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Unter dem Halbmond

Helmuth Graf von Moltke: Unter dem Halbmond - Kapitel 16
Quellenangabe
typeletter
booktitleUnter dem Halbmond
authorHelmuth von Moltke
year1997
publisherEd. Erdmann
addressStuttgart; Wien; Bern
isbn3-522-60950-6
titleUnter dem Halbmond
pages3-303
created20000123
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1841
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15
Zweite Reise zu den Dardanellen – Die Steinkugel und der ionische Fischerkahn

Pera, den 19. Juli 1836

Am 11. reiste ich mit einem österreichischen Dampfschiff zu den Dardanellen ab, wohin Halil Pascha zu Lande über Adrianopel gegangen war. Es wurden einige Probeschüsse mit den großen Steinkanonen aus Sultani-Hissar abgefeuert. Am jenseitigen europäischen Ufer lag ein kleines Kaik, das man nicht bemerkt hatte; nachdem die Ladung von mehr als einem Zentner sich entzündet hatte, schlug die vom Pulver geschwärzte ungeheure Kugel etwa in der Mitte der Meerenge auf, und eine hohe, weiß schäumende Wassergarbe türmte sich bei jedem neuen Abprall auf dem Wasser empor, der gewaltige Marmorklotz tanzte nun gerade auf das kleine Fahrzeug zu, zerschmetterte es in tausend Stücke und taumelte dann langsam das Ufer hinauf. Dicht neben dem Kahn hatte der Eigentümer auf dem Strand schlafend gelegen; er erwachte von dem fürchterlichen Knall und fand kaum die Splitter seines Nachens wieder. Der Pascha schickte sogleich hinüber, um den Wert des Fahrzeuges bezahlen zu lassen; das gefiel dem Eigentümer sehr gut und er erinnerte sich nachträglich, einen Beutel mit 50 000 Piastern im Kahn gehabt zu haben, die ebenfalls fortgeschossen seien.

Die türkischen Soldaten, die von dieser Unterhandlung nichts erfuhren, fanden es ganz einfach und angemessen, dass ihr Pascha den Nachen des Giaur zur Zielscheibe gewählt habe. Sie frohlockten, dass nicht das kleinste Fahrzeug selbst am entgegengesetzten Ufer durch den Boghas, den Engpass, schleichen könne, ohne von einer Kugel ereilt zu werden, und wir ließen sie gern bei dieser Ansicht.

Ich reiste mit Halil Pascha auf einem Dampfschiff zurück, das früher auf dem Clyde gefahren war, dann nach Konstantinopel verkauft worden und mit türkischen Soldaten besetzt war, aber von einem Engländer geführt wurde. Das Wetter begünstigte die Fahrt und um der Strömung zu entgehen, hielt man sich in der Nähe der europäischen Küste. Gegen Abend fuhren wir an St. Stefano vorüber und hatten den schönen Anblick Konstantinopels vor uns.

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