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Unter anderem in den Pyrenäen

Kurt Tucholsky: Unter anderem in den Pyrenäen - Kapitel 31
Quellenangabe
typemisc
authorKurt Tucholsky
titleUnter anderem in den Pyrenäen
publisherVerlag Volk und Welt
year1963
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20051128
projectidb16e798c
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Schnipsel

Man sollte gar nicht glauben, wie gut man auch ohne die Erfindungen des Jahres 2500 auskommen kann!


Ich habe auf meinem Wege immer wieder Leute angetroffen – Verleger, Frauen, Journalisten, Kaufleute –, die glauben, man sei erledigt, wenn sie einen ignorieren. Sie können sich nicht vorstellen, daß es auch ohne sie gehe. So tief ist der Mensch davon überzeugt, daß er Wert verleihe, daß kein Wert außer ihm sei und daß er fremdes Dasein auslösche, wenn er nicht mehr an ihm teilnimmt. Sie wissen nicht, daß es dreitausendvierhundertundachtundsechzig Daseins-Ebenen gibt, mit eben so vielen Arten von Publikum, so viel Wirkungsmöglichkeiten, viele Leben nebeneinander. (Nicht übereinander.) Und daß man die Menschheit nicht danach einteilen kann, je nachdem sie für oder gegen Herrn Panter ist. Extra Panterum etiam est vita. Auch außerhalb unsrer Sphäre leben andre Leute ein Leben: das ihre.


Wenn man nach fünftägiger Bekanntschaft zu einem Menschen sagt: »Sie haben etwa den und den Charakter also werden Sie wohl das und das Schicksal haben«: das glaubt er nicht.

Wenn man ihm aber dasselbe aus der Hand weissagt: das glaubt er.

Du mußt über einen Menschen nichts Böses sagen. Du kannst es ihm antun – das nimmt er nicht so übel. Aber sage es ihm nicht. Er ist in erster Linie eitel, und dann erst schmerzempfindlich.


Wenn man einen Menschen richtig beurteilen will, so frage man sich immer: »Möchtest du den zum Vorgesetzten haben –?«


Wenn einer einen Tintenklecks auf dem Kinn hat und damit ernste Sachen redet, dann färbt die Tinte auf das Ernste ab, und alle seine Argumente werden lächerlich. So kindisch sind wir Menschen.


Fräulein Ullman las die Familiennachrichten ihrer Zeitung. Mit einem Ruck schloß sie das Blatt. »Wieder kein Bekannter tot!« sagte sie.


Mit dem Tode ist alles aus. Auch der Tod –?


Schade, daß es nicht im Himmel einen Schalter gibt, bei dem man sich erkundigen kann, wie es unten nun wirklich gewesen ist. Man achte immer auf Qualität. Ein Sarg zum Beispiel muß fürs Leben halten.


Der Pessimist. »Ich werde also eines Tages sterben. Natürlich – das kann auch nur mir passieren!«


Erwarte nichts. Heute: das ist dein Leben.

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