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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 238
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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7. Die gründliche Pfändung

Nanett steht schluchzend vor dem Richter
Und spricht: »Herr Richter, auf ein Wort!
Man trug mir heute, bei der Pfändung,
Das Letzte aus der Wohnung fort!

Vom Sparherd nahm man mir die Schüsseln,
Man trug mir fort das Kanapee,
Und ließ mir nur die Wohnungsschlüssel,
Daß ich die leeren Zimmer seh!

Doch bei der Pfändung – ach, Herr Richter,
Ich frag jetzt bloß: ist das erlaubt? –
Hat man mir außer meinen Möbeln
Sogar die Jungfernschaft geraubt!«

(Originalbeitrag)

8. Gefährliche Konkurrenz

Ein Mückenjüngling sprach zum Meister Floh:
»Ach, unvergeßlich bleibt für mich die Stunde,
Als gestern abend ich gesessen, oh,
Am Hinterteil des Fräuleins Kunigunde!

Sie ahnte nichts von meinem leichten Flügel,
Mein Herz schlug heiß. Ich sprach: Ach, wärst du mein!
Dann aber stach ich sanft ihr in den Hügel
Des Ewig-unaussprechlichen hinein!

Seit jener Zeit führt seufzend sie zur Stelle,
Wo ich gesessen, ihre süße Hand; –
Sie suchte mich; ich aber angstvoll-schnelle
Nach diesem heißen Liebeskuß verschwand!«

Es runzelt ernsthaft schwer in tiefe Falten
Die Denkerstirne Meister Floh und spricht:
»O Dilettant, du wußtest nicht zu halten
Dein kurzes Glück, drum neid ich dir es nicht!

Du denkst im Glück schon kommender Gefahren,
In der dein lustberauschter Leichnam schwebt;
Ich aber hab weit mehr als du erfahren.
Denn ach, ich hab das ganze Weib durchlebt!«

So sprach der Floh. Die Mücke seufzt indessen:
»Ich will mit meinem Los zufrieden sein!
Ich hab das Weib von hinten nur besessen –
Wie du es treibst, das ist mir zu gemein!«

(Originalbeitrag)

Späne von Amaryllis

1. Das Sternbild

Am Himmel der Jungfrauenreize
Erglüht in der Vermählungsnacht
Ein Sternbild, gleich Orions Kreuze,
Doch mit der Erde Blütenpracht.

Des Munds im Kuß geschloßne Rose,
Die Nelken auf der Brüste Schnee
Und am perlmutterweißen Schoße
Die rosigste Papillacee,

Das Veilchen auch im Moos – ein Haarstern
Ist in Verbindung, ein Komet
Mit diesem Sternchen, dem Polarstern,
Um den die ganze Welt sich dreht.

2. Amor im Brautgemach

Junges Mädchen, reizende Kleine,
Wie du zitterst in Liebesnöten!
Über dein Antlitz, über das feine.
Fliegt Erbleichen und flammt Erröten.

Nahe dem Festsaal liegt das Stübchen
Mit dem rosenbekränzten Bette.
An der Bettstatt schaukelt das Bübchen
Amor auf einer Rosenkette.

Und der kleinste der Bogenschützen
Prüft, zu scheuchen die Langeweile,
Mit dem Finger die goldnen Spitzen
Seiner kräftigsten Llebespfeile.

3. Hausfreund, Hausherr, Hausknecht

»Wie prickelnd der Schaum aus dem Kelchglas steigt,
Entquellen den Spitzen die Brüste!«
Der Hausfreund lallt es, das Glas geneigt,
Und gießt ihr den Sekt auf die Büste.

Sie errötet, von Scham und Entrüstung besiegt,
Doch der Hausherr brüllt, daß es schallt jetzt:
»Wie der Stöpsel mit Knall aus der Flasche fliegt,
So fliegst du hinaus, daß es knallt jetzt!«

Zwei Diener kriegen ihn prompt am Frack,
Der Hausknecht gibt ihm im Fliegen
Noch rasch einen Tritt auf den – Chapeauclaque,
Und das Klatschnest hat sein Vergnügen!

4. Gleichnis

Mädchen, meine Liebe lohne!
Mädchen, schenke mir dich ganz!
Liebe ist die reichste Krone,
Liebe ist der schönste Kranz!

»Nein, sie gleicht der Tarrenkappe,
Und ich weiß es, wär ich dein,
Gleich darauf, getreuer Knappe,
Würdest du verschwunden sein!«

5. Widmung

Allen Mädchen, schlank und fein,
Soll mein Lied gewidmet sein!
Dacht ich doch beim Dichten dein,
Aller Grazien Stelldichein.

Was in Mädchenträumen lebt,
Grazienfüßig schwingts und schwebt,
Wenn der Vers sich senkt und hebt,
Wie ein Mädchenbusen bebt.

6. Im Grase

Im Grase liegt sie, nackt die weißen
Jungmädchenglieder, nackt die Brüste.
Dies Äpfelpaar, wer sein es wüßte!
Anbeißen möcht ich gleich und müßte
Dabei ins Gras ich beißen!

7. Liebe und Ehe

Die Liebe hört Engel singen auf Erden,
Die oft in der Ehe zu Teufeln werden.

8. Nach Petronius

Warum dem Dieb den Einbruch wehren?
Einbricht er, arm zurückzukehren.

9. Einer Gefallnen.

Dein Trost sei: Du befolgtest Christi Lehre,
Du tatest wohl dem Räuber deiner Ehre.

(Sämtlich Originalbeiträge)

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