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Unter vier Augen

Julius Stettenheim: Unter vier Augen - Kapitel 21
Quellenangabe
typesatire
booktitleUnter vier Augen
authorJulius Stettenheim
year1885
firstpub1885
publisherVerlag von Wilhelm Friedrich
addressBerlin und Leipzig
titleUnter vier Augen
pages136
created20090312
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Bei Cartwright.

Es versteht sich wohl von selbst, daß die Gerüchte von den zahlreichen Bestechungen, welche Herr Cartwright in Berlin Namens des Cobdenclubs verübt hatte, und die Hartnäckigkeit, mit der sie von diesem Herrn und von den bestochenen Freihändlern geleugnet wurden, nicht spurlos an meinem Ohr vorübertobten. Einige Zeit zögerte ich, zu Herrn Cartwright zu gehen, da man mir gesagt hatte, derselbe spreche nur englisch, welche Sprache mir wegen der vielen darin vorkommenden nichtdeutschen Wörter nicht recht geläufig ist. Als ich aber erfuhr, daß Herr Cartwright sich der deutschen Zunge ziemlich fließend bediene, beschloß ich, ihn nicht länger zu schonen und ihn mit aller Strenge zu besuchen.

Als ich den Diener fragte, ob Herr Cartwright zu sprechen sei, bedauerte er, Niemand vorlassen zu dürfen. Da lachte ich überlaut, und 93 alsbald öffnete sich die Thüre, Herr Cartwright erschien in derselben und führte mich in sein Zimmer.

Ich machte erst allgemeine Redensarten. Es thäte mir leid, daß sein Vaterland von den Kaffern eins auf das Prestige bekommen, aber es würde sich schon machen, die Engländer würden sie demnächst zwingen, auf die Knie zu sinken und um Gnade zu bitten. Herr Cartwright sagte: »Wir wollen das Beste hopen.« So schloß ich denn: Ich bin überzeugt, Cetewayo wird wie Schir Ali daran believen müssen.

Sprechen Sie nur deutsch, sagte Herr Cartwright, ich spreche es wie water. Wenn ich nicht irre, so sind Sie Reporter.

Ich that, als hätte ich die erste Silbe des letzten Wortes nicht verstanden, und sagte: Wenn er echt ist, so bitte ich um ein Glas, sonst trinke ich auch deutsches Bier.

Herr Cartwright ließ den Kellner nicht kommen. Ich verstand ihn, er fürchtete, schon durch das Reichen einer Flasche Porter in den Verdacht eines Bestechungsversuches zu kommen.

Are you Freihändler? fragte Herr Cartwright.

I am, antwortete ich offenherzig, für Freihandel mit Schutzzoll, eigentlich für Schutzhandel mit 94 Freizoll. Ein Coloß von Rhodus, stehe ich mit einem foot im Bamberger, mit dem other im Kardorff. In diesem moment, wo man nicht weiß, what is coming, ist es für den Journalisten the best, ab to wait, abzuwarten.

Herr Cartwright setzte rasch seinen Hut auf, um ihn vor mir zu ziehen, und zog sich einen Handschuh an, um mir die Hand zu drücken. Jetzt war das Fragen an mir.

Sir, sagte ich, sind Sie für das Tabacksmonopol?

No, antwortete er, aber ich meine, wenn ich Cigarren smoken will, so mag ich sie auch dear bezahlen.

Mir? fragte ich.

Dear, wiederholte mein Freund. Dabei öffnete er ein Kistchen und nahm eine Flor de Inclan heraus, welche eine so kostbare Binde trug, als wollte sie auf einen Ball gehen. Er zündete sie an, daß mir der Rauch in der Nase zusammenlief, aber er bot mir keine an, obschon ich ihm versicherte, daß ich nie Papiercigarren rauche. Es half nichts, er fürchtete, selbst durch den Dampf dieser kostbaren Cigarre in den Geruch des Bestechens zu kommen.

Rasch entschlossen, zog ich aus einer Düte eine Sechsercigarre, von der ich mir eben ein 200stel 95 Kistchen gekauft hatte, und bat um etwas Feuer, um sie anzuzünden.

Herr Cartwright sprang entrüstet auf. Ich gebe Nichts, rief er, nothing, nicht, was kann forttragen a little cat auf dem tail! Goddam, if you will anstecken Ihre segar, well, draußen. Denn if i gebe fire, so wird morgen die offizielle Presse sagen, ich hätte Sie im Auftrage des Cobdenclubs pricked, ich hätte ausgeführt eine bribery. Ich bin aber nicht gekommen in diese town, um to prick, um auszuführen eine bribery! O no! Ich habe Mr. Delbrück nicht pricked and Mr. Nasse nicht corrupted and Mr. Bamberger nicht gewonnen mit einer bribery, und ich muß mich sehr take in Acht, um irgend etwas zu geben, weil man gleich wird schreiben von bribery!

Dabei wies er auf die Thür. Er hatte mich errathen, ich wollte gehen und ging nun auch.

Draußen hörte ich ihn immer noch schreien: Die Pest in die Post, die Pest in die Post!

Das hatte die gouvernementale Presse aus diesem Manne gemacht! Ich habe weder Porter, noch eine Cigarre, noch etwas Feuer von ihm erlangen können.

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