un geiht achter'n Sloßgorn rüm. – »Gun Morrn, Herr Ratsherr!« seggt oll Spelmann Hartloffen sin Jung'. – Swabb! hett hei eins mit de verwendte Hand an den Däts: »Dumme Jung! sühst du nich, dat ick nich kundbor warden will?« Somit geiht hei in den Sloßgoren un argert sick un seggt: »Dat weit de Düwel! 'ne öffentliche Stellung liggt ordentlich as en Fluch up einen!«

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