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Unartige Musenkinder

Richard Zoozmann: Unartige Musenkinder - Kapitel 221
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleUnartige Musenkinder
publisherHesse & Becker Verlag
addressLeipzig
printrun71. bis 76. Tausend
year
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100318
projectid1c8d40a1
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Dr. Allos (Kunstmann) (geb. 1889)

Das elektrische Licht!

Ein Weib willst du nehmen? Hör dies Gedicht!
Es handelt zwar nur vom elektrischen Licht.
Doch es gleicht einem Parallelogramme,
Paralleles schrieb ich! – So hör: Eine Flamme,
Die liebst du und willst sie dein eigen nennen.
Sie soll dauernd und nur für dich allein brennen;
Zunächst ist es von allergrößter Bedeutung,
Du legst an mit Geschick und List eine Leitung,
Beachte aber den wichtigen Rat:
Du bekommst keinen Anschluß ohne Draht!

Auch der äußere Anschluß genügt nicht allein.
Denn im Innern, da muß ein Kontakt da sein,
Doch wenn du ihn anlegst, sei nicht dumm.
Geh vorsichtig mit deinen Fingern um!
Kontakte anlegen, ne kitzlige Frage,
Leicht zuckst du zurück vor nem kräftigen Schlage!

Auch der innere Kontakt genügt nicht allein.
Erst leg eine tüchtige Sichrung hinein.
Damit dirs nicht eines Tages so geht,
Daß plötzlich einmal ein Kurzschluß entsteht,
Dann knallt es ganz heftig kurzerhand,
Und die Flamme ist einfach durchgebrannt!

Du bist jetzt äußerst erstaunt, wie ich sehe,
Eine Sicherung für den Kontakt in der Ehe?

Wo gibts die, – wo kriegt man die zu kaufen?
Mancher Ehemann würde gleich mit dir laufen,
Kein Geld hilft dir da, kein Zerraufen der Haare,
Solche Sichrung ist keine Dutzendware,
Sie muß sich, so wie bei elektrischen Lichten,
Von Fall zu Fall nach der Spannung richten!

Mißlingt dlrs, stellt den Kontakt wieder her
Ein sachverständiger Installateur –
In der Ehe kommt der ungerufen ins Haus
Und nutzt den Kontakt für sich selber dann aus,
Doch die Summe, die dann die Meßuhr zeigt,
Zahlst du für die Kraft, die dir abgezweigt! –

Der Jüngling stottert: »Dann heirat ich nicht
Und lege bei mir nur elektrisches Licht.«
Mancher Ehemann seufzt unter Tränenbefeuchtung:
»O glücklicher Jüngling, ob dieser Erleuchtung!«

Owimpopo

Eine Kafferntragödie

Im Kaffernlande – irgendwo –
Da hauste der König Owimpopo.
Sein Name ward stets nur mit Schrecken genannt.
Denn er war als ein Menschenfresser bekannt.

Er saß grad im Krale und seufzte schwer.
Denn er aß schon seit Wochen kein Menschenfleisch mehr.
Er biß resigniert in eine Banane
Und fluchte: »Wann kommt bloß ne Karawane!«

Doch wie er so kaute, halb im Trane,
Am letzten Stück von seiner Banane,
Da stürzte herein ein Bote froh
Und rief: »Steh auf, o Owimpopo,
Wir fingen das Weib eines Missionares,
Und das Fleisch von den Weißen ist stets etwas Rares!«
Worauf der Owimpopo gleich befahl:
»Man schaff sie herein in meinen Kral!«

Da trat ein das Weib des Missionares,
Berückenden Wuchses und goldblonden Haares.
Voller Staunen sah sie Owimpopo,
Und er – der doch sonst so bestialisch und roh,

Er hatte vor Staunen ganz vergessen.
Daß er sie ja wollte zum Abendbrot fressen.
Und preßte sein wulstiges Lippenpaar
Voller Inbrunst in ihr goldblondes Haar,
Bedeckte mit Küssen den übrigen Leib
Und rief laut: »Du wirst jetzt Owimpopos Weib!«

Und gesagt – getan: Noch in selbiger Nacht
Hat er sie zu seiner Gattin gemacht.
Sie gehorchte und widersetzte sich nicht,
Denn sie hielt es für ihre christliche Pflicht,
Den Owimpopo gründlich zu bekehren
Und – die Zahl der Christen auf Erden zu mehren.
Frau Owimpopo mit den goldblonden Haaren
Bezähmte bald selbst die rohsten Barbaren:

Sie baute ne Kirche, ein Denkmal im Garten,
Ein Kino, auch gab es bald Ansichtskarten,
ne Gesellschaft entstand, die war literarisch.
Auch nährte man sich nur noch vegetarisch.
Zwar Owimpopo – dieser Erzkannibale –
Protestierte sehr oft unter großem Skandale;
Doch dann zog ihn die Gattin an seinen Ohren
Und nannte ihn »einen ganz dämlichen Mohren!«
Er sollte nur Buße tun beizeiten,
Sonst hätt er im Himmel Unannehmlichkeiten;
Auch sei sein Name nicht standesgemäß:
Und sie taufte ihn um in Owim – gesäß.

Jener schwieg. – Zur Vermeidung weitrer Skandale
Schlich er leise hinaus aus seinem Krale
Und stöhnte: »Sie ist ja ganz schön, indessen
Hätt ich sie doch lieber aufgefressen!
Nie werd ich nun mehr meines Lebens froh!«
Und er nannt sich von da ab: » Owehpopo«.

Elfchen und Faun

Ein niedliches kleines Elfelein
Sprang lustig im Abendsonnenschein.
Nur ein billiges, dünnes Hemdchen aus Leinen
Bedeckte den zarten Körper der Kleinen,
Das ihr ins Leben
Einst mitgegeben

Die Mutter, die sie schuf.
Und das Hemdchen hieß: Der gute Ruf.
Verziert war es oben mit einem Band,
Das wurde die kindliche Unschuld genannt.

Und das Hemdchen flatterte lustig im Winde
Und stand so gut dem lieben Kinde.
Im Gebüsch versteckt saß ein junger Faun,
Der könnt es mit gierigen Blicken erschaun,
Und die Flöte blies er
Dazu, der Genießer.
Angelockt durch die Töne
Kam die Elfe, die schöne,
Und fragte, wer auf der Wiese
Da bliese.

Als den Faun sie sah, wie sie da lachte,
Und ihn bat, ihr zu zeigen, wie er das machte,
Denn er flötete gar zu spaßig.
Der Faun sagte, sie solle legen ins Gras sich.
Und das kleine Elfchen sich gar nichts dachte,
Wie der Faun sie küßte dann und lachte.
Nur die Sonne am Himmel sah es mit Bangen
Und ist dann blutrot untergegangen.

Der Faun hat dem Elfchen dann in der Nacht
Das zarte Liedchen beigebracht.
So herrliche Töne hörte sie nie,
So himmlisch war die Melodie,
Daß das Elfchen den Faun bat ganz verstohlen,
Er möchte das Lied doch wiederholen.

Doch wie sie erwachten dann am Morgen,
Da hat das Elfchen mit Angst und Sorgen
Sein leinen Hemd zerrissen gefunden.
Und auch das Bändchen war spurlos verschwunden.
Wie das arme Elfchen da weinte,
Doch der Faun meinte
Lächelnden Gesichts:
Das schade weiter nichts.
Er würd ihr am Morgen
Gleich ein neues Hemd besorgen
Ein weniger bescheidenes,
Rotseidenes,
Und fuhr dann fort nach einiger Zeit:
Das Hemdchen hieße die Liederlichkeit,

Und das Bändchen da oben dran zur Zierde,
Das war die Begierde.

Und das kleine Elfchen, das so betrogen,
Hat da das Hemdchen angezogen. –
Da erhob sich gleich ein leises Geflüster
In den Bäumen über das Seidenqeknister.
Manch alter Baum hat geschüttelt sein Haupt:
»Das hätt er nimmer vom Elfchen geglaubt!«
Doch das Elfchen sprach zu den Bäumen: »Na wißtr,
Ihr seid mir schon die richtgen Philister!«

Doch nach einiger Zeit
Verfiel das Elfchen in Traurigkeit,
Denn das Hemd, das ihr der Faun geschenkt.
War mit Gift getränkt.
Bald brannt ihr der Leib wie das Hemd so rot.
Und eines Tages war das Elfchen tot.

Auf der Vögel Wehgeschrei
Kam dann auch der Faun herbei,
Der das Elfchen einst verführt.
Doch der Jammer hat ihn nicht gerührt.
Und er meinte, das sowas häufig passierte.
Es sei ja nur eine Prostituierte,
Da war solch ein Jammer nicht angebracht...
Hat flötend sich dann aus dem Staube gemacht
Und verführte weiterhin die Schönen
Mit seinen schmeichelnden Flötentönen.
Und oft in der Ferne hörte man sie,
Die kosende, lockende Melodie.

Wer sagt da, daß im heutigen Leben
Es könne keine Faune mehr geben?
Die leben noch! Nur nennen wir
Den Faun, wenn er Geld hat: » Kavalier«.

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