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Unter dem Halbmond

Helmuth Graf von Moltke: Unter dem Halbmond - Kapitel 6
Quellenangabe
typeletter
booktitleUnter dem Halbmond
authorHelmuth von Moltke
year1997
publisherEd. Erdmann
addressStuttgart; Wien; Bern
isbn3-522-60950-6
titleUnter dem Halbmond
pages3-303
created20000123
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1841
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5.
Besuch beim Seraskier Pascha

Konstantinopel, den 24. Dezember 1835

Vor einigen Tagen begleiteten wir unseren Gesandten zu einer Audienz bei Mehmed Chosref Pascha, dem allgewaltigen Kriegsminister und Oberkommandierenden.

Die Wohnung dieses Würdenträgers ist ein ausgedehntes hölzernes Gebäude, welches einen schönen Blick auf das Marmarameer gewährt. Der Seraskier empfing den Gesandten stehend in einem sehr großen Saal mit vielen Fenstern. Außer dem breiten Diwan befinden sich Sofas, Stühle, Tafeluhren und Tische im Zimmer, ebenso viel Dokumente zeugen von der Europäisierung des türkischen Generals. Ein schöner Teppich bedeckte den Fußboden und ein großes bronzenes Kohlenbecken glühte in der Mitte des Saals. Nachdem man sich gesetzt hatte, waren wohl zwanzig bis dreißig Agas beschäftigt die Pfeifen und den Kaffee zu reichen, denn je mehr man seinen Gast ehren will, je mehr Diener müssen erscheinen. Diese Schar zog sich dann in tiefer Stille, die Hände als Zeichen der Ehrfurcht vor den Leib gekreuzt, rückwärts zur Tür und verschwand auf einen Wink des Gebieters.

Der Seraskier führte die Unterhaltung mit Hilfe eines Dragomans, eines Dolmetschers, mit viel Jovialität und Ungebundenheit. Er richtete auch einige Fragen an mich über das preußische Landwehrsystem, welche zeigten, dass er sich wohl mit diesem Gegenstand beschäftigt hatte, und rühmte sehr die Vortrefflichkeit unserer Militäreinrichtungen.

Du weißt, dass meine Absicht war, nur etwa drei Wochen in Konstantinopel zu verweilen und dann über Athen und Neapel zurückzukehren. Nun hat aber der Seraskier mich durch die Gesandtschaft förmlich auffordern lassen die Abreise zu verschieben, was meinen ganzen Reiseplan ändert. Ich muss meinen Gefährten, den Baron Bergh, allein ziehen lassen, was mir in jeder Beziehung äußerst leid ist.

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