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Unsere märkische Heimat

Richard Nordhausen: Unsere märkische Heimat - Kapitel 3
Quellenangabe
typereport
authorRichard Nordhausen
titleUnsere märkische Heimat
publisherFriedrich Brandstetter
printrunDritte, neubearbeitete Auflage
year1929
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130814
projectid88b80e77
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siehe Bildunterschrift

Nach einem Holzschnitt von Adolph von Menzel

 

Sand und Wasser

Von Richard Nordhausen.

Nächtiger Nebel Fahnentuch
bauscht sich träge überm Luch,
Vorzeitschatten, der unbestimmt
in den Finsternissen verschwimmt.
Reißt sich zögernd ein Fetzen los,
blinkt des Flusses spukhaft Geglos.
Sperrmauer, ohne Turm und Tor,
starrt der Kiefernwald drüben empor.
Wasser und Sand im Einerlei,
Sand und Wasser: die Spreewendei.

Tief im Wasser, unterm Sand
flackert versunkener Schätze Brand.
Glast über Seen und Grabenlauf,
Nebelreiter drängen zu Hauf.
Schar von Scharen überrannt
verröchelt im Fluß, verblutet im Sand,
Blut fließt über Altäre schwer –
dreier Gottheiten wildes Heer!

Des Einäugigen Priesterschar,
Triglaff, der Dreikopf, den Rhetra gebar,
erstes Klingen dann fernen Geläuts,
rauhes Eroberervolk unterm Kreuz.
Abenteurer im Kriegsgewand
graben gierig nach Schätzen im Sand,
Stoß auf Stoß und Streich um Streich,
sie graben und graben – und bauen das Reich.

Dunkel hebt sich aus Dunst und Dampf
wütendes Würgen, Wendenkampf.
War der Stürmer, der ihn begann,
war der Verteidiger der bessere Mann?
Wessen Hirn war aus feinerm Geflecht,
wes Faust war im Rechte? Das Land war im Recht,
das heilige Land, des Herrschgewalt
nie Form gewonnen hätt noch Gestalt,
wär Feuer und Meer nicht zusammengeprallt.

Einer Weltgeburt Raserei,
Meer und Feuer in brausendem Prall –
aber als ihr Ringen vorbei,
leuchtet ein neuer Stern durchs All.
Aus dem Chaos, das trübe gor,
wuchs ein stählernes Volk empor,
wendische Zähigkeit, Sachsenstolz
hier zur Einheit zusammenschmolz.
Ferner Tage Leid und Schmach
hallen noch heute im Liede nach,
herber klingt keine Melodie,
aber auch keine deutscher als sie.

Jeder Schwerthieb macht eisenstark,
jeder Blutstropfen düngte die Mark,
und es pflügte jede Tat
tiefer das Land für die Zukunftssaat.
Jeder Sturm, der vorübergebraust,
straffte zum Siege die Märkerfaust.

Wasser und Sand im Einerlei,
heut und gestern die Spreewendei.

Heut und gestern im Urzeitgraun
schweigend die Wasser vorübertaun.
Tausend Jahre ... es drängt und rinnt ...
Nebelreigen im Morgenwind,
der der Wiesen tiefgrünes Beet
wie einen Vorhang beiseite weht.

Vorhang vom Bilde, das sein wird und war,
morgen und gestern, tausend Jahr,
Wunderland, wo aus Wasser und Sand
in währenden Kämpfen das Reich entstand.

siehe Bildunterschrift

Märkische Landschaft.

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