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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 34
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Christian Weise (1642-1708)

Die subtile Liebe

(Erneuert)

Die Mädchen sind wie Postpapier:
Subtil und zart im Lieben,

Denn wer in ihre Zier
Sich nur zuerst hat eingeschrieben,
Der stehet obenan,
Daß man die Schrift wohl lesen kann.

Er findt ein unbeflecktes Blatt,
Wo sich die reine Tugend
Noch nie geschwärzet hat,
Und lockt die Einfalt ihrer Jugend
Durch die Vertraulichkeit
In aller Gunst Gewogenheit.

Hingegen wer den Ratschluß faßt,
Was anders dreinzuschwatzen.
Und diesen ersten Gast
Will aus der Liebestafel kratzen.
Der übersieht es doch –
Und macht in das Papier ein Loch.

Auch wenn es gut geraten soll,
So muß ein Schandfleck bleiben.
Darauf man nicht so wohl
Die neue Liebe kann beschreiben;
Denn dort und da und hier
Sticht noch die alte Tinte für.

Man hat ja wohl einander lieb,
Wird ihnen es nicht wehren,
Wie sie den ersten Dieb
In ihrem Herzen heimlich ehren.
Daneben traun sie nicht,
Und was man auch für Worte spricht.

Dieweil nun jetzt das kleinste Kind
Die sauer-süßen Sachen
Fein zeitlich liebgewinnt,
So will ich mich an keine machen –
Damit werd ich allein
Kein unglückseliger Schreiber sein.

An ein armes Mädchen

(Gekürzt)

Liebstes Kind, mein zweites Leben,
Wertes Seelchen, willst du nicht
Deinem Diener Glauben geben.
Wenn er dir so viel verspricht?

Ach, wer solche Worte gibt,
Ist nicht anders als verliebt.

Sag, was soll mirs denn bedeuten.
Daß du nicht so vornehm bist?
Wenn nur bei den armen Leuten
Tugend, Lieb und Schönheit ist,
Ach, so trifft man alles an,
Was die Liebe wünschen kann.

Alles, was ich bei den Reichen
Vorn und hinten suchen will.
Das kann ich mit dir vergleichen,
Denn du hast doch auch so viel:
Bein und Adern, Fleisch und Blut,
Hast du eben auch so gut.

Hast du auch nicht Edelsteine,
Trägst du teure Perlen nicht.
Ach, so glänzt mit süßerm Scheine
Deiner zarten Augen Licht;
Hast du auch kein Haus von Gold,
Bin ich deinen Lippen hold.

Deine Hände, deine Wangen,
Deine Brüstchen und was mehr,
Reizen mich und mein Verlangen,
Gleich, als ob es Silber war:
So kann schon dein Leib allein
Mein vergnügter Reichtum sein.

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