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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 229
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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F. Seufert (geb. 1904)

Pessimistensang

O diesen Frauen
Ist nicht zu trauen.
Das ist nun eben einmal so des Lebens Lauf.
Stehst du nicht dauernd,
Sie wo belauernd,
Dann geht ein andrer mit ins Paradies hinauf.
Und kommst du auch nur zehn Minuten später.
So findest du schon einen Stellvertreter,
Der guckt herunter
Auf dich und lacht;
Und du stehst unten still in finstrer Mitternacht.

(Originalbeitrag)

Schnadahüpfl von Liebe und Technik

Wenn einer mol gmerkt hot, daß d Liab bloß an Traum,
Dann sitzt r in a Auto und foahrt gegen n Baum.

Den Stall von ma Auto, den heißt mer Garasch,
Un wenn beides pfändt wird, no heißt mers Blamasch.

Mer liabt heut die Mädle per Radio – nach Ton,
Und wenn mer se gsehn hot, dann lauft mer davon.

Wer ä Mädel möcht los sein und s recht Wort net findt,
Der hockt in an Flieger nei, gibt Gas und verschwindt.

So n Flieger, des isch ä verrückte Maschin,
Fahrsch aufi, so lebsch no, fallsch runter, bisch hin.

A Motorrad mit Sozius heißt Brautomobil,
Un wenn mer im Dreck liegt, no heißt mers – Idyll.

(originalbeitrag)

Fabel

Ein Esel sprach zu seiner jungen Frau:
»Mein liebes Kind, eins weiß ich ganz genau:
Daß du dich nie vom Tugendweg verirrst
Und mich deshalb auch nie betrügen wirst.«

Die junge Frau hat schon die nächste Nacht
Bei einem andern Esel zugebracht. –
Solch einen Unsinn kann in unsern Tagen
Zu seiner Frau doch nur ein Esel sagen!

(Originalbeitrag)

Lexikon unter Ku...

Kuß: Vereinigung der Lippen.
Längenmaß: Von Fall zu Fall.
Stellung: Arm um Gegners Rippen.
Ende: Mit und ohne Knall.

Ohne Training: Meistens schüchtern.
System Plato: Fad – doch rein.
In der Ehe: Immer nüchtern.
Die Beleuchtung: Mondenschein.

Zeit der häufigsten Verwendung:
Mitte März bis Ende Mai.
Usus bei der Postversendung:
Tausend Stück und Gruß dabei.

Judaskuß: Kuß der Verräter.
Kuß der Psyche: Klingt sehr nett.
Kußhand: Schickt man durch den Äther.
Handkuß: Wächst nur auf Parkett.

(Originalbeitrag)

Anhang

Unbekannte und Pseudonyme Verfasser

1. Volkslieder um 1500–1800

Der Bettelvogt

Ich war noch so jung und war doch schon arm,
Kein Geld hatt ich gar nicht, daß Gott sich erbarm!
So nahm ich meinen Stab und meinen Bettelsack
Und pfiff das Vaterunser den lieben langen Tag.

Und als ich kam vor Heidelberg hinan,
Da packten mich die Bettelvögte gleich hinten und vornen an;
Der eine packt mich hinten, der andre packt mich vorn:
»Ei, ihr verfluchte Bettelvögt, so laßt mich ungeschorn!«

Und als ich kam vor Bettelvogts sein Haus,
Da schaut der alte Spitzbub zum Fenster heraus,
Ich dreh mich gleich herum und seh nach seiner Frau:
»Ei, du verfluchter Bettelvogt, wie schön ist deine Frau!«

Der Bettelvogt, der faßt einen grimmen Zorn,
Er läßt mich ja setzen in tiefen, tiefen Turm,
In den tiefen, tiefen Turm bei Wasser und bei Brot:
»Ei, du verfluchter Bettelvogt, krieg du die schwerste Not!«

Und wenn der Bettelvogt gestorben erst ist,
Man sollt ihn nicht begraben wie nen andern Christ,
Lebendig ihn begraben bei Wasser und bei Brot,
Wie mich der alte Bettelvogt begraben ohne Not! –

Ihr Brüder, seid nun lustig, der Bettelvogt ist tot,
Er hängt schon im Galgen ganz schwer und voller Not,
In der verwichnen Woch am Dienstag um halber neun,
Da haben sie n gehangen in Galgen fest hinein.

Er hätt die schöne Frau beinahe umgebracht,
Weil sie mich armen Lumpen freundlich angelacht.
In der vergangnen Woch, da sah er noch hinaus,
Und heut bin ich bei ihr in seinem Haus.

Don Juan

Ich hatt nun mei Trutschel
Ins Herz nei geschlosse,
Sie hat mir geschworen,
Sie wöll mich net losse,
Da reit mir der Teufel
Den Schulzen sei Hans,
Der führt sie zum Tanz.

So gehts, wenn die Mädcher
Zum Tanzboden gehn,
Da muß man bald immer
In Sorgen bei stehn,
Daß sie sich verliebe
In andere Knecht,
So Mädcher sind schlecht.

Es schmeckt mir kein Essen,
Es schmeckt mir kein Trinke,
Und wenn ich soll arbeit,
So möcht ich versinke;
Kurz, wenn ich mei Trutschel
Net bald wiederseh,
So muß ich vergeh.

Und wenn ich gestorbe,
Ich tät mich begrabe
Und tät mer vom Schriner
Zwei Bretcher abschabe,
Und lat mei zwei firige
Herzer drufmale,
Ich kann sie bezahle.

Und lat mer anstimme
Die Sterbegesänge:
»Da leit nu der Esel
Die Quer und die Länge,
Der allzeit gesteckt hat
In Liebesaffärn,
Zu Erde muß wern.«

(Velt Räumschussel, †1708)

Lied beim Heuen

Es hatte ein Bauer ein schönes Weib,
Die blieb so gerne zu Haus.
Sie bat oft ihren lieben Mann,
Er sollte doch fahren hinaus.
Er sollte doch fahren ins Heu,
Er sollte doch fahren ins
Ha, ha, ha; ha, ha, ha, ha, heididei,
Juchheisassa,
Er sollte doch fahren ins Heu.

Der Mann, der dachte in seinem Sinn:
Die Reden, die sind gut!
Ich will mich hinter die Haustür stelln,
Will sehn, was meine Frau tut,
Will sagen, ich fahre ins Heu usw.

Da kommt geschlichen ein Reitersknecht
Zum jungen Weibe hinein,
Und sie umfanget gar freundlich ihn,
Gab stracks ihren Willen darein.
Mein Mann ist gefahren ins Heu usw.

Er faßte sie um ihr Gürtelband
Und schwang sie wohl hin und her,
Der Mann, der hinter der Haustür stand,
Ganz zornig da trat herfür:
Ich bin noch nicht fahren ins Heu usw.

Ach trauter, herzallerliebster Mann,
Vergib mir nur diesen Fehl,
Will lieben fürbaß und herzen dich,
Will kochen süß Mus und Mehl;
Ich dachte, du wärest ins Heu usw.

Und wenn ich gleich gefahren wär
Ins Heu und Haberstroh,
So sollt du nun und nimmermehr
Einen andern lieben also,
Der Teufel mag fahren ins Heu usw.

Und wer euch dies neue Liedlein pfiff,
Der muß es singen gar oft,
Es war der junge Reitersknecht,
Er liegt auf Grasung im Hof,
Er fuhr auch manchmal ins Heu usw.

Hoffart will Zwang haben

O du verdammtes Adelleben!
O du verdammter Fräuleinstand!
Jetzt will ich mich der Lieb ergeben,
Der Adel bricht mein Liebesband:

Ach, dacht ich oft bei mir so sehr,
Ach, wenn ich nur kein Fräulein war.

Zu morgens früh, wenn ich aufstehe,
Da putzet gleich mich die Mamsell,
Ach, wenn ich in mein Schnürleib sehe,
Ich das Gefängnis mir vorstell. Ach, dacht usw.

O du Gefängnis meines Leibes!
Die Brust in goldnen Ketten liegt,
Oh, hätt ich doch des Zeitvertreibes,
Wovon die Kammerjungfer spricht. Ach, dacht usw.

Doch wenn ich in die Kirch tu fahren,
So hütet streng mich die Mamsell,
Da seh ich die verliebten Paare
Und jede Dirn, wie ihrs gefällt. Ach, dacht usw.

Will ich mit schönen Knaben reden,
Sie neigen sich in Demut gleich
Und merkens nicht, wie gern ich jedem
Sogleich den Mund zum Küssen reich. Ach, dacht usw.

Was schöne Späße muß ich sehen
Von Knecht und Magd auf offner Straß,
Doch muß ich gleich vom Fenster gehen,
Wenn die Mamsell erblickt den Spaß. Ach, dacht usw.

Drum will ich meinen Stand verwandeln,
Will eine Bauerndirne sein,
Damit ich nicht modest muß wandern
Und krank ins Fräuleinstift hinein;
Bald denke ich nun gar nicht mehr,
Daß ich ein Fräulein war und wär.

Der Spötter

Ich ging emol spaziere
Und tät e Mädel führe.
Sie sagt, sie wär von Adel –
Dabei schwingt sie die Nadel.
Sie sagt, sie hätt viel Gulde –
S warn aber lauter Schulde.
Sie sagt, sie tät viel erbe –
S warn aber lauter Scherbe.
Sie sagt, ich sollt sie küsse –
Es brauchts niemand zu wisse.

Sie sagt, ich sollt sie nehme,
Bis daß der Sommer käme.
Der Sommer ist gekomme,
Ich hab sie nicht genomme.

Eine junge Witwe zu einem lüstren Greise

(Leicht erneuert)

Ein Alter soll den Krieg
Und auch die Liebe lassen,
Weil Mars und Venus ihn
Als einen Toten hassen:
Es liegt nicht nur am Mut,
Er muß auch Kraft erweisen,
Sonst ist er nicht für gut
In seinem Tun zu preisen.

Es ist ein dummes Tun,
Sich an ein Weib verpflichten,
Und das, was ihr gehört,
Nicht wissen zu verrichten.
Zu sagen: Schaf und Huhn,
Ist nichts, es ist mit Sagen
Im Lieben nicht zu tun,
Man muß noch mehr dran wagen.

So lasse mich, du Geck,
Und gehe nach dem Grabe,
Weil ich dich im Verdacht
Des Unvermögens habe.
Was sollen Haut und Bein,
Was soll das bloße Sagen?
Soll ich zu einem Schein
Und Schatten Liebe tragen?

I, i, es müßte mich
Sehr wunderlich gelüsten,
Er wäre wohl mein Freund,
Wenn wir nichts Bessers wüßten.
Mit dir ist nichts getan,
Du bist zu Venussachen
Ein ausgedorrter Hahn:
Was sollt ich mit dir machen?

(Aus dem Venusgärtlein 1626)

Galantes Kriegslied aus dem 30jährigen Kriege

(Gekürzt)

Amor, erheb dich, edler Held!
Begebe dich mit mir ins Feld,
Frischauf! Mein Liebchen ist gerüst,
Als ob sie mit mir streiten müßt,
Sie hat nichts Guts im Sinn.

Ihr Leib, von Gott gar schön bereit,
Die Festung ist, darum ich streit,
Frischauf! Ihr zarte Brüstelein
Zwei mächtige Basteien fein,
Worauf sie sich verläßt.

Ihr Fähnlein ist der Übermut,
Damit sie mich verachten tut.
Frischauf! Ihr zarter roter Mund
Ist Spieß und Schwert, so mich verwundt,
Ja öfters bis in Tod.

So Gott mir gönnet Glück und Preis,
Daß ich das Fähnlein niederreiß,
Frischauf! Ich hoff damit zu siegn.
Herzlieb, du mußt doch unterliegn
Und geben mir den Preis.

Wo aber du nach Reichtum freist,
Schau, daß du nie den Kauf bereust,
Frischauf! O weh! Ein alter Mann
Hat einen Sack voll Taler an,
Der wird dich führen hin.

Ein wenig denke nach, mein Schatz,
Eh du kommst auf den Musterplatz,
O weh! Wenn du mich nun besiegst
Und dann bei deinem Alten liegst,
Wie wird dir sein zumut!

Herzallerliebstes Engelein,
Bedenk, was dir zu tun mag sein,
O weh! Wirst du einmal verführt,
Mein junger Leib dir nimmer wird,
Du bringst mich auch in Tod!

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