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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 87
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Eduard von Bauernfeld (1802–189s)

Leider

Die Damen küssen dem Abbé die Hände,
Sonst hatten sie ihm den Mund geküßt!
Er seufzt: »Bin ich mit meinem Latein zu Ende,
So hols der Teu– gelobt sei Jesu Christ!«

Die Ehe

Die Eh ist ein soziales Experiment,
Das dien euch zur Empfehlung;
Die Eh ist ein göttlich Sakrament –
Kommt vor der letzten Ölung!

Wiener Dialekt

Johannisbeer ist süße Frucht,
Doch süßer klingt: »Ribisel«;
Der Deutsche sagt: »Ein hübsches Gesicht!«
Der Wiener: »A hübsch Gfriesel!«

Die deutschen Jungfraun zieren sich
Spröd-ernsten Wesens, strengens;
Die Wienerin hält sich den Mann vom Leib
Und lacht und sagt: »Jetzt gengens!«

Und wenn er dringend wird und spricht
Von seinem gebrochenen Herzen,
Dann schaut sie ihm ernsthaft ins Gesicht:
»Sonst habens keine Schmerzen?«

Und will er die Pistole gar
Nach Brust und Stirne richten,
Da nimmt sie ihn freundlich bei der Hand:
»Gehns, machens keine Gschichten!

Epigramme

(Aus dem »Poetischen Tagebuch«)

1.

Wie mich die hübsche Kleine rührt!
Sie wäre gar zu gern verführt.

2.

Heirate einen Engel – zu Hause,
Gleich kommt der geflügelte in die Mause.

3.

Wenn wir uns lieben, was gehts euch an?
Wollt uns nicht weiter plagen!
Und muß mich denn gleich jedermann
»Wann ist die Hochzeit?« fragen?

4.

Hoch Jugendblut und Jugendmut!
Da ist das Leben würzig;
Wofür sind Männer über sechzig gut
Und Weiber über vierzig?

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