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Unruhige Gäste

Wilhelm Raabe: Unruhige Gäste - Kapitel 12
Quellenangabe
pfad/raabe/ungaeste/ungaeste.xml
typefiction
authorWilhelm Raabe
titleUnruhige Gäste
publisherGrote, Berlin
seriesBraunschweiger Ausgabe
volumeBand 16
editor
year1886
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130613
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Elftes Kapitel

Ich meine«, sagte Veit, »wir lassen nunmehr den Bruder und meinen guten Freund Prudens für die nächsten Wege ebenfalls noch ganz aus dem Spiel; außer daß wir ihm vielleicht eines von diesen Kindern schicken, um ihm zu bestellen, daß auf der Vierlingswiese alles in Ordnung gebracht sei. Es gibt wohl noch einen anderen Weg zum Vorsteher und dem Meister Schreiner im Dorfe als den an der Pfarre vorüber?«

Phöbe nickte und sagte:

»Wie Sie wünschen. Ich bin so glücklich und Ihnen so dankbar!«

»Weil ich Ihnen in der Torheit und im leeren Pathos des Moments eine Grabstelle auf dieser schönen Erde inmitten dieses holden Sommers und in der Blüte Ihrer neunzehn Jahre im voraus mit Beschlag belegt habe?« murmelte Veit, jetzt mit innerlichstem Selbstvorwurfe das eben im Sturm Vorübergerauschte überdenkend und vergebens versuchend, es sich zum gegenwärtigen und – künftigen Behagen zurechtzulegen. Doch die Schwester seines Jugendfreundes lächelte: »Ich bin wohl, wie Sie ja auch schon wissen, etwas älter. Auch das übrige wird Gott fügen, wie er will. Was Sie mir geben wollen, wäre nur ein Geschenk wie jedes andere. Es würde wirklich der erste Fleck Landes sein, der mir als Eigentum gehörte; aber ich weiß ja so wenig wie Sie, ob wir noch Anspruch daran und Gebrauch davon machen können, wenn der Herr gesagt hat: ›Es ist Zeit; kommt!‹«

Sie sprach dieses bereits vor der Tür der Hütte, mitten im blühenden Leben und Sonnenschein der Sommertagswelt. Viele Menschen hatte ihr Begleiter auf seinen Wanderungen durch die Städte und Länder kennengelernt und hatte sie reden hören, aber niemanden gleich dieser Idiotenlehrerin aus Halah. Und wie es um das Eigentum und den Besitz auf Erden stand, das war ihm auch nie so deutlich geworden wie jetzt, wo die Aufregung der vorigen Minuten sich gelegt hatte und er sich bei voller Besinnung für alle Zeit als ihr Eigentumsteilhaber und Grund- und Bodennachbar gebunden empfand.

Er bot ihr nun nochmals seine Hand beim Überschreiten des kleinen Wasserlaufes auf der Wiese, und sie nahm sie jetzt und ließ ihm ohne Scheu in tiefen Gedanken die ihrige bis unter die einzelnen Tannen dem Dorfe zu. Von dort gingen sie, jedes für sich, auf dem andern Wege ins Dorf, um mit dem Vorsteher und dem Meister Tischler zu reden; und fast aus jedem Hause und über jeden Zaun blickten ihnen respektvolle Gesichter von alt und jung entgegen und nach, und einer sprach zum andern:

»Das ist der fremde Herr, der sich auf der Pläsierreise die Unkosten machen und die Feh begraben will!«

Bei dem Vorsteher trafen sie den Gemeinderat fast vollzählig beisammen; und Veit erfuhr wiederum, aber zu geringer Verwunderung, in welcher übeln Stimmung sich das Dorf gegen seinen Pastor verhielt und wie der letztere eigentlich nur durch seine Schwester vor einer offenen Rebellion seiner Gemeinde gegen ihn bewahrt wurde. Aber alle waren selbstverständlich höchlichst damit einverstanden, wie nunmehr dem Besen ein Stiel gegeben werden und der nichtsnutzigen Affäre mit dem Volkmar Fuchs zu einem friedfertigen Ende verholfen werden sollte. Alle versprachen gern, ihr Bestes zu tun, daß das Begängnis von der Vierlingswiese her ohne unnötiges Zudrängen vom Dorfe aus ablaufe – womöglich am nächster Morgen schon, in der frühesten Frühe. –

Beim Vorsteher hielten sich Veit und seine Führerin nicht länger auf, als unumgänglich nötig war. Sie gingen nunmehr zu dem Schreiner, und der Gastfreund fragte:

»Was ist das für ein Mann? Das Wohlwollen der Gemeindegenossen scheint er gerade nicht für sich zu haben.«

Da lächelte Phöbe und meinte:

»Einer meiner besten Bekannten hier im Orte und, wie er selbst sagt und ich auch glaube, mein guter Freund. Ich kenne so wenig von den Menschen überhaupt; doch ich glaube, daß er wirklich Zuneigung zu mir hat und es mit uns zum besten meint. Er ist gleichfalls weit in der Welt herumgewesen und kann wunderlich darüber reden. Es ist mir lieb, daß Sie ihn kennenlernen werden. Spörenwagen heißt er.«

»Beste Bekannte – gute Freunde von Ihnen, freundliche Nachbarin, muß ich immer zu den meinigen rechnen dürfen.«

»Er ist auch vor Jahren der gute Freund des armen Volkmar gewesen; aber um die arme Anna sind sie auseinander gekommen und leider bittere Feinde geblieben bis heute.«

»Hm, meinte der Professor, »da bedarf es denn wohl eines neuen Kampfes?«

»Ich glaube nicht«, sagte Phöbe. –

Sie hatten seitwärts vom Dorfe eine ziemliche Strecke entlang eines vom eisenhaltigen Boden rötlich-braun gefärbten Baches zwischen Laubgebüsch und mächtigen Steinklötzen zu wandern, ehe sie zu der Werkstatt und Behausung des Meisters Spörenwagen gelangten; und sie fanden, oder vielmehr Herr Veit von Bielow fand in der Tat einen Mann, der wohl einer nähern Bekanntschaft wert war, bei der Arbeit.

»Ich bin es, Herr Spörenwagen«, sagte Phöbe, den ortsgewohnten Gruß anfügend: »Glück auf!«

»Besten guten Morgen, mein Fräulein, guten Morgen, mein Herr«, erwiderte ein zäher, trockener Junggesell, sich von seiner Hobelbank aufrichtend und mit unverkennbarem, weltmännischem ›Zu-benehmen-Wissen‹ ein gesticktes Troddelmützchen von einem bereits ziemlich kahlen Schädel lüftend.

»Ein Jugend- und Universitätsfreund meines Bruders, Herr von Bielow!« sagte Phöbe, ihren Begleiter vorstellend.

»Mein Name ist Spörenwagen. Habe bereits die Ehre gehabt, von dem Herrn Baron zu vernehmen, – 's trägt sich schon um, und nicht bloß bei uns hier im Dorfe, wenn einer den Geldbeutel zieht, wo er es gar nicht nötig hat.«

»Sie wissen also so ziemlich genau, weswegen wir zu Ihnen kommen, Herr Spörenwagen?« fragte Veit.

Der Meister nickte, ein paar Schemel mit seinem blauen Handwerksschurz abfegend.

»Wollen die Herrschaften nicht einen Augenblick Platz nehmen? Fräulein Phöbe, Sie wissen ja schon, so leicht kommen Sie nicht wieder fort, wenn ich einmal die Ehre von Ihnen habe. Und im gegenwärtigen Fall ist wohl noch einiges etwas genauer zu besprechen. Nämlich, Sie kommen mir eigentlich recht in die Quere, Herr Professor.«

»Wieso, Meister?« fragte Veit nicht ohne einige Verwunderung.

Spörenwagen, seinen Hobel ausblasend, deutete auf seine Arbeit:

»Nämlich seit gestern abend, wo die Nachricht vom Abscheiden der Frau von der Vierlingswiese zu mir gebracht ist, bin ich am trübseligen Werke, ohne auf offizielle oder gar gütige Bestellung gewartet zu haben. Warum? Darum! Wenn der Herr Baron von meinem Verhältnis zu dem Rä – dem Volkmar Fuchs genauer Bescheid wüßte, so könnte er sagen: ›Nun ja, in solchem Falle tut man eben für seinen schlimmsten Feind mit Vergnügen, was man für seinen besten Freund mit Schmerzen täte.‹ – Aber so ist es nicht! Fräulein Phöbe weiß es hoffentlich, so ist Spörenwagen nicht! – Weshalb denn aber? Etwa weil sich für einen vernünftigen Menschen, der nicht auf dem Miste, auf den ihn seine Mutter hingesetzt hat, sitzengeblieben ist, sondern aber sich in der Welt umgesehen hat und bis ins Ungarland und weiter gewesen ist, mancherlei klar gibt, was seinen umwohnenden, angestammten, eingeborenen Mistfinken in Ewigkeit dunkel bleibt? Allgemeines Wohl – öffentlicher Nutzen – selbstverständliche Sanitätsgesundheitslehre! Auch wohl mit; aber – für einen armen Teufel wie unsereinen doch kein hinreichender Grund, sich privatim zur Aushülfe anzubieten –«

»Die Betrübnis ist es«, sagte Phöbe. »O zählen Sie nur nicht weiter auf, was es alles sein könnte, weswegen Sie die ganze Nacht an dieser traurigen Arbeit gewesen sind, Spörenwagen. Das Mitleid und die Erinnerung an vergangene Tage. Ich weiß es ja freilich, wie es vor Jahren anders gekommen ist, als Sie es sich zu Ihrem und der armen Anna Glück auf Erden vorgestellt hatten. Das hat Gott nicht so gewollt, er hat etwas Besseres gewollt. Eine lichte Stelle hat er in Ihrer Seele erhalten wollen; und in der vorigen Nacht hat der Schein Ihnen bei der Arbeit geleuchtet, und Sie haben eine gute Nacht bei dem bittern Werke gehabt und brauchten gewiß nicht zu fragen, ob Sie dem armen Volkmar recht kommen würden und ob die Gemeinde für die Kosten einstehen werde.«

»Nun sehen Sie mal, mein lieber Herr Professor«, wendete sich sonderbarerweise Meister Spörenwagen an Veit Bielow, »so sitzen nun jede Woche die beiden besten Freunde im Dorfe, nämlich dies liebe Fräulein hier und ich, und sagen sich gegenseitig die schönsten Flattusen. Nämlich sie mir; denn wo könnte ich konfuse Tischlergesellenherbergskreatur wohl etwas von dergleichen gegen sie aufbringen, was sie mir nicht mit der puren, leichten, umgekehrten Hand per Distanz aus der Faust wehte? Was hülfe es nun, wenn ich sagen wollte: ›Fräulein, es ist nicht bloß das, wie Sie sich dies in Ihrem frommen, jungen, lieben Herzen denken, – das Mitleiden, das Angedenken an vergangene Zeiten, oder wie's in den Städten zur Drehorgel oder hier in den Bergen hinterm Spinnrade oder der Kuhherde von unglückseliger Liebe, zwei Königskindern und dergleichen gesungen wird! Es ist nur, weil Spörenwagen nur noch an den Hobel, den großen Hobel, den allgemeinen Hobel, der über Knubb und Knorren geht, glaubt, daß er sich diese Arbeit zu seinem Privatvergnügen leistet.‹ Dem Fräulein darf ich eigentlich mit diesem meinem Glauben nicht recht kommen und dem Herrn Bruder, dem Herrn Pastor Hahnemeyer, noch weniger. Aber da frage ich nun eben Sie, Herr Professor, wie hilft sich unsereiner gegen die Astknorren vor ihm? Durch den großen Hobel, sage ich! Der liefert für'n denkenden Menschen am Ende, meine ich, doch einzig und allein die feine Maser im Fournier, mit dem jeder doch nach seiner Weise die Welt belegt haben möchte. Wo hülfe die allerbeste Politur, Herr Baron, wenn nicht der Mensch vorher mit dem Hobel, dem Allgemeinheitshobel, in seiner Seele und Überlegung und Philosophie über alle Astknorren vor ihm auf seinem Wege sich hingequält hätte? Nämlich, und damit komme ich nun wieder auf meinen ganz speziellen Knorren, meinen alten hiesigen Schulkameraden, den Volkmar Fuchs. Ich hoffe zu Gott, daß Fräulein Phöbe es mir aus unserer intimen Bekanntschaft bezeugt, daß ich die ganze Nacht durch meinen Hobel nicht aus Rachegefühl gegen ihn geführt haben kann. Und gar gegen die Feh, sein Weib, das arme Geschöpf, die Anna! Was konnte denn die dafür, daß wir uns ihretwegen seinerzeit die Köpfe blutig schlugen? Er hat sie mir abgewonnen, und ich bin in die weite Welt gegangen. Daß ihn sein Herr Graf seines Bartes wegen mal mit nach draußen genommen hat, das ist nichts; denn davon hat er nur den Schimpfnamen ›der Räkel‹ mit nach Hause gebracht. Ich aber habe auf meiner Wanderschaft gelernt, den Hobel in meinem Gemüte in der richtigen Weise zu handhaben, und in der vergangenen Nacht hat der glattgemacht, was noch als Knubb und Knorren in mir gegen meinen alten Kameraden und mein Mädchen und meine Herzliebste vorhanden sein mochte. Sie haben von Dorfs wegen den Volkmar und seine Familie auf die Vierlingswiese abgeschoben und haben wohl daran getan; aber einzusehen braucht ein Mensch wie er das nicht. Dazu gehört eben schon ein anderer Hobel im menschlichen Innersten: Kultur und Verständnis gehört hierzu. Woher hätte der Räkel Kultur und soziales Verständnis schöpfen sollen? Aus seiner Wildjagd im Walde? Aus seinem Haushalt mit der armen Kreatur, der Anna, in freier Luft des Sommers und im Winter im Stall, wo kein Bauer sein Schwein einsperrt? Oder im Zuchthause? Im letztern wohl noch am ersten, zumal da er doch auch Ehre in sich hatte auf seine Weise, was sich ja auch ausgewiesen hat, da er viel hochmütiger gegen uns hier im Dorf herausgekommen ist, als er hineingegangen ist.«

»Was Sie damals – in seiner Abwesenheit an der Frau und an den Kindern getan haben, das wird Ihnen der liebe Gott gewißlich ansehen, Spörenwagen«, sagte Phöbe Hahnemeyer; aber der Meister, sich auch jetzt mit seiner Rede mehr an seinen männlichen Besuch wendend, brummte:

»Ach, was hab ich denn da viel tun können? Natürlich hat es mir doch ein menschlich Gaudium sein müssen, der Feh nunmehr verdemonstrieren zu können: ›Siehst du, Kind, wie gut du es bei mir immer hättest haben können, wenn du nicht seinerzeit ebenfalls auf den schönen Bart und sonstige Renommage auf dem Schützenhof hereingefallen wärest!‹ Aus purem blanken Hochmut hab ich der Gemeinde die Last mit dem armen Geschöpf und ihren Krabben abgenommen und für ein notdürftig Unterkommen und Abfütterung schlecht genug gesorgt.«

»Das haben Sie nicht getan, Spörenwagen! Mein Bruder und ich sind damals noch nicht hier im Dorfe eingezogen gewesen; aber ich weiß doch alles, und Sie dürfen nicht so zu mir sprechen.«

»Na, Fräulein, dann wird es ja auch wohl in diesem Falle der Hobel, der große Kommunehobel gewesen sein, den ich mir aus der Fremde mitgebracht habe. Der Herr hier wird wohl ein besseres Wort für das haben, was ich meine. Der Hobel hat mir auch über den Dank des Räkels fortgeholfen, als er mir nachher die Faust unter die Nase hielt und mich anschnauzte: ›Was hast du dich wieder eingemischt, wo dich keiner gerufen hat, du feiner Kopf? Und dem Weibe werde ich das Spiel auch schon eintränken, was sie hier in der Freiheit mit dir getrieben hat, während sie mich da unten hinter Schloß und Riegel hatten! Der Satan danke dir deine Gutherzigkeit; – mein einziger Trost da unten im Institut ist gewesen, daß ich den ganzen Bau eingegangen wiederfinden würde; – da wäre uns allen in der richtigen Weise geholfen gewesen.‹«

»O Freund, guter Freund, so habe ich Sie noch niemals hiervon erzählen hören!« rief Phöbe zitternd, die gefalteten Hände erhebend.

»Und herzlich leid tut mir das auch, mein liebes, liebstes Fräulein«, sagte jetzt der Meister Tischler leise und mit völlig verändertem Ton. »Sie haben recht, ich bin hier eben toller in meiner Weltweisheit gewesen, als der Volkmar in seiner angeborenen Wüstheit. So sollte vor Ihnen niemand reden; und es ist auch wohl nur die nächtliche Arbeit gewesen – diese schlimme Arbeit hier für die Anna, die mir Sinn und Gedanken und Rednerei so in Verwirrung gebracht hat. Der Herr Professor wird's auch wohl wissen; man mag mit dem großen Hobel noch so gut umzugehen gelernt haben in der Welt, man trifft immer noch einen Knorren vor sich, und zumal in einem solchen Sargbrett, über welchem einem der Schweiß ausbricht und das Handwerkszeug einem die Faust blutrünstig drückt. Wie hätte ich mir gestern abend gegen die Nachricht aus der Fieberköte auf der Vierlingswiese anders helfen können, als daß ich mich mit meiner besten Kunst an dieses letzte Liebeswerk für die Feh begab?!«

Veit von Bielow mit dem Gefühl, sich gegenwärtig in der besten Gesellschaft der Erde zu befinden, reichte dem armen Dorftischler die Hand über seine Hobelbank:

»Führen Sie Ihren Hobel weiter – hier weiter, wie Sie das draußen unter uns gelernt haben, Meister. Sie sind ein vornehmer Mann geworden auf Ihrer Wanderschaft, Meister Spörenwagen!«

»Das sagen Sie wohl nur so, lieber Herr. Bitten Sie lieber gleichfalls dieses liebe Fräulein für mich um Verzeihung für mein Aufbegehren eben. Aber einen Gefallen könnten Sie mir wohl tun.«

»Jeden, soweit es in meiner Macht steht.«

»Nämlich, ich bin natürlicherweise auch die letzten Tage durch in meinen Gedanken um die Hütte auf der Vierlingswiese gegangen, habe auch sonst meine Nachrichten von dort und weiß, wie die Sachen dort stehen. Den Fuchs kenne ich leider nur zu gut und weiß, daß ihm das nicht leicht auszutreiben ist, was er sich in seinen wilden Sinn gesetzt hat. Nun möchte ich gern – auch von wegen meiner schweren Arbeit hier für ihn – das Mittel kennenlernen, was Sie heute morgen angewendet haben, um ihm in seiner Verwirrung den letzten Ruheplatz für sein Weib unter seiner Feindschaft annehmbar zu machen.«

Phöbe sah einen Augenblick auf ihren Begleiter; dann antwortete sie für ihn:

»Meines Bruders Freund hat dem Räkel angeboten, zur Rechten und zur Linken von seiner Frau zwei Ruhestellen in Gottes Frieden, wenn nicht für ihn selber und seine Kinder, so für uns vorzubehalten.«

Da legte Spörenwagen seinen Hobel auf das Brett vor ihm nieder und strich mit der flachen Hand über den letzten Astknorren in seinem edeln Werke.

»Herrschaften«, murmelte er, »und ich dachte mir was Großes dabei, daß ich ihm heute abend in der Dunkelheit mein Machwerk vor die Tür karren und ihn mit Gelassenheit bitten wollte, mir zuzulassen, ihm sein Weib mit drein zu betten. Lieber Herr, Sie sind noch weiter in der Welt herumgewesen als der arme Tischlergeselle. Sie haben es doch noch besser gelernt, mit der Konfusion und Rat- und Hülflosigkeit von unsereinem umzugehen, als wie unsereiner!«

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