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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 227
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Karl Alfred Lindner (geb. 1896)

1. Mainacht

(Mit des Verfassers Erlaubnis gekürzt)

Zu meinem Fenster fragt der Mond herein:
Was liegst du nun glücklos und so allein?
Sind nicht im linden Frühlingshoffen
Tausend Mädchenherzcn offen?

Deine Hände sind wie der Mondenschein,
Wie Mädchenhände weiß und rein...
Und als ich vorhin im Dämmer ging,
Wars nicht, als ob mir im Arme hing

Ein weißes Händchen, ein voller Arm?
Und an die Seite drängte sich warm
Ein Mädchenleib, eine wonnige Brust
Mit Sehnen und schmeichelnder Liebeslust.

Und wahrlich, wahrlich, im Mondenschein
Ruht keiner glücklich so allein,
Weil überall mit hoffen
Die Mädchenherzen offen.

(Originalbeitrag)

2. Februarnacht

Nutzlos quillt mein Blut in dicken Adern,
Ungenützt verströmt die Lebenskraft.
Ich möchte ewig mit dem Schicksal hadern.
Daß es dich, Liebste, aus den Armen mir gerafft.

In fernen Ländern, ja an fernen Küsten,
Rauscht jetzt der feurig süße Karneval;
Ach, könnt ich, Liebste, nun mit dir mich rüsten.
Ein Liebesfest zu feiern, heiliges Bacchanal!

Dich wollt ich selig Stück für Stück entkleiden,
Ermüden dich mit Küssen ohne Zahl,
Und dann ein duftend Lager wohl bereiten
Für unsrer Sinne üppig Freudenmahl.

Du sollst mit lieben, frommen Kinderhänden
Beginnen ein entzückend Spiel
Und langsam, langsam meine Qual vollenden
Und tragen mich zum höchsten Ziel:

Erlöst zu sein und ledig aller Hüllen. – –
Mein heißes Kind, ich liebe dich!
Ich liebe dich!! – Willst du erfüllen?
Dann liebe namenlos, o liebe mich!

Du zitterst, – und du liegst. Und deine Augen irren,
Die sich verzehrt in überirdischem Glanz,
Zu mir. Und meine Lüste schwirren
Zu dir. – Nun ist mir nichts verwehrt.

Und unsre Leiber münden heiß zusammen.
O aller Erdenhimmel Seligkeit!
Mir ist, als sänken deiner Augen Flammen
Ins Herz mir ein für Zeit und Ewigkeit.

(Originalbeitrag)

3. Mondnacht

Sieh, der Mond irrt in mein Zimmer,
In den Schläfen pocht das Blut.
Deiner Augen feuchter Schimmer
Hat zu lang auf mir geruht.

Sieh, das Schelmenköpfchen neigst du –
Deinen Reizen alle Ehre!
Du berückst mich, Kind; wie gleichst du
Einer schlanken Bajadere!

Sieh, wir ruhen uns im Arme,
Wonnig, wonnig nahgepreßt.
Welcher Leib da nicht erwarme,
Wen der Blick nicht schauern läßt!

Sieh, ich lege dir zu Füßen
Dieses Leben, dieses Herz.
Sterben! oder heut genießen –
Sieh, o siehe meinen Schmerz!

Sieh, es zucken diese Glieder,
Sie umschlangen dich zu fest; – – –
Und du gingst, und kamst nicht wieder!
Weh, mir bleibt der bittre Rest.

(Originalbeitrag)

Kußzwang

Komm auf den Schoß mir, du Wildfang, du Kind,
Wie heiß deine Näckchen und Äugelein sind!
Wie du dich zuckst mit den runden Armen.
Glaubst du, mich könnte so was erbarmen?
Und wie du zitterst, in Fesseln dich windst!
Nur Ruhe, ich sorg schon, daß du nicht entrinnst.
Komm, gib das Mündchen her, voll und gesund;
Gibs mir, sonst beiß ich die Lippen dir wund!
Ja, schließ die Augen und hebe den Kopf,
Siehst du, ich habe dich fest beim Schopf ...
Was nun kommt, was nun kommt: tuts weh, tuts denn weh?
Es hat dir gefallen, nun je, nun je!

(Originalbeitrag

Der Jüngling spricht

Tu nun ab die seidnen Hüllen,
Zeige dich mir splitternackt.
Deinen Willen zu erfüllen,
Drehn wir uns im Walzertakt.

Schweben hin in Küssewehen
Silberflüssiger Melodien,
Bis die Sinne uns vergehen
Und wir Brust an Brust entfliehn

Zum Gestade der Erfüllung,
Wo wir endlich, endlich ruhn
Und nach glücklicher Enthüllung
Auch das Herz zum Herzen tun.

(Originalbeitrag)

Eine Frage

Denkt nur, – ging ich heute unter Buchen
Mit der Liebsten etwas suchen
(Ein Fleckchen bloß zu heitrer Lust) –
Blieb da mein Kind auf einmal stehen,
Ließ mich durch die Bäume sehen
Und – warf sich mir lachend an die Brust.
Was sah ich? – Gar nichts von Bedeutung:

Auf einer Bank am Walde küßten sich
Ein Bursche und ein Mädchen, und versüßten sich,
Ganz augenscheinlich schwelgend im Genusse,
Das Leben grad mit einem langen, langen Kusse.

Entzückt rief Liebchen: »Fredi, schau,
Das war ein ganzer Fünfminutenbrenner!« –
So? Wüßt ich nicht! Da scheint mein Liebchen Kenner ...
»Ach Fredi, nein – du weißt es ganz genau!«

Wie dem auch sei, – auf Bänken uns zu küssen,
Darüber, Lieb, sind wir doch längst hinaus! – –
»Du, aber spaßig, nein, zu spaßig sah das aus ...
Obs dabei bleibt? Ei, Fred, das möcht ich gerne wissen!«

(Originalbeitrag)
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