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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 32
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Daniel Kasper von Lohenstein (1635-1683)

Johanna Castria an König Peter von Kastilien Als Antwort auf seinen Werbebrief. (Gekürzt)

Ich habe Seit und Brief, Durchlauchtger, aufgerissen.
Bekümmert: ob nicht auch den Faden meiner Ruh.
Ich habe seine Schrift bewillkommt mit viel Küssen –
Ach, daß der Himmel Gall nicht in den Zucker tu!

Und doch, ich will mein Heil auf Fürstenworte gründen,
Es wird kein Fallbrett sein, wo er mich ankern heißt.
Der Fürsten bloßes Ja soll größern Glauben finden,
Als wenn Beteuerung mit vielen Eiden gleißt.

Ich weiß nicht, wie ich schon vor Freuden schwanger werde,
Die Brüste hüpfen mir wie ein Paar Reh empor,
Die Hoffnung klimmet hoch, die Zagheit fällt zur Erde,
Der Liebreiz regt mein Aug, die Anmut lockt mein Ohr.

Mich dünkt, ich fühle schon, wie er mit hundert Küssen
Die Scharlachlippen labt auf meiner Lilienbrust,
Wie sein und meine Seel als Wachs zusammenfließen,
Wie er mich überschwemmt mit einer See voll Lust.

Wie sein Rubinenmund nach meinen Äpfeln lechzet
Und als ein säugend Kind an den Granaten zeucht,
Weil kein solch Honig doch im Paradiese wächset,
Als den ein heißer Kuß an Seel und Lippen streicht.

Ich selbst bin lüstern nun nach der Vermählungskette
Und folge, wenn er winkt, ihm zu dem Priester nach.
Denn vom Altare nur gehn Stufen in mein Bette,
Und durch die Kirche kommt man in mein Schlafgemach.

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