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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 75
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Johann Gottfried Seume (l763–1810)

Der Kontrakt

(Leicht erneuert)

La Chatre hatte Herz und Sinn
Der zauberischen Buhlerin,
Der schönen Ninon, hingegeben,
Die ihr vermutlich alle kennt. –
Da muß er fort zum Regiment,
Ganz schnell! und will, daß sie fürs Leben
Ihm einen Treukontrakt soll geben.
Die Ninon lächelte und schrieb.
Da ihr nichts weiter übrigblieb,
Heiß, wie die höchste Flamme brennt,
Der treusten Liebe Testament.
Nun ließ der gute Mann sich trösten,
Besah das Blatt wie einen Zauberring,
Und küßte sie und ihre Schrift – und ging.
Doch kaum war er bei der Armee, so lösten
Gemächlich alle Schwüre sich
Bei Ninon auf – und kurze Zeit verstrich,
So spielte sie die feuervolle
Natürliche und allerliebste Rolle,
Die sie gespielt mit Chatre, wieder
Mit einem ihrer Weisheitsbrüder.
Im allerwichtigsten Momente
Ergriff sie die Gewissenspein:
Der arme Chatre fiel ihr ein.
Sie rang voll Gram die schönen Hände
Und rief im schönsten letzten Akt:
»Ach, der Kontrakt! Ach, der Kontrakt!«
Und damit ging das Stück zu Ende.

Nun sprach sich bald im Publikum
Die Sache vom Kontrakt herum,
Man lachte selbst an Ludwigs Hofe
Von der Prinzessin bis zur Zofe
Und sprach und spielte manchen Akt
Bis zum Kontrakt!

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