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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 68
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Wolfgang von Goethe (1749–1832)

Verschiedene Drohung

Einst ging ich meinem Mädchen nach.
Tief in den Wald hinein,
Und fiel ihr um den Hals, und »ach!«
Droht sie, »ich werde schrein.«

Da rief ich trotzig: »Ha! Ich will
Den töten, der uns stört!« –
»Still!« lispelt sie, »Geliebter, still!
Daß ja dich niemand hört.«

Die schöne Nacht

Nun verlaß ich diese Hütte,
Meiner Liebsten Aufenthalt,
Wandle mit verhülltem Schritte
Durch den öden, finstern Wald.
Luna bricht durch Busch und Eichen,
Zephir meldet ihren Lauf,
Und die Birken streun mit Neigen
Ihr den süßten Weihrauch auf.

Wie ergötz ich mich im Kühlen
Dieser schönen Sommernacht!
Oh, wie still ist hier zu fühlen,
Was die Seele glücklich macht!
Läßt sich kaum die Wonne fassen;
Und doch wollt ich, Himmel, dir
Tausend solcher Nächte lassen.
Gäb mein Mädchen eine mir.

Brautnacht

Im Schlafgemach, entfernt vom Feste,
Sitzt Amor dir getreu und bebt,
Daß nicht die List mutwillger Gäste
Des Brautbetts Frieden untergräbt.
Es blinkt mit mystisch heilgem Schimmer
Vor ihm der Flammen blasses Gold;
Ein Weihrauchswirbel füllt das Zimmer,
Damit ihr recht genießen sollt.

Wie schlägt dein Herz beim Schlag der Stunde,
Der deiner Gäste Lärm verjagt!
Wie glühst du nach dem schönen Munde,
Der bald verstummt und nichts versagt!
Du eilst, um alles zu vollenden.
Mit ihr ins Heiligtum hinein;
Das Feuer in des Wächters Händen
Wird, wie ein Nachtlicht, still und Nein.

Wie bebt vor deiner Küsse Menge
Ihr Busen und ihr voll Gesicht!
Zum Zittern wird nun ihre Strenge,
Denn deine Kühnheit wird zur Pflicht.

Schnell hilft dir Amor sie entkleiden
Und ist nicht halb so schnell als du;
Dann hält er schalkhaft und bescheiden
Sich fest die beiden Augen zu.

Christel

Hab oft einen dumpfen, düstern Sinn,
Ein gar so schweres Blut!
Wenn ich bei meiner Christel bin.
Ist alles wieder gut.
Ich seh sie dort, ich seh sie hier
Und weiß nicht auf der Welt,
Und wie und wo und wann sie mir.
Warum sie mir gefällt.

Das schwarze Schelmenaug dadrein,
Die schwarze Braue drauf,
Seh ich ein einzig Mal hinein,
Die Seele geht mir auf.
Ist eine, die so lieben Mund,
Liebrunde Wänglein hat?
Ach, und es ist noch etwas rund.
Da sieht kein Aug sich satt!

Und wenn ich sie dann fassen darf
Im luftgen deutschen Tanz,
Das geht herum, das geht so scharf,
Da fühl ich mich so ganz!
Und wenns ihr taumlig wird und warm,
Da wieg ich sie sogleich
An meiner Brust, in meinem Arm;
s ist mir ein Königreich!

Und wenn sie liebend nach mir blickt
Und alles rund vergißt
Und dann an meine Brust gedrückt
Und weidlich eins geküßt.
Das läuft mir durch das Rückenmark
Bis in die große Zeh!
Ich bin so schwach, ich bin so stark.
Mir ist so wohl, so weh!

Da möcht ich mehr und immer mehr.
Der Tag wird mir nicht lang;
Wenn ich die Nacht auch bei ihr wär,
Davor wär mir nicht bang.

Ich denk, ich halte sie einmal
Und büße meine Lust;
Und endigt sich nicht meine Qual,
Sterb ich an ihrer Brust!

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