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Unter anderem in den Pyrenäen

Kurt Tucholsky: Unter anderem in den Pyrenäen - Kapitel 23
Quellenangabe
typemisc
authorKurt Tucholsky
titleUnter anderem in den Pyrenäen
publisherVerlag Volk und Welt
year1963
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20051128
projectidb16e798c
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Deutsche Richter von 1940

Wir stehen hier im Vereine
in diesem Lederflaus;
wie die abgestochenen Schweine
sehn wir aus.

Wir fechten die Kreuz und die Quere
mit Schlag und Hieb und Stoß;
wir schlachten uns um die Ehre –!
Auf die Mensur!

Los!

Der deutsche Geist? Hier steht er.
Wie unsere Tiefquart sitzt!
Wir machen Hackepeter,
daß die rote Suppe spritzt.

Wir sind die Blüte der Arier
und verachten kühl und grandios
die verrohten Proletarier –
Auf die Mensur!

Gebunden!

Los!

Wir sitzen in zwanzig Jahren
mit zerhacktem Angesicht
in Würde und Talaren
über euch zu Gericht.

Dann werden wirs euch zeigen
in Sprechstunden und Büros ...
ihr habt euch zu ducken, zu schweigen

Auf die Mensur!

Gebunden!

Fertig!

Los!

Wie lange, Männer und Frauen,
seht ihr euch das mit an –?
Wenn sie sich heut selber verhauen:
Euch fallen sie morgen an!

Ihr seid das Volk und die Masse
von der Etsch bis an den Rhein:
soll das die herrschende Klasse,
sollen das unsere Führer sein –?

Fertig! Los! Los!

1929

Schnipsel

Wie rasch altern doch die Leute in der SPD –! Wenn sie dreißig sind, sind sie vierzig; wenn sie vierzig sind, sind sie fünfzig, und im Handumdrehn ist der Realpolitiker fertig.


Wenn ein Kommunist arm ist, dann sagen die Leute, er sei neidisch. Gehört er dem mittleren Bürgertum an, dann sagen die Leute, er sei ein Idiot, denn er handele gegen seine eignen Interessen. Ist er aber reich, dann sagen sie, seine Lebensführung stehe nicht mit seinen Prinzipien im Einklang.

Worauf denn zu fragen wäre: Wann darf man eigentlich Kommunist sein –?


Spricht einer über Rußland anders als schimpfend, dann wird er schief angesehn. Nimmt er die Russen gar ernst und lobt ihr ungeheures Werk, so heben die Leute im Salon den Kopf, wie wenn er einen Wind gelassen habe, und gehen naserümpfend von ihm fort – ausgestoßen sei er!

Es ist schon so, daß durch die Verdummungsarbeit der Presse, durch die Beeinflussung der Kirchen und die eigne Denkfaulheit der Mann von der Straße in Frankreich, Schweden, England und der Schweiz sich die Russen immer noch so vorstellt, wie sie das antibolschewistische Plakat der Jahre 1919/1920 abgebildet hat: blutgierig, das Messer zwischen den Zähnen, in Lumpen gehüllt und jederzeit bereit, sich auf ganz Europa zu stürzen. Hinter diesem Plakat lassen sich die herrlichsten Geschäfte machen. Und sie werden gemacht.


Satire hat eine Grenze nach oben: Buddha entzieht sich ihr. Satire hat auch eine Grenze nach unten. In Deutschland etwa die herrschenden faschistischen Mächte. Es lohnt nicht – so tief kann man nicht schießen.


Die Menschen sind so geartet: Wenn ihnen einer sagt, daß Herr X befördert wurde, so imponiert ihnen das ungeheuer. Wer ihn befördert hat, danach fragen sie gar nicht.


Manchmal sieht man Freunde wieder, die es zu etwas gebracht haben. Neid? Nein. Aber wenn man lange nachgedacht hat, warum sie einem so fremd und so unsympathisch geworden sind, so dürfte es wohl dieses sein: ihre süßliche Erfolgschnauze.


Es gibt Leute, die wollen lieber einen Stehplatz in der ersten Klasse als einen Sitzplatz in der dritten. Es sind keine sympathischen Leute.


Er kaufte sich eine Hundepeitsche und einen kleinen dazugehörigen Hund.

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