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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 83
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Friedrich Rückert (1788–1866)

Die Gänsehirtin

Drüben auf dem Gänserasen
Gehn so still die Gänslein grasen.
Daß die Hirtin ruhevoll
Einschlief, die sie hüten soll.

Ich, der arme, blöde Knabe,
Der ich lieb das Mädchen habe.
Leise schlich ich auf den Zehn,
Um sie schlafend anzusehn.

Alle Gäns auf ihrem Rasen
Waren so vertieft ins Grasen:
Nah schon sah ich, wie sie schlief;
Doch ein Gänslein sahs und rief:

Diebe, Diebe! Nehmt vor Schaden
Euch in acht, ihr Kameraden!
Und die ganze Sippschaft schrie:
Diebe! Da erwachte sie.

Schreier! Mög ein Fuchs am Kragen
Euch dafür von dannen tragen,
Daß ihr schrecktet ohne Not
Einen Dieb, der euch nicht droht.

Wollt ich sie doch nicht zerreißen
Oder in die Gurgel beißen,
Sondern küssen, zart und fein.
Wozu brauchtet ihr zu schrein?

(Aus dem Deutschen Musen-Almanach 1840; bisher in keiner Rückert-Ausgabe veröffentlicht)

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