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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 67
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Gottfried August Bürger (1747-1784)

Stutzeltändelei

(Gekürzt)

Freund Amor, kannst du machen
Für einen hübschen Kuß,
Daß mir Agneschen lachen
Aus frommen Augen muß?

Oh, allerliebste Sachen,
Die ich kaum nennen kann,
Schenkt ich für dieses Lachen
Dir, lieber kleiner Mann!

In manchem Spiel um Pfänder
Hab ich erobert mir
Viel schöne bunte Bänder;
Die alle gäb ich dir.

Auch sollen dich belohnen
Bonbon und Marzipan,
Vortreffliche Makronen
Und was dir lüsten kann.

Und siehst du dieses Gläschen
Voll Syrakuserwein? –
Erdenke mir ein Späßchen!
Du bist ja sonst so fein. –

Ha, Kleiner, ich erfinde
Viel eher einen Plan;
Den höre mir geschwinde
Mit beiden Ohren an.

In eine kleine Fliege –
Siehst du, was ich erfand! –
Verwandle dich und fliege
Auf ihrer Schnürbrust Rand.

Dort gleite durch die Falte
Im zarten Musselin
Bis zu dem tiefen Spalte
Des warmen Busens hin.

Dort wage mir hernieder,
Geschickt nach Berqmannsart,
Anschließend dein Gefieder,
Die wollustreiche Fahrt.

Dann muß es dir qelinqen,
Ihr – neidenswerte Müh! –
Ein Lächeln abzuzwingen;
Da kitzle, kitzle sie!

Der wohlgesinnte Liebhaber

In Nebelduft und Nacht versank
Das Dörfchen und die Flur;
Kein Sternchen war mehr blink und blank,
Als Liebchens Äuglein nur.
Da tappt ich still mich hin zu ihr,
Warf Nüß ans Fensterlein;
Sie weht im Hemdchen an die Tür
Und ließ mich still hinein.

Husch! sie voran; husch! ich ihr nach,
Wie leichter Frühlingswest,
Hinauf zur Kammer unterm Dach,
Hinein ins warme Nest! –
»Rück hin! Rück hin!« – »Ei, schönen Dank!«
»O ja! O ja!« – »Nein, nein!« -
Mit Bitten halb und halb mit Zank
Schob ich mich doch hinein.

»Hinaus,« rief Liebchen, »schnell hinaus!
Hinaus aufs Schemelbrett!
Ich ließ dich Schelm wohl in das Haus,
Allein nicht in mein Bett.« –
»O Bett,« rief ich, »du Freudensaal,
Du Grab der Sehnsuchtspein!
Verwahrt auch Eisen dich und Stahl,
So müßt ich doch hinein.«

Drauf küßt ich sie, von heißer Lust
Durch Mark und Bein entbrannt,
Auf Stirn, auf Auge, Mund und Brust
Und hielt sie fest umspannt. –

»Ach, Schelmchen, nichts zu arg gemacht.
Damit wir nichts bereun!
Du sollst auch wieder morgen nacht
Und alle Nacht herein.« –

Doch ach! Noch war kein Monat voll,
Da merkte Liebchen klar,
Daß unter ihrem Herzchen wohl
Nicht alles richtig war.
»O weh, du hast es arg gemacht!
Nun droht mir Schmach und Pein.
Ach, hätt ich nie erlebt die Nacht,
Da ich dich ließ herein!« –

Das Mädchen seiner Lieb und Lust
In Angst und Pein zu sehn,
Ist von der ärgsten Heldenbrust
Wohl schwerlich auszustehn.
Wer A gesagt, der sag auch B,
C, D dann hinterdrein,
Und buchstabiere bis in E–h
Sich treu und brav hinein!

Ich nahm getrost, so wie sie war,
Mein Liebchen an die Hand
Und gab ihr vor dem Traualtar
Der Weiber Ehrenstand.
Kaum war der Fehl gebenedeit,
So schwanden Angst und Pein,
Und – wohl mir! – sie hats nie bereut.
Daß sie mich ließ hinein.

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