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Unter dem Halbmond

Helmuth Graf von Moltke: Unter dem Halbmond - Kapitel 38
Quellenangabe
typeletter
booktitleUnter dem Halbmond
authorHelmuth von Moltke
year1997
publisherEd. Erdmann
addressStuttgart; Wien; Bern
isbn3-522-60950-6
titleUnter dem Halbmond
pages3-303
created20000123
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1841
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37.
Der Anti-Taurus oder die kleinasiatische Hochebene

Alladschah-Hann, den 14. März 1838

Von Siwas aus ritten wir durch eine weite Niederung, überschritten den Kisil-Irmak, der hier schon 250 Fuß breit und sehr angeschwollen war, auf einer steinernen Brücke, und stiegen dann während drei Stunden beständig aufwärts. Wir erreichten eine Hochebene, die mehrere Salzquellen enthält; die Vegetation muss hier schon sehr dürftig sein und kein Baum oder Strauch sah aus den Schneeflächen hervor. Gegen Abend und bei dichtem Schneegestöber erstiegen wir die höchste Stufe des Anti-Taurus, nämlich den Delikli-Tasch oder »durchbrochenen Stein«. Nachdem wir an einer schroffen schönen Felsklippe vorübergeritten, befanden wir uns auf der Wasserscheide des Schwarzen und des Mittelländischen Meeres. An diesem Derbent oder Pass befindet sich ein kleines Dörfchen, das acht Monate Winter hat; ich glaube, dass die Höhe 5000 Fuß über dem Meer liegt.

Wir bemerkten das Fundament eines festen Schlosses, das irgendein Dere-Bey oder Talfürst erbaut hat, um den Pass in seiner Gewalt zu haben. Reschid Pascha aber setzte dort einen Ayan ein, der, eine Art Markgraf, die Sicherheit der Straße zu bewahren hat. Wir fanden nach dem mühsamen Ritt die erfreulichste Aufnahme bei ihm; ein mächtiges Feuer prasselte im Kamin, die Decke des weiten Zimmers war mit dichten Fichtenstämmen gedeckt, darauf gestampfte Erde; den Fußboden aber bedeckten saubere Teppiche; dünne hölzerne Säulen trennten den mittleren Raum für die vornehmeren Gäste von der Estrade für die Dienerschaft. Behaglich streckten wir uns auf die Polster und bald erschien die große blecherne Scheibe, auf welcher die zahlreichen Schüsseln eines türkischen Mahls aufgetragen werden; zinnerne Schüsseln mit Glocken von demselben Metall überdeckt, hölzerne Löffel und ein sehr langes halbseidenes Handtuch bilden das Service der Vornehmen wie der Armen.

Gestern setzten wir unseren Weg über eine zehn Stunden weite, sanft gegen Süden geneigte Hochebene fort; so weit das Auge reichte, nichts als Schneeflächen und in der Ferne hohe Gebirgsgipfel. Die Sonne funkelte auf dem Schnee, dass man fast erblindete; nirgends eine Spur von Vegetation; der Schnee lag überall vier Fuß hoch. Dieser Ritt gehörte zu den mühsamsten und es ging immer nur im Schritt vorwärts; erst abends erreichten wir das Dörfchen, in dem wir beim Mullah ein gutes Unterkommen gefunden haben. Auf der ganzen zwanzig Stunden weiten Strecke von Siwas hierher gibt es nur zwei kleine Dörfchen, es ist eine vollkommene Einöde; heute, hoffe ich, werden wir aus dem Schnee herauskommen.

Mein Wirt, der Mullah, hat mir einen schönen Windhund geschenkt; diese Rasse scheint hier zu Hause zu sein und ist von vorzüglicher Schönheit; ich revanchiere mich mit Tee und Zucker, Letzterer ist hier sehr selten und von den Türken ungemein geschätzt.

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