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Unter vier Augen

Julius Stettenheim: Unter vier Augen - Kapitel 14
Quellenangabe
typesatire
booktitleUnter vier Augen
authorJulius Stettenheim
year1885
firstpub1885
publisherVerlag von Wilhelm Friedrich
addressBerlin und Leipzig
titleUnter vier Augen
pages136
created20090312
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Bei Grant.

Der einstige Präsident der Nordamerikanischen Freistaaten war in Paris angekommen und im Hôtel Bristol abgestiegen. Am anderen Tag war ich bei ihm.

Der Portier bat mich, wieder fortzugehen, da der General Grant, weil er zum Vergnügen reise, sich speciell den Besuch von Photographen, Interviewern, bewaffneten Indianern, Concertgebern und Romancolporteuren verbeten habe.

Das gefällt mir sehr an diesem Manne, sagte ich, und ich eile, ihm meine Bewunderung zu Füßen zu legen.

Unmöglich, er hat schon die Stiefel an, rief mir der Portier die Treppe hinauf nach, auch spricht er nur englisch.

Auch ich kann nur die französische Sprache, erwiderte ich, und etwa zehn Secunden später hätte 60 ich dem berühmten Gast die Hand drücken können, wenn er sie mir gereicht hätte. Er bot mir stumm einen Stehplatz an, und ich machte von seiner Güte Gebrauch.

Damit war unsere Unterredung zu Ende, denn der Expräsident spricht allerdings keine Sprache außer der englischen, und ich spreche alle Sprachen, nur nicht englisch.

Grant blickte mich erwartungsvoll an. Aber ich wollte mehr von ihm erfahren, ich wollte von ihm erfahren, was er von dem Marschall Mac Mahon denke. Ich nahm also dessen Photographie aus der Tasche und hielt sie ihm vor die Augen. Er sah sie an und nickte mit dem Kopfe. Dann klopfte er die Asche von der Cigarre. Ein herbes Urtheil!

Nun war ich nicht wenig neugierig, etwas über den Zustand der nordamerikanischen Republik aus dem Munde ihres einstigen höchsten Beamten zu hören und zeigte auf eine auf dem Tische liegende Eisenbahnkarte der vereinigten Staaten.

Der General nieste.

Also Gesundheit ist der Zustand, dachte ich mir und beneidete im Namen Europas die Republik jenseits des Oceans.

Das lange Schweigen hatte mir die Kehle ausgetrocknet. Grant schien es zu merken und trank 61 einen Cognac, der gewiß gut war, denn der General schnalzte mit der Zunge.

Ich hustete. Er räusperte sich. Dann zeigte er auf die Thür. Wer weiß, was er damit sagen wollte!

Das Interview schien damit vorüber. Wir hatten Alles geschwiegen, was wir zu sagen hatten. Ich ging in der Ueberzeugung, einen der interessantesten Löwen des Tages von Angesicht zu Angesicht gesehen zu haben.

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