Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Richard Zoozmann >

Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 95
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
Schließen

Navigation:

Franz Tingelstedt (1814–1881)

Mehr sag ich nicht

Zwei Sterne weiß ich, große Sterne, –
Mehr sag ich nicht, –
Mir näher als die Himmelsferne,
Mir heller als ein Himmelslicht;
Sie gehen auf und gehen nieder,
Sie machen Tag und machen Nacht
Und haben immer Lust und Lieder
Und Liebe für mich mitgebracht!

Ich weiß auch eine süße Quelle, –
Mehr sag ich nicht, –
Da schöpf ich täglich frische Welle,
Die nie versiegt und nie gebricht;
Allein so viel ich auch getrunken,
Ich dürste immer mehr und mehr
Und möchte, daß ich ganz versunken
Im tiefen Grund der Quelle war!

Zuletzt weiß ich zwei holde Hügel, –
Mehr sag ich nicht, –
Es braucht der Schwingen nicht und Flügel,
Ich finde sie, auch ohne Licht;
Sie sind nicht grün wie Frühlingshöhen,
Sie leuchten weiß, wie Gletscher tun,
Und doch hab ich kein heißer Flehen,
Als stets an jenen Hügeln ruhn!

Mysterium der Liebe

Vielbeschrieenes Myster der Liebe,
Rätselbild voll lächerlicher Tiefe!
Meinst du wirklich, unauflösbar bliebe
Diese längst gelöste Hieroglyphe?

Sind es denn nicht stets dieselben Züge,
Bald der Länge nach und bald der Quere,
Drum herum das bißchen bunte Lüge,
Drin die alte Lehre oder Leere!?

Wenn du, übersättigt von Genüssen,
Einem neuen dich entgegendrängtest
Und berauscht von eines Weibes Küssen
Sie begehrlich in die Arme zwängtest,

Wußtest du zuvor, sie kann nichts geben,
Als was andre Weiber schon dir gaben.
Was von ihr, trotz ihrem Widerstreben,
Andre Männer wohl empfangen haben.

Und wozu nun so viel Glutverschwendung,
Und warum die himmelhohen Flammen?
Fallen sie nicht bei derselben Wendung
Immerdar in Asche kalt zusammen?

Nimm das Ding nicht höher und nicht tiefer,
Als es wert ist. Ja doch, brich die Blume,
Aber kleb nicht wie ein Ungeziefer
In des Kelchs zersprengtem Heiligtume.

Nur vorher kein Sehnen und kein Bangen,
Hinterdrein kein Gram und keine Reue;
Immer neu ist nichts als das Verlangen,
Die Erfüllung einmal nur das Neue.

Oder willst du alte Lust neu würzen,
So Versuchs, von der Erfahrung Zinne
Jählings, blind, kopfüber dich zu stürzen
In das aufgewühlte Meer der Sinne.

Das allein gibt Leben und Verjüngung,
Wenn die Wellen hoch zusammenschlagen
Und in unauflöslicher Umschlingung
Zwei entseelte Körper strandwärts tragen.

 << Kapitel 94  Kapitel 96 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.